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Sonnenblumenöl-Test: Fast alle Öle mit Mineralöl belastet

Magazin August 2021: Feta | Autor: Birgit Hinsch/ Meike Rix/ Ann-Cathrin Witte | Kategorie: Essen und Trinken | 05.08.2021

Sonnenblumenöl-Test: Welche nativen und raffinierten Sonnenblumenöle sind empfehlenswert?
Foto: ÖKO-TEST

Sonnenblumenöl kann für viele Gerichte verwendet werden und ist reich an Vitamin E. Allerdings zeigt unser Test: Die Produkte sind häufig mit Mineralöl belastet. Aus diesem Grund schneidet nur eins der getesteten Sonnenblumenöle mit "sehr gut" ab. 

  • Fast alle der 21 Sonnenblumenöle im Test sind mit Mineralöl verunreinigt. In zwei Produkten bewerten wir die Gehalte sogar als "stark erhöht".
  • Das von uns beauftragte Labor hat auch zwei Mal potenziell krebserregende Stoffe nachgewiesen.
  • Die gute Nachricht: Ein Sonnenblumenöl ist mit "sehr gut", neun weitere mit "gut" empfehlenswert.

Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist Sonnenblumenöl kein Muss für den Küchenschrank. Auch gesundheitlich ist es, weder als raffinierte noch als native Variante, die erste Wahl. Das liegt unter anderem an der Fettsäurezusammensetzung.

"Sonnenblumenöl enthält einen hohen Anteil an zweifach ungesättigter Linolsäure, die im Körper oxidiert werden kann und dann als Plaques in den Arterien abgelagert wird", erklärt Speiseölexperte Bertrand Matthäus vom Max-Rubner-Institut. Wer Sonnenblumenöl trotzdem mag, verwendet es am besten im Wechsel mit anderen Ölen wie Raps- und Olivenöl.

Sonnenblumenöl-Test: Alnatura, Thomy & Co. im Vergleich

Wir wollten wissen, was ansonsten in raffinierten und kalt gepressten Sonnenblumenölen steckt und haben dafür 21 Produkte getestet. Das Ergebnis: Sonnenblumenöle haben häufig ein Problem mit Mineralöl. Darüber hinaus hat das von uns beauftrage Labor weitere bedenkliche Inhaltsstoffe gefunden, darunter krebserregende Substanzen und ein Schimmelpilzgift.

Das hat zur Folge, dass wir lediglich ein einziges Mal die Bestnote vergeben. Fünf Sonnenblumenöle im Test fallen dagegen mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch. 

Sonnenblumenöl gibt es in nahezu jedem Supermarkt zu kaufen.
Sonnenblumenöl gibt es in nahezu jedem Supermarkt zu kaufen. (Foto: Sergey Ryzhov/Shutterstock)

Kritik an Mineralöl in überprüften Sonnenblumenölen 

Die schlechte Nachricht zuerst: Kein einziges Sonnenblumenöl im Test ist frei von Mineralöl. So hat das von uns beauftragte Labor in allen getesteten Produkten gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH) nachgewiesen.

Während es sich beim Testsieger nur um Spuren handelt, sind die meisten anderen Öle mit Gehalten belastet, die wir als "leicht erhöht" bewerten. Zwei Mal krisitieren wir aber auch "stark erhöhte" Gehalte an Mineralölbestandteilen.

Bedenklich sind MOSH deshalb, weil sie sich in Organen wie der Leber anreichern. Ob und wie das auf Dauer die Gesundheit beeinträchtigt, ist noch unklar. Einen gesetzlichen Grenzwert für MOSH gibt es bislang nicht. Wir finden: Sie gehören nicht in Lebensmittel, hier sind schärfere Kontrollen der Hersteller gefragt. 

Jetzt ePaper kaufen: 21 Sonnenblumenöle im Test

Krebserregender Stoff in zwei Ölen gefunden

Wenig angetan sind wir auch von den polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), die in zwei nativen Sonnenblumenölen im Test stecken. Unter anderem hat das Labor die krebserregende Substanz Benzo(a)pyren nachgewiesen.

PAK können über die Nahrung, die Atemwege und die Haut aufgenommen werden. In Lebensmittel gelangen diese Stoffe unter anderem über Rauch und Abgase. Der Eintrag könnte zum Beispiel schon vor dem Pressen beim Trocknen der Sonnenblumenkerne passiert sein.

Sonnenblumenöl im Test: Welche Produkte sind empfehlenswert?
Sonnenblumenöl im Test: Welche Produkte sind empfehlenswert? (Foto: Pablesku/Shutterstock)

Schimmelpilzgift in Bio-Sonnenblumenöl im Test  

Ärgerlich ist auch, dass in einem Bio-Produkt das Schimmelpilzgift Alternariolmonomethylether (AME) steckt. In Zellstudien hat AME das Erbgut geschädigt.

Da es für dieses Gift noch keinen gesetzlichen Grenzwert gibt, haben wir uns bei der Bewertung an einem ersten Vorschlag der EU-Kommission für einen Richtwert orientiert. Die Konsequenz für das betroffene Sonnenblumenöl: Es fällt in unserem Test durch. 

Wie schmecken die kalt gepressten und raffinierten Öle? 

In der Sensorik waren die meisten Öle tadellos. Die raffinierten Sonnenblumenöle rochen und schmeckten nahezu bis komplett neutral – so soll es sein. Nur in einem der getesteten Öle kritisierten die Prüfer eine leicht saatige Note.

Bei kaltgepresstem Sonnenblumenöl sind saatige, kernige, holzige, nussige und fruchtig-süße Noten hingegen typisch und erwünscht. Hier gab es zwei Ausreißer: Nach Ansicht unserer Prüfer roch und schmeckte ein kaltgepresstes Bio-Sonnenblumenöl leicht chemisch, ein weiteres leicht stichig.

Damit schneiden beide bei uns in der Sensorik nur mit "ausreichend" ab. Laut Gegengutachten der Anbieter waren die Öle sensorisch unauffällig. Die Ursache für die unterschiedlichen Befunde ist unklar.

(Foto: ÖKO-TEST )

Sonnenblumenöl zum Braten: Das gibt's zu beachten

Pflanzenöle sind generell hitzeempfindlich. Wie sehr hängt von der Fettsäurezusammensetzung ab und davon, ob sie raffiniert oder kaltgepresst sind. Während bei raffinierten Ölen der Rauchpunkt knapp über 200 Grad Celsius liegt, fangen kaltgepresste Öle deutlich früher an zu qualmen.  

Trotzdem ist auch raffiniertes Sonnenblumenöl nur eingeschränkt für die heiße Küche zu empfehlen. Mit seinem hohen Anteil an zweifach ungesättigter Linolsäure oxidiert es schneller als Raps- oder Olivenöl, wobei auch gesundheitsschädliche Aldehyde entstehen können. Ist die Temperatur aber nicht zu hoch, kann man es noch zum Braten verwenden.

Zum Backen ist Sonnenblumenöl gut geeignet, da die Temperatur im Inneren des Backguts in der Regel nicht mehr als 100 °C erreicht. Grundsätzlich empfiehlt das Max-Rubner-Institut, Pflanzenöle nur so stark zu erhitzen wie nötig. Beim Braten seien 130 bis 140 °C, beim Frittieren 160 bis 170 °C optimal, damit keine gesundheitsschädlichen Stoffe entstehen.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben 21 Sonnenblumenöle eingekauft, darunter neun raffinierte und zwölf kaltgepresste, von denen die meisten "nativ", also kaum behandelt sind. Eines der kaltgepressten Öle ist schonend mit Hitze (desodoriert), ein weiteres mit Wasserdampf behandelt für einen besonders milden Geschmack.

Geschulte Sensorikexperten verkosteten die Sonnenblumenöle gemäß Einheitsmethode der Deutschen Gesellschaft für Fettwissenschaft (DGF). Im Labor ließen wir die Öle auf polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Mineralölbestandteile und Gifte von bestimmten Schimmelpilzen (Alternariatoxine) untersuchen. Weichmacher und das Pestizid Glyphosat waren in keinem Öl nachweisbar. Hitzebehandelte Öle ließen wir zudem auf Fettschadstoffe und Transfettsäuren überprüfen. Auch diese Untersuchungen fielen insgesamt unauffällig aus.

Raffinierte Öle unterliegen, anders als native, starken Erhitzungs- und Reinigungsprozessen. Die Angabe "raffiniert" ist freiwillig, unserer Ansicht nach aber nützlich. Wo die Info fehlte, haben wir Punktabzug unter dem Testergebnis Weitere Mängel vergeben.

Bewertungslegende

Bewertung Testergebnis InhaltsstoffeUnter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur  Abwertung um jeweils vier Noten: a) ein Gehalt an gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen und Analogen (MOSH und MOSH-Analoge) der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 4 mg/kg (in Tabelle: "stark erhöht"); b) ein Gehalt an dem Alternariatoxin Alternariolmonomethylether (AME) über dem von der EU-Kommission gemäß Entwurf von 2019 diskutierten Richtwert ("indicative level") für Sonnenblumenöl von 10 µg/kg (in der Tabelle: "Alternariatoxin stark erhöht"). Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein Gehalt an Benzo(a)pyren und/oder ein Summengehalt der PAK 4, der mehr als 50 bis 100 Prozent der jeweiligen gesetzlichen Höchstmengen ausschöpft (in der Tabelle "erhöht"); b) ein Gehalt an gesättigten Mineralöl[1]kohlenwasserstoffen und Analogen (MOSH und MOSH-Analoge) der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 2,0 bis 4 mg/kg (in Tabelle: "erhöht"). Zur Abwertung um eine Note führt: ein Gehalt an gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen und Analogen (MOSH und MOSH-Analoge) der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 1,0 bis 2 mg/kg (in Tabelle: "leicht erhöht"). Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen "nein", bedeutet das "unterhalb der Bestimmungsgrenze" der jeweiligen Testmethode.

Bewertung Testergebnis Sensorik: Unter dem Testergebnis Sensorik führt zur Abwertung um drei Noten: leichter Fremdgeschmack und Fremdgeruch (hier: chemisch, stichig). Zur Abwertung um eine Note führt: "leicht saatiger" Geruch und Geschmack in einem raffinierten Sonnenblumenöl (entspricht Kategorie 2). Die Beurteilung erfolgte in Anlehnung an die DGF-Einheitsmethode 1:2020.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung jeweils um eine Note: a) fehlende Bezeichnung "raffiniert" bei einem raffinierten Sonnenblumenöl; b) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Sensorik, das "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Sensorik und/oder ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Testmethoden

Pestizide: Glyphosat mittels LC-MS/MS. Mineralölbestandteile MOSH/MOSH-Analoge/MOAH: DIN EN 16995:
2017 modifiziert. Die Modifikation betrifft die Matrix und die Verseifung. PAK: LC-LC-GC-MS/MS. Weichmacher: GC-MS/MS. Fettsäureverteilung: DGF C-VI 10/11d: 2013/2019. Alternariatoxine: LC-MS/MS. 3-MCPD-Ester/Glycidylester: DGF C-VI 18: 2010 mod. Sensorische Prüfung: gemäß DGF C-II 1:2020. Auffällige
Proben wurden mehrfach verkostet. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse.
Hinweise auf dem Etikett: gemäß Produktdeklaration.

Einkauf der Testprodukte: April 2021

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