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Ratgeber: Plastikabfall

Spezial Umwelt 6: 2012
vom 16.11.2012

Ratgeber: Plastikabfall

Kein Entkommen vor dem Zivilisationsmüll?

Millionen Tonnen Plastikmüll treiben im Nordpazifik, und täglich werden es mehr. Kein Land fühlt sich bisher verpflichtet, etwas dagegen zu unternehmen. Immerhin entwickeln private Initiativen Sanierungsideen. Und das nicht nur, weil die synthetische Suppe giftiger zu sein scheint, als lange Zeit angenommen.

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16.11.2012 | Umweltschutz kann hart sein - fast so hart wie die Wellen, die mit dumpfen Schlägen gegen das Brückendeck und die beiden Aluminiumrümpfe des Katamarans donnern, der mit zehn Knoten (18,5km/h) durch den Pazifischen Ozean pflügt. "Fühlt sich jedes Mal an, als fahre man mit dem Auto über einen Baumstumpf", schreibt Captain Charles Moore 1.000 Seemeilen nördlich von Honolulu in sein digitales Logbuch. Die fünfköpfige Crew - Meereswissenschaftler, Biologen, Chemiker, Studenten - muss es eben aushalten.

Zum wiederholten Mal macht sich Moore mit seinem Katamaran Alguita, einem veritablen Meeresforschungsschiff von 15 Metern Länge und fast acht Metern Breite, auf den Weg in den Müll, hinein in die gigantische Plastiksuppe, die in der Konvergenzzone zwischen 23 und 37 Grad nördlicher Breite, rund 1.000 Seemeilen vor der kalifornischen Küste, vor sich hin dümpelt und dort in den windstillen Rossbreiten ein Meeresgebiet verseucht, das so groß wie Deutschland oder Texas oder Zentraleuropa ist. Genau weiß das noch immer niemand, was daran liegt, dass die teilweise nur millimeter großen Plastikteile zumeist dicht unter der Wasseroberfläche treiben und deshalb die Dimensionen dieser wilden maritimen Müllkippe auf Satellitenfotos nicht zu erkennen sind.

Auch über Menge und Gewicht der Kunststoffmasse kann man bestenfalls spekulieren. Die Schätzungen reichen von 3 bis 100 Millionen Tonnen; Letzteres entspräche dem Gewicht des gesamten Kraftfahrzeugbestands der Bundesrepublik. Aber auch Nancy Wallace kann keine dieser Zahlen bestätigen - und sie ist als Direktorin des Marine Debris Program bei der US-Behörde National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) quasi zuständig für den großen pazifischen Müllstrudel.

Um die dürftige Informationslage zu verbessern, starten die NOAA-Experten seit 2008 unbemannte Drohnen von Schiffen aus, um den als Garbage-Patch bezeichneten Zivilisationsmüll zu überfliegen und systematisch zu erfassen. "Die Kameras liefern inzwischen klare Bilder", berichtet Peter Murphy. Bislang keinen Erfolg brachte der Einsatz von Satelliten, so der NOAA-Koordinator: "Wir analysieren noch immer, mit welchen Sensoren wir den Müll entdecken können."

Situation hat sich dramatisch verschlechtert

So lange, bis die Technik funktioniert, hat es Sinn, wenn Aktivisten wie Captain Moore Jahr für Jahr diese schwimmende Mülldeponie inspizieren, deren Zustand dokumentieren und Entwicklungstrends öffentlich machen. "Diesmal steuern wir genau die Stellen im Strudel an", erklärt der 65-Jährige, "an denen wir bereits 1999 Wasserproben entnommen haben." Rund 85.000 Seemeilen hat Moore seitdem mit seiner Alguita zurückgelegt und dabei Tonnen von Plastikmüll eingesammelt - Bälle, Bojen, Kleiderbügel, Kunststoffreifen, Kanister ohne oder mit gefährlichen Chemikalien, Verpackungen und immer wieder gewaltige Knäuel aus synthetischen Netzleinen und Trossen. Nichts davon baut sich biologisch ab. Vielmehr zerfallen die größeren Objekte unter Einwirkung von Son


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