Startseite
25 Mittel gegen Beschwerden in den Wechseljahren im Test

ÖKO-TEST Mai 2018
vom 26.04.2018

Mittel gegen Beschwerden in den Wechseljahren

Die Zeiten ändern Dich

Mit dem Abgesang auf die Hormontherapie greifen viele Frauen mit Wechseljahresbeschwerden zu rezeptfreien pflanzlichen Mitteln. Unser Test zeigt: Nur eins ist "gut".

30636 | 535

26.04.2018 | Mit dem Alter verändert sich der weibliche Körper. Er produziert weniger Sexualhormone, die Eierstöcke entwickeln keine Eizellen mehr und die Menstruation bleibt aus. Dieser natürliche Wandel beginnt im Schnitt mit 51 Jahren. Manche Frauen erleben ihn positiv als neue Lebensphase. Andere sehen ihn eher als krisenhafte "Illusion eines neuen Lebens", wie die französische Feministin Simone de Beauvoir einst schrieb. Und viele leiden körperlich unter der Umstellung: Hitze- und Schweißattacken, Schlaf- und Stimmungsprobleme und kaum noch Lust auf Sex.

Bis vor wenigen Jahren schien Abhilfe einfach zu sein: Auf die erste Hitzewallung folgte der Gang zum Arzt, dort gab es Hormone auf Rezept. Klar, in der Apotheke waren auch allerlei rezeptfreie pflanzliche Mittel gegen leichte Symptome zu haben. Aber beim Arzt warteten auch schon Frauen weit vor dem Umbruch auf ihre Rezepte. Sie ließen sich vorbeugend Hormone verschreiben, so wie die Mediziner rieten. Die Hormontherapie war für Jahrzehnte nicht nur das Mittel der Wahl gegen die typischen Wechseljahresbeschwerden. Sie galt auch als die Anti-Aging-Waffe der Frau über 50: weniger Brustkrebs und Demenz, schöne Haut, starkes Herz, gesunde Knochen und Gelenke, bessere Nerven, besserer Sex.

Im Jahr 2002 erhielt die Pilleneuphorie dann einen kräftigen Dämpfer. Eine umfassende Studie der amerikanischen Women's Health Initiative (WHI) offenbarte, dass die Hormongabe bei gesunden Frauen zu deutlich mehr Herzinfarkten, Schlaganfällen, Thrombosen und Brustkrebs führte. Über 65-Jährige erkrankten zudem öfter an Demenz, Gallenleiden und Inkontinenz. Die Studie, an der Zehntausende gesunde Frauen teilgenommen hatten, musste frühzeitig abgebrochen werden. Weitere Forschung bekräftigte die Ergebnisse. Millionen Frauen verzichteten fortan aufs Hormoneschlucken.

Seit Ende 2017 herrscht nun wieder Wirbel um die Hormontherapie. US-Forscher präsentierten eine aufwendige, 18 Jahre lange Nachbeobachtung der Frauen aus der WHI-Studie. Mit ihren Ergebnissen trommelt die Pharmalobby nun wieder für die Hormontherapie. Denn sie klingen zunächst wie eine Entwarnung: Für Frauen, die Hormone über etwa fünf bis sieben Jahre eingenommen hatten, ergab sich zumindest keine erhöhte Sterblichkeit. Zudem wiesen die Daten darauf hin, dass sie seltener an Knochenbrüchen, Diabetes und Darmkrebs litten.

Doch tatsächlich überwiegen die Nachteile weiterhin: Am akuten und erhöhten Risiko durch die Hormontherapie schwerwiegend an Krebs, Infarkten, Hirnschlägen und Co. zu erkranken, ändert sich nichts. Experten raten Frauen in den Wechseljahren daher davon ab, sie vorbeugend gegen chronische Leiden einzusetzen. Wenn überhaupt, sollten Frauen bei starken Hitzewallungen Nutzen und Risiken individuell mit dem Arzt klären und die Mittel möglichst kurz und niedrig dosiert einnehmen.

Doch wie lassen sich die Wechseljahre auf anderen Wegen erträglicher gestalten? Zum einen wären da natürlich die praktischen Tipps: sich nach dem Zwiebelprinzip anziehen,

ÖKO-TEST Mai 2018

Gedruckt lesen?

ÖKO-TEST Mai 2018 ab 4.50 € kaufen

Zum Shop

ÖKO-TEST Mai 2018

Online lesen?

ÖKO-TEST Mai 2018 für 3.99 € kaufen

Zum ePaper

Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben zwölf Arzneien und zwölf Nahrungsergänzungsmittel eingekauft. Die Tabletten und Kapseln richten sich speziell an Frauen in den Wechseljahren oder ihr Produktname legt es nahe. Auch eine ergänzend bilanzierte Diät findet sich im Test. Fündig wurden wir in Drogerien, Reformhäusern und Apotheken.

Die Wirksamkeitsbelege und der Nutzen
In den rezeptfreien Arzneien sollen Traubensilberkerze, Rhapontikrhabarber und Johanniskraut gegen Beschwerden der hormonellen Umstellung wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche und Schlaflosigkeit helfen. Ob die Heilpflanzen dabei wirklich empfehlenswert sind, hat Professor Manfred Schubert-Zsilavecz von der Universität Frankfurt anhand der Forschungslage begutachtet. Der Arzneimittelexperte beschäftigte sich auch damit, ob die Nahrungsergänzungsmittel Frauen in der Menopause nutzen können. Sie enthalten oft aus Soja oder Rotklee gewonnene Stoffe. Zudem stecken in den Mitteln auch Extrakte aus etwa Salbei, Melisse, Frauenmantel, Yamswurzel, Pflanzenpollen und chinesischen Heilpilzen. Ihre Vitamin- und Mineralstoffzusätze glichen wir zudem mit den Mengenempfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung ab.

Die weiteren Inhaltsstoffe/Hilfsstoffe
Stecken in den Produkten problematische Stoffe? Wir haben anhand der Deklarationen beispielsweise auf Farb- und Füllstoffe geachtet.

Die Weiteren Mängel
Ein Labor untersuchte die Verpackungen auf umweltschädliche PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen.

Die Bewertung
Die Wirksamkeit der pflanzlichen Arzneien und der bilanzierten Diät ist maßgeblich für unsere Bewertung. Minuspunkte gibt es für problematische Farbstoffe. An den Nahrungsergänzungsmitteln beklagen wir den fehlenden Nutzen für Frauen in der Menopause sowie Deklarationsmängel und Überdosierungen von Vitaminen und Mineralstoffen.

So haben wir getestet

Sauber verpackt? Mittels Röntgenfluoreszenzanalyse scannt ein Labor Blister auf umweltschädliche chlorierte Stoffe.