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20.10.2016 | Kaum dass die frischen Triebe und Knospen von Rosen und Co. hervorkommen, werden sie auch schon von Abertausenden grünen und schwarzen Blattläusen bevölkert, die sich bei milden Temperaturen explosionsartig vermehren. Die kleinen Plagegeister stechen die Pflanzen an und saugen ihren Saft aus.

Blattläuse sind im Frühjahr aber auch eine wichtige Nahrungsquelle: Marienkäfer fressen sie, um geschlechtsreif zu werden, und Schlupfwespen legen darin ihre Eier ab. Wer jetzt mit Spritzgiften gegen die saugenden Plagegeister vorgeht, kann die Vermehrung von Nützlingen empfindlich stören. Die Chemiekeule gefährdet zudem den Nachwuchs von Vögeln. Denn fast alle Singvögel füttern ihre hungrigen Kinder mit Insekten wie Fliegen und Blattläusen. Nimmt die Pflanzenplage überhand, helfen erst einmal: kalte Duschen für die befallenen Pflanzen, Entfernen von befallenen Trieben, Abstreifen der Blattläuse. In befallene Obstbäume kann man auch Ohrwurmhäuschen - das sind mit Stroh gefüllte Blumentöpfe mit Öffnung nach unten - hängen.

Wer doch zu kommerziellen Produkten gegen den Blattlausbefall greift, sollte wissen, ob er es mit problematischen Substanzen zu tun hat. Wir haben uns 24 Mittel gegen Blattläuse und ihre Wirkstoffe genau angeschaut.

Das Testergebnis

Immerhin die Hälfte der Produkte erhält von uns grünes Licht. Sechs Mittel mit Natur-Pyrethrum und mit chemischen Giften in Stäbchenform sind "befriedigend". Ein Viertel der Produkte sind Sprays und Spritzmittel mit synthetisch-chemischen Wirkstoffen und nur "mangelhaft".

Die wirkstofffreien Gelbfallen locken Blattläuse und Co. durch ihr knalliges Gelb an. Da sie aber auch nützliche Insekten anlocken, setzt man sie am besten nur in Wohnräumen und im Wintergarten ein. Zudem sind Produkte mit Kaliseife und Rapsöl empfehlenswert; sie töten Blattläuse, indem sie ihre Atemwege verstopfen.

Natur-Pyrethrum und Pyrethrine werten wir um zwei Noten ab: Sie sind zwar nervengiftig, bauen sich jedoch bei Sonnenlicht rasch ab.

Spritzmittel und Sprays mit Phosphorsäureester (Dimethoat), Neonicotinoiden (Thiacloprid, Acetamiprid) und Carbamaten (Methiocarb) sind dagegen "mangelhaft". Diese Produkte können beim Aufbringen versehentlich eingeatmet werden und die Gesundheit gefährden. Stäbchen mit Dimethoat und Acetamiprid erhalten zwei Noten Abzug.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
In unserer Einkaufstüte landeten Mittel gegen Schädlinge in Haus und Garten. Darunter waren Produkte gegen Lebensmittel- und Kleidermotten genauso wie gegen Stuben- und Fruchtfliegen, gegen Ameisen, Blattläuse und Schnecken. Solche Mittel fanden wir in Drogerie- und (Bio-)Supermärkten, in Bau- und Gartenmärkten sowie in Onlineshops.

Die Inhaltsstoffe
Die überwiegende Anzahl von Mitteln gegen Krabbel- und Kriechtiere im Haus und Garten enthalten problematische, sehr wirksame synthetische Wirkstoffe, die aber nicht nur für Insekten und Co. Giftig, sondern auch für die menschliche Gesundheit problematisch sind, weil sie - wie Phosphorsäureester - nervengiftig sind. Überdies können die Wirkstoffe für nützliche Tiere wie Bienen schädlich sein. Wir haben uns die Inhaltsstoffe der Mittel genau angesehen und von einem Labor eine Literaturrecherche zu ihren Nebenwirkungen auf Menschen durchführen lassen.

Wirksamkeitsprüfung
Pestizide, die etwa gegen Blattläuse und Schnecken zum Einsatz kommen, werden auf ihre Wirksamkeit geprüft, bevor sie zugelassen und in den Handel kommen. Ebenso gibt es für Biozidprodukte gegen Vorratsschädlinge, Kleidermotten und Ameisen ein Zulassungsverfahren. Im Rahmen dieses Zulassungsverfahrens wurden bislang die bioziden Wirkstoffe cis-Tricos-9-en (Lockstoff für Fliegen), d-Phenothrin, Deltamethrin, Etofenprox, Friponil, Imidacloprid, Lambda-Cyhalothrin, Margosaextrakt (Neem), Permethrin, Spinosad, Transfluthrin sowie das Pheromon Z,E-Tetradeca-9,12-dienylacetat als wirksam gegen unerwünschte Plagegeister eingestuft. Weil diese Daten vorliegen, haben wir darauf verzichtet, die Mittel auf ihre Wirksamkeit zu testen.

Die Bewertung
Synthetische Insektizide in Sprays, Spritzmitteln, Verdampfern und anderen offenen Anwendungsformen können Verbraucher kaum sachgemäß einsetzen. Und selbst bei sachgemäßem Gebrauch ist das Risiko für die Gesundheit hoch. Solche Produkte monieren wir grundsätzlich durch einen höheren Notenabzug als Insektizide in Köderdosen oder Stäbchen.

So haben wir getestet

Viele Mittel gegen Schädlinge, die für Haus und Garten im Handel sind, sind umweltgefährlich und können die Gesundheit gefährden!

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