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Husten- und Bronchialtee im Test: So gut wie jeder mit Pestiziden belastet

Magazin Dezember 2019: Faires Fest | Autor: Annette Dohrmann/Christine Throl | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 22.11.2019

Wir haben alle Husten- und Bronchialtees im Test auf problematische Inhaltsstoffe überprüft.
Wir haben alle Husten- und Bronchialtees im Test auf problematische Inhaltsstoffe überprüft. (Foto: ÖKO-TEST )

Mit Husten- und Bronchialtee versuchen viele Menschen, ihre Erkältungssymptome zu lindern. Doch wie gut sind diese speziellen Tees? Knapp zwei Drittel der Produkte in unserem Test fallen durch. In vielen stecken mit Pestiziden und Pflanzengiften bedenkliche Substanzen.

Wenn der Husten quält oder der Hals kratzt, sollen Husten- und Bronchialtees helfen. Laut Werbeversprechen auf einigen Verpackungen sind die speziellen Tees hustenlösend und -lindernd. Aber gibt es auch wissenschaftliche Belege für diese Effekte? Wir haben 18 Husten- und Bronchialtees im Labor auf bedenkliche Substanzen analysieren lassen und einen Gutachter gebeten, die Studienlage zu sichten.

Das Ergebnis: Knapp zwei Drittel der Husten- und Bronchialtees im Test fallen mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch. Genauer gesagt, raten wir von insgesamt 11 Produkten ab. Die Hauptprobleme: Die Belege zu versprochenen Effekten sind aus Sicht unseres Gutachters nicht ausreichend, in vielen Tees stecken Pestizide und Pflanzengifte.

Husten- und Bronchialtee im Test: Hilft Tee bei Husten?

Spitzwegerich, Süßholzwurzel, Thymian, bitterer Fenchel, Lindenblüten, Anis, Eibisch, Primel, Isländisch Moos – alle Teemischungen im Test enthalten Blüten, Wurzeln, Blätter oder andere Bestandteile von Pflanzen. Sie werden traditionell eingesetzt, um hartnäckigen Husten zu lindern und die Schleimlösung der Atemwege zu unterstützen. Dennoch bewerten wir viele Gesundheitstees mit "mangelhaft" oder "ungenügend". Warum?

Aus Sicht unseres Gutachters Professor Manfred Schubert-Zsilavecz, Pharmazeut an der Universität Frankfurt, ergibt sich aus der veröffentlichten wissenschaftlichen Studienlage kein ausreichender Beleg zur Wirksamkeit von Teearzneimitteln. Vor diesem Hintergrund darf man sich von einer Behandlung von Husten und Bronchialbeschwerden mit Tees nicht zuviel erwarten. Am Ende bleiben das angenehme Aroma und der wärmende Effekt einer heißen Tasse Erkältungstees – das mag wohltuend sein, ist aber unter wissenschaftlichen Maßstäben letztlich "wenig überzeugend".

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Tee trinken, um den Hustenreiz zu lindern? Unserer Meinung nach darf man von Husten- und Bronchialtees nicht zu viel erwarten.
Tee trinken, um den Hustenreiz zu lindern? Unserer Meinung nach darf man von Husten- und Bronchialtees nicht zu viel erwarten. (Foto: Alex Yuzhakov/Shutterstock )

Bei Husten: Tee als pflanzliches Arzneimittel

Hinzu kommt, dass Tees keine optimale Form sind, um pflanzliche Arzneimittel zu verabreichen. Nachweislich wirksame pflanzliche Arzneimittel enthalten standardisierte Extrakte. Denn um zuverlässig wirksam zu sein, muss bei jeder Anwendung die immer gleiche Menge jedes einzelnen Extrakts in der immer gleichen Konzentration vorhanden sein. Bei der Zubereitung eines Tees, noch dazu durch Laien, ist das kaum möglich.

Weitere Kritik bezieht sich auf Pyrrolizidinalkaloide, kurz PA, die sieben Husten- und Bronichaltees im Test enthalten. Das sind natürliche Giftstoffe, die bestimmte Unkräuter bilden, um Fressfeinde abzuwehren. Tees, vor allem Kräutertees, können ganz besonders betroffen sein.

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Natürliche Giftstoffe in Husten- und Bronchialtees 

Wachsen diese unerwünschten Pflanzen zwischen den Kräutern, können sie bei der maschinellen Ernte in das Schnittgut und schließlich in den Tee gelangen. PA können die Leber schädigen und gelten außerdem als erbgutschädigend und krebsauslösend. Fachleute, etwa vom Bundesinstitut für Risikobewertung, fordern von Unternehmen, die Belastung von Lebensmitteln mit den Pflanzengiften so weit wie möglich zu senken, etwa durch mehr Sorgfalt bei Anbau und Ernte.

Grenzwerte für PA gibt es zwar nicht, aber einen Zielwert der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA: Der liegt pro Tagesdosis bei 0,35 Mikrogramm für eine 50-Kilo-Person. Zwei Husten- und Bronchialtees im Test überschreiten diesen Wert. Fünf Tees schöpfen die tolerierte Menge zu mehr als der Hälfte aus.

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Bei Erkältungen trinken viele Menschen Husten- und Bronchialtees. Wir haben 18 Tees getestet.
Bei Erkältungen trinken viele Menschen Husten- und Bronchialtees. Wir haben 18 Tees getestet. (Foto: fizkes/Shutterstock )

Pestizide in fast allen Arzneitees im Test 

Problematisch sind nicht nur die Pflanzengifte, die wir in Husten- und Bronichaltees im Test gefunden haben, sondern auch Pestizide. Wir kritisieren sie in 14 von 18 Produkten im Test. In einem Husten- und Bronchialtee lag der analysierte Rückstand für ein Pestizid sogar über der gesetzlichen Höchstmenge. Zwei weitere sind mit Glyphoast belastet. Dieses Pestizid wird von uns als besonders bedenklich eingestuft. 

In drei Gesundheitstees im Test hat das beauftragte Labor das Antimückenmittel DEET nachgewiesen. Es kann zu Haut- und Schleimhautreizungen oder al­ler­gischen Reaktionen führen. Möglicherweise stammt der Eintrag aus den enthaltenen Lindenblüten.

So schrieb uns ein Hersteller im Test, dass die Lindenblüten per Hand geerntet würden, die Arbeiter trügen dabei zum Schutz vor Mücken ein entsprechendes Abwehrmittel mit DEET. Das erklärte einiges. Im Tee wollen wir trotzdem kein DEET.

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Tee bei Hustenreiz: Das rät ÖKO-TEST 

Basierend auf den Testergebnissen haben wir Ratschläge für Sie: 

  1. Genießen Sie das angenehme Aroma und die Wärme einer Tasse der kaum belasteten Tees – aber erwarten Sie nicht zuviel. 
  2. Trinken Sie ausreichend, das unterstützt die Schleimlösung. Sie müssen aber nicht besonders viel trinken. Es gibt keinen Beleg dafür, dass das bei Erkältungen hilft.
  3. Tees mit Süßholzwurzel besser nicht auf Dauer und in hohen Mengen trinken: Dadurch scheidet der Körper vermehrt Kalium aus, was den Blutdruck erhöht. Menschen mit Bluthochdruck, Schwangere und Stillende sollten auf Süßholzwurzel verzichten.

Reizenhusten & Co.: Tipps bei Erkältungen 

Eine Erkältung ist normalerweise harmlos, nach etwa einer Woche ist das Schlimmste meist überstanden – auch ohne Medikamente. Wir haben Tipps gesammelt: 

  • Um dem Gehuste und Geschniefe vorzubeugen, waschen Sie sich häufig die Hände – eine normale Seife genügt. Halten Sie die Hände vom Gesicht fern und trinken Sie nicht aus Tassen und Gläsern, die schon andere benutzt haben.

  • Sparen Sie sich das Geld für Vitamin-C-Präparate. Ihr Einfluss auf die Beschwerden und die Dauer einer Erkältung ist vernachlässsigbar.

  • Auch wenn Inhalieren keine eindeutige Wirkung auf die Symptome einer Erkältung hat – das Einatmen von Wasserdampf, mit oder ohne Zusatz ätherischer Öle, empfinden Erkrankte oft als angenehm.

  • Wenn es ein Arzneimittel sein muss, dann um gezielt Beschwerden wie Schmerzen oder eine verstopfte Nase zu lindern. Abschwellende Nasensprays sollten frei von Konservierungsstoffen sein und nur kurzfristig eingesetzt werden.

Bei Erkältungen empfinden nicht nur viele Menschen einen Tee als wohltuend, sie schwören auch auf Erkältungsbäder mit ätherischen Ölen. Wie sieht es bei diesen Produkten mit wissenschaftlichen Belegen für Effekte und Wirkung aus? Wir haben 20 Erkältungsbäder überprüft: Erkältungsbad-Test: Was taugen die Badezusätze wirklich?

Weiterlesen auf oekotest.de:


Testverfahren

Wir haben 18 Arzneitees zur Reizlinderung bei Erkältungen mit trockenem Husten und zur Schleimlösung in Apotheken, Drogerien, (Bio-) Supermärkten, Reformhäusern und Discountern eingekauft. ÖKO-TEST Berater Professor Manfred Schubert- Zsilavecz von der Universität Frankfurt hat den aktuellen Stand veröffentlichter Studien zu den Teearzneimitteln beurteilt. Außerdem hat er sich angesehen, ob die Beipackzettel der Tees die Anwendungshinweise enthalten, die aus unserer Sicht nicht fehlen sollten.

Alle Produkte wurden zudem in Labors auf Rückstände an Pestiziden sowie auf natürliche Pflanzengifte aus der Gruppe der Pyrrolizidinalkaloide (PA) untersucht. Pflanzen bilden diese Stoffe zur Abwehr von Insekten. Für keinen Tee im Test liegen aus unserer Sicht ausreichende wissenschaftliche Belege vor, dass ein Aufguss daraus Erkältungsbeschwerden lindert. Daher sind die Tees bestenfalls "ausreichend".

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Wirksamkeitsbelege und Beipackzettel: Unter dem Testergebnis Wirksamkeitsbelege und Beipackzettel führt zur Abwertung um drei Noten: Eine aus Sicht unseres Gutachters durch veröffentlichte Studien nicht ausreichend ("wenig überzeugend") belegte Wirksamkeit. Zur Abwertung um eine Note führt: fehlender Hinweis, den Arzt aufzusuchen, wenn sich die Symptome nicht verbessern bzw. sich verschlechtern.

Bewertung Testergebnis Schadstoffe: Unter dem Testergebnis Schadstoffe führt zur Abwertung um fünf Noten: ein Gehalt eines Pestizids, der die gesetzliche Rückstandshöchstmenge überschreitet (hier Prometryn). Zur Abwertung um vier Noten führt: ein "stark erhöhter" Gehalt an Pyrrolizidinalkaloiden, der zu einer Überschreitung des von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) empfohlenen Zielwerts von 0,35 μg pro Tagesdosis für eine 50-kg-Person führt. Zugrunde gelegt wurde die jeweils höchste empfohlene Tagesdosis laut Beipackzettel bzw. bei einer Angabe von "mehrmals täglich" vier Tassen Tee pro Tag. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein "stark erhöhter" Pestizidgehalt, der mehr als 50 Prozent der gesetzlichen Rückstandshöchstmengen erreicht, wenn dieser bei 0,02 mg/kg und höher liegt; b) ein "erhöhter" Gehalt an Pyrrolizidinalkaloiden, der zu einer Ausschöpfung von mehr als 50 bis 100 Prozent des EMA-Zielwerts von 0,35 μg pro Tagesdosis für eine 50-kg-Person führt. Zugrunde gelegt wurde die jeweils höchste empfohlene Tagesdosis laut Beipackzettel. Bei den losen Produkten von Aurica und Heinrich Klenk wurde mit 3 g Tee pro Tasse gerechnet, da gemäß den Angaben auf der Verpackung eine Tasse mit einem Esslöffel Tee zubereitet werden soll. Zugrunde gelegt wurde die jeweils höchste empfohlene Tagesdosis laut Beipackzettel bzw. bei einer Angabe "mehrmals täglich" vier Tassen Tee pro Tag. Beim Salus Kräutertee Nr. 8 basiert die Tagesdosis auf 6 Tassen pro Tag wie im Beipackzettel angegeben. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein "erhöhter" Pestizidgehalt, der mehr als 10 bzw. mehr als 20 bis 50 Prozent des Grenzwerts für Pestizidrückstände erreicht, wenn diese bei 0,1 mg/kg oder höher bzw. bei 0,05 bis 0,1 mg/kg liegen; b) ein als besonders bedenklich eingestuftes Pestizid in Gehalten von mehr als 0,01 mg/kg (unter Berücksichtigung eines Trocknungsfaktors von 4; hier: Glyphosat); c) fünf oder mehr in Spuren nachgewiesene Pestizide. Bei der Beurteilung der Pestizidgehalte haben wir uns an den Grenzwerten für Pestizidrückstände nach dem EU-Arzneibuch für pflanzliche Drogen orientiert und den jeweils höchsten EU-Rückstandhöchstmengen für Kräuterteezutaten aus Blüten, Blättern und Kräutern, Wurzeln und anderen Pflanzenteilen sowie den Unterkategorien, unabhängig von der Zusammensetzung der Tees. Für den Mückenabwehrwirkstoff DEET (Diethyltoluamid) haben wir uns an der Ausnahmegenehmigung des Bundesamts für Verbraucherschutz für getrocknete Lindenblüten von 0,1 mg/kg orientiert.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen "nein", bedeutet das "unterhalb der Bestimmungsgrenze" der jeweiligen Testmethode.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Wirksamkeitsbelege und Beipackzettel. Ein Testergebnis Schadstoffe, das "befriedigend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Schadstoffe, das "mangelhaft" oder "ungenügend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Testmethoden 

Wirksamkeitsbelege und Beipackzettel/Hinweise: Begutachtung durch Gutachter. Pestizide: LC/MS/MS nach § 64 LFGB L 00.00-113, modifiziert, GC/MS und Glyphosat, Glufosinat und AMPA mittels LC-MS/MS. Pyrrolizidinalkaloide: LC-MS/MS, nach der Methode "Bestimmung von Pyrrolizidinalkaloiden in Pflanzenmaterial mittels SPE-LC-MS/MS" des BfR. Ochratoxin A (falls Süßholzwurzel deklariert): DIN EN 14132:2009 modifiziert (andere Probenmatrix als angegeben). PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse

Einkauf der Testprodukte: Juli 2019

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