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ÖKO-TEST August 2015
vom

Isotonische Getränke

Ernüchternd

Bis zu eineinhalb Liter Schweißverlust pro Stunde - das ist bei intensivem Sport keine Seltenheit. Doch Isodrinks können die dabei ausgeschiedenen Stoffe nur teilweise ersetzen. Viele stecken zudem randvoll mit künstlichen Süßstoffen, Aromen und überflüssigen Vitaminen.

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31.07.2015 | Sommer, Sonne, draußen sein - gerade in den Sommermonaten steht das Sporttreiben ganz oben auf der Agenda vieler Menschen. Ein Blick in die Parks, auf Ufer- und Waldwege bestätigt: Überall wird gejoggt, gewalked und geradelt. Nach Umfragen der vergangenen Jahre sind in Deutschland allein 17 Millionen Läufer und 8,5 Millionen Walker unterwegs. Auch Fitnessstudios verzeichnen Rekorde. So ist die Mitgliederzahl laut Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen 2015 auf stattliche 9,1 Millionen angewachsen.

Klar ist, wer Sport treibt, schwitzt - und wer schwitzt, verliert Flüssigkeit und Mineralstoffe. Dennoch stellt sich die Frage, ob es zum Ausgleich unbedingt spezielle Sportlerdrinks sein müssen. Reicht nicht doch die gute alte Apfelschorle oder einfach Wasser?

Tatsache ist, dass es auf dem Markt ein breites Sortiment an Sportgetränken zu kaufen gibt. Sie nennen sich "isotonisch" und bestehen in der Regel aus Mineral- oder Trinkwasser, Fruchtsäften, Zuckerstoffen, Vitaminen, Mineralien und vielen Zusatzstoffen. Die Zusammensetzung ist gesetzlich nicht geregelt. Sicher ist nur, dass es sich um Produkte mit Zusatznutzen handelt, die Flüssigkeits- und Nährstoffverluste durch längere körperliche Aktivität gezielt ausgleichen sollen.

Die Bezeichnung "isoton" steht für Flüssigkeiten, die die gleiche Konzentration an gelösten Teilchen wie das Blutplasma enthalten. Sie werden dadurch besonders schnell vom Körper aufgenommen und können Wasserverluste sofort ausgleichen. Im Unterschied dazu haben "hypotone" Flüssigkeiten weniger Teilchen - sie werden ebenfalls schnell aufgenommen - "hypertone" hingegen mehr. Der Nachteil hypertoner Getränke: Sie verweilen länger im Magen und müssen erst verdünnt werden, bevor sie ins Blut strömen können. Ein typisch hypotones Getränk ist übrigens Wasser, während Colagetränke, Energydrinks und reine Fruchtsäfte der hypertonen Gruppe zuzuordnen sind.

Ob ein Getränk isoton ist oder nicht, hängt zum großen Teil davon ab, wie viel Zucker darin gelöst ist. Nach allgemeiner Auffassung sollten isotonische Drinks mit 30 bis 80 Gramm leicht löslichen Kohlenhydraten pro Liter angereichert sein - eine Größenordnung, die etwa das richtungsweisende American College of Sports Medicine (ACSM) vorschlägt. Zucker wie Glucose, Fructose oder Saccharose stellen schnell Energie zur Verfügung und helfen auf diese Weise, die Leistungsfähigkeit während des Sports aufrechtzuerhalten, erklärt Hans Braun von der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS).

Isotonische Getränke enthalten darüber hinaus oft Natriumzusätze, da der Mineralstoff mit dem Schweiß in weitaus größeren Mengen als andere Mineralien verloren geht. Natrium verbessert zudem die Wasseraufnahme im Magen-Darm-Trakt. Im Allgemeinen rate man zu 500 bis 1.000 Milligramm Natrium pro Liter, so Experte Braun. Wer aber nur eine Stunde Sport treibe, brauche keine Anreicherung. Er empfiehlt natriumhaltige Getränke für intensive Aktivitäten ab zwei Stunden und mehr. Man könne salzhaltige Lösungen aus ein bis zwei Gramm Kochsalz auf den Liter auch selbst herstellen: "Das entspricht 400 bis 800 Milligramm Natrium."

Überhaupt nichts von Salzzusätzen hält die nicht minder bedeutende International Marathon Medical Directors Association (IMMDA). Demnach sollten Sportler vor und während der körperlichen Aktivität keine natriumhaltigen Getränke aufnehmen, allenfalls hinterher. Die Begründung: Der Körper sei in der Lage, die Natrium-Serumkonzentration auch bei großen Verlusten stabil zu halten. Anders als andere Organisationen rät die IMMDA auch zum durstadaptierten Trinken. So hatten Untersuchungen gezeigt, dass Sportler, die nach dem eigenen Durstgefühl trinken, ihren Gewichtsverlust während der Belastung nur zu höchstens 75 Prozent ausgeglichen hatten, aber trotzdem Topleistungen abrufen konnten. Hans Braun von der DSHS sieht das Trinken nach Durstgefühl kritischer. So würden viele im Alltag oder auch im Sport vergessen, auf das Signal Durst zu reagieren, oder es einfach ignorieren.

Letztlich muss jeder Sportler selbst ausprobieren, mit wie viel Flüssigkeit er sich am wohlsten fühlt oder ob es wirklich ein bis zwei Liter pro Stunde sein müssen, die bei Ausdauerbelastungen unter Extrembedingungen empfohlen werden.

Fakt ist, dass zu viel Flüssigkeit auch zum Problem werden kann, insbesondere dann, wenn es sich um natriumarmes Wasser handelt. Dadurch kann im Einzelfall ein schwerwiegender Natriummangel im Blut entstehen, der zu Verwirrungszuständen, Muskelschwäche und Bewusstlosigkeit führen kann. Dass dies nicht nur graue Theorie ist, zeigt der Tod eines Teilnehmers am diesjährigen Ironman in Frankfurt. Der 30-Jährige soll Presseberichten zufolge nur mineralarmes Leitungswasser getrunken haben.

Wir haben 21 Sportlergetränke, darunter eine Schorle und zwei Elektrolytgetränke, unter die Lupe genommen.

Das Testergebnis

Ernüchternd: Insgesamt können wir keinen Sportdrink wirklich empfehlen. Die besten schneiden mit "befriedigend" ab und viele sind nur "ausreichend". Ganz schlecht steht es um zwei Sportgetränkemarken - sie fallen mit "ungenügend" komplett durch.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
In den Test aufgenommen wurden 21 als "isotonisch" ausgelobte Getränke. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Produkte aus Supermärkten, Discountern und Drogerien. Im Warenkorb landeten auch einige Marken von Mineralwasserherstellern. Hinzu kamen Produkte bekannter Sportgetränkeanbieter, darunter die Elektrolytgetränke Powerade und Isostar.

Die Inhaltsstoffe
Ein Schwerpunkt der Laboruntersuchungen betraf die Gehalte an Zucker und Natrium sowie die Überprüfung der Osmolalität. Letztere gibt Aufschluss über die Menge an gelösten Teilchen und damit über die Einordnung als isotonisches Getränk. Hinzu kamen umfangreiche Schwermetallanalysen, um mögliche Belastungen, inbesondere der mit Mineralwasser hergestellten Produkte, zu überprüfen. Die Untersuchung auf Chlorat galt dagegen vor allem den auf Trinkwasserbasis hergestellten Produkten, da sich die Chemikalie durch Desinfektionsmaßnahmen in Wasser anreichern kann. Schließlich warfen wir einen kritischen Blick auf die Zutatenlisten, insbesondere auf die verwendeten Zusatzstoffe. Und wir ließen im Labor analysieren, ob "natürliche Citrusaromen" wirklich überwiegend aus Fruchtbestandteilen bestehen.

Die Weiteren Mängel
Werbeaussage oder echte Verbraucherinformation? Dazu nahmen wir die Packungsangaben unter die Lupe. So müssen etwa Produkte, die sich "kalorienarm" nennen, bestimmte gesetzliche Anforderungen erfüllen.

Die Bewertung
Isotonische Getränke sind so konzipiert, dass sie zum Ausgleich von Flüssigkeits- und Nährstoffverlusten durch längere sportliche Aktivität beitragen sollen. Für Getränke, die nicht genügend Natrium enthalten oder nicht isoton sind, gibt es daher Abzüge. Kritisch sehen wir den Zusatz von Süßstoffen, Aromen oder überflüssigen Mineralstoffen und Vitaminen. Sind gesundheitlich bedenkliche Stoffe in größerer Menge enthalten - zum Beispiel Chlorat - bleibt nur die Rote Karte.

So haben wir getestet

Aussagen wie hier zu Calcium und Magnesium sind erlaubt, im Zusammenhang mit Schweißverlusten allerdings nicht relevant.