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19 Honige im Test

ÖKO-TEST November 2014
vom 24.10.2014

Honig

Kein Honigschlecken

Das kann den Appetit auf das Honigbrötchen ganz schön verderben: Unsere beauftragten Labore fanden Pestizide, Gen-Technik und giftige Pflanzenstoffe in vielen untersuchten Honigen. Nur sechs von 19 Produkten sind zu empfehlen.

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24.10.2014 | Die Deutschen lieben Honig. Anders ist es nicht zu erklären, warum man hierzulande mehr davon verspeist als irgendwo sonst. Insgesamt sind es rund 1,2 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Deutsche Imker steuern dazu allerdings nur rund 20 Prozent bei. In vielen Gläsern stecken daher bunte Mischungen aus aller Welt. Ganz vorn mit dabei: Honig aus Mexiko, Argentinien, Rumänien, der Ukraine und Bulgarien.

Honig ist ein Naturprodukt. Die Honigbereitung im Bienenstock findet heute jedoch in einem Umfeld statt, das alles andere als natürlich ist. Honigbienen leiden in der Folge unter der Varroamilbe, Viren und Nahrungsmangel. Sie sind den Spritzgiften der konventionellen Landwirtschaft ausgesetzt und müssen mit gentechnisch veränderten Pflanzen klarkommen. Das Ergebnis: Die Zahl der Bienenvölker sinkt weltweit - auch in Deutschland. Manfred Hederer, Präsident des deutschen Berufs- und Imkerbundes, macht dafür in erster Linie die industrielle Landwirtschaft verantwortlich. "Auf den intensiv genutzten Flächen finden Insekten zu wenige Blüten. Dazu kommt der Einsatz von Pestiziden, die Bienen töten, schwächen oder verwirren", sagt Hederer.

Mit einer für Bienen besonders kritischen Pestizidgruppe - den Neonikotinoiden - befasst sich seit Jahren der Neurobiologe Prof. Randolf Menzel von der Freien Universität Berlin. In Bienenflugstudien fand er heraus, dass die Tiere immer dann deutlich seltener in den Bienenstock zurückkehrten, wenn sie mit Neonikotinoiden angereichertes Futter aufgenommen hatten. "Die Insektizide wirken direkt auf die Gehirnprozesse der Bienen", erklärt Menzel. "In höheren Dosen ist dies tötlich, bei sehr niedrigen Dosen sind Fähigkeiten wie Wahrnehmen, Lernen, Erinnern, Orientieren, Navigieren und Kommunizieren gestört." Drei Wirkstoffe aus dieser Gruppe wurden daher in der EU verboten - allerdings nur befristet.

In einer neueren Untersuchung beschäftigte sich der Berliner Wissenschaftler mit den Auswirkungen des noch erlaubten Neonikotinoids Thiacloprid. Dieses Pestizid gilt als bienensicher und wird unter anderem auf Raps und Obstbäumen versprüht. Harmlos ist das Mittel aber keinesfalls. Im Gegenteil. Menzel hat massive Effekte beobachtet. So stellen Bienen unter Thiacloprideinfluss das Sammeln nach einigen Tagen einfach ein. Dass Thiacloprid direkt zum Untergang eines Bienenvolkes führt, glaubt Menzel nicht. "Wenn Bienenvölker nicht überleben, dann steht dahinter immer ein ganzer Komplex von Faktoren." Allerdings brauche es eine gute Pflege durch den Imker, um schädigende Wirkungen der Umwelt auszugleichen.

Wie aber lässt sich die Situation verbessern? Berufsimker Manfred Hederer bringt es auf den Punkt: "Es muss ein Umdenken in der Landwirtschaft stattfinden und die Nervengifte müssen weg." Dafür müsse man politisch mehr Dampf machen - eigentlich eine Aufgabe für die Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft (FNL), die in Deutschland alles steuere, was in Sachen Landwirtschaft passiert, meint Hederer. Auf der Internetseite präsentie

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Im Test: 19 Blütenhonige aus Supermärkten, Discountern, Bio-Läden und dem Reformhaus, darunter fünf Honige aus deutscher, meist ökologischer Erzeugung. Verbreitete Marken wie Langnese, Dr. Krieger's oder Bihophar durften ebenfalls nicht fehlen.

Die Inhaltsstoffe
Gefahndet wurde zuallererst nach Stoffen, die im Honig nichts zu suchen haben. Dazu zählen Spritzmittel, aber auch gentechisch veränderte Bestandteile, die mit dem Pollen im Honig landen sowie Pyrrolizidinalkaloide (PA). Letztere kommen natürlicherweise in bestimmten Wildpflanzen vor. PA gelten als leberschädlich und zum Teil als krebserregend. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung sollte die Aufnahme so niedrig wie möglich sein. Hinzu kamen Untersuchungen der wichtigsten Qualitätskennzahlen Hydroxymethylfurfural (HMF), Invertaseaktivität und Wassergehalt, die etwas über die Naturbelassenheit, Reife und schonende Behandlung von Honig aussagen.

Die Weiteren Mängel
Einige Honige loben eine besondere Qualität aus. Das überprüften wir anhand der ermittelten Messwerte. Auch den deutlichen Nachweis eines Pestizids in Bio-Honigen haben wir hier bewertet.

Die Bewertung
Honig, der der Honig-Verordnung nicht genügt, kann nicht besser als "ungenügend" sein. Zu ebenfalls deutlichen Abzügen führten Pyrrolizidinalkaloide. Abgewertet haben wir zudem den Nachweis von Gen-Technik sowie höhere Gehalte des bienengefährlichen Pestizids Thiacloprid. Imker wenden zwar keine Gen-Technik an und versprühen auch keine Spritzgifte. Trotzdem haben Hersteller offenbar Möglichkeiten, den Eintrag unerwünschter Stoffe durch die Auswahl der Rohhonige bzw. des Standorts zum Aufstellen der Bienenstöcke zu minimieren oder ganz zu vermeiden.

So haben wir getestet

Deutscher Honig mit besonderer Qualität. Dafür soll das sechseckige Logo des Deutschen Imkerbundes
bürgen.