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ÖKO-TEST Januar 2015
vom

Nikotinersatz-Präparate

Das ist bestimmt ...

. . . meine letzte Zigarette. Ein guter Vorsatz fürs neue Jahr! Schluss mit der Qualmerei. Doch Rauchern können Entzugssymptome zu schaffen machen. Nikotin aus Arzneimitteln kann den Ausstieg unterstützen - immerhin schnitten fünf Präparate in unserem Test mit "sehr gut" ab.

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29.12.2014 | Manchmal können die Alten noch etwas von den Jungen lernen: Heute rauchen nur noch zwölf Prozent der 12- bis 17-jährigen Jugendlichen, hingegen immer noch 25 Prozent der Erwachsenen. Nach einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes hat sich damit der Nichtraucheranteil von 2009 bis 2013 um vier Prozentpunkte erhöht. "Es ist ein gutes Signal, dass immer weniger Menschen in Deutschland zum Glimmstängel greifen. Das zeigt: Zigaretten, Tabak und Nikotin sind nicht mehr zeitgemäß", kommentierte Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, diese Entwicklung.

Immerhin jeder vierte Nichtraucher outete sich in der Statistik als früherer Raucher. Gründe für das Aufhören gibt es genügend: Rauchen gilt als die häufigste vermeidbare Ursache von Erkrankungen und vorzeitigen Todesfällen. Allein in Deutschland sterben täglich circa 300 Menschen an den Folgen langjährigen Rauchens. Die rund 70 im Tabakrauch enthaltenen krebserregenden Substanzen verursachen bösartige Tumore in Lunge, Mundhöhle, Kehlkopf, Rachen, Speiseröhre, Bauchspeicheldrüse, Blase, Niere, Magen, Gebärmutterhals sowie bestimmte Formen der Leukämie. Hinzu kommen arteriosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die Lungenerkrankung COPD und weitere Krankheiten.

Mehr als genug Gründe, um mit dem Rauchen aufzuhören. Doch was hindert viele Raucher daran? Zu den häufigsten Ausreden zählen der fehlende feste Wille, der Glaube, es einfach nicht zu schaffen, oder es sei so schwer durchzuhalten. Fragt man Raucher, welche Methode sie bei ihren Aufhörversuchen angewendet haben, antwortet mehr als die Hälfte aller Befragten, sie hätten es ohne jegliche Hilfsmittel versucht. Laut dem Epidemiologischen Suchtsurvey von 2012 folgen die Unterstützung durch Partner, Freunde oder Familie und Bücher, Broschüren oder DVDs.

"Erfolgreich Aufhörende nutzen seltener Hilfsmaßnahmen", betont Dr. Christoph Kröger vom Institut für Therapieforschung (IFT) in München. Die Nutzer von Hilfsmaßnahmen sind älter, rauchen länger und stärker, haben bereits chronische Atemwegserkrankungen und sind insgesamt körperlich und psychisch stärker belastet. Das IFT hat ein Gruppenprogramm zur Tabakentwöhnung entwickelt, "Das Rauchfrei Programm". Es arbeitet mit einem festgelegten Rauchstopptag, im Vordergrund stehen Verhaltenstherapie und Motivationsförderung. "Viele Raucher denken, das Leben als Nichtraucher wird viel schlechter sein", erklärt Kröger. "Während des Kurses lernt der Raucher, seine Annahmen zu überprüfen. Falsche, nicht förderliche Gedanken werden ihm bewusst."

Zielvisionen sollen die Motivation der Aufhörwilligen fördern. Das laufe vor allem über eine Pro-und-Pro-Liste. "Der Raucher malt sich die Gründe für ein rauchfreies Leben konkret aus. Er macht sich klar, wie wichtig es ihm ist, was er erreichen möchte", erklärt Kröger. Auch die Gründe für das Weiterrauchen werden angeschaut, gewürdigt und relativiert. Glaube der Raucher beispielsweise, die Entzugserscheinungen seien ganz schlimm, gehe es auch darum, diese Befürchtungen zu dämpfen und ihm vor Augen zu führen, dass er als Nichtraucher viel leistungsfähiger sein wird. Die langfristige Erfolgsquote des "Rauchfrei Programms" beziffert Kröger auf etwa 31 Prozent, was verglichen mit anderen Verfahren hoch ist.

Häufig sind es Betriebe, die auf das Programm hinweisen. Als Basisangebot läuft es über etwa sieben, als Kompaktprogramm über gut drei Wochen. Die Trainer sind in der Mehrzahl Psychologen und Sozialpädagogen. Sie melden ihre Kurse an. Die Kosten werden dann auch von den Krankenkassen übernommen. Wer hingegen einen Kurs bei einem "zertifizierten Nikotintherapeuten" - häufig Heilpraktiker mit einem entsprechenden Zertifikat - absolviert, muss die Kursgebühr in der Regel aus eigener Tasche zahlen.

Im Rahmen von "Das Rauchfrei Programm" benutzt jeder vierte Teilnehmer Nikotinersatzpräparate, um die Entzugssymptome zu lindern. Nikotin gilt als maßgeblich beteiligt an der Entstehung und Aufrechterhaltung der Tabakabhängigkeit. Beim Rauchen gelangt das Alkaloid innerhalb von Sekunden ins Gehirn und wirkt angenehm entspannend oder stimulierend. Wer der Sucht entsagt, bekommt den Entzug körperlich zu spüren: Verstimmung, Übelkeit, Schlafstörungen, Angstgefühle, gesteigerter Appetit - und das auch als Craving bezeichnete dringende Verlangen nach Nikotin.

Im ÖKO-TEST: zehn Nikotinersatzpräparate, darunter vier Pflaster, zwei Kaugummis, zwei Lutschtabletten sowie ein Spray und ein Inhaler. Wir haben die Produkte im Hinblick auf ihre Wirksamkeit begutachten und auf mögliche Schadstoffe hin untersuchen lassen.

Das Testergebnis

Hilfreich: Die Wirksamkeit der verschiedenen Nikotinersatzpräparate gilt als belegt. Es sind die Hilfsstoffe, die einige Mittel in unserer Bewertung herunterziehen. Unter dem Strich bleiben aber fünf "sehr gute" Produkte.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Wer mit dem Rauchen aufhören will, nutzt häufig Hilfsmittel aus der Apotheke: Pflaster, Kaugummis, Lutschtabletten, Sprays oder Inhalatoren sollen die Entzugssymptome mildern. Von den verschiedenen Nikotin­ersatzpräparaten eines Herstellers haben wir nach Möglichkeit immer die mit der höchsten Dosierung gewählt.

Die Wirksamkeitsbelege
Unser wissenschaftlicher Berater, Professor Manfred Schubert-Zsilavecz vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Universität Frankfurt hat die Produkte für uns begutachtet: Inwieweit wurde die Nikotinersatztherapie in Studien untersucht? Können die Präparate unerwünschte Wirkungen nach sich ziehen?

Die Hilfsstoffe
Anhand der Deklaration haben wir bei Kaugummis, Lutschtabletten, dem Spray und dem Inhaler nach künstlichen Süßstoffen und synthetischen Farbstoffen geschaut. Die Pflaster, die lange auf der Haut kleben, wurden zudem auf zinnorganische Verbindungen, auf Schwermetalle sowie Weichmacher wie Phthalate hin analysiert.

Die Bewertung
Natürlich muss bei Arzneimitteln in erster Linie die Wirksamkeit in Studien belegt sein. Darüber hinaus ist für uns aber auch wichtig, dass die Medikamente den Verbraucher nicht unnötig mit problematischen Hilfsstoffen belasten. Daher erhalten die prinzipiell zur Raucherentwöhnung geeigneten Nikotinersatzpräparate am Ende doch nicht alle ein Gesamturteil "sehr gut".

So haben wir getestet

Im Labor wurde mittels Gaschromatografie analysiert, ob die Pflaster bedenkliche Weichmacher enthalten.