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Blattspinat im Test: So schlagen sich Iglo, Frosta & Co.

Magazin Oktober 2020: Endlich gut schlafen | Autor: Hanh Friedrich/Meike Rix | Kategorie: Essen und Trinken | 30.09.2020

Blattspinat-Test: Welche Tiefkühlprodukte sind empfehlenswert?
Foto: ÖKO-TEST

Blattspinat ist gesundes Gemüse. Davon kann allerdings nicht mehr die Rede sein, wenn er zu stark mit Stoffen wie Nitrat, Nitrit oder giftigem Cadmium belastet ist. In unserem Test ist das gleich bei zwölf Produkten der Fall. Nur drei Tiefkühl-Blattspinate schneiden mit Bestnote ab.  

  • Nur vier Tiefkühl-Blattspinate im Test sind mit "sehr gut" oder "gut" empfehlenswert.
  • Mit schlechten Gesamtruteilen fallen sieben getestete Blattspinate durch.
  • Die Kritik in Kürze: Nitrat, Nitrit, giftiges Cadmium, giftige Pyrrolizidinalkaloide und bedenkliche Pestizide.

In Blattspinaten stecken weder Zusatzstoffe noch billige Geschmacksträger: Bei den 16 Produkten im Test handelt sich um gesundes Gemüse pur. Der Tiefkühl-Blattspinat (kurz: TK-Blattspinat) ist, anders als der fertig gewürzte Rahmspinat, vegan. Der Vorteil: Jeder und jede kann ihn so würzen und kombinieren, wie er oder sie ihn mag.

Blattspinat im Test: Nur vier sind zu empfehlen  

Allerdings können wir nur ein Viertel der Blattspinate im Test empfehlen. Denn nur drei schneiden mit Bestnote ab, ein weiterer ist immerhin noch "gut". Sieben Produkte fallen mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch. Der Rest ist mittelmäßig.

Die Gründe in Kürze: Neben aus unserer Sicht zu hohen Nitrat-, Nitrit- und Cadmiumgehalten hat das Labor in zwei Fällen giftige Pyrrolizidinalkaloide (PA) gemessen. Das sind natürliche Pflanzengifte, die aus Beikräutern stammen. Auch Pestizide bemängeln wir vereinzelt.

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Was ist das Problem mit Nitrat in Blattspinaten?

Spinat gehört zu den Pflanzen, die viel Nitrat aus dem Boden anreichern. Soweit, so normal. Zuviel Nitrat ist jedoch ein Problem. Denn aus Nitrat kann durch Bakterien und Enzyme im menschlichen Mund und Magen Nitrit entstehen. Auch im Gemüse selbst finden sich die Bakterien und bilden Nitrit, etwa wenn der zubereitete Spinat warm gehalten oder bei Zimmertemperatur gelagert wird.

Aus Nitrit wiederum können sich im Körper krebserregende Nitrosamine bilden. Außerdem behindert Nitrit den Sauerstofftransport im Blut. Die Nitratgehalte in vier Blattspinaten im Test sind aus unserer Sicht zu hoch. Bei der Bewertung orientieren wir uns an der EU-Kontaminantenverordnung, sind aber etwas strenger.

Frischer Spinat wird in Deutschland bis November geerntet. Für Salat eignet sich allerdings nur der zarte Frühlings- und Sommerspinat.
Frischer Spinat wird in Deutschland bis November geerntet. Für Salat eignet sich allerdings nur der zarte Frühlings- und Sommerspinat. (Foto: Sokor Space/Shutterstock )

Nitrit in Spinat weist auf Hygienemängel hin

Ist der TK-Blattspinat schon mit Nitrit belastet, obwohl er noch nicht gekocht und danach warm gehalten wurde, gilt das als Hinweis auf Hygienemängel oder eine zu lange Lagerung des Spinats vor dem Frosten. Wir kritisieren Nitrit in vier getesteten Produkten.

Zwei Blattspinate davon überschreiten den in den Leitsätzen für Gemüseerzeugnisse vorgegebenen Wert für tiefgefrorenen Spinat von zehn Milligramm pro Kilogramm. Die Leitsätze im Deutschen Lebensmittelbuch sind rechtlich nicht bindend, fließen als sachverständige Gutachten aber oft in die Gesetzgebung ein.

Zwei Blattspinate enthalten Gifte aus Beikräutern

Und damit nicht genug: Auch giftige Pyrrolizidinalkaloide (PA) hat das Labor gefunden. Sie stecken in zwei überprüften TK-Blattspinaten. Diese Gifte werden von anderen Pflanzen auf dem Feld gebildet, die mit in die Ernte geraten können.

"In Lebensmitteln sind sie unerwünscht, da sie die Leber schädigen können und im Tierversuch erbgutverändernde (genotoxische) und krebsauslösende (kanzerogene) Wirkungen zeigen", schreibt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer aktuellen Stellungnahme zu PA.

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Vereinzelt bienenschädliche Pestizide gefunden

Auch Pestizide sind im Blattspinat-Test ein Thema, wenn auch nur vereinzelt:

  • In zwei Blattspinaten im Test steckt das bienengiftige Pestizid Lambda-Cyhalothrin, in einem weiteren hat das Labor es in Spuren nachgewiesen.
  • Ein TK-Blattspinat enthält einen von uns als erhöht angesehenen Gehalt der bienenschädlichen Substanz Cypermethrin.
  • Alle Bio-Produkte im Test sind frei von Pestiziden.

Kritik an Cadmium in Blattspinaten im Test 

Cadmium hat das beauftragte Labor in fast allen Blattspinaten im Test nachgewiesen, nur eine Spinatmarke war frei davon. Meistens handelt es sich um kleine Spuren. In sieben Produkten ist der Gehalt aber aus unserer Sicht erhöht.

Das Problem: Das giftige Schwermetall reichert sich im menschlichen Körper an, insbesondere in Leber und Nieren – und der Körper scheidet es nur sehr langsam wieder aus. Über längere Zeit in hohen Dosen aufgenommen, führt Cadmium zu Nierenschäden.

(Foto: ÖKO-TEST)

Wissenswertes über Verzehr von Blattspinat

Spinat aufwärmen: Darf man das?

Die Regel, Spinat keinesfalls wieder aufzuwärmen, war besonders wichtig in Zeiten, bevor es Kühlschränke gab, weil sich damals während der längeren Lagerungszeiten bei Zimmertemperatur sehr viel Nitrit bilden konnte. In der Kühlung ist dieser Prozess nun zumindest stark ausgebremst.

Wenn Ihnen die Reste eines Spinatgerichts also zu schade zum Wegwerfen sind, gilt: Schon zum Abkühlen abgedeckt in den Kühlschrank stellen und spätestens am nächsten Tag gut durcherhitzen und aufessen.

Für jüngere Kinder Spinat besser wirklich nicht noch einmal erwärmen. Sie reagieren empfindlicher auf Nitrit.

Spinat gehört zu oxalsäurereichen Lebensmitteln. Ist das ein Problem?

Spinat gehört mit Rhababer, Mangold und Kakao zu den besonders oxalsäurereichen Lebensmitteln. Oxalsäure hemmt die Aufnahme von Calcium, Magnesium und Eisen im Darm. Das kann dann problematisch werden, wenn man insgesamt viel oxalsäurereiches Gemüse isst und wenig Mineralstoffe.

Tipp: Spinat mit leckeren calciumreichen Zutaten wie Käse, Frischkäse, Sahne, Sesam oder Hirse kombinieren.

Frischer Spinat oder Tiefkühl?

Das kommt darauf an. Da in der Produktion des TK-Spinats beim Blanchieren Vitamine verloren gehen, ist frischer Spinat zunächst noch vitaminreicher. Dafür ist beim schockgefrosteten Spinat der Vitaminverlust erst einmal ausgebremst, während er beim frischen rasch fortschreitet.

Tipp: Greifen Sie zu, wenn Sie ganz frischen Spinat von einem Feld in der Nähe bekommen und ihn zeitnah zubereiten können. Nicht länger als zwei Tage im Kühlschrank lagern.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Testverfahren

Wir haben insgesamt 16 Tiefkühlblattspinate eingekauft, darunter sieben ökologisch und neun konventionell erzeugte Produkte. Alle Spinate wurden von spezialisierten Laboren genau unter die Lupe genommen. Untersucht haben die Laborexperten das Blattgemüse zunächst auf Pestizidrückstände. Spinatpflanzen reichern vergleichsweise viel Cadmium und Nitrat an. Deshalb ließen wir auf beides testen. Und weil Nitrat bei unsachgemäßer Handhabung der Rohware zum problematischen Nitrit wird, haben wir auch auf Nitrit prüfen lassen.

Beikräuter – weniger freundlich: Unkraut – wie Jakobs- Kreuzkraut – enthalten giftige Pyrrolizidinalkaloide (PA). Wenn diese Beikräuter mit unter die Ernte geraten, kann auch der Spinat PA enthalten. Darauf haben wir den Spinat ebenso untersuchen lassen wie auf Chlorat und Perchlorat, die als Rückstände von Desinfektionsmitteln in Lebensmittel gelangen können.

Bewertungslegende

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um fünf Noten: ein Nitratgehalt über dem gesetzlichen Höchstgehalt für tiefgefrorenen Spinat von mehr als 2.000 mg/kg (in Tabelle "über Höchstgehalt"). Zur Abwertung um vier Noten führt: ein Nitritgehalt über dem in den Leitsätzen im Deutschen Lebensmittelbuch für Gemüseerzeugnisse für tiefgefrorene Spinaterzeugnisse empfohlenen Wert von mehr als 10 mg/kg (in der Tabelle "Nitrit stark erhöht"). Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führt: a) ein Nitratgehalt von mehr als 1.000 bis 2.000 mg/kg (in Tabelle "erhöht"). Dies entspricht mehr als 50 bis 100 Prozent des gesetzlichen Höchstgehalts für tiefgefrorenen Spinat; b) ein Nitritgehalt von mehr als 5 bis 10 mg/kg (in Tabelle "Nitrit erhöht"); c) ein Cadmiumgehalt von mehr als 0,1 bis 0,2 mg/kg (in Tabelle "erhöht"). Dies entspricht mehr als 50 bis 100 Prozent des gesetzlichen Höchstgehalts für Blattgemüse; d) ein Gehalt an Pyrrolizidinalkaloiden (in Tabelle "erhöht"), der mehr als 50 bis 100 Prozent der aktuell empfohlenen maximalen Tagedosis von 0,024 μg/kg Körpergewicht ausschöpft. Für die Berechnung sind wir von einer Person mit 60 kg Körpergewicht (KG) und von einem Wochenverzehr von 200 g Spinat ausgegangen. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) 1 bis 2 als besonders bedenklich eingestufte Pestizide in Gehalten von mehr als 0,01 mg/kg (hier: Cypermethrin, Lambda-Cyhalothrin); b) ein Gehalt eines Pestizids, der die gesetzliche Rückstandshöchstmenge um mehr als 10 bis 50 Prozent ausschöpft, wenn diese ≥ 0,1 mg/kg beträgt (in Tabelle "erhöht").

Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen "nein", bedeutet das "unterhalb der Bestimmungsgrenze" der jeweiligen Testmethode.

Das Gesamturteil beruht auf der Beurteilung des Inhalts.

Testmethoden 

Cadmium: Aufschluss nach DIN EN 13805 : 2014. Cadmium-Bestimmung nach DIN EN 15763 : 2010.

Nitrat/Nitrit: Bestimmung nach ASU L 26.00-1 : 2018, modifiziert.

Dithiocarbamate: Bestimmung nach ASU L 00.00-49/2 : 1999 (HS-GC-MS).

Pestizide: Bestimmung nach DIN EN 15662 (entspricht ASU L 00.00-115).

Perchlorat/Chlorat: Bestimmung mittels LC-MS/MS entsprechend Methode des EU Reference Laboratory for Pesticides für Perchlorat/Chlorat (QuPPe-Method) mit zusätzlichem Aufreinigungsschritt).

Pyrrolizidinalkaloide: Bestimmung nach der Methode "Bestimmung von Pyrrolizidinalkaloiden in Pflanzenmaterial mittels SPE-LC-MS/MS" des BfR.

Einkauf der Testprodukte: Juli 2020 

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