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Gefrorene Himbeeren im Test: Sind sie mit Krankheitserregern verunreinigt?

Magazin Dezember 2020: Froh, fair, gut | Autor: Johanna Michl/Meike Rix | Kategorie: Essen und Trinken | 26.11.2020

Gefrorene Himbeeren im Test: Viele Produkte sind empfehlenswert.
Foto: ÖKO-TEST

Gefrorene Himbeeren sind schon öfter in Verruf geraten, weil sie mit Krankheitserregern verunreinigt waren. Grund genug für ÖKO-TEST, das Tiefkühlobst unter die Lupe zu nehmen. Das Ergebnis: Die Mehrheit der gefrorenen Himbeeren ist "sehr gut". Ein paar Produkte enthalten allerdings Pestizide.

  • Elf gefrorene Himbeermarken im Test sind rundum zu empfehlen. 
  • Positiv: Das Labor hat weder Noro- noch Hepatitis-A-Viren in den Himbeeren nachgewiesen.
  • Vier Packungen gefrorene Himbeeren kritisieren wir aufgrund mehrerer enthaltener Pestizide. 

Ob heiß, auf Eis oder als Schicht in der Mascarpone-Creme: Himbeeren sind eine feine Köstlichkeit und eignen sich bestens für Desserts. Tiefkühl-Himbeeren haben den Vorteil, dass sie nicht so schnell aufgebraucht werden müssen, weil sie im Gefrierfach nicht matschig werden.

Weil die Himbeeren nach der Ernte schnell schockgefrostet werden, bleiben übrigens sowohl die Form als auch die Vitamine weitgehend erhalten. Sie müssen laut Gesetz außerdem frei von Zusatzstoffen wie Konservierungsmitteln, Aromazusätzen oder Süßstoffen sein.

Gefrorene Himbeeren im Test: Inhaltsstoffe im Fokus

Trotzdem haben es gefrorene Himbeeren schon in die Negativschlagzeilen gebracht. So haben Behörden schon häufiger Produktwarnungen herausgegeben, weil Beeren mit Krankheitserregern verunreinigt waren. Zuletzt rief im August der Discounter Lidl einen Beerenmix wegen Noroviren zurück. Auch Krankheitsausbrüche mit dem Gelbsucht-(Hepatitis-A-)Erreger gehen auf verunreinigtes Tiefkühlobst zurück.

Himbeeren können außerdem mit Pestiziden belastet sein sowie mit Rückständen von Desinfektionsmitteln. Um herauszufinden, welche gefrorenen Himbeeren rundum in Ordnung sind, haben wir 16 Produkte auf diese möglichen Probleme hin untersuchen lassen. Darunter auch Himbeeren aus biologischem Anbau.

Gefrorene Himbeeren im Test: Wir haben 16 Tiefkühl-Himbeeren überprüft.
Gefrorene Himbeeren im Test: Wir haben 16 Tiefkühl-Himbeeren überprüft. (Foto: Reda.G/Shutterstock)

Erfreulich: In keinen der 16 gefrorenen Himbeeren im Test hat das von uns beauftragte Labor Noro- oder Hepatitis-A-Viren gefunden und alle waren frei von den Desinfektionsmittelrückständen Chlorat und Perchlorat. Tadellos sind insgesamt elf Tiefkühl-Himbeeren: Sie schneiden mit "sehr gut" ab. Es gibt allerdings auch vier Marken, die durch den Mix an gefundenen Pestiziden negativ auffallen.

Bedenkliche Gifte in gefrorenen Himbeeren 

Welche Pestizide stecken in den Tiefkühl-Himbeeren? 

  • In einer Packung gefrorener Himbeeren hat das Labor Spuren des Pestizids Acetamiprid nachgewiesen. Weil der Wirkstoff für Bienen giftig ist, hat beispielsweise Frankreich Acetamiprid bereits 2018 verboten. In Deutschland ist der Einsatz des Stoffes derzeit noch erlaubt.

  • Auch Captan hat das Labor gefunden. Es ist als krebserregend in Kategorie 2 eingestuft. Das heißt, es müsste laut Chemikalienrecht (CLP-Verordnung) mit dem Warnhinweis "kann vermutlich Krebs erzeugen" versehen werden.

Immerhin: Die festgestellten Gehalte sind so gering, dass für den Verbraucher keine akute Gefahr besteht. Sie liegen bei einem Bruchteil des gesetzlichen Höchstwertes. Sicherer für Landwirte, Umwelt und Verbraucher wäre es dennoch, ganz auf den Einsatz zu verzichten.

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Das Problem mit Pestizidcocktails 

Auch die weiteren analysierten Pestizidgehalte liegen im Spurenbereich. Doch neben der Höhe einzelner Messwerte spielt auch die Anzahl der Spritzgifte im Produkt eine Rolle. Mögliche gesundheitliche Risiken durch Wechselwirkungen sind nämlich kaum erforscht.

Auch über das Zusammenwirken der Stoffe in den Öko-Systemen an Land und in den Gewässern der Anbauregionen ist wenig bekannt. Gefrorene Himbeeren, in denen Spuren von insgesamt mehr als vier Pestiziden steckten, haben von uns daher einen Minuspunkt bekommen.

Himbeeren essen: Wissenswertes zum Tiefkühlobst

  1. Bio ist besser: Bio-Himbeeren werden ohne synthetische Pestizide angebaut und schonen damit die Öko-Systeme in den Anbauregionen.
  2. Tiefkühlhimbeeren vor dem Verzehr für zwei Minuten aufkochen lassen. Dann haben Noro- und Hepatitis-A-Viren keine Chance. Das ist besonders wichtig, wenn Schwangere, Kleinkinder, Senioren oder kranke Menschen davon essen.
  3. Auch aus Tiefkühlfrüchten kann Marmelade gekocht werden, sie schmeckt dennoch wunderbar frisch und aromatisch.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben 16 Tiefkühlhimbeeren aus Bio-Läden, Discountern und Vertrieben für Tiefkühllebensmittel eingekauft. Die Preisspanne für 500 Gramm Himbeeren reicht dabei von 1,19 Euro bis 6,65 Euro. Von den 16 Produkten sind sieben in Bio-Qualität.

Tiefkühlbeeren haben in der Vergangenheit für Krankheitsausbrüche durch Noroviren und Hepatitis-A gesorgt. Daher ließen wir die Himbeeren auf diese Kranheitserreger prüfen. Das von uns beauftragte Labor untersuchte die Tiefkühlfrüchte zudem auf mehr als 500 Pestizide sowie auf Perchlorat und Chlorat. Letztere können als Rückstände von Desinfektionsmitteln in Lebensmittel gelangen können. Wir prüften außerdem, ob die wichtigsten Informationen auf der Verpackung zu finden und lesbar waren. Plastikverpackungen ließen wir auf umweltbelastende PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen untersuchen.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) ein als besonders bedenklich eingestuftes Pestizid in einem Spurengehalt von mehr als 0,010 mg/kg (hier: Acetamiprid, Captan); b) 5 bis 9 Pestizide in Spuren.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um vier Noten: ein nicht dauerhaft angebrachtes, leicht verwischbares Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD), welches gleichzeitig auch als Charge dient. Zur Abwertung um eine Note führt: Werbung mit Selbstverständlichkeiten (hier: "Kein Zusatz von Aromen und Süßungsmittel" oder "Ohne Farb- und Konservierungsstoffe"). Steht bei konkret benannten Analysenergebnissen "nein" bedeutet das "unterhalb der Bestimmungsgrenze" oder "unterhalb der Nachweisgrenze" der jeweiligen Testmethode.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "mangelhaft" oder "ungenügend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Testmethoden 

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte): Dithiocarbamate: Bestimmung nach ASU L 00.00-49/2 : 1999 (HS-GC-MS). Noroviren und Hepatitis A Viren: DIN CEN ISO/TS 15216-2:2013-08, §64 LFGB L 00.00.147/2(V):2014-02 mod., real time RT-PCR. Perchlorat/Chlorat: Bestimmung mittels LC-MS/MS entsprechend Methode des EU Reference Laboratory for Pesticides für Perchlorat/Chlorat (QuPPe-Method) mit zusätzlichem Aufreinigungsschritt). Pestizide: Bestimmung nach DIN EN 15662 (entspricht ASU L 00.00-115). PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: August 2020 

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