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51 Deos im Test: Sind Deoroller ohne Aluminium wirksam?

ÖKO-TEST Jahrbuch für 2022 | Autor: Frank Schuster/Lena Wenzel | Kategorie: Kosmetik und Mode | 14.10.2021

Deo im Test: Wie gut schlagen sich die Deoroller ohne Aluminium?
Foto: ÖKO-TEST

Längst gibt es Alternativen für den umstrittenen Schweißhemmer Aluminium in Deos. Und diese überzeugen auch im Test: 23 von 51 Deorollern ohne Aluminium sind "sehr gut". Wir sind aber auch auf Problemstoffe gestoßen.

  • Knapp die Hälfte der Deos im Test schneiden mit Bestnote ab und sind damit rundum empfehlenswert.
  • Auffällig: Der Preis ist kein Kriterium für die Qualität. Auch unter den günstigen Deorollern gibt es einige Produkte, die überzeugen. 
  • Aufgrund problematischer Inhaltsstoffe fallen zehn Deos im Test durch. 

Aktualisiert am 14.10.2021 | Es ist keine leichte Aufgabe, in der riesigen Auswahl von Deorollern im Ladenregal heute noch einen mit Aluminium zu finden. Im Gegenteil: Auf den Flakons stehen häufig Auslobungen in großen Buchstaben wie "0 % Aluminium" oder "ohne Aluminiumsalze".

Früher galten Aluminiumsalze, Stoffe mit porenverengender Wirkung, als das Nonplusultra unter den schweißhemmenden Wirkstoffen. Sie sind aber inzwischen sehr umstritten. Seit Jahren wird vielfach diskutiert, ob sie Auslöser für unter anderem Brustkrebs und Alzheimer sind.

Wissenschaftsstreit: Wie gefährlich ist Aluminium in Deos? 

Die Wissenschaft streitet darüber, wie gefährlich Aluminium in Deos wirklich ist. Klar ist: Aluminium gilt als neurotoxisch. Zudem ist das Leichtmetall in der Lage, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden, kann das Nervensystem schädigen und die Entwicklung von Kindern im Mutterleib beeinträchtigen.  

2019 riet das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vorsorglich von der Verwendung von Alu-haltigen Schwitzhemmern ab. 2020 gab es jedoch Teilentwarnung: Durch die Haut nehme der Körper weniger Aluminium auf, als bislang berechnet. Der Beitrag von Antitranspirantien zur Gesamtbelastung mit Alu sei deutlich geringer, als bisher angenommen.

Deo-Test: Wir haben 51 Deoroller ohne Aluminium überprüft. Knapp die Hälfte bewerten wir mit Bestnote.
Deo-Test: Wir haben 51 Deoroller ohne Aluminium überprüft. Knapp die Hälfte bewerten wir mit Bestnote. (Foto: Kamil Macniak/Shutterstock)

Deo im Test: Bestnote für viele Deoroller ohne Aluminium

Doch immer mehr Kunden wollen die Zutat nicht mehr. Rund 60 Prozent der Konsumenten bevorzugen laut einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens POSpulse inzwischen ein Deo ohne Aluminium. Das Kaufargument "ohne Aluminium" rangiert längst auf Platz eins – und damit noch davor, dass das Produkt keine Flecken auf der Kleidung hinterlassen oder lange wirken soll.

Aber wirken Deoroller ohne das porenverschließende Antitranspirant überhaupt? Welche Alternativen nutzen die Hersteller? Sind stattdessen andere bedenklichen Zutaten hineingekommen? Um das herauszufinden, hat ÖKO-TEST insgesamt 51 aluminiumfreie Deoroller unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Knapp die Hälfte ist mit "sehr gut" empfehlenswert. Allerdings rasseln auch zehn Deos im Test durch. 

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Wie wirken Deoroller ohne Aluminium? 

Zur Erklärung: Ein Deo ohne Antitranspirant bremst nicht den Schweißfluss – es verhindert vielmehr, dass der Schweiß auf der Haut zu riechen anfängt.

Dazu bekämpft es die Bakterien, die für Zersetzungsprozesse unter den Achseln verantwortlich sind, und überdeckt den Mief mit Parfum.

Bakterienhemmer als Alternativen zu Aluminium 

Welche Stoffe setzen die Hersteller als Alternativen ein? In den meisten Deos im Test steckt als Bakterienhemmer Nummer eins Alkohol. Der wirkt antimikrobiell, er stört das Wachstum der Bakterien. Ähnlich verhält es sich mit Triethylcitrat, Ethylhexylglycerin und Octenidindihydrochlorid, die in etlichen Deos stecken, oft in Kombination – mit oder ohne Alkohol.

Konservierungsstoffe wie Phenoxyethanol sind ebenfalls gegen Bakterien wirksam. Andere seltener eingesetzte Substanzen hingegen wirken austrocknend, sie stören das von den Bakterien geliebte feuchtwarme Klima. Dazu zählen zum Beispiel Zinksalze und Kaolin (Porzellanerde), das auch häufig Bestandteil von Puder ist.

Schweißgeruch ist unangenehm. Deos sollen helfen, die Achseln frisch zu halten.
Schweißgeruch ist unangenehm. Deos sollen helfen, die Achseln frisch zu halten. (Foto: lzf/Shutterstock)

Verhindern die Deoroller stinkenden Achselschweiß?

Die meisten Anbieter loben ihre Produkte selbstbewusst mit einer Wirkdauer von "24 h" oder "48 h" aus. Von den Herstellern verlangten wir deshalb Studien von unabhängigen Prüfinstituten, die das belegen sollten.

In der Branche etabliert sind sogenannte Sniff-Tests. Dabei riechen professionelle Sniffer (Schnüffler) am Schweiß von Probanden und vergleichen zu den festgelegten Zeitpunkten den Geruch der beiden Achseln – jeweils mit und ohne Deo. Mehr als die Hälfte der Anbieter, die uns eine Studie vorlegten, konnte die ausgelobten Wirkversprechen untermauern.

Schaut man sich die Ergebnisse der Tests allerdings genauer an, wird auch klar: Für einen kompletten Geruchsstopp sorgen die Deos im Test nicht. Nach 24 oder 48 Stunden ist aber immerhin ein gewisser Unterschied zwischen der Achsel mit und ohne Deo wahrnehmbar.

Wirkdauer der Deos im Test ist individuell 

Die Ergebnisse bewegen sich allerdings insgesamt eher im Mittelfeld: Auf der für Sniff-Tests üblichen Skala der Bewertung der Intensität des Schweißgeruchs von 1 ("nicht wahrnehmbar") bis 5 ("sehr stark") vergaben die Sniffer nach 24 Stunden häufig nur die Note 3 ("wahrnehmbar").

Allerdings tendierten da die unbehandelten Achseln im Schnitt schon zur Note 4 ("stark"). Ein Wert, den nach 48 Stunden auch viele mit Deo behandelte Achseln erzielten – doch dann rochen unbehandelte häufig schon "sehr stark".

Die Wirkdauer ist übrigens höchst individuell: Herrscht bei Person A nach 48 Stunden noch einigermaßen Frische, ist bei Proband B schon nach 24 Stunden die Wirkung verflogen.

Deoroller ohne Aluminium verhindern nicht das Schwitzen, sondern sorgen dafür, dass der Schweiß auf der Haut nicht zu riechen anfängt.
Deoroller ohne Aluminium verhindern nicht das Schwitzen, sondern sorgen dafür, dass der Schweiß auf der Haut nicht zu riechen anfängt. (Foto: Koldunov/Shutterstock)

Kritik an Inhaltsstoffen mancher Deos im Test 

So viel zur Wirkung der Deos im Test. Kommen wir zu Problemstoffen, die wir zum größeren Teil vereinzelt gefunden haben: 

  • Lilial, deklariert als Butylphenyl Methylpropional: Der nach Maiglöckchen riechende synthetische Duftstoff erwies sich in Tierversuchen als fortpflanzungsschädigend.  
  • Cashmeran: Der Moschus ähnelnde Duftstoff reichert sich im Fettgewebe des Körpers an.
  • Hydroxycitronellal: Dieser Duftstoff kann Allergien auslösen. 
  • Isoeugenol: ist ein potentes Allergen.
  • Formaldehyd/-abspalter: Formaldehyd kann unter anderem Hautreizungen verursachen.
  • PEG-Verbindungen: Sie können die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen. 

Deo ohne Aluminium: Tipps zum Kauf 

Das rät ÖKO-TEST: 

  • Probieren Sie aus, welche Deos ohne porenverengendes Aluminium für Sie ausreichend Müffelschutz bieten. Jeder Mensch hat seine eigene Schweißentwicklung und reagiert auf Deos unterschiedlich.
  • Der Preis ist kein Kriterium für Qualität. Die teuren Produkte sind nicht die besten und unter den günstigen gibt es einige "sehr gute".

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Das könnte Sie auch interessieren: Wir haben auch Deosprays ohne Aluminium überprüft. Im Test waren 49 Produkte. Die Hälfte der getesteten Deosprays schnitt mit "sehr gut" ab, neun fielen durch. Auffällig: Darunter vor allem bekannte Marken. Jetzt gratis die Ergebnisse checken: Deospray-Test: Einige Deos ohne Aluminium enthalten bedenkliche Duftstoffe.

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 6/2021 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das ÖKO-TEST Jahrbuch für 2022 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben 51 Deoroller eingekauft. Unter den Produkten sind bekannte Marken, aber auch die Eigenmarken von Drogerien und Discountern. Die Preise reichen von 49 Cent bis 10,50 Euro für 50 Milliliter Inhalt.

Spezialisierte Labore untersuchten die Proben für uns auf allergene Duftstoffe und künstlichen Moschusduft, ebenso auf umstrittene halogenorganische Verbindungen und bedenkliche Formaldehyd/-abspalter. Die Inhaltsstofflisten klopften wir ab auf PEG/PEG-Derivate, die die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können, sowie auf umweltbelastende Kunststoffverbindungen. Zudem ließen wir Flakons und Deckel auf umweltschädliche chlorierte Verbindungen untersuchen.

Im Falle von Deos in Plastikfläschchen forderten wir von den Anbietern Belege für den Rezyklatanteil der Verpackung. Bei Deos mit einer beworbenen Wirkdauer ("24 h", "48 h") baten wir die Anbieter um entsprechende Studien. Als Goldstandard zur Beurteilung gelten hier Sniff-Tests. Legten die Anbieter keine oder aus unserer Sicht nur wenig aussagekräftige Studien vor, bewerteten wir das unter dem Testergebnis Weitere Mängel.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um vier Noten: mehr als 10 mg/kg Formaldehyd/-abspalter. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) PEG/PEG-Derivate; b) Lilial; c) mehr als 10 mg/kg Cashmeran; d) deklarationspflichtige Duftstoffe, die Allergien auslösen können (hier: Isoeugenol); e) halogenorganische Verbindungen. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) deklarationspflichtige Duftstoffe, die Allergien auslösen (hier: Hydroxycitronellal), wenn nicht bereits wegen allergieauslösender Duftstoffe um zwei Noten abgewertet wurde; b) BHT.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um vier Noten: keine Studie zur beworbenen Wirkdauer vorgelegt. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) Dimethicone und/oder synthetische Polymere als Kunststoffverbindungen (hier: Carbomer, Polyquaternium-16, Acrylates/10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer, Silica Silylate, Stearth-100/PEG-136/HDI Copolymer); b) Mängel in den vorgelegten Studien. Als Mängel werden bei Sniff-Tests zur deodorierenden Wirkung gewertet: a) weniger als 20 Probanden; b) weniger als drei geschulte Experten (Sniffer); c) Studie beruht nur auf einem Wirkstoff und/oder auf Teilen der Basisrezeptur; d) nur Übersicht/Zusammenfassung der Studie (ohne Einzelergebnisse) vorgelegt. Zur Abwertung um eine Note führt: bei Produkten in einem Kunststoffflakon: ein Rezyklatanteil von weniger als 30 Prozent in der Gesamtverpackung bzw. keine Angabe des Anbieters zum Rezyklatanteil.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "mangelhaft" oder "ungenügend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die Wirksamkeit der Produkte ohne ausgelobte Wirkdauer nicht überprüft haben.

Testmethoden 

Deklarationspflichtige Duftstoffe, polyzyklische Moschusverbindungen/ Cashmeran, Diethylphthalat (DEP): Extraktion mit TBME, GC-MS. Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Photometrie. Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration; Binden organischer Halogene an Aktivkohle; Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom; microcoulometrische Bestimmung des Halogengehaltes. b) Extraktion mit Essigester; Verbrennung des Extraktes im Sauerstoffstrom; microcoulometrische Bestimmung des Halogengehaltes. Weitere Inhaltsstoffe: per Deklaration. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Januar bis März 2021 

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 6/2021 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das ÖKO-TEST Jahrbuch für 2022 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

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