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Funktionsshirts im Test: Das sind die besten für wandern, laufen & klettern

Magazin Oktober 2019: Kaffee – lecker und fair? | Autor: Annette Dohrmann/Christine Throl | Kategorie: Freizeit und Technik | 26.09.2019

Funktionsshirts im Test: Nur zwei Produkte schneiden mit "sehr gut" ab.
Funktionsshirts im Test: Nur zwei Produkte schneiden mit "sehr gut" ab. (Foto: Maridav/Shutterstock )

Funktionsshirts aus recycelten Materialien wie Plastikmüll und nachwachsenden Rohstoffen liegen im Trend. Aber bringt das der Umwelt tatsächlich was? Und sind sie funktional? Wir haben 15 Outdoorshirts getestet. Nur drei davon überzeugen.

Neue Kleidung aus Plastikmüll oder nachwachsenden Rohstoffen: Das klingt nach einer Lösung für eine Reihe drängender Probleme wie Ressourcenknappheit, Wassermangel, pestizidbelastete Böden, wachsende Müllberge und die Flut an Mikroplastik in den Meeren. Doch bevor Sie Ihrem Kaufimpuls nachgeben, nur so viel: Mal eben schnell die Welt retten mit einem dieser schicken, neuen Funktionshirts funktioniert nicht. Bei unserer Rechereche sind wir auf eine Reihe von Problemen gestoßen, die zeigen: Wo Recycling draufsteht, steckt nicht unbedingt Nachhaltigkeit drin. Dennoch finden wir es gut, dass die Branche beginnt umzudenken. 

Funktionsshirts im Test: Nur drei empfehlenswert 

Funktionsshirts sollen Sportler vor Hitze und Kälte schützen, das heißt, sie halten ihre Körpertemperatur im besten Fall konstant. Sie haben die Aufgabe, Schweiß aufzusaugen und keine Nässe aufkommen zu lassen. Die neuen Funktionsshirts bestehen aus Plastikmüll, Merinowolle oder recycelter Baumwolle. 

Wir haben 15 Funktionsshirts aus recycelten und nachwachsenden Fasern getestet und die Hersteller um Belege gebeten, die beweisen, dass sie Recyclingpolyester, Wolle ohne Tierquälerei oder Bio-Baumwolle als Rohstoffe einsetzen. Acht Hersteller haben uns keine Nachweise zur Herkunft ihrer Materialien geliefert.

Im Vergleich: Outdoorshirts für Frauen und Männer  

Das Testergebnis: Insgesamt schneiden nur drei der 15 Funktionsshirts im Test mit "sehr gut" und "gut" ab. Die restlichen kommen auf ein "befriedigendes" oder "ausreichendes" Gesamturteil. 

Einige Funktionsshirts enthalten halogenorganische Verbindungen, die als Rückstände aus dem Färbeprozess oder aus der Oberflächenveredelung von Textilien in der Kleidung zurückbleiben können. Das Problem: Viele Verbindungen aus dieser Stoffgruppe gelten als allergieauslösend, fast alle reichern sich in der Umwelt an. 

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Schadstoffe in Funktionsshirts 


Im Funktionsshirts-Test haben wir 15 Shirts aus recycelten und nachwachsenden Fasern überprüft.
Im Funktionsshirts-Test haben wir 15 Shirts aus recycelten und nachwachsenden Fasern überprüft. (Foto: ÖKO-TEST)

Phosphororganische Verbindungen kritisieren wir in zwei Funktionsshirts im Test. Sie kommen meist als Flammschutzmittel für Kunststoffe zum Einsatz, aber auch als Weichmacher. Sie werden in der Regel gut von der Haut aufgenommen und wirken häufig nervengiftig. Triphenylphosphat ist darüber hinaus ein Kontaktallergen.

Ein weiterer unserer Kritikpunkte: Der Einsatz von Silberchlorid. Es steckt in einem Outdoorshirt im Test. Laut Etikett soll es den Geruch verhindern und antibakteriell wirken. Nach Ansicht von Experten, etwa des Bundesinstituts für Risikobewertung, sollte der Einsatz von Silber gegen Keime allerdings auf den nachgewiesen medizinischen Nutzen beschränkt bleiben. Denn durch den verbreiteten Einsatz in Alltagstextilien könne es über das Abwasser von Waschmaschinen in die Umwelt gelangen und zu Resistenzen bei Bakterien führen.

Neben den Schadstoffen haben wir auch die Materialeigenschaften der Funktionsshirts im Test geprüft. Denn wer ein Outdoorshirt, etwa beim Wandern trägt, erwartet vor allem auch Funktionalität. 

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T-Shirts saugen Schweiß nicht schnell auf 

Alle Outdoorshirts im Test sind atmungsaktiv und luftdurchlässig. Sie transportieren Wasserdampf also rasch von der Innenseite des Gewebes nach außen, wo er verdunsten kann. Auch sind alle Shirts schweißecht, das heißt, sie färben beim Schwitzen nicht auf die restliche Kleidung ab. Außerdem haben so gut wie alle T-Shirts das Waschen tadellos überstanden. Keines lief ein oder leierte aus. Nur ein Outdoorshirt hat sich etwas verzogen und kassierte dafür einen Minuspunkt.

In puncto Saugfähigkeit schwächeln etliche Funkiontsshirts. Nur sechs von ihnen nehmen die entstehende Flüssigkeit schnell genug auf, um den nassen Schweiß rasch von der Haut weg zu transportieren. Das ist aber wichtig, wenn der Körper richtig ins Schwitzen gerät.

Auffällig im Test: Erstaunlich viele T-Shirts, neun insgesamt, bilden Knötchen auf der Oberfläche. Ein Anzeichen dafür, dass das Material der starken Beanspruchung von Funktionsshirts offenbar nicht gut standhält. Wir ziehen dafür eine Note ab.

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Tierwohl in der Produktion von Outdoorshirts 

Ertragreiche Falten: Merinoschafe sind darauf gezüchtet, besonders viel Wolle zu liefern. Tierwohl sieht anders aus.
Ertragreiche Falten: Merinoschafe sind darauf gezüchtet, besonders viel Wolle zu liefern. Tierwohl sieht anders aus. (Foto: smirart/gettyimages)

Und wie sieht es mit Tierwohl aus? Wolle ist gut, Wolle ohne Tierleid ist besser. Von allen Anbietern, in deren Shirts Merinowolle verarbeitet ist, hat uns nur ein Anbieter den Nachweis geliefert, dass das Material aus Schafhaltung ohne Mulesing stammt.

Zur Erklärung: Merinoschafen ist eine sehr faltenreiche Haut angezüchtet, damit sie besonders viel Wolle liefern. Um zu verhindern, dass sich Parasiten in den vielen Hautfalten am Hinterteil einnisten, werden den Lämmern – häufig ohne Betäubung – Hautstücke rund um den Schwanz herausgeschnitten. Diese Praxis nennt sich Mulesing. Wenn das Gewebe später vernarbt, bleibt es glatt und bietet keine Angriffsfläche mehr.

Die Richtlinien des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft (IVN) schließen Mulesing zwar aus, indem sie Fasern aus kontrolliert biologischer Tierhaltung vorschreiben. In einigen Ländern jedoch, etwa in Australien und Südafrika, verbieten die Bio-Standards das Mulesing nicht vollständig.

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Tipps für den Umgang mit dem Funktionsshirt  

  • Ihr synthetisches Shirt müffelt trotz Wäsche? Wenn Hausmittel wie Gallseife oder verdünnte Essiglauge nicht helfen, waschen Sie es zwischendurch "auf Risiko" bei 60 °C. Das ist besser als ein funktionierendes Kleidungsstück zu entsorgen.
  • Eine Reparatur beschädigter oder abgenutzter Kleidungsstücke verlängert deren Lebensdauer und verbessert die Öko-Bilanz. Einige Hersteller haben einen Reparaturservice oder bieten Ersatzteile – meist zum Selbstkostenpreis – an.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Testverfahren

Wir haben 15 Outdoorshirts für Frauen und Männer im Fachhandel, bei Sportdiscountern und Modeketten eingekauft. Dabei haben wir Modelle ausgewählt, die laut Informationen am Produkt oder auf der Website der Anbieter aus recycelten und/oder nachwachsenden Materialien bestehen.

In allen T-Shirts haben wir mit einem Materialscreening nach Schadstoffen gefahndet und Analysen auf krebserregende und -verdächtige Substanzen aus Farben, auf optische Aufheller, umweltgiftige Nonylphenolethoxylate und umstrittene halogenorganische Verbindungen durchführen lassen. Zudem wollten wir wissen: Sind die Shirts schweißecht, atmungsaktiv, saugfähig, luftdurchlässig und formstabil? Bilden sich Knötchen nach der Wäsche? Das wird beispielsweise bei der Pillingprüfung untersucht.

Wir baten die Anbieter auch, den Recyclinganteil bzw. den Einsatz von Bio-Baumwolle durch unabhängige Nachweise zu belegen. Darüber hinaus wollten wir wissen, ob sie einen Reparaturservice anbieten, gebrauchte Kleidung wieder einsammeln und ob sie bei der Wollproduktion auf tierquälerisches Mulesing verzichten.

Ein „sehr gutes“ Outdoorshirt ist atmungsaktiv, saugt die Feuchtigkeit rasch auf und ist robust, so dass sich auf der Oberfläche keine Knötchen bilden. Zu viele Notenabzüge für umstrittene und/oder bedenkliche Stoffe und fehlende Nachweise zum ausgelobten Material verschlechterten das Gesamturteil. Um zu prüfen, ob sich Knötchen bilden, reibt eine Maschine mit Druck 2.000 Mal über den T-Shirt-Stoff.

Bewertungslegende 

Testergebnis Materialeigenschaften: Unter dem Testergebnis Materialeigenschaften führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) viele Knötchen nach der Pillingprüfung (Note 2 – 3 und schlechter); b) ein Verzug von mehr als 3 bis 6 Prozent nach dem Waschen; c) eine geringe Saugfähigkeit, bei der das Gewebe mehr als 20 Sekunden benötigte, um Feuchtigkeit aufzunehmen.

Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: stark erhöhte Gehalte von mehr als 1.000 mg/kg phosphororganische Verbindungen (hier: Triphenylphosphat, Phenylkresylphosphat). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) halogenorganische Verbindungen; b) erhöhte Gehalte von mehr als 10 bis 1.000 mg/kg phosphororganische Verbindungen (hier: Triphenylphosphat; c) Silber; d) mehr als 1.000 mg/kg eines oder mehrerer Ersatzweichmacher (hier: Diethylhexylterephthalat/DEHT).

Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: Angabe von Recyclingmaterial oder mulesingfreie Wolle, aber kein Nachweis dafür vorgelegt. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Angabe von Recyclingmaterial und Bio-Baumwolle, aber nur für eines Nachweis vorgelegt; b) optische Aufheller in einem oder mehrere Etiketten; c) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen im Produkt.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Materialeigenschaften. Ein Testergebnis Inhaltsstoffe und ein Testergebnis Weitere Mängel, die „befriedigend“ oder „ausreichend“ sind, verschlechtern das Gesamturteil um jeweils eine Note.

Testmethoden 

Inhaltsstoffe: Halogenorganische Verbindungen: DIN EN ISO 9562:2005-02; Elution mit Reinstwasser in der Soxhlet-Apparatur, versetzen von 50 ml des Eluats mit 50 mg Aktivkohle und Kaliumnitratlösung, 1 Stunde schütteln, Aktivkohle abfiltrieren; den mit Aktivkohle belegten Filter bei 1000°C im Sauerstoffstrom verbrennen, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts, berechnet als Chlor. Optische Aufheller: qualitativer Nachweis (UV-Licht). Antimon: im Eluat nach DIN EN ISO 17294-2 (01/2017), Probenvorbereitung nach DIN EN 16711-2 (04/2014). Silber: im Totalaufschluss nach DIN E N ISO 17294-2 (01/2017), Probenvorbereitung nach DIN EN 16711-1 (04/2014). Aromatische Amine: Prüfung auf Amine aus Azo-Farben nach reduktiver Spaltung entsprechend DIN EN 14362-1:2017-05. Bei Feststellung aromatischer Amine wird das Analyseergebnis durch ein zweites Verfahren abgesichert (HPLC/DAD oder TLC). Es werden zusätzlich Anilin und Xylidine angegeben. Bei Hinweisen auf 4-Aminobenzol erfolgt immer eine zusätzliche Prüfung entsprechend DIN EN 14362-3:2017-05. Bestimmungsgrenze 1 mg/kg. Phosphororganische Verbindungen, Ersatzweichmacher, Phthalate: GC-MS nach Extraktion und Derivatisierung, in Mischproben aus Gewebe und Druck im Verhältnis 1:1. Nonylphenolethoxylate: LC-MS/MS. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Materialprüfung: Maßänderung: Maschinentyp, A 1-Frontlader, gemäß Pflegekennzeichnung, DIN EN ISO 5077:2008-04, DIN EN ISO 3759:2008-11, DIN EN ISO 6330:2013-02. Schweißechtheit, alkalisch/sauer: Nach DIN EN ISO 105-E04: 2013-08, Beurteilung mittels Graumaßstab (Lichtechtheit mittels Blaumaßstab), Note 5 = beste Note, Note 1 = schlechteste Note, Begleitgewebe: Wolle, Polyacryl, Polyester, Polyamid, Baumwolle, Acetat. Pillingprüfung: DIN EN ISO 12945-2:2000-11, modifiziertes Martindale-Verfahren, Stoff gegen Stoff, 2,4 cN/cm² Belastung, 2.000 Touren. Beurteilung mittels Standard; Note 5 = beste Note, Note 1 = schlechteste Note, Hauptmaterial rechte Warenseite. Saugfähigkeitstest: Tropfentest, Prüfung der Benetzungszeit nach TEGEWA, Hauptmaterial linke Warenseite. Wasserdampfdurchlässigkeit (Atmungsaktivität): DIN 53122 T. 1 2001-08, Prüfklima, 38 °C/90 % relative Feuchte, Hauptmaterial linke Warenseite. Luftdurchlässigkeit DIN EN ISO 9237 1995-12, Prüffläche 100 cm², Differenzdruck 100 Pa, Hauptmaterial rechte Warenseite.

Einkauf der Testprodukte: Juli 2019

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