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Spätzle im Test: Tierleid und Kükentöten sind große Probleme

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Magazin Mai 2021: Tomaten | Autor: Hanh Friedrich/Meike Rix | Kategorie: Essen und Trinken | 29.04.2021

Spätzle im Test: Leider stecken in 17 von 20 Produkten Eier von Hühnern aus wenig artgerechter Bodenhaltung.
Foto: ÖKO-TEST

Spätzle aus dem Kühlregal sind schnell zubereitet und schmecken gut. Ärgerlich ist aber, dass die meisten Hersteller im Test Eier aus nicht artgerechter Haltung für ihre Nudeln verwenden. Unerwünscht sind auch Verunreinigungen durch Mineralöl und Pestizidrückstände – und doch haben wir beides gefunden.

  • Wer Ansprüche ans Tierwohl stellt, macht Spätzle derzeit besser selber. In der Hühnerzucht für die Eier aller getesteten Produkte wurden noch männliche Küken getötet. Außerdem landen meistens Eier aus Bodenhaltung in den Nudeln.
  • Wenn Freiland-Eier deklariert sind und bei Bio-Produkten, gelten immerhin vergleichsweise bessere Standards für die Haltung der Hennen.
  • Fünf mal hat das von uns beauftragte Labor Verunreinigungen mit Mineralöl nachgewiesen. In drei Spätzle stecken bedenkliche Pestizide. 

Fertigspätzle bestehen bis zu 25 Prozent aus Eiern. Und die sind ein großes Problem in den Nudeln. Genauer: Die Umstände unter denen sie erzeugt wurden. Denn: Nur in drei von 20 Spätzle im Test stecken Eier aus einer besseren Kategorie als Bodenhaltung. Und: Für alle mussten männliche Küken sterben.

Anders als beim Verkauf von unverarbeiteten Eiern müssen die Hersteller auf verarbeiteten Produkten keine Angabe zur Haltungsform der Hühner machen. Wie wichtig solche Angaben sind, zeigt die Geschichte der frischen Eier aus Käfighaltung. Sie gibt es in Deutschland praktisch nicht mehr zu kaufen. Verbraucherinnen und Verbraucher wollen das nicht auf ihrer Eierpackung lesen. Sie haben mit ihren Kaufentscheidungen erreicht, dass die frischen Käfigeier aus dem Handel nahezu verschwunden sind.

Spätzle: Herkunft der Eier muss nicht deklariert sein 

Doch in konventionellen Fertigprodukten können nach wie vor Eier aus miesesten Haltungsbedingungen stecken, eine Kennzeichnung der Herkunft ist immer noch nicht vorgeschrieben. Auf ein paar Produkten im Test steht schlicht gar nichts zur Tierhaltungsform. Aus unserer Sicht ist das intransparent und nicht verbraucherfreundlich. Auf Rückfrage belegten uns die Hersteller, dass sie für ihre Spätzle Eier aus Bodenhaltung beziehen.

Hühner leben eigentlich von Natur aus in kleinen Gruppen von fünf bis 20 Hennen plus einem Hahn.
Hühner leben eigentlich von Natur aus in kleinen Gruppen von fünf bis 20 Hennen plus einem Hahn. (Foto: Moonborne/Shutterstock)

13 andere Hersteller geben immerhin an, dass Eier aus Bodenhaltung in ihren Spätzle stecken. Und ja: Bodenhaltung ist besser als Käfighaltung. Trotzdem ist sie denkbar weit entfernt von einer artgerechten Tierhaltung. Bodenhaltung heißt in der Regel: Auf einem Quadratmeter Platz drängen sich bis zu neun Tiere. Im Stall. Einen Anspruch auf Auslauf im Freien haben die Hühner nicht.  

Besser sind hier die Hilcona Spätzlini Minis und die Schmids No.1 Frische Gutshof- Spätzle mit Freilandeiern und die Bio Verde Frische Eier Spätzle. In der Freilandhaltung und der ökologischen Erzeugung dürfen die Hennen täglich mehrere Stunden ins Freie – wenn nicht gerade die Vogelgrippe grassiert.  

Für alle Spätzle im Test mussten Küken sterben 

Kritisch sehen wir nicht nur die miesen Haltungsbedingungen, sondern auch das Kükentöten. Zwar gibt es im Segment der frischen Hühnereier mittlerweile einige Marken, in deren Lieferkette männliche Küken als Bruderhähne aufgezogen werden. Doch in der Eierproduktion für die fertigen Spätzle ist das nicht der Fall. Männliche Küken werden in der Legehennenzucht gleich nach dem Schlüpfen aussortiert und getötet.

Lediglich ein Hersteller gab auf unsere Nachfrage an, auch Eier aus Bruderhahn-Aufzucht zu verwenden, aber eben nur teilweise. Bis 2022 sollen immerhin sechs Produkte im Test – laut Hersteller-Ankündigungen – auf Eier ohne Kükentöten umgestellt werden. Bis dann will die Bundesregierung die Praxis in Deutschland im Übrigen auch gesetzlich verbieten.

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Einige Spätzle sind mit Mineralöl verunreinigt 

Was die Inhaltsstoffe angeht, ist unser häufigster Kritikpunkt Mineralöl. Ein Viertel der Produkte enthält Verunreinigungen mit gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH), die wir als "leicht erhöht" bewerten. Die Stoffe sammeln sich in Organen wie der Leber an. In Tierversuchen haben Forscher Organschäden beobachtet.

Lebensmittel sollten deshalb vorsorglich möglichst wenig MOSH enthalten. Denkbar ist, dass das Mineralöl aus Schmierfetten an Geräten in der Produktion in die Spätzle gelangt ist.

Spätzle im Test: Wir haben 20 Packungen Nudeln untersucht.
Spätzle im Test: Wir haben 20 Packungen Nudeln untersucht. (Foto: Brent Hofacker/Shutterstock)

Bedenkliche Pestizide in drei Nudeln gefunden 

Auch Pestzide sind unerwünscht in Spätzle. Und doch haben wir sie gefunden. In den Dehlerhof Schwäbische Spätzle hat das von uns beauftragte Labor das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat nachgewiesen, in den Ulmer Frisch Nudel Spatz geschabte Spätzle steckt das Insektizid Pirimiphos-methyl, und in den Schmids No.1 Frische Gutshof-Spätzle finden sich gleich beide Stoffe.

Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC stuft Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend beim Menschen" ein. Die Europäische Chemikalienagentur ECHA sieht keinen Krebsverdacht. Pirimiphos-methyl ist bienentoxisch. Die Gehalte sind zwar relativ gering, dennoch meinen wir, dass solche bedenklichen Substanzen besser nicht in Lebensmitteln stecken sollten. 

Kritik an zu viel Salz in ein paar Spätzle im Test 

Auch zu viel Salz sollte nicht in Lebensmitteln enthalten sein. Natürlich ist Salz kein Schadstoff. Dauerhaft hoher Salzkonsum erhöht aber das Risiko für Bluthochdruck und Folgeerkrankungen. Die Alb Gold Gourmet Spätzle, die Ulmer Frisch Nudel Spatz geschabte Spätzle und die Unsere Heimat Frische Eierspätzle enthalten mehr als 1,1 Gramm Salz pro 100 Gramm.

In Finnland müssen Fertig- und Halbfertiggerichte mit solchen Salzgehalten schon seit mehr als zehn Jahren einen Warnhinweis tragen. In Deutschland gilt in der Salz- wie in der Zuckerreduktion in Fertiglebensmitteln das Prinzip Freiwilligkeit – bisher ohne durchschlagenden Erfolg.  

(Foto: ShDrohnenFly/Shutterstock)

Positiv: Keine Keime in den Teigwaren entdeckt 

Wir haben auch gute Nachrichten: Die Teigwaren im Test sind frei von Schimmelpilzgiften. Auch das in der Umwelt weit verbreitete Schwermetall Cadmium war nur in Spuren nachweisbar. Außerdem sind die Spätzle hygienisch einwandfrei.

In Frischnudeln können sich leicht Keime vermehren, wenn in der Herstellung und Abfüllung unsauber gearbeitet oder die Kühlkette unterbrochen wurde. Die getesteten Spätzle haben die mikrobiologische Prüfung zum Ende der Mindesthaltbarkeit bestens bestanden. Weder Krankheitserreger wie Salmonellen und Listerien noch Enterobakterien hat das beauftragte Labor nachgewiesen.

So schmecken die Spätzle 

Und wie schmecken die Spätzle im Test? Nach dem Urteil der Sensorikexperten ist das Endergebnis für Auge, Nase und Geschmacksknospen stimmig. Das gilt sowohl für die billigsten Spätzle für 96 Cent als auch für das Markenprodukt für 3,63 Euro pro 500 Gramm.

Alle Proben bieten die typischen Eigenschaften von selbst gemachten Spätzle: Sie werden in der Pfanne cremefarben bis goldgelb und schmecken deutlich bis stark nach Ei und Teig. Das Mundgefühl ist leicht bis deutlich kochfest und nicht etwa schwammig.

Die frischen Fertigspätzle haben zudem eine schöne raue und porige Oberfläche, und sie sind locker. Ein Vorteil übrigens gegenüber getrockneten Spätzle, die meist kompakter und fester sind.

Spätzle im Test: Fakten im Überblick 

  • Wir haben 20 Spätzle aus dem Kühlregal eingekauft. Weil es insgesamt relativ wenig frische Bio-Spätzle im Handel gibt, ist nur eine Bio-Marke dabei.
  • Wenig artgerechte Haltung von Hennen und Kükentöten sind große Probleme in der Produktion der Spätzle. Weitere Kritik betreffen: Mineralölbestandteile, Pestizidrückstände und zu viel enthaltenes Salz. 
  • Zwei von 20 Spätzle im Test bewerten wir mit "sehr gut". Wer allerdings hohe Anforderungen an das Tierwohl stellt, sollte Spätzle besser selber machen. Kükentöten ist leider immer noch der Normalfall. 

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Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben 20 frische Spätzle aus dem Kühlregal eingekauft. Weil es insgesamt relativ wenig frische Bio- Spätzle im Handel gibt, ist nur eine Bio-Marke dabei. Auf dem Prüfplan standen Pestizidrückstände und Schimmelpilzgifte, die etwa über die Zutat Mehl in die Spätzle gelangt sein können, außerdem das Schwermetall Cadmium und Mineralöl. Zum Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums untersuchte das von uns beauftragte Labor die Produkte auf Krankheitserreger wie Salmonellen, Staphylokokken und Listerien. Anhand der verpflichtenden Angaben auf der Verpackung prüften wir, ob die Fertigspätzle kritische Zusatzstoffe enthalten, und erfassten die Salzgehalte.

Geschulte Sensorikprüfer brieten die Teigwaren jeweils gemäß der Packungsangaben in der Pfanne an und beurteilten Aussehen, Geruch und Mundgefühl. Für Eier aus der wenig artgerechten Bodenhaltung haben wir unter dem Testergebnis Weitere Mängel Noten abgezogen. Auch wenn in der Zucht der Legehennen männliche Küken getötet wurden, führt das zu Notenabzug.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) ein Gehalt von MOSH/MOSH-Analoga der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 1 bis 2 mg/kg (in der Tabelle: Mineralölbestandteile "leicht erhöht"); b) ein deklarierter Salzgehalt ab 1,2 g/100 g; c) ein bis zwei als besonders bedenklich eingestufte Pestizide in Gehalten von mehr als 0,01 mg/kg (hier: Glyphosat und/ oder Pirimiphos-methyl). Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen "nein", bedeutet das unterhalb der Bestimmungsgrenze der jeweiligen Testmethode.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: die Verwendung von Eiern aus Bodenhaltung. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) die Angabe einer unrealistisch kleinen Portionsgröße von 125 Gramm; b) mangelnde Transparenz aufgrund fehlender Deklaration zur Haltungsform der Legehennen der verwendeten Eier; c) das Töten männlicher Küken in der Zucht der Legehennen, die die Eier legen.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "ungenügend" oder "mangelhaft" ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Testmethoden 

Pestizid-Screening: nach DIN EN 15662: 2018 (entspricht ASU L 00.00-115: 2014). Glyphosat: LC-MS/MS nach Extraktion mit Methanol/Essigsäure und Derivatisierung. Wachstumsregulatoren: nach ASU L 00.00-76: 2008. Mykotoxine: LC-MS/MS. Cadmium: Aufschluss nach DIN EN 13805: 2014. Bestimmung von Cadmium nach DIN EN 15763: 2010. Mikrobiologische Untersuchungen: Gesamtkeimzahl aerob nach DIN EN ISO 4833-2: 2014; Enterobacteriaceen nach ASU L 00.00-133/2: 2018; E. coli nach ASU L 00.00-132/1: 2010; koagolase-positive Staphylokokken nach ASU L 00.00-55: 2004; präsumtive B. cereus nach ASU L 00.00-33: 2006; L. monocytogenes nach ASU L 00.00-22: 2018; Salmonellen nach ASU L 00.00-20: 2018. Mineralölbestandteile: Nach DIN EN 16995: 2017, modifiziert. Die Modifikation betrifft die Verseifung und eine andere Matrix. Sensorik: Zubereitung entsprechend der Verpackungsangabe. Beurteilung nach ASU L 00.90-16: 2006. Nach Einzelprüfungen werden die Einzelergebnisse in der Gruppe diskutiert und ein gemeinsames Gesamtergebnis erarbeitet. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Januar 2021 

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