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20 Honige im Test

ÖKO-TEST Januar 2012
vom 30.12.2011

Gen-Technik in Honig

UnanGENehm

Die Honighersteller haben in den vergangenen Monaten so manches Supermarktregal räumen lassen. Denn bestimmte Gen-Pollen sind nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs jetzt in Honig verboten. Ist der Brotaufstrich nun gentechnikfrei? Unser Test ergab: Leider nein.

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30.12.2011 | In den Honigmarkt ist Bewegung gekommen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Regale wurden geräumt, Internetseiten von Honiganbietern bereinigt. Stein des Anstoßes war das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) von September 2011, wonach Honig, der Pollen von nicht zugelassenen Gen-Pflanzen enthält, plötzlich nicht mehr verkehrsfähig ist.

Zurück geht alles auf den bayerischen Imker Karl-Heinz Bablok, der 500 Meter von seinem Bienenstock entfernt ein Gen-Technik-Versuchsfeld hatte. Schon im Jahr 2005 ließ Bablok vorsichthalber Proben seines Honigs untersuchen. Das Labor fand heraus, dass sich darin bis zu vier Prozent Pollen des Gen-Tech-Maises MON810 befanden. 2007 verlor der Mais MON810 jedoch seine Zulassung in Deutschland, sodass Bablok seinen Honig nicht mehr verkaufen durfte. Juristisch ging die Sache hin und her, bis der EuGH im vergangenen Herbst klarstellte: Bei den Pollen handelt es sich um eine Zutat, die dem europäischen Gen-Technik-Recht unterliegt. Die Konsequenzen: Enthält ein Honig Pollen von genveränderten Pflanzen, die in der EU als Lebensmittel uneingeschränkt zugelassen sind, darf er wie bislang verkauft werden. Nicht mehr verkehrsfähig sind dagegen Honige, die Pollen nicht zugelassener Gen-Pflanzen enthalten.

Dass der Honig von Imker Bablok nicht mehr verkauft werden durfte, steht damit fest. Unklar ist jedoch weiter, wer für den Schaden aufkommt. Denn auf eine Entschädigung für den verunreinigten Honig, der aufwendig entsorgt werden musste, wartet der Imker noch immer. "Es muss sich erst zeigen, wer verantwortlich ist, für das Zeug, das keiner haben will", sagt Bablok verärgert. Vor dem Bayerischen Verwaltungsgericht will er nun rechtlich gegen die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft vorgehen, die das Gen-Tech-Feld betrieben hat. Letztlich geht es um einige Tausend Euro.

Ein ganz anderes Thema ist die Kennzeichnung. Allgemein gilt, dass Gen-Technik in Lebensmitteln zu kennzeichnen ist, wenn ihr Anteil am Lebensmittel bzw. der Zutat 0,9 Prozent überschreitet. Übersetzt auf den Honig hieße dies: Wenn der Gehalt an Gen-Pollen mehr als 0,9 Prozent des gesamten Pollenanteils ausmacht, muss gekennzeichnet werden. Ob das in der Praxis endgültig so umgesetzt wird, ist noch offen. Das Bundesverbraucherschutzministerium und die EU-Kommission vertreten jedoch diese Auffassung. Andere Experten meinen, dass der Gen-Pollenanteil einer bestimmten Pflanzenart auf den Gesamtpollengehalt dieser Pflanze bezogen werden müsse. Dann wäre die Überschreitung des Schwellenwerts wahrscheinlich. Nach Meinung von Rechtsanwalt Achim Willand, der die Imker vor dem EuGH vertreten hat, sollte die pflanzenbezogene Regelung zumindest für Sortenhonige wie Rapshonig gelten, da der Rapspollen hier von besonderem Wert ist.

Tatsächlich ist die Gefahr einer Verunreinigung mit nicht zugelassenen Gen-Pollen bei kanadischen Raps- und Kleehonigen besonders groß. In Kanada sind deutlich mehr Gen-Raps-Sorten zugelassen als in der EU. Der Honig-Verba

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Den Honig kauften wir in Supermärkten, Discountern und Bio-Läden. Dabei haben wir uns auf Honig aus Nicht-EG-Ländern konzentriert. Denn dieser enthält mit hoher Wahrscheinlichkeit Honig aus Südamerika - und damit aus Ländern, die Gen-Technik im großen Stil anbauen. Zusätzlich kauften wir einige Honige deutscher Herkunft. Kanadischen Rapshonig, der wegen Gen-Technik im Visier war, fanden wir bei unserem Einkauf Anfang November 2011 nicht mehr.

Nachweis von Gen-Technik
Um Gen-Technik nachzuweisen, ist modernste Labortechnik nötig. Die Experten suchten dabei auf den DNA-Strängen der Honigpollen nach Gen-Sequenzen, die typisch für gentechnisch veränderte Pflanzen sind. Gab es einen Hinweis auf eine solche Sequenz, wurde geprüft, ob es sich um DNA von Mais, Raps oder Soja handelt - den weltweit am häufigsten angebauten Gen-Pflanzen. In weiteren Bestimmungen schauten die Experten, ob die DNA tatsächlich von einer Gen-Pflanze stammt und wenn ja, von welcher. Die Nachweise erfolgten qualitativ. Die enthaltenen Mengen wurden nicht untersucht, da noch unklar ist, ab wann Werte als "gentechnisch verändert" zu kennzeichnen sind.

Die Bewertung
Eine Note bekommen die Produkte nicht, da hier ausschließlich die Prüfung auf Gen-Technik im Fokus stand. Das Testergebnis zeigt aber erschreckend deutlich, wie verbreitet gentechnisch veränderte Pflanzen sind und wie massiv sich Gen-Technik auch durch die Hintertür auf unseren Tellern breitmacht.

So haben wir getestet

Sammelt die Biene Gen-Pollen? Im Labor kommt es heraus.