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Wie Hersteller die Wirksamkeit ihrer Kosmetik belegen (oder auch nicht)

Wir haben am Lack gekratzt

Ratgeber Kosmetik 2017 | Autor: ÖKO-TEST-Redaktion | Kategorie: Kosmetik und Mode | 31.12.2017

Wirksamkeitstests bei Kosmetik
Foto: CC0 / Unsplash.com / Kelly Sikkema

In der Werbung tragen Kosmetikhersteller gerne dick auf, vor allem, wenn es um Anti-Falten-Cremes geht. Umso dünner sind die Belege für die vollmundigen Wirksamkeitsversprechen. Wir haben am Lack gekratzt.

Die Deutschen geben jährlich mehrere Milliarden Euro für Haut- und Gesichtspflegemittel sowie für dekorative Kosmetik aus. Gutes, gepflegtes Aussehen, so scheint es, ist uns einiges wert. Die Kosmetikindustrie befeuert unsere Wünsche nach Schönheit und jugendlich straffer Haut und lässt sich die Werbung für entsprechende Produkte ihrerseits ordentlich etwas kosten. Und immer schwingt mehr oder weniger explizit das Versprechen mit, die natürliche Hautalterung nun doch mit Creme X oder Powerkonzentrat Y aufhalten zu können.

Ob Kakaopulver, Kaviar, Trüffel oder Spirulina-Algen: Immer neue, angebliche Superwirkstoffe oder Produktinnovationen wie BB-, CC-, DD-Cremes kommen auf den Markt und machen nun wirklich und für immer Schluss mit Falten und schenken uns – ganz ehrlich – ewige Jugend.

Vielleicht lässt sich ewige Jugend doch kaufen?

Ihre dick aufgetragene Werbung unterstreichen die Hersteller dabei nicht nur mit strahlenden Models oder Hollywood-Schönheiten, die, obwohl nicht mehr ganz so jung, makellos und knitterfrei von Plakatwänden und Hochglanzanzeigen lächeln. Sondern gern auch mit Hinweisen auf neuste Forschungsergebnisse sowie Labor- und Wirksamkeitstests.

Und gerade der wissenschaftliche Anstrich lässt dann auch die Kundinnen, die von Natur aus eher skeptisch sind, Hoffnung schöpfen. Vielleicht macht die neue Creme, das neue Augenserum und der hochpotente Wirkstoff den Teint ja tatsächlich ebenmäßiger, glättet Falten und lässt die Haut jugendlich strahlen?

Werbung mit Gesundheitsaussagen: verboten

Wer es herausfinden will, muss das Produkt kaufen und ausprobieren. Und wird ziemlich sicher enttäuscht. Wie kann das sein? Schließlich "besticht" das Produkt doch "durch eine Verringerung der Faltentiefe um 16 %" (Bio-Arganöl & Amaranth Anti-Falten Intensiv-Serum von Dr. Scheller Cosmetics), stimuliert gar die "Produktion der ‚Jugend-Proteine'" oder hat einen Effekt, "als hätten Sie die Zeit zurückgedreht" (Time Miracle Tages- bzw. Nachtcreme von Anbieter Mádara). Wie man sieht, sind auch Naturkosmetik-Marken auf diesen Zug aufgesprungen. Doch wie groß dürfen die Worte sein und was verbirgt sich hinter den ambitioniert klingenden und scheinbar klaren Aussagen?

Was die Welt der Werbung angeht, gibt es trotz aller wolkigen Versprechen einige feste Spielregeln. So ist zum Beispiel Werbung mit Gesundheitsaussagen und Erfolgsgarantien für Kosmetik verboten. Deshalb wird man auch in keiner Reklame von einer zu 100 % belegten Wirksamkeit lesen. Schon 1997 bestimmte die EU, dass Produktaussagen den Verbraucher nicht in die Irre führen dürfen und beweisbar sein müssen. Die neue EU-Kosmetikverordnung von Mitte 2013 unterstreicht, dass Kosmetikwerbung "wahrheitsgetreu, belegbar, redlich und lauter" zu sein hat.

Sinneserfahrungen? Kaum nachprüfbar

Während der Werbeaufsichtsrat in Großbritannien vor einigen Jahren deshalb zwei Kampagnen mit Models stoppte, deren Gesichter keineswegs mit Creme, sondern am Computer geglättet worden waren und sie als Verbrauchertäuschung wertete, geht die Werbeaufsicht in Deutschland davon aus, dass die Konsumenten schon in der Lage seien, die Reklamebilder richtig zu bewerten.

Genug Spielraum bleibt der Industrie und den Kreativen in den Werbeagenturen auf jeden Fall. Nicht nur die Hersteller hochpreisiger Präparate hängen sich weit aus dem Fenster. Was immer geht, ist beispielsweise Werbung mit Sinneserfahrungen à la "die Haut fühlt sich samtig weich an, erfrischt und belebt". Solche individuellen Empfindungen lassen sich schließlich schlecht nachprüfen. Deshalb schreiben die Anbieter von Anti-Aging-, Repair- und Liftingprodukten bewusst eben nicht: "die Haut wird verjüngt", sondern "lässt die Haut jünger wirken".

Hinter solche blumigen bis schwammigen Formulierungen kann man mit wachem Verstand ja noch blicken. Undurchsichtig wird es, wenn mit Wirksamkeitsnachweisen geworben wird. Denn wie ein Hersteller Wirksamkeit beurteilt und welche Testmethoden er anwendet, liegt in seinem eigenen Ermessen. Die Unterlagen über ihre Tests müssen Kosmetikhersteller nicht offenlegen, so soll ihr Know-how geschützt werden.

Mit Studien auf Nummer sicher

Am einfachsten ist es, Dokumentationen zu den Wirkstoffen heranzuziehen. Steht also in der Literatur geschrieben, dass Aloe vera Feuchtigkeit spendet, reicht dies im Prinzip als Beleg für die Wirksamkeit der Feuchtigkeitscreme mit Aloe vera aus.

Als weiteres Beispiel für einen solchen gut untersuchten Wirkstoff nennt Professor Peter Elsner, Dermatologe an der Universität in Jena, die Substanz Niacinamid. Unabhängige Studien hätten zwar gezeigt, dass Niacinamid die Regenerationsfähigkeit der Haut verbessert und sie vor Feuchtigkeitsverlust schützt, weil der Stoff in allen Zellen vorhanden ist und die Produktion körpereigener Hautfette, der Ceramide, erhöht. Das hieße aber nicht automatisch, dass eine Creme mit dem Wirkstoff auch tatsächlich den Hautschutz verbessert. Denn: "Die Wirkung ist zwar für die Substanz nachgewiesen. Doch das muss für Niacinamid in einer Creme nicht genauso gelten." Wenn etwa die Konzentration zu gering sei, bewirke auch der Zusatz nichts.

Viele Firmen unterziehen ihre Produkte aber auch physikalischen Messungen, weil die Untersuchungsämter, die Kosmetika stichprobenartig kontrollieren, einfache Wirksamkeitsnachweise oftmals als nicht ausreichend ansehen. Mit den Messungen lässt sich zum Beispiel zeigen, dass eine Creme die Haut mit Feuchtigkeit versorgt oder sich das Hautbild insgesamt verbessert. Doch leider hat das, was im Labor gemessen wird, nicht unbedingt Aussagekraft.

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Unterschiede? Mit bloßem Auge nicht sichtbar

So wird von Herstellern gern behauptet, Anti-Aging-Cremes könnten Falten reduzieren. Im Labor ist das tatsächlich nachweisbar. Da lässt sich die Falte einer 40-jährigen Frau, die 1,5 Millimeter tief ist, in vier Wochen um etwa 30 Prozent wegcremen. Macht 0,5 Millimeter – ein Unterschied, der mit bloßem Auge nicht wahrnehmbar ist.

Wird ein Präparat bei In-vitro-Tests im Labor an toter Haut getestet, sind die Ergebnisse nur bedingt auf die normale Haut übertragbar, denn tote Haut lässt zum Beispiel Inhaltsstoffe durch, die in gesunde Haut nicht eindringen können.

Weil also Theorie und Praxis nicht allzu viel miteinander gemein haben, testen Firmen ihre Produkte auch an Probanden. Um zu einer seriösen Aussage zu kommen, müssen zwei Präparate verglichen werden: eins mit und eins ohne Wirkstoff. Die Cremeproben müssen nach dem Zufallsprinzip auf den Unterarm der Testpersonen aufgetragen werden, wobei weder die Testkandidaten noch die Mitarbeiter, die das Produkt auftragen, wissen, um welche Probe es sich handelt. Idealerweise begutachten geschulte Fachleute das Ergebnis.

Was gut riecht, wirkt angeblich besser

Kommt dabei heraus, dass im Vergleich zum Placebo-Produkt die Creme mit Antifaltenwirkstoff die Haut glatter und praller aussehen lässt, haben die Produkte bestanden. Doch solche gut durchgeführten Studien sind eher die Ausnahme. Meist werden Probanden befragt, wie sie das getestete Präparat empfunden haben.

Auf diese subjektive Bewertung wirken sich auch Dinge aus, die mit der Wirkung auf die Haut nichts zu tun haben. Beispielsweise der Duft. Da kann es schon mal vorkommen, dass einer Creme mit Parfümzusatz eine deutlich bessere Wirkung zugeschrieben wird als der unparfümierten Variante, bei ansonsten völlig gleicher Zusammensetzung. Oder umgekehrt: Beurteilt eine Testperson den Duft als schlecht oder unangenehm, ist sie möglicherweise auch mit der Wirkung unzufrieden.

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Nicht seriös: Tester mit Gratisproben anwerben

Nicht seriös ist die Methode von Herstellern, Testerinnen anzuwerben, indem ihnen für eine Bewertung kostenlose Produkte zugeschickt werden. In solchen Fällen ist ein positives Fazit leicht abzusehen. Nicht nur wegen der Produkt-"Geschenke". Die Probandinnen wissen auch, welche Wirkung erwartet wird und sind geneigt, diesen Effekt dann auch zu sehen. Das Ergebnis solcher Tests beruht in jedem Fall auf der persönlichen Empfindung der Teilnehmerinnen und nicht auf objektiven Messungen.

Möglichkeiten, Testergebnisse zu beeinflussen, gibt es viele. Um die Wirksamkeit einer Feuchtigkeitscreme zu überprüfen, kann man die Probandinnen vorab etwa anweisen, ihre Haut ein paar Tage lang nicht zu pflegen. Man kann sie auch auffordern, vorher nichts zu trinken oder die Schlafdauer auf wenige Stunden zu beschränken – alles Maßnahmen, die die Haut regelrecht "aushungern".

Anschließend nimmt sie natürlich begierig Feuchtigkeit auf, egal ob ihr ein feuchter Waschlappen angeboten wird oder eine Creme. Kein Wunder, wenn sich dann messtechnisch fantastische Effekte erzielen lassen.

Prozente und Zahlen wirken erst mal seriös

Sofern angegeben, lohnt sich auch ein Blick auf den Umfang des Tests. Hat nur eine Handvoll Probanden das Produkt ausprobiert, kann der Test einer großen Verbraucherschar keine Sicherheit geben. Auch konkrete Zahlen- und Prozentangaben wirken zunächst seriös, doch oft ist nicht einmal klar, worauf sich die Werte beziehen.

Was bedeuten etwa die 17 % mehr Hautdichte, mit der Vichy sein Produkt Neovadiol, die "rekonstruktive Pflege für reife Haut", auf den Markt brachte? Nimmt tatsächlich die Hautdichte um 17 % zu? Oder wurde bei 17 % der Probanden eine bessere Hautdichte nachgewiesen? Und wenn ja, wie?

Über solche Details schweigt sich die Beschreibung aus. Gerade bei Prozentangaben bleibt sehr häufig unklar, was da überhaupt miteinander verglichen wird. Oder was hat man sich beispielsweise konkret vorzustellen unter "24 % straffere Gesichtszüge"?

Gut durchgeführte Studien? Die Ausnahme

Entlarvend kann auch ein Blick auf die Inhaltsstoffe scheinbarer Wunderprodukte sein. Denn oft ist die stark beworbene Superzutat, der das Produkt seine einzigartige Wirkung verdanken soll, nur in Spuren enthalten. Hauptzutaten sind in der Regel wie bei jeder Lotion oder Creme schnödes Wasser und andere Feuchtigkeitsspender wie die Allzweckwaffe Glyzerin.

Ebenfalls Augenwischerei sind Aufdrucke wie "In Kliniken bewährt", "klinisch getestet", "von Dermatologen empfohlen" oder "dermatologisch getestet": Klingt alles irgendwie seriös, sagt aber wenig bis nichts aus. Es handelt sich um reine Marketingbotschaften, die eigentlich Selbstverständliches dick aufblasen: Es ist durchaus üblich, dass Firmen Tests auf Verträglichkeit machen, bevor ein Produkt auf den Markt kommt. Allerdings gibt es hierfür weder einheitliche Standards oder Kriterienkataloge, die die Tests erfüllen müssen.

Angebliche Superzutat? Nur in Spuren enthalten

Offen bleibt bei solchen "Claims" zum Beispiel, wie viele Probanden das Produkt getestet haben und vor allem was dabei herausgekommen ist. Und warum empfehlen Ärzte das Produkt? Konnte ein Dermatologe überzeugt werden oder mehrere und welche eigentlich?

Besonders intensiv werden Anti-Faltencremes und -präparate beworben, denn der Markt hierfür ist groß. Dazu stellt die Gesellschaft für Dermopharmazie (GD) in ihrer Leitlinie "Dermokosmetika gegen Hautalterung" fest: "Zahlreiche Kosmetika mit Anti-Aging-Anspruch versprechen viel, doch unterstützen oft nur wenige wissenschaftliche Daten die ausgelobte Wirkung." Also machte sich die GD die Mühe zu untersuchen, wie der wissenschaftliche Erkenntnisstand zu Dermokosmetika gegen Hautalterung wirklich ist, von welchen Inhaltsstoffen man sich tatsächlich etwas erhoffen kann – und wenn ja, was.

Nur Doppelblindstudien sind vertrauenswürdig

So konnte durch placebokontrollierte Doppelblindstudien etwa die Wirkung von Vitamin A und einigen Derivaten, von Vitamin C, Hyaluronsäure, Alpha-Liponsäure sowie einiger Polypeptide belegt werden. So zeigte sich – allerdings nach mehrmonatiger Anwendung –, dass diese Zutaten feine Fältchen vermindern, tiefe Falten etwas weniger tief und raue Haut geschmeidiger machen können.

In weiteren Wirksamkeitsstudien haben bei der Anwendung durch Probanden Vitamin E, Vitamin B3, 2-Dimethylamioethanol (DMAE) und verschiedene Polypeptide Wirkung gezeigt. Die Haut erschien nach mehrwöchiger Anwendung glatter, altersbedingte Pigmentunregelmäßigkeiten wurden gemildert.

Diese "In-vivo"-Studien liefern objektivierbare Ergebnisse, sind aber wissenschaftlich nicht so gut abgesichert wie placebokontrollierte Doppelblindstudien. Nur im Labor, also "in vitro", nachgewiesen ist laut der Gesellschaft für Dermopharmazie der antioxidative Effekt des Coenzyms Q 10 sowie die Minderung des Kollagenabbaus nach UV-A-Strahlung.

Falten einfach gelassen zur Kenntnis nehmen

Wunder darf man aber auch von diesen Ingredienzien nicht erwarten. Denn wenn nur Minimalspuren davon in einer Gesichtspflegecreme vorhanden sind, können die von den Wissenschaftlern im Labor festgestellten Effekte nicht erreicht werden. Ein weiteres Problem: Manche dieser Zutaten, zum Beispiel Vitamin C, sind so instabil, dass sie unter Licht- und Lufteinfluss schon innerhalb kürzester Zeit inaktiv werden und nicht mehr wirken können.

Dazu kommt: Die Haut durch Fett und Feuchtigkeit vorübergehend aufpolstern, das kann jede Creme. Viele Produkte enthalten auch Farbpigmente, die das Licht so reflektieren, dass Fältchen einfach weniger auffallen. An den Runzeln an sich ändert das trotzdem nichts. Immer wieder weisen Tests außerdem nach, dass zwischen Preis und Leistung von Kosmetikprodukten kein Zusammenhang besteht.

Wer also den Tatsachen ins Auge oder besser: seinen Falten gelassen entgegenblickt, kann sich eine Menge Geld und enttäuschte Hoffnungen sparen: So wie es aussieht, können wir auch in Zukunft weder die Hautalterung aufhalten noch Falten einfach wegcremen. Oder um es mit den nüchternen Worten des Wissenschaftlers Professor Elsner zu sagen: "Den kosmetischen Superwirkstoff, der alle Altersveränderungen der Haut ungeschehen macht, erwarte ich nicht."

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Deshalb macht ÖKO-TEST keine Wirksamkeitstests

Sind die Zutaten einer Creme nicht in Ordnung, kann sie bei ÖKO-TEST nicht mit einer guten Bewertung rechnen. Was wir hingegen nicht bewerten: Ob sich ein Produkt besonders gut verteilen lässt, oder ob der Duft einer Lotion vielen Probandinnen angenehm ist. Denn Stoffe, die hier für positive Effekte sorgen, können an anderer Stelle Nachteile haben.

Wir bewerten auch keine Messungen, etwa zur Feuchtigkeitsanreicherung in der Haut. Solche Untersuchungen werden unter anderem von Herstellern genutzt, um gegenüber den Behörden Aussagen über die Produkte zu belegen. Diese Momentaufnahmen können aber die mittel- und langfristigen Effekte eines Kosmetikums auf die Haut nicht erfassen.

Grundsätzlich versorgen alle Cremes – ob Antifalten-, Anti-Aging- oder einfache Tagescreme – die Haut mit Fett und Feuchtigkeit. Dadurch können sie die oberste Hautschicht zum Quellen bringen. So wirkt sie aufgepolstert und glatter. Die Wirkung hält nur so lange an, wie die Creme benutzt wird. Die Feuchtigkeitsanreicherung durch Feuchtigkeitscremes beispielsweise ist schon nach einigen Stunden nicht mehr nachweisbar. Langfristige Effekte würden sich nur durch jahrelang laufende, kontrollierte Studien nachweisen lassen. Oder man schaut sich, wie ÖKO-TEST das macht, die Rezepturen und die Inhaltsstoffe genauer an.

Beispiel Antifaltencreme: Enthält sie etwa ein sehr gut wirkendes Konservierungsmittel, das Formaldehyd freisetzen kann, kann sie kurzfristig gute Ergebnisse bei der Feuchtigkeitsanreicherung erzielen. Auch wenn sich im Normalfall die Faltentiefe nur um Mikrometer verringert, was zwar im messbaren, aber kaum wahrnehmbaren Bereich liegt.

Viel entscheidender ist jedoch ein langfristiger Effekt: Formaldehyd löst nicht nur Allergien aus und ist krebsverdächtig; es wird auch zur Ledergerbung eingesetzt, weil es Eiweiß vernetzt. Das ist der gleiche Prozess, der Falten entstehen lässt. Langfristig verhindert also eine solche Antifaltencreme trotz kurzfristig möglicherweise positiver Effekte keine Falten, sondern verstärkt die Faltenbildung.

Woher kommen eigentlich die Probanden?

Wie kommen die Firmen eigentlich an Testpersonen? Eine gute Frage! Größere Unternehmen verfügen in der Regel über eine Kartei mit Tausenden Personen, die je nach Zielsetzung des jeweiligen Tests angesprochen werden. Andere werben auf ihren Internetseiten um Tester oder schalten Anzeigen. Firmen arbeiten auch mit Hautarztpraxen oder mit dermatologischen Abteilungen in Kliniken zusammen.

Einige Unternehmen beauftragen externe Institute, die sich auf die Testung von Kosmetikprodukten spezialisiert haben. Im Idealfall sind es unabhängige Firmen, die die Produkte vieler Anbieter testen und keine eigenen. Diese suchen neue Probanden oder Testpersonen mit sehr speziellen Anforderungen, in der Regel per Annonce oder Internetanzeige.

Manchmal müssen Apotheken, Kosmetikerinnen oder Hautarztpraxen angesprochen werden, um passende Probanden zu finden. Wichtig ist, dass die freiwilligen Testpersonen nicht von weither kommen, sondern in der Nähe des Instituts wohnen, sodass bei Problemen auch immer gleich ein Hautarzt des Instituts ansprechbar ist.

"Zuverlässige Probanden sind die Basis für eine gute Studie, deshalb dürfen nicht zu viele 'neue' Probanden in eine Studie eingeschlossen werden, denn die sind vielleicht nicht so zuverlässig wie die 'alten' und erfahrenen Probanden und könnten – eventuell durch Fehl- oder Nichtanwendung des Produkts – das Ergebnis verfälschen", sagt Dr. Gerrit Schlippe vom Testinstitut Dermatest.

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