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Beeren im Wald: Wie gefährlich ist der Fuchsbandwurm wirklich

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 11.07.2022

Walderdbeeren steht oft im Verdacht, Fuchsbandwurm zu übertragen.
Foto: Shutterstock / nnattalli

Im Wald leuchten die Walderdbeeren und Himbeeren um die Wette. Aber dürfen wir die überhaupt essen? Lauert da nicht der Fuchsbandwurm? Hier der aktuelle Stand der Wissenschaft zur Gefahr des Fuchsbandwurms.

Süße Walderdbeeren, Waldhimbeeren, aromatischer Bärlauch und Waldmeister, selbst gesammelte Pilze: Wiesen und Wälder halten von April bis in den November hinein einiges an Leckereien bereit, das wir gerne sammeln und noch lieber essen. Mit dem Beginn der Beerensaison wächst allerdings die Angst vor dem Fuchsbandwurm: Dürfen wir die süßen Früchte überhaupt direkt in den Mund schieben? Wie groß ist das Risiko einer Bandwurm-Infektion? Wie kann ich mich schützen? Und wie merke ich, ob ich betroffen bin?

Wissenschaftler sind sich einig: Eine Infektion kann zwar lebensgefährlich werden, sie ist jedoch für die meisten von uns sehr unwahrscheinlich. Tatsache ist aber auch: Die Zahl der Füchse steigt und "Meister Reineke" kommt den Menschen immer näher. Vorsicht, aber bitte keine Panik, lautet die Devise.

Was passiert bei einer Infektion mit dem Fuchsbandwurm?

Der Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) ist ein zwei bis vier Millimeter langer Parasit, dessen wichtigster Endwirt der Fuchs ist. Wer die vom Endwirt ausgeschiedenen Eier aufnimmt und dann Larven (Finnen) bildet, wird zum Zwischenwirt für den Bandwurm. Typische Zwischenwirte sind Mäuse, Ratten, Biber – und der Mensch als Fehlwirt oder Blindwirt. Der Kreislauf des Fuchsbandwurms schließt sich, wenn der Zwischenwirt von seinem Endwirt gefressen wird. Die Larven entwickeln sich dann im Darm des Endwirts zu einem erwachsenen, geschlechtsreifen Bandwurm, der infektionsfähige Eier produziert.

Füchse im Garten: Statistisch gesehen ist es sehr unwahrscheinlich, am Fuchsbandwurm zu erkranken.
Füchse im Garten: Statistisch gesehen ist es sehr unwahrscheinlich, am Fuchsbandwurm zu erkranken. (Foto: Shutterstock / Chedko)

Was macht eine Fuchsbandwurm-Infektion so gefährlich?

Der Mensch kann sich mit dem Parasiten infizieren, wenn er die mit dem Kot von Füchsen ausgeschiedenen, mikroskopisch kleinen, Eier über den Mund aufnimmt. 

Gefährlich wird eine Infektion dann, wenn sich das sogenannte Finnengewebe in den menschlichen Organen tumorartig ausbreitet. Die krebsähnlichen Wucherungen, die mehrere Zentimeter groß werden können, zerstören nach und nach die Organe. Das Finnengewebe befällt meist die Leber, aber auch Lunge, Gehirn oder Knochen können betroffen sein.

Jährlich erkranken in Deutschland 20 bis 30 Menschen an einer Echinococcus-Infektion, es handelt sich damit um eine sehr seltene, jedoch schwere und lebensgefährliche Erkrankung. Die Heilungschancen haben sich in den letzten Jahren verbessert, nichtsdestotrotz kann eine Infektion zu einem tödlichen Leberversagen führen.

Symptome einer Infektion mit dem Fuchsbandwurm

Die Diagnose eines Befalls ist schwierig: Meist verläuft die Infektion zehn bis 15 Jahre schmerzfrei und ohne jegliche Symptome. Die Symptome, die sich dann viele Jahre nach der Infektion zeigen, sind äußerst unspezifisch:

  • Abgeschlagenheit
  • Oberbauchschmerzen
  • Gelbsucht
  • Gewichtsverlust
  • Vergrößerte Leber
Je höher Beeren wachsen, desto geringer ist das Risiko einer Fuchsbandwurm-Infektion.
Je höher Beeren wachsen, desto geringer ist das Risiko einer Fuchsbandwurm-Infektion. (Foto: Shutterstock / Only_NewPhoto)

Wie kann man sich mit dem Fuchsbandwurm infizieren?

Die genauen Übertragungswege sind noch nicht im Detail bekannt, erklären Wissenschaftler der Universität Würzburg. Der Grund: Da zwischen Infektion und Diagnose viele Jahre liegen, lässt sich meist nicht mehr nachvollziehen, wie sich die Infizierten angesteckt haben. "Bislang gibt es aber noch keine eindeutigen Hinweise darauf, dass das Sammeln und Essen von Beeren oder Pilzen die Infektionsgefahr erhöht", so der Berufsverband Deutscher Internistinnen und Internisten (BDI).

Wie kann man sich vor dem Fuchsbandwurm schützen?

Die Eier des Fuchsbandwurms sind laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) mikroskopisch klein, extrem kälteresistent, aber nur wenig widerstandfähig gegen Hitze und Austrocknung. Unter unseren klimatischen Bedingungen blieben sie über Monate hinweg infektiös. 

Da über die Infektionswege zu wenig bekannt ist, ist es wichtig, vorsichtig zu sein:

  • Bei einem Fuchsbesuch im Garten sollte der Fuchskot eingesammelt werden, am besten mit einer umgedrehten Plastiktüte, rät das LGL.
  • Waschen von Waldfrüchten (Beeren, Kräuter, Pilze) sowie Fallobst reduziert das Risiko, beseitigt es aber nicht völlig.
  • Wenn Sie Beeren, Pilze oder Kräuter kurz aufkochen, reicht das, um die Eier abzutöten.
  • Einfrieren, Desinfizieren oder das Einlegen in Alkohol töten den Erreger nicht ab. Erst bei einer Temperatur von -80°C über mehrere Tage wird er unschädlich gemacht.
  • Lassen Sie den Kot von Hunden und Katzen, die unbeaufsichtigt streunen und Mäuse jagen und fressen, regelmäßig auf Bandwurmeier untersuchen.
  • Zäunen Sie Gemüsebeete und Obstgärten ein, um Füchse fernzuhalten.
  • Waschen Sie nach der Garten-, Feld und Waldarbeit immer gründlich die Hände.
  • Halten Sie unbedingt Abstand zu lebenden und toten Füchsen.
  • Füttern Sie Füchse nicht und ermöglichen Sie ihnen auch keinen Zugang zu Futter und Abfällen.
Wer Waldmeister im eigenen Garten erntet, hat ein geringeres Risiko einer Fuchsbandwurm-Infektion.
Wer Waldmeister im eigenen Garten erntet, hat ein geringeres Risiko einer Fuchsbandwurm-Infektion. (Foto: Shutterstock / fotomarekka)

Fuchsbandwurm: Für wen ist das Risiko am größten?

Forscher der Universitätsklinikums Ulm gehen heute davon aus, dass Wildpflanzen kaum ein Risiko für eine Infektion darstellen. Die Bayerische Gesundheitsbehörde LGL meint jedoch: "Wie die Eier des kleinen Fuchsbandwurms in den Menschen gelangen, ist ungeklärt. Naheliegend, aber noch nie nachgewiesen, ist eine Aufnahme mit Waldfrüchten, die mit Fuchskot verunreinigt sind. Allerdings konnte das Sammeln und Essen von Waldbeeren und Pilzen bislang noch nicht als Risikofaktor identifiziert werden."

Viel gefährlicher sei der Kontakt mit infizierten Wildtieren und das Einatmen von kontaminiertem Staub in der Landwirtschaft, da sind sich die Experten einig. Neueste Untersuchungen zeigen, dass für Hunde- und Katzenhalter ein erhöhtes Risiko besteht. Deshalb sollten Sie Haustiere unbedingt regelmäßig entwurmen.

In welchen Regionen besteht Infektionsgefahr?

Der Fuchsbandwurm kommt in allen Ländern Mitteleuropas vor, vor allem in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich und Norditalien. In Deutschland gelten insbesondere die südöstlichen Teile Baden-Württembergs und die südwestlichen Teile von Bayern als die Hauptendemiegebiete.

Können Hund und Katze den Fuchsbandwurm auf den Menschen übertragen?

Die Übertragung vom Haustier auf den Menschen sei, so das LGL, weltweit noch nie nachgewiesen worden. Eine Übertragung könne trotzdem nicht völlig ausgeschlossen werden.

Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

Dieser Artikel kann einen Arztbesuch nicht ersetzen, er sollte nicht zur Selbstdiagnose ober Selbstbehandlung verwendet werden. Im Zweifel sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

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