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10 Bierbrausets im Test

ÖKO-TEST August 2015
vom 31.07.2015

10 Bierbrausets im Test

Unausgegoren

Die zehn Bierbrausets im Test können wir nicht empfehlen. Das Gebraute enttäuscht geschmacklich, im Material der Sets stecken häufig Schadstoffe, und die Anleitungen sind oft ein Buch mit sieben Siegeln. Dabei hat Selberbrauen enormes Potenzial.

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31.07.2015 | Bier zu Hause selbst zu brauen, ist in Deutschland nicht nur erlaubt, es besitzt auch eine lange Tradition. Mindestens seit dem frühen Mittelalter habe es eng mit dem Backen zusammengehangen und üblicherweise der Selbstversorgung gedient, schreibt die Volkskundlerin Dr. Birgit Speckle. Nicht umsonst singt das Rumpelstilzchen: "Heute back' ich, morgen brau' ich..." Gegenwärtig erfreut sich das Selberbrauen im Windschatten eines allgemeinen Trends zum Selbermachen steigender Beliebtheit. "Es gibt Tausende Hobbybrauer in Deutschland. Und ihre Zahl wird noch eine Zeit lang steigen, auch aufgrund der Bierbrausets", schätzt Pascal Collé von der Vereinigung der Haus- und Hobbybrauer in Deutschland, einer Art Dachverband für mehrere lokale Braugruppen.

Die Anbieter von Bierbrausets versprechen Laien, in relativ kurzer Zeit mit überschaubarem Aufwand eigenhändig Bier brauen zu können. Einerseits wollen sie ein Brauerlebnis vermitteln, an dessen Ende ein handgemachter Erfolg steht: das eigene Bier. Andererseits gilt es, den komplizierten Brauvorgang für Anfänger möglichst einfach zu gestalten. Alle Sets bestehen mindestens aus einem Gärbehälter, Hopfen, Malz, Hefe und einer Anleitung. Unterschiede gibt es zum einen in der Art der Zutaten; auf den Internetseiten der Anbieter können Kunden zwischen Pils, Weizen und anderen Sorten wählen. Zum anderen variiert der Schwierigkeitsgrad, denn die Zutaten kommen in unterschiedlichen Verarbeitungsstufen beim Hobby-brauer an. In manchen Sets liegt das Malz geschrotet bei, man muss es selbst zur Würze verarbeiten. Andere Anbieter nehmen ihren Kunden diesen Schritt ab und liefern zähflüssige oder pulverisierte Malzextrakte. Verbraucher geben hier nur noch Hopfen und Hefe selbst bei. Und wieder andere liefern fertige Würzekonzentrate, die sogar bereits den Hopfen beinhalten. Man muss diese nur noch mit Wasser verdünnen, erhitzen und vergären.

Doch lässt sich mit solchen Instantmethoden tatsächlich gutes Bier brauen? "Ich erwarte von Bierbrausets maximal mittlere Qualität", meint Hubert Hanghofer, Chemiker und Diplom-Biersommelier. "Die Würze ist nicht frisch, sondern eingedickt. Dabei kann sie durch den Kontakt mit Sauerstoff belastet werden", erklärt der Bierexperte. Ein weiterer Qualitätsverlust droht durch den Zusatz von Zucker. Traditionell ernährt sich die Hefe während des Gärprozesses vom Zucker und den Aminosäuren des Malzes. Doch viele Anbieter von Brausets setzen daneben auf handelsüblichen Zucker - günstig und für den Anwender relativ leicht zu dosieren. "Dies führt zu mostartigen Geschmacksnoten", sagt Hubert Hanghofer. Das Getränk schmeckt dann mehr nach Cider denn nach Bier.

Nun kann man argumentieren, dass die Erwartungen an selbstgebrautes Bier eher gering sind und es in erster Linie um den Spaß und das Ausprobieren geht. Mag sein, doch der Spaß ist kein billiger. Stolze sechs Euro pro Liter kostet etwa das Braufässchen des Münchner Start-ups Customized Drinks. Dafür eröffnen Bierbrausets Verbraucher


Wir haben 10 Produkte für Sie getestet
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Bierbrau-Set
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Bierbrau-Set "Bleib zu Haus" Pilsner Bier

10 Bierbrausets im Test
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ÖKO-TEST August 2015 Seite 30
ÖKO-TEST August 2015 Seite 31
ÖKO-TEST August 2015 Seite 32
ÖKO-TEST August 2015 Seite 33

10 Seiten
Seite 24 - 33 im ÖKO-TEST August 2015
vom 31.07.2015
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So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben im Onlinehandel zehn verschiedene Einsteigersets eingekauft, mit denen man laut Auslobung innerhalb weniger Wochen Bier selbst brauen kann. Wo dies möglich war, haben wir uns für Pils entschieden - die beliebteste Biersorte der Deutschen. Zweimal sind wir auf sogenanntes Landbier ausgewichen, einmal auf Helles. Neun Produkte ersparen dem Kunden das Maischen, sie enthalten Malzextrakte. Eines enthält geschrotetes Malz, das noch gemaischt werden muss.

Die Praxisprüfung
In einem renommierten Prüfinstitut für Bier ließen wir die Brausets umfassend testen. Ein Laie baute die Sets auf und braute das Bier, ein erfahrener Brauer achtete auf die korrekte Befolgung der Anleitung. Beide beurteilten Anleitungen sowie die Brausets selbst, zudem kontrollierten Fachleute, ob das gebraute Bier dem Vorläufigen Biergesetz entspricht. Nach der jeweils angegebenen Mindestzeit verkosteten ausgebildete Sensorikprüfer die Biere. Und nicht zuletzt prüfte das Labor mit modernen Messmethoden wichtige Parameter wie Alkoholgehalt, Stammwürze und Bittereinheiten.

Die Inhaltsstoffe
Das gebraute Bier ließen wir nicht nur verkosten, sondern auch auf problematische Elemente wie Aluminium oder Blei untersuchen. Die Brausets wurden auf phosphororganische Verbindungen, Phthalate und andere Weichmacher sowie auf chlorierte Verbindungen wie PVC untersucht.

Die Bewertung
In der Bewertung der Sensorikprüfung waren wir etwas milder, als es die Tester üblicherweise bei gewerblich gebrauten Bieren sind. Schließlich erwartet man vom ersten selbstgebrauten Bier keine Profiqualität. In die Praxisprüfung geht außerdem die Handhabung ein, sie ist ein wesentlicher Bestandteil des Brauerlebnisses. Beide Aspekte sind wichtig, deshalb kann ein Brauset nicht besser sein als das schlechteste dieser beiden Teilergebnisse. In puncto Inhaltsstoffe legten wir den Fokus auf das gebraute Bier; Schadstoffe in den Brausets machen immerhin noch 30 Prozent des Testergebnisses Inhaltsstoffe aus. Ein gutes Produkt muss sowohl die Praxisprüfung als auch den Schadstofftest bestehen, deshalb fließen beide Aspekte in das Gesamturteil ein.

So haben wir getestet

Der Alkoholgehalt des Bieres wurde im Labor mit moderner Technik ermittelt.