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Veganer Joghurt im Test: Kritik an Glyphosat und unnötigen Zusätzen

Magazin Oktober 2021: Zucker | Autor: Lisa-Marie Karl/Frank Schuster/Lena Wenzel | Kategorie: Essen und Trinken | 14.10.2021

Veganer Joghurt im Test: Wir haben auf Produkte auf Basis von Soja, Mandel, Hafer, Kokos, Cashew oder Lupine überprüft.
Foto: Vladeep/Shutterstock

Veganer Joghurt ist häufig empfehlenswert: Die Produkte in unserem Test sind kaum belastet und schmecken. Ganz ohne Kritik können wir die Joghurts allerdings nicht entlassen: In einigen beanstanden wir problematische Zusätze, zwei Mal sind wir auf Glyphosat gestoßen. 

  • Wir haben 22 vegane Joghurts eingekauft. Alle Produkte im Test sind einem fruchtfreien Naturjoghurt nachempfunden und größtenteils ungesüßt.
  • Elf vegane Joghurts im Test können wir mit Bestnote empfehlen. 
  • In einigen Joghurtalternativen stecken Zusatzstoffe wie Phosphate oder Aromen. In zweien hat das beauftragte Labor sogar das Spritzgift Glyphosat gefunden.

Joghurt geht nur mit Milch? Von wegen. Der Markt ist erfinderisch und bietet einer wachsenden Zahl von Kunden, die sich vegan ernähren oder Milch reduzieren möchten, längst eine große Auswahl an Alternativen. Da gibt es beispielsweise Zubereitungen auf Basis von Soja, Mandel, Hafer, Kokos, Cashew oder Lupine. Alle sind einem fruchtfreien Naturjoghurt nachempfunden.

Veganer Joghurt: Das Problem mit der Bezeichnung 

Auffällig: Keiner von ihnen wird auf der Verpackung als Joghurt bezeichnet. Grund dafür ist ein Urteil des EU-Gerichtshofs aus dem Jahr 2017. Demnach dürfen rein pflanzliche Produkte grundsätzlich nicht unter Bezeichnungen wie "Milch", "Käse" oder "Joghurt" vermarktet werden.

Die Hersteller sind daher sehr erfinderisch und nutzen bei Soja, Kokos oder Lupinen die Bezeichnungen "Sojagurt", "Kokosghurt" oder "Lughurt". Zum Glück sind wir keine Hersteller und benennen keine Produkte, wir sagen also einfach veganer Joghurt.

Veganer Joghurt im Test: Sind die milchfreien Joghurt-Alternativen empfehlenswert?
Veganer Joghurt im Test: Sind die milchfreien Joghurt-Alternativen empfehlenswert? (Foto: goodmoments/Shutterstock)

Vegane Joghurts auf Basis von Soja, Hafer & Co. im Test 

Wir haben 22 Zubereitungen auf Basis von Soja, Mandel, Hafer, Kokos, Cashew oder Lupine eingekauft und in die Labore geschickt. Im Fokus: Inhaltsstoffe und Geschmack. Insgesamt können wir elf Produkte mit "sehr gut" empfehlen. 

Was ist im Detail aufgefallen? In zwei veganen Joghurts im Test steckt das krebsverdächtige Spritzmittel Glyphosat. Es stammt vermutlich aus der konventionell angebauten Hauptzutat Soja. In allen übrigen Produkten hat das Labor keine Pestizide gefunden.

Unnötige bis problematische Zusätze gefunden  

Die Beigabe von Aromen ist ein Trick, um die Produkte geschmacklich etwas aufzupeppen. In sechs Produkten werten wir diesen Zusatz ab. Viermal schmeckten die Sensoriker eine vanilleartige Aromanote heraus, einmal eine leichte Keksnote.

Wir sind der Meinung: Aromenzusätze sind häufig unnötig und widersprechen hier zudem der Auslobung "Natur", die alle sechs Produkte tragen. Wenn der Verbraucher es fruchtig oder vanillig mag, greift er zu einer Fruchtjoghurt- und nicht zu einer Naturjoghurt-Alternative. 

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Den Zusatz von synthetischen Vitaminen halten wir, zumindest teilweise, für überflüssig. Drei Produkten sind Vitamin D und B2 beigefügt. Bei einer gesunden, ausgewogenen Ernährung benötigen vegan lebende Menschen aus unserer Sicht davon keine Ergänzung. Anders bei Vitamin B12, das nur in tierischen Lebensmitteln steckt: Diesen Zusatz werten wir nicht ab.

Kritik an Phosphatsalz in veganen Joghurts 

Wir sind zudem auf Phosphate gestoßen, die in fünf veganen Joghurts enthalten sind. Sie sind in Form von Calciumphosphat eingesetzt – zur Anreicherung mit Calcium. An diesem Mineralstoff kann es bei einer veganen Ernährung ebenfalls mangeln.

Daher ist ein Calciumzusatz an sich in Ordnung, jedoch nicht als Phosphatsalz. Denn Phosphate können den Phosphatspiegel im Blut erhöhen, was das Risiko für einen Herzinfarkt und Schlaganfall steigern kann.

Joghurt ist ein beliebter Snack für Zwischendurch oder zum Nachtisch.
Joghurt ist ein beliebter Snack für Zwischendurch oder zum Nachtisch. (Foto: Chatham172/Shutterstock)

Wie schmecken die veganen Joghurts im Test? 

Wir wollten auch wissen, ob die milchfreien Alternativen geschmacklich mit den Originalen mithalten können. Dazu haben geschulte Sensoriker die veganen Joghurts verkostet. Ergebnis: Die Geschmacksexperten hatten kaum etwas zu kritisieren.

Die allermeisten wiesen den für Joghurt typischen, säuerlichen Geschmack auf. Akzeptieren muss man allerdings eine Beinote nach der jeweiligen Hauptzutat, also zum Beispiel Hafer, Mandel oder Kokos.  

Verdickende Zutaten sollten nicht stark durchschmecken

Einen Joghurt ohne Milch herzustellen, ist durchaus knifflig. Die pflanzlichen Ausgangsstoffe haben, abgesehen von Soja, weniger Eiweiß. Die cremige Konsistenz von Milchjoghurt entsteht allerdings durch die natürliche Bindung von Eiweiß.

Um die Cremigkeit dennoch zu erreichen, setzen Hersteller von Vegan-Alternativen oft verdickende Zutaten ein, etwa Guarkernmehl, aber auch Stärke. Zu stark durchschmecken sollte letztere Zutat allerdings nicht. Eine störende, deutliche Stärkenote machten die Sensoriker in zwei Produkten aus. Beiden Produkten ist Tapiokastärke beigemischt.

Bei einer weiteren Joghurt-Alternative schmeckten die Sensoriker eine untypische stark fruchtig-säuerliche Note heraus. Diese lässt sich auf die Zutat Traubensaftkonzentrat zurückführen

(Foto: ÖKO-TEST)

So entsteht der säuerliche Geschmack von Joghurt 

Übrigens: Für den säuerlichen Geschmack von Joghurt sind Kulturen aus Milchsäurebakterien verantwortlich. Sie wandeln Milchzucker (Lactose) in Milchsäure (Lactat) um. Dieser Prozess heißt Fermentation. Für den Joghurt- typischen Geschmack wird dieses Prinzip auch in veganen Alternativen eingesetzt.

Die Milchsäurebakterien verzehren darin allerdings keinen Milchzucker, sondern den Zucker der jeweiligen pflanzlichen Hauptzutat, zum Beispiel Saccharose. Damit die Erzeugnisse wirklich vegan sind, müssen die Kulturen vorher auf veganem Nährboden gewachsen sein. Das ist bei allen Produkten im Test der Fall.  

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Haferflocken zum Naturjoghurt? 

Naturjoghurt wird zum Frühstück oder als Snack auch häufig mit Haferflocken vermischt. Diese stecken voller Vitamine und Eiweiß und sind damit eigentlich gesund. In unserem Test fielen aber einige Produkt negativ auf: Sechs von 24 überprüften Marken waren deutlich mit Nickel belastet, ein paar enthielten Schimmelpilzgifte, und es gab teils Probleme mit Mineralölbestandteilen. 

Gleichzeitig gibt es aber auch zehn Produkte, die wir mit Bestnote bewerteten. Mehr zum Test lesen Sie hier: Haferflocken im Test: Nickel, Schimmelpilzgifte und Mineralöl gefunden.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben 22 vegane Joghurt-Alternativen eingekauft. Alle Produkte im Test sind einem fruchtfreien Naturjoghurt nachempfunden und größtenteils ungesüßt. Neun der milchfreien Alternativen basieren auf Soja, vier auf Kokosnuss, jeweils drei sind aus Hafer oder Mandeln gewonnen, zwei aus Cashewkernen und eines aus Lupinen. Bei 13 Produkten stammen die pflanzlichen Rohstoffe aus ökologischer Landwirtschaft.

Die von uns beauftragten Labore analysierten die Produkte auf Mineralölbestandteile, Rückstände von Pestiziden, Schwermetalle und auf die mikrobiologische Belastung. Soja-Produkte ließen wir auf gentechnisch veränderte Bestandteile untersuchen – sie konnten in keinem Produkt nachgewiesen werden. Bei einem Calcium-Zusatz ließen wir den deklarierten Gehalt überprüfen. Die Verpackungen ließen wir auf umweltschädliche chlorierte Verbindungen wie PVC untersuchen.

Wie die veganen Joghurt-Alternativen schmecken und riechen, welche Konsistenz sie aufweisen und welches Gefühl sie im Mund entfalten, das alles testeten geschulte Sensoriker für uns. Dabei war es wichtig, dass sie keine deutlichen Geschmacksnoten aufwiesen, die zu stark von den wertgebenden Zutaten abweichen.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um jeweils eine Note: a) zugesetzte Aromen; b) Zusatz von Vitaminen (hier: Vitamin B2, Vitamin D), die über eine gut geplante Lebensmittelauswahl bei veganer Ernährung abgedeckt werden können; c) phosphathaltige Zusätze; d) ein besonders bedenkliches Pestizid in einem Gehalt von mehr als 0,01 mg/kg (hier: Glyphosat). Unter dem Testergebnis Sensorik führt zur Abwertung um eine Note: ein vorherrschender sensorischer Eindruck, der den sensorischen Eindruck der wertgebenden Zutat übertrifft (hier: "deutliche Stärkenote", "stark fruchtig- säuerlich").

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: eine fehlende quantitative Angabe (QUID) der wertgebenden Zutat. Zur Abwertung um jeweils eine Note führt: eine Abweichung zwischen dem deklarierten und dem im Labor ermittelten Gehalt an Calcium von mehr als + 45 % oder – 10 % (Letzteres entspricht der Messunsicherheit der verwendeten Testmethode). Dies richtet sich nach den Kriterien des EU-Leitfadens für zuständige Behörden in Bezug auf die Festlegung von Toleranzen für auf dem Etikett angegebene Nährwerte.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Testergebnisse Sensorik oder Weitere Mängel, die "befriedigend" oder "ausreichend" sind, verschlechtern das Gesamturteil um jeweils eine Note. Testergebnisse Sensorik oder Weitere Mängel, die "gut" sind, verschlechtern das Gesamturteil nicht.

Testmethoden 

Glyphosat, Glufosinat, AMPA: LC/MS/MS. MOSH/MOSH-Analoge/MOAH: DIN EN 16995:2017 mod. Die Modifikation betrifft die Verseifung und eine andere Matrix. Mikrobiologie: Gesamtkeimzahl aerob: DIN EN ISO 4833-2:2014; Enterobakterien: ASU L00.00-133/2:2018; Escherichia coli: ASU L 00.00-132/1: 2010; präsumtive Bacillus cereus: ASU L 00.00-33:2006; Salmonellen: ASU L 00.00-20: 2018; Listeria monocytogenes: ASU L 00.00-22: 2018; Streptococcus thermophilus und Lactobacillus bulgaricus: ISO 7889/IDF 117:2003; Milchsäurebakterien: ISO 15214: 1998; Hefen und Schimmelpilze: ISO 21527-2: 2008. Elemente: Totalaufschluss in der Mikrowelle; Elementbestimmung mittels ICP-MS. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse. Sensorik: ASU L.00.90-16:2006. Nach Einzelprüfungen wurden die Ergebnisse in der Gruppe diskutiert und ein gemeinsames Gesamtergebnis erarbeitet. Sojaprodukte: qualitativer Nachweis von gentechnisch veränderter Soja-DNA nach DNA-Extraktion; Analyse mittels Realtime-PCR auf 35S-Promoter, NOS-Terminator, GVO pat, GVO cry1Ab/Ac, GVO EPSPS, GVO FMV34S. Die Identifizierung erfolgt mittels weiterführender PCR-Analysen. Produkte auf Basis von Mandel, Cashew, Soja: saure Herbizide: LC-MS/MS. Produkte mit Calciumanreicherung: Calcium per Aufschluss: DIN EN 13805:2014; Bestimmung: ASU L00.00-144:2019.

Einkauf der Testprodukte: Juni/Juli 2021 

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