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Corona-Bürgertests kosten ab Ende Juni drei Euro

Autor: Redaktion (hap/bw) / dpa | Kategorie: Geld und Recht | 24.06.2022

Kostenlose Bürgertest gibt es ab Ende Juni nur noch für vulnerable Bevölkerungsgruppen.
Foto: Petra Weishaar/Shutterstock

Für viele Menschen sind Schnelltests ein einfaches Mittel für etwas mehr Sicherheit in Corona-Zeiten zu sorgen: Sie sind ja fast überall kostenfrei zu haben. Damit ist bald Schluß. Der Bund schränkt den milliardenteuren Service ein. 

Kostenlose Corona-Schnelltests für alle – diese Möglichkeit geht bald zu Ende. Gratis bleiben "Bürgertests" ab 30. Juni nur noch für bestimmte Risikogruppen. In der Regel sollen künftig drei Euro aus eigener Tasche pro Test bezahlt werden. Das teilte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Freitag nach einer Einigung mit Finanzminister Christian Lindner (FDP) mit.

Die Regelung soll Milliardenkosten für den Bund reduzieren. Die Länder sollen den Drei-Euro-Bürgeranteil übernehmen können, wenn sie das wünschen. Lauterbach sprach von einer insgesamt "guten Lösung". Die Bürgertests gingen nach Auslaufen der bisherigen Verordnung Ende Juni lückenlos weiter, was strittig gewesen sei. Die Tests sollten gezielter dort eingesetzt werden, wo sie den größten Nutzen hätten.

Finanzielle Möglichkeiten stoßen an die Grenzen

Lauterbach machte zugleich kein Hehl daraus, dass er kostenlose Bürgertests für alle gerne weitergeführt hätte. Bisher hat damit jeder auch ohne Symptome oder konkreten Anlass Anspruch auf mindestens einen Schnelltest pro Woche durch geschultes Teststellen-Personal und auf eine Bescheinigung.

Lindner sagte, mit der neuen Testverordnung werde der Einsatz des Steuergeldes effektiver. "Es kann nicht alles auf Dauer vom Bund gezahlt werden, weil unsere Möglichkeiten an Grenzen gekommen sind."

Das neue Konzept sieht nach Lauterbachs Angaben bis Jahresende noch Ausgaben von 2,7 Milliarden Euro vor – bei weiterhin voller Übernahme wären bis zu 5 Milliarden Euro zu erwarten gewesen. Gratis-Tests für alle waren im Herbst vergangenen Jahres schon einmal vorübergehend eingeschränkt und dann wieder breit eingeführt worden.

      Wer bekommt einen kostenlosen Corona-Schnelltest?

      Kostenlose Schnelltests sollen weiterhin für vulnerable Gruppen möglich sein. Dazu zählen folgende Personen:

      • Kinder im Alter von bis zu fünf Jahren
      • Frauen zu Beginn der Schwangerschaft
      • Besucher von Kliniken und Pflegeheimen
      • Haushaltsangehörige von Infizierten
      • Bewohner von Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen
      • Menschen, die sich nicht impfen lassen können

      Es sei vorgesehen, dass die Betroffenen ihre Berechtigung für einen Gratis-Test nachweisen – etwa per Ausweis oder Pass, mit Bescheinigungen, Vordrucken oder Attesten.

      Corona-Test: Anlass muss begründet werden

      Mit drei Euro Zuzahlung sollen Bürgertests in weiteren Fällen zu haben sein. Zum Beispiel vor Konzertbesuchen in Innenräumen, vor größeren Familienfesten oder Besuchen bei älteren Menschen, nach Risikokontakten, bei einer Warnung auf der Corona-App. Auch für diese bezuschussten Tests soll man sich in der Teststelle in eine Liste eintragen und den Testanlass begründen müssen.

      Bürgerinnen und Bürger können die drei Euro in der Teststelle oder Apotheke bar oder per Karte bezahlen. Für die Anbieter soll der "Erstattungspreis" von 11,50 Euro auf 9,50 Euro gesenkt werden: Zu den drei Euro kommen also 6,50 Euro vom Bund.

      Die Länder hätten die Möglichkeit, den Kostenanteil der Bürger an den Tests zu übernehmen, sagte Lauterbach. Dies sei auch eine Möglichkeit, etwa auf größere Corona-Ausbrüche zu reagieren. SPD-Fraktionsvize Dagmar Schmidt sagte: "Ich würde mich sehr freuen, wenn sich die Länder an den Kosten beteiligen und so kostenfreie Bürgertests ermöglichen."

      Netz an Corona-Teststellen soll erhalten bleiben

      "Wir wollen durch die Bürgertests Infektionsketten auch in Zukunft durchbrechen", sagte Lauterbach. Dafür sei man mit dem neuen Konzept gut gerüstet. Damit werde nun auch das Netz der Teststellen erhalten. Es sei damit zu rechen, dass die Zahl der Bürgertests sinke. Tests ganz ohne Anlass würden aber auch nicht empfohlen.

      Die Deutsche Stiftung Patientenschutz warnte davor, Pflegebedürftige daheim und ihre Angehörigen bei kostenlosen Vorbeuge-Tests auszuschließen. "Die Regierungschefs der Länder sind gefordert, den Fehler durch eine Kostenübernahme für diese besonders gefährdeten Menschen zu revidieren", sagte Vorstand Eugen Brysch.

      Das neue Konzept soll auch auf diverse Fälle von Abrechnungsbetrug mit den lukrativen Tests reagieren. Dafür soll unter anderem die Kontrollfrequenz erhöht werden, wie Lauterbach sagte – etwa um Testzentren, die fast nur negative Tests abrechnen, schneller aufzuspüren.

      Wer erhält einen kostenlosen PCR-Test?

      Und wie sieht es mit kostenlosen PCR-Tests aus? Wer in der Vergangenheit von der Corona-Warn-App auf ein "Erhöhtes Risiko" hingewiesen wurde, konnte bis vor einiger Zeit bei einer Vielzahl von Corona-Teststellen einen kostenlosen PCR-Test durchführen lassen. Diese Regelung gilt nicht mehr.

      In folgenden Fällen ist ein PCR-Test kostenlos (Quelle Bundesministerium für Gesundheit):

      • Ärztinnen und Ärzte können bei für Corona spezifischen Symptomen eine PCR-Testung veranlassen – und zwar unabhängig vom Vorliegen eines positiven Schnelltests.
      • Fällt ein Antigen-Schnelltest positiv aus, hat die getestete Person einen Anspruch auf einen kostenlosen PCR-Test zur Bestätigung des Schnelltestergebnisses.
      • Dies gilt auch bei Vorliegen eines positiven Selbsttests.

      Gut zu wissen:

      • Wer einen roten Warnhinweis in der Corona-Warn-App hat, sollte zunächst mit einem Antigen-Schnelltest prüfen, ob er oder sie sich mit dem Coronavirus infiziert hat. Erst wenn das Ergebnis positiv ausfällt, kann es mit einem PCR-Test überprüft werden.
      • Für das Freitesten, d.h. das vorzeitige Beenden einer Isolierung beziehungsweise Quarantäne, reicht ein Antigen-Schnelltest.

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