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166 Zahnzusatzversicherungen im Test

ÖKO-TEST Juli 2012
vom 29.06.2012

166 Zahnzusatzversicherungen im Test

Die Zähne ausgebissen

Längst zahlen die Krankenkassen nur noch einen Bruchteil der Zahnarztrechnung. Daher haben inzwischen über 13 Millionen Versicherte eine private Zusatzversicherung abgeschlossen. Doch leistungsstarke Verträge sind selten und nicht billig.

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29.06.2012 | Ab 3,96 Euro monatlich". So wirbt der Discounter Real in Prospekten und auf seiner Internetseite für eine Zahnzusatzversicherung der Hanse Merkur. Geradezu fantastisch scheinen die Leistungen, die es dafür geben soll. "Bis zu 100 % Kostenerstattung Ihrer Zahnersatzrechnung; umfangreiche Leistungen auch für die kostenintensiven privatzahnärztlichen Bereiche wie Inlays und Implantate; Leistungen unabhängig vom Stand Ihres Zahnbonushefts; Testsieger der Stiftung Warentest".

Schon auf den zweiten Blick zeigt sich, dass das Ganze weniger fantastisch ist, sondern eher aus dem Reich der Fantasie. "Wer glaubt, dass er mit wenigen Euro im Monat Platin und Gold vom Versicherer für seine Zähne bekommt, hat sich getäuscht", sagt Thorsten Rudnik, vom Bund der Versicherten (BdV). Die schnelle Sanierung der Zähne auf Kosten der Versicherer funktioniere nicht. "Es gibt nicht eben mal 4.000 Euro."

Vollmundige Werbung bei mageren Leistungen ist beileibe nicht der einzige Fallstrick. Selbst Fachleute können sich schnell in den Versicherungsbedingungen verheddern. Der Tarif Biss 80 der Halleschen begrenzt die Zahlung auf einen "erstattungsfähigen Rechnungshöchstbetrag von 1.000 Euro im 1. bis 2. und 3.000 Euro im 1. bis 4. Kalenderjahr". Das heißt aber nicht, dass Versicherte im besten Fall 3.000 Euro bekommen. Die Bestimmung meint, dass im zweiten Jahr ein Teil von Rechnungen bis 1.000 Euro erstattet wird. In unserem Musterfall sind das 604,10 Euro. Allerdings hat unser 40-jähriger Mustermann im gleichen Zeitraum 472,80 Euro an Beiträgen gezahlt, unsere gleichaltrige Frau sogar 532,32 Euro.

Das zeigt: Versicherte schließen unter Umständen nicht nur eine leistungsschwache Police ab, weil sie die Versicherungsbedingungen falsch interpretieren. Es ist zudem sehr schwierig, zu prüfen, ob der Versicherer richtig abgerechnet hat. "Selbst wer eine Erläuterung der Abrechnung bekommt, dürfte sie in aller Regel kaum verstehen", sagt Jörg Werner vom Softwarehaus KVpro aus Freiburg, das gemeinsam mit ÖKO-TEST die Zahnzusatzversicherung untersucht hat.

Für viel Ärger sorgen auch die regelmäßigen Beitragserhöhungen. "Seit Beginn des Versicherungsschutzes vor nur eineinhalb Jahren wurde der Beitrag um sage und schreibe 25 Prozent angehoben", ärgert sich Udo Lindhard, Rechtsanwalt aus Nürnberg über einen Vertrag bei der CSS aus Lichtenstein. Für solch happige Aufschläge gibt es zwei Gründe. Zum einen steigen die Beiträge, wenn Zahngesundheit teurer wird. Das ist derzeit der Fall. Seit Anfang 2012 gilt eine neue Gebührenordnung für Zahnärzte, die die Kosten um bis zu 20 Prozent nach oben treibt, so der Verband der privaten Krankenversicherer (PKV).

Der zweite Grund ist eine trickreiche Kalkulation vieler Tarife. Sie werden ohne Altersrückstellungen berechnet. Das macht sie für jüngere Kunden günstig, doch steigen die Beiträge mit zunehmendem Alter überproportional. Die CSS war übrigens einer der ersten Versicherer, der solche Tarife auf den Markt gebracht hat. Auf fast 2.000


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Erhoben wurden private Tarife ohne und mit Bindung an eine gesetzliche Krankenkasse für pflichtversicherte Männer und Frauen. Die Erstattung wurde anhand einer Musterrechnung ermittelt. Basis der Musterrechnung ist eine "fiktive" Kostenrechnung, die die Zahnklinik Bochum unter Prof. Dr. Peter Jöhren (www.zahnklinik-bochum.de), die alle zahnärztlichen Fachgebiete, ein eigenes Meisterlabor sowie die gesamte ambulante Behandlungspalette anbietet, gemeinsam mit ÖKO-TEST entwickelt hat. Für neun Behandlungen (zwei Keramikinlays, eine Goldkrone, zwei Keramikkronen, ein Implantat, zwei Kunststofffüllungen, eine Wurzelkanalbehandlung) sowie einer zweimaligen Zahnreinigung entstanden insgesamt nach oder ohne Vorleistungen durch die gesetzliche Krankenkasse Kosten in Höhe von 4.412,40 Euro. Bei den Preisen für zahntechnische Leistungen hat sich die Zahnklinik Bochum an marktüblichen Kostensätzen für privat versicherte Patienten orientiert. Grundlage ist die Bundeseinheitliche Benennungsliste für zahntechnische Leistungen (BEB). Das Leistungsranking basiert zu gleichen Teilen auf der Höhe der Übernahme der Restkosten durch den jeweiligen Tarif im zweiten und vierten Versicherungsjahr für Männer bzw. Frauen mit Einstiegsalter 40 Jahren, nachdem die Kosten für Prämien für die jeweilige Vertragslaufzeit abgezogen wurden. Vorausgesetzt wurde für die Berechnung, dass im 2. bzw. 4. Versicherungsjahr erstmalig Leistungen in Anspruch genommen wurden. Für Tarife ohne Alterungsrückstellungen, für die der Versicherer aber jährliche Preissteigerungen für das steigende Alter bereits festgelegt hat, wurden diese höheren Kosten vom Freiburger Softwarehaus KVpro ermittelt und ebenfalls in Abzug gebracht. Sie liegen aufgrund der Berechnungsmethode tendenziell leicht unter den tatsächlich zu zahlenden Kosten. Daher schneiden diese Tarife tendenziell leicht günstiger ab. Auch alle Kooperationstarife ohne Altersrückstellungen stehen tendenziell etwas zu günstig da, weil KVpro für sie die Alterskosten nicht ermitteln konnte. Die Musterpatienten konnten zudem kein Bonusheft vorweisen. Zur Ermittlung des Ranges wurde die Differenz zwischen höchster Erstattung insgesamt in Prozent sowie 0,00 Prozent in sechs gleich große Klassen geteilt. Eine rechnerische Erstattung insgesamt unter 0,00 Prozent wurde mit Rang sechs bewertet. Bei den aufgeführten Erstattungen Zahnreinigung, Inlays, Kronen, Implantat, Füllungen/Wurzelbehandlung handelt es sich um die Höchstleistungen, die bei separater und ggfs. ausschließlicher Abrechnung der einzelnen Behandlungen im 2. Versicherungsjahr von den Versicherern erstattet werden. Sie flossen nicht in das Gesamturteil ein. Keine Erstattung wird mit "nein" bezeichnet, zur Ermittlung der Bewertung (sehr hoch, hoch, erhöht, mäßig, niedrig, sehr niedrig) wurde die Differenz zwischen höchster Erstattung und 0 in sechs gleichgroße Klassen geteilt. Zur Ermittlung der Preisbewertung wurde die Differenz zwischen niedrigstem und höchstem Monatsbeitrag in den jeweiligen Modellfällen in sechs gleich große Klassen (sehr hoch, hoch, erhöht, mäßig, niedrig, sehr niedrig) geteilt. Nicht berücksichtigt für die Klassenbildung wurde ein ungewöhnlich teurer Ausreißer. Alle Tarife und Preise basieren auf Angaben der Anbieter und wurden vom Freiburger Analysehaus www.kvpro.de auf ihre Plausibilität hin überprüft und danach ggfs. bei den Anbietern verfiziert.