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Essbare Wildkräuter: Tipps fürs Bestimmen, Sammeln und Zubereiten

Autor: Benita Wintermantel | Kategorie: Essen und Trinken | 23.04.2021

Wildpflanzen sind eine Bereicherung für jede Mahlzeit.
Foto: Shutterstock / Johanna Muehlbauer

Im Wald, auf Wiesen, am Feldrand und sogar in der Stadt wachsen viele Wildkräuter, die wunderbar schmecken. Hier zeigen wir Ihnen, welche Sie sammeln und essen können. Außerdem gibt's zahlreiche Tipps für die mögliche Zubereitung.

  • Die Bezeichnung Kraut steht für Pflanzen, die nicht verholzen. Mit Wildkräutern sind speziell Pflanzen gemeint, die nicht durch Züchtung verändert wurden.
  • Wilde Kräuter enthalten oft mehr Mineralien und Vitamine als die Salat- und Gemüsesorten, die üblicherweise im Supermarkt zu finden sind.
  • Wir zeigen die zehn wichtigsten Wildkräuter und erklären, wie Sie sie erkennen, wo sie wachsen – und wie Sie sie zubereiten können.

Wildkräuter sind faszinierend: Sie wachsen ohne weiteres Zutun am Wegesrand oder im Wald. Wer nicht gerade im Naturschutzgebiet unterwegs ist, darf sich einfach bedienen und sich zu Hause an den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen und Aromen erfreuen.

Kulinarisch haben Wildkräuter viel zu bieten – von süß über nussig bis bitter und herb ist geschmacklich alles dabei. Einige der Pflanzen, die wir hier auflisten, sind Ihnen sicherlich als sogenanntes "Unkraut" bekannt. Darunter sind Löwenzahn, Giersch, Brennnessel und Sauerampfer. Sie sind wahre Wundergewächse mit vielen gesunden Inhaltsstoffen. Die meisten Wildkräuter sind übrigens nicht "nur" Kräuter, sondern gelten zugleich als Heilkräuter.

Wildkräuter wie Löwenzahn und Bärlauch in einem Korb.
Wildkräuter wie Löwenzahn und Bärlauch in einem Korb. (Foto: Shutterstock / Cora Mueller)

Wichtige Tipps fürs Sammeln von Wildkräutern

  • Ernten Sie nur Pflanzen, bei denen Sie sich 100%ig sicher sind, dass es sich um eine essbare Pflanze handelt. Bärlauch ähnelt beispielsweise dem giftigen Maiglöckchen.
  • Kräuter, die in Straßennähe, auf gedüngten Wiesen oder an Hunde-Gassi-Routen wachsen, sollten Sie nicht pflücken.
  • In Naturschutzgebieten dürfen keine Pflanzen mitgenommen werden.
  • Pflücken Sie immer nur kleine Mengen, sodass die Pflanze unbeschadet weiterwachsen und sich vermehren kann. So steht sie Ihnen auch im nächsten Jahr am gleichen Ort zum Sammeln zur Verfügung.
  • Die beste Erntezeit für Wildkräuter sind Frühling und Sommer, wenn die Blätter noch ganz zart sind. Aber es gibt auch Kräuter, die das ganze Jahr über schmecken.

Wildkräuter bestimmen

Es macht Spaß, sich im Bestimmen von Wildkräutern zu üben, zumal einige Kräuter sehr leicht zu erkennen sind. Wir stellen Ihnen hier die wichtigsten Wildkräuter mit Bild und Kurz-Portrait vor.

Wer Spaß am Bestimmen, Sammeln und Experimentieren gefunden hat und tiefer einsteigen möchte, dem empfehlen wir die hilfreiche, kostenfreie App "Flora Incognita" (Google Play Store, Apple Store), mit der Sie Wildkräuter und andere Pflanzen mithilfe Ihrer Smartphone-Kamera automatisch bestimmen können. Im Buchhandel finden Sie zudem zahlreiche Ratgeber mit Tipps zum Bestimmen von Wildpflanzen.

Bärlauch

    Frischer Bärlauch, kleingeschnitten und mit Salz konserviert.
    Frischer Bärlauch, kleingeschnitten und mit Salz konserviert. (Foto: Shutterstock / iva)
    • Wo wächst Bärlauch? In feuchten, schattigen Laubwäldern
    • Was ist essbar? Blätter und Blüten
    • Geschmack: intensiv nach Knoblauch und Zwiebel
    • Tipps für die Zubereitung: Bärlauch schmeckt in Pesto, Suppen, Salaten, Dips und Kräuterbutter
    • Erntezeit: Frühling
    • Wirkung als Heilpflanze: Bärlauch stärkt das Immunsystem, regt die Verdauung an und kann bei erhöhten Blutfettwerten und Bluthochdruck förderlich sein

    >> Zum Weiterlesen: Bärlauch erkennen und ernten: So verwechseln Sie ihn nicht mit giftigen Doppelgängern

    Brennnessel

    Die Brennnessel ist ein köstliches Wildkraut, aus dem sich Salate und Suppen machen lassen.
    Die Brennnessel ist ein köstliches Wildkraut, aus dem sich Salate und Suppen machen lassen. (Foto: Shutterstock / Lunov Mykola)
    • Wo wächst die Brennnessel? Nahezu überall, gerne an Waldrändern, in Gärten und an Ufern
    • Was ist essbar? Die jungen Blatttriebe
    • Geschmack: würzig und leicht bitter, ein wenig wie Spinat
    • Tipps für die Zubereitung: Junge Brennnesselblätter schmecken als Salat, Suppe, Spinat oder Pesto. Brennnesseltee gilt als wunderbarer Wachmacher
    • Erntezeit: von Frühling bis Herbst
    • Wirkung als Heilpflanze: Brennnessel enthält viel Vitamin C und ist deshalb gut fürs Immunsystem. Brennnesseltee wirkt entwässernd

    Gänseblümchen

      Gänseblümchen auf Butterbrot: eine ungewöhnliche, aber leckere Frühlings-Brotzeit
      Gänseblümchen auf Butterbrot: eine ungewöhnliche, aber leckere Frühlings-Brotzeit (Foto: Shutterstock / locrifa)
      • Wo wächst das Gänseblümchen? Nahezu überall auf Wiesen, Weiden und in Parks
      • Was ist essbar? Junge Blätter und Blüten
      • Geschmack: zartwürzig und nussig
      • Tipps für die Zubereitung: Blätter schmecken roh in Salat und Kräuterquark, gedünstet auch in Suppen. Junge, halb geöffnete Blüten sind eine schöne und essbare Dekoration
      • Erntezeit: das ganze Jahr
      • Wirkung als Heilpflanze: Gänseblümchentee soll bei Atemwegs- und Hauterkrankungen helfen

      Giersch (Geißfuß)

      Der Giersch oder Geißfuß.
      Der Giersch oder Geißfuß. (Foto: Shutterstock / Art_Pictures)
      • Wo wächst Giersch? Am Waldrand, in lichten Wäldern, unter Hecken und gerne auch im Hausgarten
      • Was ist essbar? Junge Blätter und Knospen
      • Geschmack: frisch und scharf, erinnert an Spinat
      • Tipps für die Zubereitung: Giersch ist ein tolles Gewürz für Kartoffelgerichte und Salate. Die jungen Triebe schmecken roh im Salat und Kräuterquark, die älteren Blätter und Stängel fein geschnitten als gedünstetes Gemüse (10 bis 20 Minuten Garzeit, fällt ähnlich wie Spinat stark zusammen), zudem in Suppen oder Pfannkuchen
      • Erntezeit: Frühling (Blätter), Sommer (Blüten)
      • Wirkung als Heilpflanze: Giersch kann bei Harnwegsinfekten und rheumatischen Erkrankungen hilfreich sein

      Löwenzahn

        Löwenzahn: Bei Gärtnern nicht gerade beliebt, bei Wildkräuter-Sammeln schon.
        Löwenzahn: Bei Gärtnern nicht gerade beliebt, bei Wildkräuter-Sammeln schon. (Foto: Shutterstock / nada54)
        • Wo wächst Löwenzahn? Nahezu überall, hauptsächlich auf sonnigen Wiesen
        • Was ist essbar? Junge Blätter und Blütenknospen. Die klebrige, weiße Milch, die austritt, sollten Sie nicht verzehren
        • Geschmack: Die Blätter schmecken leicht bitter und nussig, die Knospen erinnern geschmacklich an Rosenkohl
        • Tipps für die Zubereitung: Die Blätter schmecken als Salat, Spinat oder grüner Smoothie. Je kleiner und jünger die Blätter, desto besser! Die Blüten eignen sich als Dekoration von Salaten oder Nachspeisen. Die Blütenknospen können Sie einige Minuten in heißem Öl braten und dann salzen
        • Erntezeit: Frühling und Sommer
        • Wirkung als Heilpflanze: Löwenzahn wird eine blutreinigende und harntreibende Wirkung nachgesagt. Löwenzahn regt die Verdauung an und eignet sich zur Entschlackung

        Sauerampfer

        Sauerampfer: Vor allem sehr junge Blätter schmecken im Salat, übrigens wunderbar sauer!
        Sauerampfer: Vor allem sehr junge Blätter schmecken im Salat, übrigens wunderbar sauer! (Foto: Shutterstock / Scisetti Alfio)
        • Wo wächst Sauerampfer? Auf feuchten Wiesen
        • Was ist essbar? Junge Blätter und Triebspitzen
        • Geschmack: säuerlich, zitronig
        • Tipps für die Zubereitung: Am besten die ganz jungen Blätter verwenden, sie schmecken in Suppen und Salaten
        • Erntezeit: Sommer und Herbst
        • Wirkung als Heilpflanze: Sauerampfer enthält viel Eisen. In der Volksmedizin gilt er als hilfreich bei Atemwegserkrankungen. Untersuchungen bescheinigen dem Sauerampfer außerdem antioxidative Wirkung

        Spitzwegerich

          Spitzwegerich
          Spitzwegerich (Foto: Shutterstock / Manfred Ruckszio)
          • Wo wächst Spitzwegerich? Auf Wiesen und am Wegrand
          • Was ist essbar? Junge Blätter und Blüten
          • Geschmack: erinnert an Pilze
          • Tipps für die Zubereitung: Die Blätter schmecken als Salat oder in Dips, die Blüten haben einen pilzartigen Geschmack
          • Erntezeit: Frühling
          • Wirkung als Heilpflanze: Die zerriebenen Blätter sollen bei Stichen und Schwellungen helfen

          Waldsauerklee

            Waldsauerklee
            Waldsauerklee (Foto: Shutterstock / Sinelev)
            • Wo wächst Waldsauerklee? In Mischwäldern
            • Was ist essbar? Blätter
            • Geschmack: fruchtig-säuerlich
            • Tipps für die Zubereitung: als Gewürz im Salat
            • Erntezeit: Herbst
            • Wirkung als Heilpflanze: Der Sauerklee soll blutreinigend und fiebersenkend wirken

            Wilde Möhre

            Die Wilde Möhre liefert – trotz ihres Namens – leider keine Karotten, obwohl auch hier die Wurzeln essbar sind.
            Die Wilde Möhre liefert – trotz ihres Namens – leider keine Karotten, obwohl auch hier die Wurzeln essbar sind. (Foto: Shutterstock / Natalia Zagaja)
            • Wo wächst die wilde Möhre? An Straßen- und Wegrändern, auf Wiesen
            • Was ist essbar? Blätter der Grundrosette, Wurzeln, Blüten
            • Geschmack: erinnert an Petersilie
            • Tipps für die Zubereitung: Die jungen Blätter schmecken als Gewürz für Salate und Suppen, im Smoothie oder als Pesto. Die Wurzeln schmecken roh oder gekocht. Die Blüten können Sie in Pfannenkuchenteig backen
            • Erntezeit: Frühjahr
            • Wirkung als Heilpflanze: Die Wilde Möhre enthält wie die Karotte viele B-Vitamine. Sie kann vor hohem Blutdruck schützen und das Immunsystem stärken

            Zubereitung von Wildkräutern

            Viele Wildkräuter schmecken gut in einem gemischten Salat – verziert mit Gänseblümchen wird daraus ein wunderschöner Hingucker. Bunt gemischte Wildkräuter peppen außerdem Dips aus Saurer Sahne oder Frischkäse auf, schmecken hervorragend in Kräuterbutter, über Spiegel- oder Rührei gestreut, als Tee oder in Grünen Smoothies.

            >> Zum Weiterlesen: Wildpflanzen-Rezepte: Schätze aus der Natur

            Sie können essbare Wildkräutern beispielsweise nutzen, um damit Frischkäse-Schnittchen aufzuhübschen.
            Sie können essbare Wildkräutern beispielsweise nutzen, um damit Frischkäse-Schnittchen aufzuhübschen. (Foto: Shutterstock / Lumixera)

            Würzige Wildpflanzen wie Brennnessel oder Bärlauch eignen sich auch hervorragend, um daraus eigenes Wildkräutersalz zu machen. Dafür etwa 20 Gramm getrocknete Kräuter mit 80 g Salz in einem Mörser gründlich zerkleinern und vermischen.

            Frische Wildkräuter und -blüten eignen sich hingegen häufig nicht zum Einfrieren. Man kann sich aber einen Vorrat an getrockneten Pflanzen zulegen, um sie später als Tee oder Gewürz zu verwenden. Wichtig: Die Kräuter vor dem Trocknen nicht zerkleinern, denn dabei verlieren sie an Aroma. Blätter, Blüten oder Früchte stattdessen schonend trocknen, entweder auf einem Trockenrahmen im Schatten oder im Dörrgerät bei einer Einstellung unter 40 Grad Celsius.

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