Startseite

Jahrbuch für 2018
vom

Honig

Von Bio-Bienchen und Bio-Blümchen

Honig ist ein Spiegelbild der Natur, aus der er stammt. Und so stecken, je nach Herkunft, Glyphosat und Gentechnik mit im Glas - "bio" hin oder her. Die gute Nachricht: Sechs können wir empfehlen.

14108 | 123

19.10.2017 | Der Blick im Supermarkt fällt prüfend auf das Kleingedruckte hinten auf dem Honigglas. "Gemäß EG-Öko-Verordnung" steht da, "bio". Doch was macht Bio-Honig eigentlich aus? Fliegen Bio-Bienchen etwa nur Bio-Blümchen an? Oder wie kontrolliert der Imker, dass das, was da im Bio-Honigglas landet, auch das ist, was der Verbraucher unter "Bio" versteht - pestizidfrei, gentechnikfrei, "öko" halt?

Die Antwort ist so einfach wie enttäuschend: Er tut es gar nicht, weil er es auch gar nicht muss. Für Bio-Honig gelten, was die Rückstände an Pestiziden etwa betrifft, genau die gleichen Höchstmengen wie für konventionellen Honig. Hier ist der einzige Unterschied, dass Bio-Imker ihre Bienenstöcke an einem Ort aufstellen müssen, an dem "im Umkreis von drei Kilometern um den Standort Nektar- und Pollentrachten im Wesentlichen aus ökologischen und/oder Kulturen bestehen, die nach Methoden mit geringer Umweltauswirkung behandelt werden". Im Wesentlichen. Geringer. Soll heißen: Die Felder sollen mehr oder weniger bio sein, zumindest halt nicht so richtig gespritzt. Allerdings selbst wenn die Felder ökologisch angebaut werden, kehren Bienen nach drei Kilometern nicht einfach um, wenn da etwa ein blühendes, aber leider frisch gespritztes Rapsfeld lockt. Und auch vor gentechnisch veränderten Pflanzen machen Bio-Bienen nach drei Kilometern nicht halt. Sie fliegen bis zu zehn Kilometer weit. Und so ist auch Bio-Honig ein Spiegelbild der Natur, aus der er stammt.

Wie steht es nun um die Qualität des Honigs - bio oder nicht? Wir haben 19 Honige ins Labor geschickt und umfangreich untersuchen lassen.

Das Testergebnis

Der Honig ist nicht weit vom Stachel: Sechs Honige können wir empfehlen, acht rasseln durch. Zwar halten alle 19 getesteten Honige die Honigverordnung ein. Auch was die Invertase und Hydroxymethylfurfural (HMF) angeht, liegen alle Honige im grünen Bereich. Beides sind Qualitätsparameter: Die Invertaseaktivität ist ein Merkmal für eine schonende Behandlung von Honig und ein hoher HMF-Wert weist auf eine längere Erwärmung oder Lagerschäden hin. Auch Hinweise auf Verfälschungen, also etwa das Zufügen von Zucker, gab es nicht und die Pollenanalyse hat die Herkunftsangaben botanisch und geografisch bestätigt. Aber, aber: Pollen von gentechnisch veränderten Pflanzen wies das Labor in acht Honigen nach. Auch Pestizide, Bienenarzneimittel und die giftigen Pflanzenstoffe Pyrrolizidinalkaloide stecken in einigen Gläsern.

Jahrbuch für 2018

Gedruckt lesen?

Jahrbuch für 2018 für 9.80 € kaufen (zzgl. Versand)

Zum Shop

Jahrbuch für 2018

Online lesen?

Jahrbuch für 2018 für 8.99 € kaufen

Zum ePaper

Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Im Einkaufskorb landeten 19 Honige aus aller Welt: Blüten-, Akazien-, Raps- und Kornblumenhonig sind dabei; erstmals auch der sagenumwobene Manukahonig aus Neuseeland, dem jede Menge gesundheitsfördernde Eigenschaften zugesprochen werden. Die Herkünfte reichen von Deutschland über Rumänien bis nach Südamerika; viele tragen einfach nur die schwammige Allerwelts-Herkunftsbezeichnung "Mischung von Honig aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern".

Die Inhaltsstoffe
In Honig hat nur Honig was zu suchen: Dem Bienenerzeugnis darf zum Beispiel kein Fremdzucker zugefügt werden. Auf der Liste der Prüflabore standen Pestizidrückstände wie Thiacloprid und Glyphosat, Bienenarzneimittel und die giftigen Pflanzenstoffe Pyrrolizidinalkaloide (PA). Auch die wichtigen Qualitätsmerkmale von Honig - Hydroxymethylfurfural (HMF), Invertaseaktivität und Wassergehalt - ließen wir prüfen. Die Parameter sagen etwas über die Reife und die Naturbelassenheit des Honigs aus. Per Pollenanalyse und sensorischer Prüfung wurde die Herkunft der Honige überprüft. Und da Bienen vor gentechnisch veränderten Pflanzen nicht haltmachen, ließen wir auf Spuren gentechnisch veränderter Organismen untersuchen.

Die Bewertung
Auch wenn es ärgerlich für Imker und Hersteller ist, weil sie die Probleme nicht selbst verursachen: Spuren von Gentechnik werten wir konsequent ab, genauso wie Pestizidrückstände. In Bio-Honig sind wir bei Letzteren noch strenger als bei konventionellen, weil Verbraucher zu Recht rückstandsfreien Honig erwarten. Außerdem führen die giftigen Pflanzenstoffe Pyrrolidizinalkaloide zu Abwertungen.

So haben wir getestet

Reines Naturprodukt: In Honig darf nur Honig stecken, alle denkbaren Zusätze sind verboten

Online abrufbar

Jahrbuch für 2018

Bestellnummer: J1710
Gesamten Inhalt anzeigen