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Mittel gegen Blattläuse: Viele auch schädlich für Nützlinge und Menschen

Magazin Juni 2021: Gesund Grillen | Autor: Jörg Döbereiner | Kategorie: Bauen und Wohnen | 27.05.2021

Wir haben 25 Mittel gegen Blattläuse getestet. Welche können wir empfehlen?
Foto: ÖKO-TEST

Viele Spritzmittel gegen Blattläuse, Weiße Fliegen und andere Schädlinge setzen auch Nützlingen wie Marienkäfern zu. Einige sind zudem für Menschen nicht ohne. Ungefährlicher ist es, wenn Sie in Garten und Haus auf natürliche Alternativen setzen. 

  • Wer Blattläuse, Weiße Fliegen oder andere Schädlinge auf seinen Pflanzen bekämpfen möchte, dem stehen verschiedene Mittel zur Verfügung – von Klebefallen über Sprays bis hin zu Konzentraten.
  • Unser Test zeigt: Einige Mittel enthalten Inhaltsstoffe, die gesundheitsgefährdend für Menschen und nützliche Insekten wie Bienen und Marienkäfer sein können.
  • Die gute Nachricht: Mehr als die Hälfte der getesteten Produkte ist empfehlenswert.

Sie können echt lästig sein: Blattläuse, Weiße Fliegen, Trauermücken, Dickmaulrüssler und, und, und. Lang ist die Liste derer, die an der liebevoll gehegten Rose saugen oder im Gemüsebeet knabbern. Was raten Experten zu tun? "Entspannt rangehen, nur keine Rachegelüste", rät Dr. Thomas Brand, Fachmann für Pflanzenschutz an der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.  

Vereinzelte Blattläuse sind im privaten Garten kein Grund zur Panik. "Beobachten Sie die Natur, schauen Sie, was passiert", sagt der Phytopathologe (frei übersetzt: Pflanzenarzt). Nützlinge könnten das Problem schnell erledigen. Und jede Gärtnerin und jeder Gärtner müsse selbst entscheiden, wann es an der Zeit ist, einzugreifen.

Blattläuse entfernen: Welche Methoden gibt es? 

Thomas Brand und andere Experten geben dann mechanischen Methoden den Vorzug vor chemischen: Blattläuse lassen sich per Hand entfernen oder mit einem harten Wasserstrahl abspülen. Sind einzelne, von Weißen Fliegen befallene Pflanzenteile abzuschneiden, sollte das früh morgens oder bei kühlen Temperaturen geschehen, damit die Tiere sitzen bleiben.

Eine naturnahe Möglichkeit zur Bekämpfung ist auch der Einsatz natürlicher Gegenspieler, beispielsweise von Fadenwürmern gegen Larven. Viele Onlineshops und auch Baumärkte bieten das inzwischen an. Eine eher teure Alternative, aber mit der faszinierenden Möglichkeit, der Natur bei der Arbeit zuzusehen. 

Blattläuse vermehren sich schnell und können im Garten empfindliche Schäden anrichten.
Blattläuse vermehren sich schnell und können im Garten empfindliche Schäden anrichten. (Foto: Vera Larina/Shutterstock)

Wem das zu mühsam oder zeitaufwendig ist, dem stehen verschiedene alternative Methoden, in Form von Klebefallen, Sprays und Konzentraten zur Verfügung. Wir haben uns für unseren Test 25 verschiedene Mittel gegen Blattläuse, Weiße Fliegen und Co. näher angeschaut. Das Ergebnis: Drei Produkte erhalten die Bestnote, vier allerdings auch die rote Karte. 

Mittel gegen Blattläuse im Test: Helfen Klebefallen?

Zu den mechanischen Methoden zählen auch die acht Klebefallen in unserem Test. Ihre gelbe Farbe lockt geflügelte Insekten wie Trauermücken oder Weiße Fliegen an, der Leim hält sie fest. So können die Gelbfallen helfen, einen Befall schnell zu erkennen.

Nachteil: Sie ziehen auch nützliche Insekten an. Deshalb sollten sie ausschließlich in Innenräumen oder im Gewächshaus benutzt werden. Darauf weist im Test allerdings nur ein einziger Hersteller explizit hin. 

Jetzt kaufen: 25 Mittel gegen Blattläuse, Weiße Fliegen & Co. im Test

Blattläuse entfernen mit Sprays und Konzentraten

Neben Klebefallen gibt es auch Sprays und Konzentrate im Handel. Aus unserer Sicht sind diese aber nur die letzte Option – sie sollten also nur dann zum Einsatz kommen, wenn alles andere nicht funktioniert hat.

Alle 17 Produkte in unserem Test sind zugelassen. Das heißt, Behörden haben unter anderem geprüft, wie gut die Mittel gegen Schädlinge wirken und ob sie Nützlingen schaden. Das Ergebnis dieser Prüfung: Die meisten sind schädlich für wichtige Nutzinsekten, zum Beispiel für den Siebenpunkt-Marienkäfer. Der ist ein natürlicher Feind von Blattläusen.

Sprays mit bedenklichen Wirkstoffen 

  • Für Bienen besonders schädlich sind die Wirkstoffe Lambda-Cyhalothrin und Deltamethrin. Bei beiden handelt es sich um Nervengifte aus der Gruppe der Pyrethroide. Das Problem: Sie bleiben relativ lange in der Umwelt. Nehmen wir Menschen zu große  Mengen auf, kann das Benommenheit, Kopfschmerzen und Übelkeit auslösen
  • Kritisch sehen wir auch den Wirkstoff Acetamiprid. Er gehört zur Gruppe der Neonicotinoide, die bereits in geringen Mengen nützlichen Insekten schaden können. Was Auswirkungen auf Menschen angeht, so schlägt der Ausschuss für Risikobewertung der Europäischen Chemikalienbehörde ECHA vor, Acetamiprid als reproduktionstoxischen Verdachtsstoff einzustufen.
Ein weiterer Schädling im heimischen Garten und Gewächshaus ist die weiße Fliege.
Ein weiterer Schädling im heimischen Garten und Gewächshaus ist die weiße Fliege. (Foto: Tomasz Klejdysz/Shutterstock)
  • Drei Produkte im Test enthalten Pyrethrine als Wirkstoffe. Sie sind den Pyrethroiden ähnlich, bauen sich aber in der Umwelt schneller ab. Wir bewerten sie deshalb etwas weniger streng.
  • Mittel mit Orangenöl, Rapsöl, Kali-Seife oder Azadirachtin aus dem Neembaum schätzen wir als weniger bedenklich ein. Dennoch sollten sie wenn überhaupt nur gezielt und nach Anleitung dosiert eingesetzt werden. Um zu wirken, müssen Öle und Seifen direkt in Kontakt mit Schädlingen kommen. Azadirachtin verteilt sich darüber hinaus auch im Gewebe der Pflanze. Deshalb können Mittel mit Azadirachtin auch gegen sogenannte minierende Schädlinge wirken, die im Pflanzengewebe leben.

So beugen Sie Blattläusen und Co. natürlich vor

Bevor man zu Pflanzenschutzmitteln greift, raten wir dazu Schädlinge auf natürliche Weise zu bekämpfen. 

  1. Meisen, Marienkäfer, Schwebfliegen und viele andere Gegenspieler von Schädlingen freuen sich über einen naturnahen Garten. Unterstützen kann man sie mit Nistkästen, Insektenhotels und Haufen aus Steinen oder Reisig. Auch blühende Pflanzen über das ganze Jahr erhöhen die Chance, dass Schädlinge weggefuttert sind, bevor sie zur Plage werden.

  2. Optimal mit Wasser und Nährstoffen versorgte Pflanzen trotzen Schädlingen besser. Das heißt auch: Bitte nicht zu stark mit Stickstoff düngen. Zu schnelles Wachstum führt zu dünneren Zellwänden, dann können Blattläuse besser mit ihren Saugrüsseln eindringen. Sie saugen den nährstoffreichen Pflanzensaft und können auch Viren an die Pflanze übertragen.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben in Baumärkten, Onlineshops und Drogerien 25 Produkte gekauft, die gegen Blattläuse und andere Pflanzenschädlinge ausgelobt sind: acht Klebefallen mit gelber Farbe; zehn Pumpsprays, die bereits fertig zur Anwendung verkauft  werden; und sieben Konzentrate, die Anwender erst noch verdünnen müssen. Das erhöht das Risiko, selbst mit den Mitteln in Kontakt zu kommen. Wie viele Anwendungen pro Spray und Konzentrat möglich sind, hängt unter anderem von Art und Größe der Pflanze ab. Bei allen Produkten prüften wir die Auslobungen.

Für die Wirkstoffe in den Sprays und Konzentraten ließen wir ein Gutachten auf Basis der Studienlage zu möglichen gesundheitlichen Auswirkungen auf den Menschen erstellen, zudem überprüften wir die Zulassung der Mittel. Die Verpackungen aller Produkte  ließen wir in einem Labor auf chlorierte Verbindungen untersuchen. Wir beauftragten keine Versuche mit Tieren. Notenabzüge gibt es, wenn Mittel für Nützlinge oder Menschen schädigen können. Klebefallen sollten einen klaren Hinweis  tragen, dass sie nur drinnen einzusetzen sind.

Bewertungslegende

Sprays und Konzentrate:

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Zur Abwertung um vier Noten führen: synthetische Insektizide (hier: Acetamiprid, Deltamethrin, Lambda-Cyhalothrin). Zur Abwertung um zwei Noten führen: Pyrethrine. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Kombination aus CIT und MIT; b) Produkt gilt als schädigend für Nützlinge, d.h. es ist im Rahmen der Zulassung eingestuft als "schädigend für Populationen relevanter Nutzinsekten" oder als "schädigend für Populationen relevanter Raubmilben und Spinnen"; oder es ist für mindestens eine Art von Nutzinsekten im Rahmen der Zulassung als "schädigend" eingestuft.

Das Gesamturteil beruht bei den Sprays und Konzentraten auf der Bewertung des Inhalts.

Klebefallen:

Bewertung Testergebnis Deklaration: Unter dem Testergebnis Deklaration führt zur Abwertung um zwei Noten: Klebefalle mit gelber Farbe trägt die Deklaration, sie könne auch im Freien oder auf dem  Balkon eingesetzt werden, oder eine deutlich erkennbare Abbildung der Anwendung im Freien. Zur Abwertung um eine Note führt: Klebefalle mit gelber Farbe trägt keine Deklaration, dass sie nur in Innenräumen bzw. nicht im Freien eingesetzt werden soll (falls nicht bereits wegen Deklaration "im Freien" oder "auf dem Balkon" um zwei Noten abgewertet wurde).

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: PVC/PVDC/ chlorierte Verbindungen in der Verpackung.

Das Gesamturteil beruht bei den Klebefallen auf dem Testergebnis Deklaration. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Testmethoden

Testmethoden: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Januar/Februar/März 2021

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