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Selbstbräuner-Test: Zwei Drittel fallen durch – sogar Naturkosmetik versagt

Magazin Mai 2020: Erdbeeren | Autor: Christine Throl/Annette Dohrmann | Kategorie: Kosmetik und Mode | 30.04.2020

Selbstbräuner im Test: Wir haben 20 Bräunungscremes untersucht.
Foto: ÖKO-TEST

Selbstbräuner versprechen gebräunte Haut ohne riskantes Sonnen. Doch unser Test zeigt: Auch der Sommerteint aus dem Kosmetikregal hat seine Tücken. So steckt in vielen der Bräunungscremes ein Inhaltsstoff, der krebsverdächtiges Formaldehyd freisetzt. Überhaupt sind nur drei Selbstbräuner empfehlenswert.

  • Wer mithilfe von Selbstbräuner braun werden möchte, hat wenig Auswahl: Nur drei Bräunungscremes schneiden mit "gut" ab. 
  • Zwei Drittel der Selbstbräuner im Test fallen durch, darunter auch Naturkosmetik-Produkte. 
  • Das größte Problem heißt Dihydroxyaceton (DHA) – der Stoff sorgt für Bräune, setzt aber unter Einwirkung von Wärme nach und nach Formaldehyd frei. 

Selbstbräuner in Corona-Zeiten? Zugegeben, das wirkt bizarr – denn die Welt dreht sich im Moment um andere wichtigere Themen als einen scheinbar von der Sonne geküssten Teint. Viele blicken derzeit aus dem Homeoffice auf den Frühling vorm Fenster, soziale Kontakte sind auf ein Minimum beschränkt.

Gleichzeitig haben wir vor allem jetzt viel Zeit für uns und unseren Körper – und solche Nebensächlichkeiten gewinnen vielleicht spätestens wieder an Bedeutung, wenn das Leben wieder im gewohnten Rhythmus schwingt. Dinge, die wir dann umso mehr zu schätzen wissen: in Biergärten und Restaurants sitzen, ins Theater gehen, unbegrenzt Leute treffen… und sich dafür zurechtmachen. Selbst wenn die Sonnenbräune aus der Tube kommt.

Wir haben 20 Selbstbräuner und Körperlotionen mit Selbstbräuner umfangreich getestet. Im Fokus: Die Inhaltsstoffe.

Selbstbräuner-Test: Welche sind die besten Selbstbräuner? 

Die Kosmetikindustrie hat nichts dazu gelernt. Dieser Test fiel ebenso schlecht aus wie unsere Selbstbräuner-Tests in der Vergangenheit. Gerade mal drei Bräunungscremes schneiden mit "gut" ab, alle anderen überzeugen nicht. Mehr als zwei Drittel der getesteten Selbstbräuner fallen durch den Test. Selbst Naturkosmetik, die aus unseren Kosmetiktests sonst oft als Testsieger hervorgeht, schneidet bei den Selbstbräunern nur "mangelhaft" oder gar "ungenügend" ab.  

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Die Hauptursache für das miese Abschneiden ist auch den Herstellern seit Langem bekannt: Der in Selbstbräunern am häufigsten eingesetzte Inhaltsstoff Dihydroxyaceton (DHA) sorgt zwar für die Bräune, ist aber chemisch recht instabil und zerfällt mit der Zeit. Dabei wird – unter Einwirkung von Wärme – nach und nach Formaldehyd freigesetzt. Formaldehyd gilt als hautreizend, in der Atemluft sogar als krebsverdächtig.

Etliche Hersteller haben uns gegenüber betont, dass sie kein Formaldehyd einsetzen und dass es sich bei den analysierten Funden um technisch unvermeidbare Spuren beziehungsweise einen natürlichen Zerfallprozess handelt.

Braun werden mit Selbstbräuner: Wer seinen Teint mit Bräunungscremes auffrischen möchte, sollte bei der Auswahl des Produkts aufpassen. Viele bewerten wir mit "mangelhaft" oder "ungenügend".
Braun werden mit Selbstbräuner: Wer seinen Teint mit Bräunungscremes auffrischen möchte, sollte bei der Auswahl des Produkts aufpassen. Viele bewerten wir mit "mangelhaft" oder "ungenügend". (Foto: Albina Glisic/Shutterstock)

Krebsverdächtiger Stoff als Problem in Bräunungscremes

Tatsächlich ist der Einsatz von Formaldehyd in Kosmetika seit Mai 2019 in der EU tabu. Nicht aber Inhaltsstoffe, die wie DHA Formaldehyd abspalten können. Übersteigt die Konzentration dabei eine Menge von 0,05 Prozent am Kosmetikprodukt, müssen Hersteller den Hinweis "Enthält Formaldehyd" auf die Verpackung drucken.

Diesen Gehalt überschreitet zwar kein Selbstbräuner im Test. Dennoch: Wir meinen, dass ein krebsverdächtiger Stoff nichts in Kosmetik zu suchen hat. Außerdem zeigen die Laborergebnisse, dass einige Anbieter das Problem offenbar besser im Griff haben: In neun Bräunungscremes hat das Labor kein Formaldehyd nachgewiesen.

Polyethylenglykole und ihre Abkömmlinge (PEG/PEG-Derivate) sind Inhaltsstoffe, die wir regelmäßig in Kosmetiktests kritisieren. Daher ist es weniger die Frage, ob sie auftauchen, sondern wie häufig. Im Selbstbräuner-Test war das elfmal der Fall. Technisch gesehen können diese Stoffe das in den Lotionen enthaltene Wasser mit den Fetten und Ölen verbinden. Wir kritisieren die Substanzen aber, weil sie die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können.

Kritische Duftstoffe in Selbstbräunern im Test 

Besser verduften sollten auch Isoeugenol oder Cinnamylalkohol, die in einem Selbstbräuner im Test stecken. Diese Duftstoffe lösen relativ häufig Kontaktallergien aus. Ebenso kritisch: Das in drei Produkten nachgewiesene Lilial, das zwar vergleichsweise selten Allergien auslöst, aber möglicherweise die Fortpflanzung gefährdet.

Im Selbstbräuner einer anderen Marke werten wir neben allergieauslösendem Hydroxycitronellal auch künstlichen Moschusduft ab. Der reichert sich im Körper an, ist in Muttermilch nachweisbar und baut sich in der Umwelt nur schwer ab.

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Kunststoffverbindungen gefährden die Umwelt 

Die besonders kritische Silikonverbindung Siloxan D4 belastet ebenfalls die Umwelt und steht in Verdacht, die Fortpflanzung zu gefährden. Das Labor hat sie in einer Bräunungscreme nachgewiesen. Als umweltproblematisch bemängeln wir neben Silikonen weitere Kunststoffverbindungen wie synthetische Polymere, die teilweise schwer abbaubar sind. Welche langfristigen Folgen das hat, ist weitgehend ungeklärt.

Hersteller müssen wasserhaltige Kosmetika konservieren, damit die Produkte nicht verkeimen. Die Frage ist nur wie. Auf Chlorphenesin, Bronopol und Propylparaben sollten sie jedenfalls nicht zurückgreifen. Jeweils einer dieser Konservierer steckt in drei Selbstbräunern im Test. Chlorphenesin gilt als hautreizend, Bronopol kann Formaldehyd abspalten. Propylparaben wirkt möglicherweise wie ein Hormon.

Selbstbräuner schützen weder vor Sonnenbrand noch verlängern sie den Eigenschutz der Haut. Verwenden Sie daher Sonnenschutzmittel, wenn Sie spazieren gehen oder sich in den Garten oder auf den Balkon setzen.
Selbstbräuner schützen weder vor Sonnenbrand noch verlängern sie den Eigenschutz der Haut. Verwenden Sie daher Sonnenschutzmittel, wenn Sie spazieren gehen oder sich in den Garten oder auf den Balkon setzen. (Foto: Emily Skeels/Shutterstock )

Braun werden mit Selbstbräuner 

Sieben Tipps, die Sie beim Auftragen des Selbstbräuners auf ihren Körper beachten sollten: 

  1. Selbstbräuner möglichst kühl aufbewahren und rasch verbrauchen. Andernfalls kann sich Formaldehyd bilden, auch vor Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums.

  2. Hautpartien mit dickerer Hornschicht wie Knie oder Ellenbogen färben sich intensiver. Für ein möglichst gleichmäßiges Ergebnis peelen Sie daher die Haut am besten vor dem Auftragen.

  3. Tragen Sie die Bräunungscreme oder Lotion gleichmäßig, in kreisenden Bewegungen auf. Sparen Sie Mund, Augen, Augenbrauen und Haaransatz aus und verwenden Sie für Knie, Ellenbogen, Gelenke und Füße nur wenig Selbstbräuner.

  4. Waschen Sie nach dem Auftragen gründlich die Hände.

  5. Lassen Sie den Selbstbräuner vollständig einziehen, bevor Sie sich ankleiden. Besonders bei hellen Textilien kann Selbstbräuner hartnäckige Flecken hinterlassen.

  6. Mit Zitronensaft, einem Peeling, Körperöl oder einem warmen Bad lassen sich Selbstbräuner-Pannen abmildern.

  7. Tragen Sie Selbstbräuner am besten schon am Vorabend auf. Dann ist die Farbentwicklung bis zum nächsten Morgen abgeschlossen. Und Sie müssen nicht extra warten, um gegebenenfalls ein Sonnenschutzmittel zu verwenden. Denn: Selbstbräuner schützen weder vor Sonnenbrand noch verlängern sie den Eigenschutz der Haut. 

Mit DHA und Erythrulose wird die Haut braun 

Die beiden wichtigsten Inhaltsstoffe in Selbstbräunern sind Dihydroxyaceton (DHA) und Erythrulose. Beide Substanzen sind Einfachzucker, die mit Eiweißen in der obersten Hautschicht – der Hornschicht – reagieren und sie bräunlich färben.

Bei DHA ist das Ergebnis innerhalb von drei bis sechs Stunden sichtbar; bei Erythrulose dauert es etwa zwei Tage. DHA bräunt die Haut intensiv, allerdings hinterlässt es häufig Streifen und tendiert ins Orange. Der Farbton hält sich etwa drei bis fünf Tage. Erythrulose erzeugt eine leichtere, gleichmäßigere und natürlichere Bräune, die sieben bis neun Tage anhält. Da die Substanz allerdings deutlich teurer ist als DHA, setzen Hersteller sie eher sparsam und meist nur in Kombination mit DHA ein.

Problem bei DHA: bei langer und zu warmer Lagerung zerfällt die Substanz und setzt geringe Mengen Formaldehyd frei. Das in vielen Selbstbräuner-Rezepturen enthaltene Wasser wirkt dabei wie ein Katalysator und beschleunigt den Abbauprozess. Erythrulose ist chemisch stabiler und weniger anfällig für die Formaldehyd-Problematik.  

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Testverfahren

Wir haben 20 Selbstbräuner und Körperlotionen mit Bräunungseffekt ohne Sonnenschutz eingekauft. Die Marke St. Moritz ist mit einer Mousse vertreten, die häufig in den Regalen zu finden ist. Drei Produkte sind als Naturkosmetik zertifiziert.

Selbstbräuner haben häufig ein Problem: Der Bräunungswirkstoff Dihydroxyaceton setzt nach und nach den krebsverdächtigen Stoff Formaldehyd frei; besonders wenn Verbraucher den Selbstbräuner zu lange und zu warm lagern. Das von uns beauftragte Labor hat alle Produkte auf diesen Problemstoff analysiert – nach einer Prüfmethode, die auch die Kontrollbehörden anwenden. Weitere Labore haben in unserem Auftrag überprüft, ob die Selbstbräuner allergisierende Duftstoffe enthalten, künstlichen Moschusduft oder kritische Konservierer. Und ob Produkte mit Paraffinen mit problematischen Mineralölbestandteilen wie MOAH verunreinigt sind.

Wir haben außerdem gecheckt, ob auf allen Produkten der vom Industrieverband Körperpflegemittel und Waschmittel (IKW) empfohlene Hinweis zu finden ist, dass Selbstbräuner keinen Sonnenschutz bieten. Und ob die Plastiktuben in einem überflüssigen Pappkarton stecken.

Ein "sehr guter" Selbstbräuner ist frei von Formaldehyd und anderen bedenklichen Substanzen. Weitere Kunststoffverbindungen, überflüssige Umkartons und der fehlende Hinweis zum UV-Schutz verschlechtern das Gesamturteil.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: a) mehr als 10 mg/kg Formaldehyd/-abspalter. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) PEG/PEG-Derivate; b) halogenorganische Verbindungen; c) Butylphenyl Methylpropional (Lilial); d) bedenkliche UV-Filter (hier: Ethylhexyl Methoxycinnamate); e) deklarationspflichtige Duftstoffe, die Allergien auslösen können (hier: Isoeugenol); f) mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschusverbindungen (in der Tabelle: künstlicher Moschusduft; hier: Galoxolid/HHCB); g) Silikonverbindung Siloxan D4. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) deklarationspflichtige Duftstoffe, die Allergien auslösen können (hier: Hydroxycitronellal, Cinnamylalkohol), falls nicht schon wegen allergieauslösender Duftstoffe um zwei Noten abgewertet wurde; b) mehr als 1 Prozent Silikonverbindungen und/oder Paraffine/künstliche paraffinartige Stoffe; c) mehr als 10 mg/kg Diethylphthalat; d) Propylparaben. Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen "nein", bedeutet das unterhalb der Bestimmungsgrenze der jeweiligen Testmethode.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: Silikone, wenn sie nicht schon unter den Inhaltsstoffen abgewertet wurden, und/oder weitere synthetische Polymere als weitere Kunststoffverbindungen (hier: Dimethicone/Vinyl Dimethicone Crosspolymer, Hydrogenated Dimer Dilinoleyl/Dimethylcarbonate Copolymer, Hydroxyethyl Acrylate/Sodium Acryloyldimethyl Copolymer, Hydroxyethyl Acrylate/ Sodium Acryloyldimethyl Taurate Copolymer, Polyacrylamide, Sodium Polyacryloldimethyl Taurate, Polyacrylate-13, Polyester-7, Polyisobutene, Silica Dimethyl Silylate, Sodium Acrylate/Acryloyldimethyltaurate/ Dimethylacrylamide Crosspolymer). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Umkarton, der kein Glas schützt; b) ein fehlender Anwendungshinweis wie "enthält keinen UV-Schutz", "schützt nicht vor der Sonne" bzw. ähnlich lautende Formulierung, die der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e. V. (IKW) empfiehlt.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "mangelhaft" ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.  

Testmethoden 

Deklarationspflichtige Duftstoffe/Diethylphthalat/polyzyklische Moschusverbindungen: Extraktion mit TBME, GC-MS. Parabene: LC-UV. Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; EOX: Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Formaldehyd/-abspalter: in Anlehnung an ASU K 84.00-07 (EG), Fotometrie nach Extraktion und Derivatisierung. Paraffine/Silikone: LC-RI nach Extraktion und ggf. GC-MS. MOAH (falls Paraffine deklariert): LC-GC/FID. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Januar 2020

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