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Waldsterben: Was jeder einzelne dagegen tun kann

Magazin August 2020: Radler | Autor: Maren Klein | Kategorie: Freizeit und Technik | 18.08.2020

Der Wald ist Lufterfrischer, Wasserspeicher, Bodenschützer, Arbeitsplatz, Lebensraum. Und Klimaretter – wenn man ihn lässt.
Foto: stevanovicigor/getty images

Der Wald ist Lufterfrischer, Wasserspeicher, Bodenschützer, Arbeitsplatz, Lebensraum und Klimaretter. Doch ihm geht es schlecht. Wir geben Tipps, wie jeder einzelne etwas Gutes tun kann. Denn was wir einkaufen, was auf unseren Tellern landet oder im Müll, all das hat Auswirkungen.

Wenn einer uns helfen kann, den Klimawandel zu bekämpfen, dann ist es der Wald. Doch ihm geht es schlecht: Steigende Temperaturen und Trockenheit machen ihm schwer zu schaffen – und der Mensch. Allein in deutschen Wäldern werden 1,2 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert. Weltweit sind es rund 662 Milliarden Tonnen.

Wälder haben einen direkten Einfluss auf die Klimaerwärmung: je weniger es gibt, desto mehr steigen die globalen Durchschnittstemperaturen. Und je wärmer es wird, desto mehr leiden die Wälder. Es ist ein Teufelskreis – und Waldsterben ein großes Thema. Was kann den Wald stärken? 

  1. Holz effektiver nutzen 
  2. Sparsam mit Papier umgehen
  3. Auf Recyclingprodukte setzen
  4. Mehr Gemüse statt Fleisch essen 
  5. Weniger Lebensmittel wegwerfen 

Waldsterben: Holz ist nicht unbegrenzt verfügbar 

Im Schnitt verbraucht jeder Deutsche im Jahr rund 1,5 Kubikmeter Holz. Es steckt in Post-it-Zetteln und Briefumschlägen, dem neuen Schneidebrett und der Verpackung, in der es geliefert wurde. Und wer zufällig gerade neues Parkett verlegt: auch diese Großprojekte fließen in solche Statistiken. Für all das benötigt man pro Kopf im Jahr ungefähr einen Baum.

Um das zu schaffen, muss Holz importiert werden. Aus Skandinavien beispielsweise, aus Russland, aber auch Brasilien und Indonesien – je nachdem, was gewünscht ist. Papierhersteller etwa lassen Zellstoff um den halben Erdball nach Europa transportieren, weil sie für Klopapier kurze Fasern benötigen, die sich vor allem aus Eukalyptus gewinnen lassen. Und auch um uns herum hat der steigende Holzverbrauch seine Spuren hinterlassen: wo die Produktion von Holz an erster Stelle steht, zieht das natürliche Waldleben den Kürzeren.

Holz ist ein nachwachsender Rohstoff. Doch es ist nicht unbegrenzt verfügbar. Wissenschaftler plädieren für eine kaskadische Holznutzung. Also das Holz so lange zu recyceln und zu upcyceln, bis es wirklich am Ende seines Lebenszyklus angelangt ist und dann guten Gewissens in Energie umgewandelt werden kann – beispielsweise im Ofen landet.

Waldsterben als großes Problem: Wir erklären, was jeder einzelne tun kann.
Waldsterben als großes Problem: Wir erklären, was jeder einzelne tun kann. (Foto: Oxie99/Shutterstock)

Jeder muss Holz effektiver nutzen

Für jeden einzelnen bedeutet das, sich für qualitativ hochwertige, also langlebige Holzprodukte zu entscheiden. Am besten solche, die ein FSC-Siegel tragen. Es bedeutet, lieber zweimal zu überlegen: kann manʼs nicht doch noch reparieren? Muss man es wirklich wegwerfen? Und wenn ja, dann gilt es, das Holz so zu entsorgen, dass andere es recyceln können.

Aus Altholz beispielsweise lassen sich Spanplatten herstellen. Und auch wenn das Holz im Ofen landet, so geschieht das im besten Fall in modernen, effizienten Öfen, die die Feinstaub- und Schadstoffbelastung für die Umwelt so gering wie möglich halten.

Waldrodung: Sparsam mit Papier umgehen 

Sage und schreibe 40 Prozent des weltweiten Holzeinschlags gehen nach Zahlen der Umweltschutzorganisation WWF in die Papierproduktion. Deutschland gehört hier zu den Spitzenreitern: 247 Kilogramm Papier verbraucht jeder einzelne hierzulande. Der Großteil wird für Presse und Druck verbraucht, für Büro und Kommunikation, gefolgt von Verpackungen.

Hygienepapier, von Klopapier bis zum Küchenkrepp, macht den viertgrößten Posten aus – Papier also, das im Klo oder dem Restmüll landet und damit aus dem Recyclingkreislauf raus ist. Und das Erstaunlichste: Ausgerechnet hier sinkt der Einsatz von Altpapier. 2001 lag er bei 77 Prozent, inzwischen arbeitet die Industrie nur noch mit bis zu 50 Prozent Recyclingfasern. Woran das wohl liegt?

Am besten Recyclingpapier verwenden 

Papier umgibt uns überall. Dass hierfür Bäume in aller Welt gefällt werden müssen und der Weg vom Baumstamm zum Papier mit enorm großem Energieaufwand und Wasserverbrauch verbunden ist und gefährliche Stoffe in den Gewässern landen, ist offenbar weniger präsent als es einmal war. Was den Energiebedarf und CO₂- Ausstoß angeht, steht diese Industrie weltweit an fünfter Stelle.

Eine Verbesserung der Lage ist zum Greifen nah: mit jedem Blatt Papier aus Altpapier, mit jeder Rolle Recycling-Klopapier und mit dem Verzicht auf Küchenkrepp können Verbraucherinnen und Verbraucher dafür sorgen, dass weniger Bäume gefällt werden und etwas für Wälder, Wasser- und Klimaschutz tun.

Alles gelesen? Dann ist die Zeitung bereit für eine neue Runde als Karton, Klopapier oder Aktenordner. Es ist ganz einfach, ein paar Bäume im Jahr zu retten – Altpapier sammeln. Und auf Recyclingpapier umsteigen.
Alles gelesen? Dann ist die Zeitung bereit für eine neue Runde als Karton, Klopapier oder Aktenordner. Es ist ganz einfach, ein paar Bäume im Jahr zu retten – Altpapier sammeln. Und auf Recyclingpapier umsteigen. (Foto: Mario Hösel/imago images)

Gegen Waldsterben: Mehr Gemüse statt Fleisch 

Seit 1950 hat sich unser Fleischkonsum verdoppelt. Das hat seinen Preis. Denn die Rinder, Schweine, Hühner haben Hunger – und den stillen die Bauern gerne (und günstig) mit Soja. Vor allem in Südamerika sind in den vergangenen Jahrzehnten riesige Anbauflächen entstanden – wo einst Urwald war, sieht man heute Soja, Soja, Soja – soweit das Auge reicht. Zu Mehl gemahlen kommt es nach Europa und landet dort in den Futtertrögen.

Der WWF hat ausgerechnet: Würden sich die Deutschen an die Empfehlungen von Ernährungswissenschaftler halten, 70 Prozent mehr Gemüse und 40 Prozent weniger Fleisch essen, könnten rund 1,8 Millionen Hektar Fläche eingespart werden. Allein die Anbaufläche für Soja würde sich um 700.000 Hektar verringern.

Weniger Essen wegschmeißen: Was bringt das?

Auch Lebensmittelabfälle sorgen für bedrückende Zahlen: jeder Deutsche wirft im Jahr rund 82 Kilogramm Lebensmittel weg. Weltweit geht Jahr für Jahr ein Drittel der Lebensmittel verloren. Essen, das niemand satt macht, aber 38 Millionen Tonnen Treibhausgase verursacht, 216 Millionen Kubikmeter Wasser verbraucht und eine Fläche von 43.000 Quadratkilometern benötigt hat.

Wer sich selbst, seinem Portemonnaie und dabei auch noch der Natur etwas Gutes tun möchte, reduziert Fleisch- und Milchprodukte, kauft Lebensmittel regional, saisonal und aus biologischem Anbau ein und schmeißt weniger weg.

(Foto: ÖKO-TEST )

Was steckt hinter diesen Labels? 

Der Blaue Engel, FSC und PECF: Wir erklären Ihnen, wofür diese Labels stehen: 

1. Der Blaue Engel 

Bei Papierprodukten ist der Blaue Engel unschlagbar. Produkte, die dieses Zeichen tragen, bestehen zu hundert Prozent aus Altpapier, vor allem aus "unteren" Sorten. Zertifizierte Produkte müssen auf problematische Farbmittel, chlorhaltige Bleichen und optische Aufheller verzichten. An die Herstellung werden Anforderungen hinsichtlich der Umweltfreundlichkeit gestellt, die fertigen Produkte müssen die jeweiligen DIN-Normen erfüllen.

2. FSC 

Die Abkürzung FSC steht für Forest Stewardship Council, einem Zusammenschluss von Umweltorganisationen, Holzhändlern und der Forstindustrie. Das FSC-Label ist ein Waldzertifizierungslabel. Über den Schadstoffgehalt eines Produktes sagt es nichts aus. Wichtig ist genau hinzusehen.

  • Produkte, die das FSC-Recycled-Zeichen tragen, wurden komplett aus Recyclingmaterial hergestellt – zum Beispiel aus Altpapier. Eine gute Sache.
  • Produkte, die FSC-Mixzertifiziert sind, enthalten mindestens 70 Prozent Recyclingmaterial und/oder FSC-zertifiziertes Material. Zu finden ist es auf Spanplatten, Getränkekartons und Verpackungen.
  • FSC-100%-Produkte bestehen komplett aus FSC-Material.

Kritik am FSC gibt es immer wieder. So beendete Greenpeace 2018 seine Mitgliedschaft. Dass es auch FSC-zertifiziertes Holz aus Regenwäldern gibt, konnte die Umweltschutzorganisation nicht mit den eigenen Prinzipien vereinbaren. Dennoch erklärte Greenpeace, der FSC sei immer noch "– außerhalb von Urwäldern – das beste Zertifizierungssystem für Wälder".

3. PECF

Hinter dem PEFC-Label verbirgt sich ein Zertifizierungssystem von Forstindustrie und Waldbesitzerorganisationen. Es handelt sich hier um ein reines Waldzertifizierungsprogramm, das problematische Inhaltsstoffe bei den gelabelten Holz- und Papierprodukten nicht berücksichtigt.

  • Auf Holz- und Papierprodukten zeigt das Label PEFC zertifiziert an, dass zu 70 Prozent Hölzer aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung oder maximal 85 Prozent Recyclingmaterial verwendet wurden.
  • Auf Papierprodukten ist dieses Label verwirrend, denn es ist nur auf solchen zu finden, die mit Primärfasern hergestellt wurden – und damit schon per se zweite Wahl sind.
  • PEFC recycelt bedeutet: mindestens 70 Prozent des Materials stammen aus Recyclingmaterial.

Kaum eine Umweltorganisation unterstützt das PEFC-Label. Der WWF etwa hält das Waldzertifizierungssystem für "nicht glaubwürdig". Das Umweltbundesamt kritisiert, dass die Siegelvergabe nur auf Basis einer Selbstauskunft erfolgt – und Kontrollen nur stichprobenartig stattfinden.

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