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Veganes Hackfleisch im Test: Die Mehrzahl ist mit Mineralöl belastet

Magazin März 2021: Gesund mit Eiweiß | Autor: Johanna Michl/Meike Rix | Kategorie: Essen und Trinken | 03.03.2021

Veganes Hackfleisch im Test: Wie gut sind die Fleischersatz-Produkte?
Foto: ÖKO-TEST

Vegetarisches und veganes Hackfleisch schmeckt gut und ist gesund – zumindest dann, wenn es nicht mit Mineralöl verunreinigt ist sowie keine umstrittenen Zusatzstoffe oder zu viel Salz enthält. In unserem Test von 20 Fleischersatz-Produkten sind nur vier empfehlenswert.

  • Mit Bestnote schneidet kein veganes Hackfleisch im Test ab. Vier Marken allerdings sind mit "gut" empfehlenswert.
  • Etwa ein Drittel des Veggie-Hacks im Test fällt mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch.
  • Die meisten überprüften Fleischersatz-Produkte sind mit Mineralöl verunreinigt.

Mit veganem Hackfleisch sind Klassiker wie Spaghetti Bolognese oder Chili schnell zubereitet und neu interpretiert: ohne Tier und vermeintlich gesund. Wirklich gesund? Unser Test zeigt: Von 20 Packungen mit fertig gewürztem Veggie-Hack sind fast alle mit Mineralöl verunreinigt. Viele der hoch verarbeiteten Produkte enthalten zudem umstrittene Zusatzstoffe oder zu viel Salz.

Das hat zur Folge, dass sieben Fleischersatz-Produkte mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durchfallen. Keine der Packungen veganes Hackfleisch schneidet mit Bestnote ab, immerhin vier sind aber mit "gut" empfehlenswert. In unserem Einkaufskorb landete 19 Mal veganes Hack und ein Mal vegetarisches Hackfleisch. 

Veganes Hackfleisch im Test: Mineralöl ist ein Problem 

Doch kommen wir detaillierter zu den Problemen des veganen Hackfleischs im Test. Bis auf vier überprüfte Fleischersatz-Produkte bekommen alle Notenabzug für nachgewiesene Mineralölbestandteile. Viermal ist der Gehalt nach ÖKO-TEST-Kriterien sogar "stark erhöht".

Genau gesagt hat das von uns beauftragte Labor gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH) gefunden. Über diese ist bekannt, dass sie sich vor allem im menschlichen Fettgewebe und der Leber anreichern. In Tierversuchen haben MOSH zu Organschäden geführt. Welche Folgen die Aufnahme für den menschlichen Körper hat, ist noch nicht geklärt.

Veganes Hackfleisch im Test: Wir haben 20 Fleischersatz-Produkte überprüft.
Veganes Hackfleisch im Test: Wir haben 20 Fleischersatz-Produkte überprüft. (Foto: barmalini/Shutterstock)

Wie kommt das Mineralöl in Fleischersatz? 

In einem veganen Hackfleisch hat das von uns beauftragte Labor neben den MOSH auch aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) nachgewiesen. Zu dieser Stoffgruppe können auch krebserregende Verbindungen gehören.

Woher diese Bestandteile kommen? Der Hersteller schrieb uns, er habe als Eintragsquelle den Rohstoff Kokosöl identifiziert. Das ist plausibel, Speiseöle werden im Produktionsprozess häufig mit MOSH/MOAH verunreinigt.

Andere Erklärungen, wie das Mineralöl in Lebensmitteln landen kann, sind in der Produktion eingesetzte Schmieröle oder aber Übergänge aus Verpackungen aus Recyclingpapier und -pappe.

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Veganes Hack: Kritik an Zusatzstoffen und zu viel Salz 

Was ist ansonsten im Test von veganem Hack aufgefallen? 

  • Guter Geschmack lässt sich mit guten Zutaten herstellen. Die Zusätze von künstlichem oder natürlichem Aroma in vielen Packungen veganes Hackfleisch sind deshalb unserer Meinung nach überflüssig.
  • In einem veganen Hack im Test steckt zudem das Verdickungsmittel Carboxymethylcellulose (CMC). Da CMC in Tierstudien in hohen Dosierungen schädliche Effekte auf die Darmflora gezeigt hat, halten wir diesen Zusatz für ein unnötiges Risiko.
  • In gut der Hälfte der Fleischersatz-Produkte bemängeln wir Salzgehalte von mehr als 1,1 Gramm pro 100 Gramm. In Finnland müssen solche Fertig- und Halbfertiggerichte schon seit mehr als zehn Jahren einen Warnhinweis tragen. Denn dauerhaft hoher Salzkonsum erhöht das Risiko für Bluthochdruck und Folgeerkrankungen.
Veganes Hackfleisch im Test: Nur vier überprüfte Packungen veganes Hack sind empfehlenswert.
Veganes Hackfleisch im Test: Nur vier überprüfte Packungen veganes Hack sind empfehlenswert. (Foto: TalBee/Shutterstock)

So schmecken die Fleischersatz-Produkte  

Geschmacklich haben wir dagegen wenig zu bemängeln. Nur zweimal notierten die Sensorik-Experten echte Fehler im Geschmack: Ein überprüftes veganes Hack schmeckte leicht alt, ein anderes deutlich brandig.

Der Rest ist in Ordnung. Denn Soja, Tofu, Pilze oder Getreide bringen jeweils unterschiedliche Geschmacksnoten und unterschiedliche Mundgefühle, wie bissfest, elastisch, knusprig, saftig oder mürbe.

Veganes Hackfleisch und gesunde Ernährung 

Tragen vegetarisches und veganes Hackfleisch zu einer gesunden Ernährung bei? 

  • Alle Packungen Veggie-Hack im Test liefern Eiweiß. Der Gehalt liegt zwischen neun und mehr als 30 Prozent. Zum Vergleich: Hackfleisch aus Rind und Schwein enthält etwa 20 Prozent Eiweiß. Pflanzliche Eiweiße tragen zu einer gesunden Ernährung bei.
  • Anders als Fleisch enthalten die pflanzlichen Hackprodukte Ballaststoffe, die die Darmflora gesund halten.
  • Auffällig: Die Unterschiede im Vergleich der Fettgehalte sind riesig. Sie reichen von 1,5 bis 18 Gramm Fett pro 100 Gramm veganes Hackfleisch.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Fix und fertig für Lieblingsgerichte wie Chili sin carne oder vegane Sauce Bolognese – so oder ähnlich klingt die Werbung für fertig gewürzte Hackfleischersatzprodukte. Für den Test kauften wir 20 Mal vegetarisches Hack ein, davon sind 19 auch vegan. Fleischersatzprodukte sind im Trend, doch schmeckt das pflanzliche Hack auch und bringt es das erwünschte Mundgefühl? Das haben wir von geschulten Sensoriktestern überprüfen lassen.

Ein spezialisiertes Labor untersuchte die Produkte unter anderem auf Belastungen mit Mineralölbestandteilen und dem Pestizid Glyphosat. Auch die Fett- und Salzgehalte ließen wir im Labor überprüfen. Bei einer zu hohen Abweichung zum deklarierten Wert oder anderen Mängeln in der Deklaration zogen wir Noten unter dem Testergebnis Weitere Mängel ab, ebenso für nachgewiesene gentechnisch veränderte Organismen (GVO).

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: ein Gehalt an MOSH/MOSH-Analoga der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 4 mg/kg (in der Tabelle: Mineralölbestandteile "stark erhöht"). Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein Gehalt an MOSH/MOSH-Analoga der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 2 bis 4 mg/kg (in der Tabelle: Mineralölbestandteile "erhöht"); b) der Nachweis von MOAH. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Gehalt an MOSH/MOSH-Analoga der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 1 bis 2 mg/kg (in der Tabelle: Mineralölbestandteile "leicht erhöht"); b) ein analysierter Salzgehalt ab 1,2 g/100 g. Dies ist angelehnt an den Schwellenwert für einen Warnhinweis bei hohem Salzgehalt von Fertig- und Halbfertiggerichten bei mehr als 1,1 g/100 g in Finnland; c) der Zusatz von Carboxymethylcellulose; d) der Zusatz von Hefeextrakt als Geschmacksverstärker und/oder (natürlichem) Aroma.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) qualitativ nachgewiesene GVO-Sequenzen im Produkt (hier eine oder mehrere der folgenden Sequenzen: GVO P35S, GVO NOS, GVO EPSPS, GVO FMV34S, MON89788); b) ein am Produkt falsch deklarierter Nutri-Score von "B", obwohl das Produkt den Nutri-Score "C" tragen müsste; c) eine fehlende QUID-Angabe. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) eine Abweichung zwischen der Deklaration des Fettgehaltes und dem im Labor ermittelten Gesamtfettgehalt von mehr als +/– 20 % bei deklarierten Fettgehalten von 10–40 g/100g. Dies entspricht den Kriterien des Leitfadens für zuständige Behörden in Bezug auf die Festlegung von Toleranzen für auf dem Etikett angegebene Nährwerte; b) die Angabe "gemilderter Branntweinessig" im Zutatenverzeichnis. Da das Entstehen von Acetaten bei einer pH-Wert-Erhöhung von Essig sehr wahrscheinlich ist, sollten die als Konservierungsstoffe eingeordneten Acetate unserer Meinung nach auch als Zusatzstoffe im Zutatenverzeichnis genannt werden.

Bewertung Testergebnis Sensorik: Unter dem Testergebnis Sensorik führt zu Abwertung um zwei Noten: eine deutliche Fehlnote im Geschmack (hier: deutlich brandig). Zur Abwertung um eine Note führt: eine leichte Fehlnote in Geruch und Geschmack (hier: "leicht alt"). Steht bei konkret benannten Analysenergebnissen "nein", bedeutet das unterhalb der Bestimmungsgrenze oder Nachweisgrenze der jeweiligen Testmethode.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Testergebnisse Sensorik oder Weitere Mängel, die "befriedigend" oder "ausreichend" sind, verschlechtern das Gesamturteil um jeweils eine Note. Testergebnisse Sensorik oder Weitere Mängel, die "gut" sind, verschlechtern das Gesamturteil nicht.  

Testmethoden 

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte): Gesamtfett: LC-MS/MS. Glyphosat: LC-MS/MS. Kochsalz: potentiometrisch. MOSH/MOSH-Analoge/MOAH: DIN EN 16995:2017 mod. Die Modifikation betrifft die Verseifung und eine andere Matrix. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse. Sensorik: ASU L.00.90-16:2006. Nach Einzelprüfungen wurden die Ergebnisse in der Gruppe diskutiert und ein gemeinsames Gesamtergebnis erarbeitet.

Einkauf der Testprodukte: November 2020 

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