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18 Vitamin-B-Präparate im Test

ÖKO-TEST Jahrbuch Gesundheit für 2010
vom 09.11.2009

Vitamin-B-Präparate

B-scheuert

Wofür der Vitamin-B-Komplex nicht alles gut sein soll: für die Leistungsfähigkeit, starke Nerven, viele Stoffwechselvorgänge. Doch keines der getesteten Nahrungsergänzungsmittel vermochte uns rundum zu überzeugen.

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09.11.2009 | Es gibt ganz sicher B-Vitamine, die den Menschen voranbringen: nämlich gute Beziehungen. Allerdings versprechen auch die Hersteller von Vitamin-B-Pillen bei regelmäßigem Konsum ihrer Produkte positive Effekte: Die künstlichen Vitamine sollen für starke Nerven und alle möglichen Stoffwechselvorgänge gut sein. In der Tat nehmen die B-Vitamine zentrale Rollen bei allen möglichen biochemischen Vorgängen im Körper ein: Ohne sie werden Zucker, Eiweiße und Fette nicht richtig verstoffwechselt, funktionieren die Nervenzellen nicht richtig, hakt es mit der Neubildung von Nukleinsäuren, den Bausteinen der Erbsubstanz DNA. Doch nötig sind zusätzliche Gaben an Vitamin B deshalb noch lange nicht. Mit Ausnahme von Folsäure sind die Bundesbürger mit B-Vitaminen gut versorgt, hat die zweite Nationale Verzehrsstudie ergeben.

ÖKO-TEST hat in Apotheken, Drogerien, Reformhäusern, Discountern, Supermärkten und im Internet insgesamt 18 Nahrungsergänzungsmittel, die eine Kombination verschiedener B-Vitamine enthalten, eingekauft und unter die Lupe genommen.

Das Testergebnis

In allen Produkten sind einzelne Vitamine überdosiert. Nur drei Mal steht unter dem Strich ein "gut". Mehr als jedes zweite Mittel fällt mit "mangelhaft" oder gar "ungenügend" durch.

Noch immer gibt es keine verbindlichen Höchstmengen für Vitamine in Nahrungsergänzungsmitteln. Wie in den anderen Tests haben wir uns daher an den Vorschlägen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) orientiert und alle Überschreitungen dieser Empfehlungen abgewertet. Besonders gut meinen es die Anbieter mit Niacin/Nicotinamid. Von der Substanz stecken bis zu 60 Milligramm (mg) in einer Tagesdosis, das BfR empfiehlt jedoch maximal 17 mg. Auch bei den Vitaminen B1 und B2 liegen mehrere Produkte deutlich über den vorgeschlagenen 4,0 mg Vitamin B1 bzw. 4,5 mg Vitamin B2.

Die Biovital Dynamic B12, Trinkfläschchen enthalten neben vier B-Vitaminen die Aminosäuren Glutamin und Serin, die als "wichtige Eiweißbausteine der Nervenzellen Konzentration, Gedächtnis und ein gesundes Nervensystem" unterstützen sollen. Allerdings: 0,1 Gramm Glutamin, die in einer Tagesdosis stecken, muten wie ein Witz an, wenn man bedenkt, dass im Nahrungseiweiß zirka fünf bis sieben Gramm der Aminosäure stecken.

Die Fitne Vitamin B Komplex, Kapseln nehmen eine Sonderstellung ein, weil die enthaltenen Vitamine nicht in isolierter Form zugesetzt wurden, sondern aus Quinoakeimlingen stammen. Spirulina- und Weizengrassaftkonzentrat liefern Flavonoide und den grünen Blattfarbstoff Chlorophyll. Diese Substanzen sollen das Abwehrsystem im Kampf gegen freie Radikale unterstützen. Zwar wirken Flavonoide antioxidativ, aber dass sich dies in irgendeiner Form positiv auf die Abwehrkräfte auswirkt, ist nicht belegt.

Ansonsten hält sich die Lyrik auf den Produkten in Grenzen. Aussagen wie "unterstützt Zellfunktion von Nerven und Haut, unterstützt Konzentrationsfähigkeit, Aufrechterhaltung der mentalen und physischen Leistungsfähigkeit" sind so richtig wie nichtssagend.

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