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Mizellenwasser im Test: Wie gut sind Bioderma, Garnier & Co.?

Magazin März 2021: Gesund mit Eiweiß | Autor: Victoria Pfisterer/ Heike Baier | Kategorie: Kosmetik und Mode | 25.02.2021

Mizellenwasser im Test: Welche Produkte sind empfehlenswert?
Foto: ÖKO-TEST

Mizellenwasser verspricht, besonders effektiv zu reinigen. Aber ist das Trendprodukt wirklich so innovativ wie propagiert? Zumindest schaden die meisten der Reiniger in unserem Test nicht: Drei Viertel sind "sehr gut". Jedoch haben wir auch Problemstoffe gefunden, die wir bemängeln.

  • Erfreulich: In unserem Test schneiden 19 von 25 Mizellenwässern mit Bestnote ab.
  • Teuer gleich gut gilt bei Mizellenwasser nicht: Unter den empfehlenswerten Produkten befinden sich auch günstige.
  • Kritik gibt es vor allem für Butylhydroxytoluol, das in Verdacht steht, wie ein Hormon zu wirken, und PEG-Verbindungen, die die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können.

Die Kosmetik-Industrie hat vor einigen Jahren die Mizellenwässer auf den Markt gebracht und vermarktet sie als neuartige "Technologie". Das Versprechen: Sie können Schmutz und sogar Make-up besonders gründlich und ohne zusätzliches Reiben von der Haut nehmen. Weil sie nicht abgespült werden müssen, sind sie für unterwegs besonders beliebt.

So funktioniert Mizellenwasser 

Aber wie funktioniert Mizellenwasser eigentlich? Mizellen bilden sich aus waschaktiven Substanzen wie Tensiden, sobald diese in Wasser eine bestimmte Konzentration übersteigen. Weil Gleiches sich an Gleiches bindet, strecken die Tenside dann alle ihr fettliebendes Ende nach innen, während die wasserliebenden "Köpfe" nach außen zeigen. Das fertige Gebilde ist die Mizelle.

Wenn diese nun auf fettige Substanzen wie Schmutz oder Creme stößt, zieht sie diese in ihr Inneres, sodass die Substanzen in Wasser gelöst und davon gespült werden können (siehe Abbildung).

Make-up und Schmutz auf der Haut binden sich an das fettliebende Ende der im Mizellenwasser enthaltenen Tenside.
Make-up und Schmutz auf der Haut binden sich an das fettliebende Ende der im Mizellenwasser enthaltenen Tenside. (Foto: Fancy Tapsi/Shutterstock; ÖKO-TEST)

Wirklich neu ist dieser Prozess allerdings nicht. Es ist das Prinzip jeder Seife und jedes synthetischen Tensids, Fett und Schmutz an sich zu binden. Die Produkte unterscheiden sich allerdings in der Rezeptur.

Denn in Mizellenwässern sind die waschaktiven Substanzen in viel niedrigerer Konzentration eingesetzt als in anderen Gesichtsreinigern auf Basis von Tensiden. Während zum Beispiel ein Standard-Reinigungsschaum fürs Gesicht gut und gerne zehn Prozent waschaktive Substanzen enthält, sind es beim Mizellenwasser ein bis zwei Prozent.

Mizellenwasser im Test: Ein Produkt fällt durch

Wir haben uns 25 Mizellenwässer genauer angesehen und festgestellt: Die meisten sind völlig in Ordnung. 19 Produkte können wir mit "sehr gut" empfehlen. Bei ihnen haben wir weder an den eingesetzten Tensiden etwas auszusetzen noch an den sonstigen Inhaltsstoffen.

Ein Mizellenwasser im Test fällt allerdings durch. Außerdem auffällig: Die Mizellenwässer bekannter Marken schneiden hauptsächlich nur mittelmäßig ab.

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Kritischer Konservierungsstoff in Mizellenwasser

Ganz ohne Kritik können wir die Mizellenwässer im Test also nicht entlassen. So ist ein Mizellenwasser mit Polyaminoporopyl Biguanide (PHMB) konserviert. Das Problem: PHMB ist im Rahmen der europäischen Chemikaliengesetzgebung in Kategorie 2 – kann vermutlich Krebs erzeugen – eingestuft. Aus unserer Sicht hat solch ein Stoff in Kosmetika nichts zu suchen.

Im Vergleich zum vorherigen Mizellenwasser-Test im ÖKO-TEST Magazin 7/2016 ist das aber eine gute Nachricht: In diesem kam PHMB mehrfach vor. 

Mizellenwasser verspricht, Make-up und Schmutz mit einem Wisch zu entfernen.
Mizellenwasser verspricht, Make-up und Schmutz mit einem Wisch zu entfernen. (Foto: Rido/Shutterstock)

Problemstoffe in einigen Mizellenwässern im Test

Drei Mizellenwässer im Test enthalten außerdem Butylhydroxytoluol (BHT). Der Stoff steht im Verdacht, wie ein Hormon zu wirken. Im Tierversuch beeinträchtigte er die Schilddrüsenfunktion.

Ein weiteres Problem im Test sind PEG-Verbindungen. Diese als Tenside oder Emulgatoren eingesetzten Verbindungen können ebenfalls Mizellen bilden. Gleichzeitig können sie die Haut aber auch durchlässiger für Fremdstoffe machen. In unseren Augen können Kosmetika gut darauf verzichten – erst recht in Produkten wie diesen, die nicht abgespült werden und häufig für empfindliche oder sensible Haut ausgelobt sind.

Unser Tipp: Es spricht nichts dagegen, nach der Anwendung eines Mizellenwassers mit klarem Wasser nachzuspülen.

Wie umweltfreundlich sind die Verpackungen?

Erstmals haben wir alle Hersteller gefragt, ob sie in den Kunststoffverpackungen einen Anteil an recyceltem Material einsetzen. Aus unserer Sicht ist es ökologisch dringend geboten, Kunststoffe mehrfach zu recyceln und damit den Plastik-Müllberg zu reduzieren.

Wir führen die Angaben zu den Rezyklat-Anteilen in der Tabelle – die in der PDF-Datei zu sehen ist – auf, bewerten sie aber noch nicht. Immerhin: Einige Hersteller geben an, bereits 100 % Rezyklat zu verwenden. Das ist wirklich neu.

Das könnte Sie auch interessieren: Auch mit Reinigungsmilch können Sie Ihr Gesicht von Make-up und Schmutz befreien. Wir haben 36 Produkte getestet. Das Ergebnis: Viele überzeugen, von drei Marken raten wir allerdings auch ab. Rufen Sie kostenlos die Testergebnisse ab: Reinigungsmilch im Test.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Testverfahren

Wir haben 25 Mizellenwasser für die Anwendung im Gesicht untersucht und dafür Markenprodukte, Eigenmarken und auch einzelne Exemplare aus Reformhaus und Bio-Läden eingekauft. Das günstigste Mizellenwasser im Test kostet gerade einmal 0,99 Euro pro 200 ml, das teuerste satte 11,12 Euro für 200 ml.

Im Labor ließen wir die Produkte auf bedenkliche und umstrittene Stoffe wie halogenorganische Verbindungen und Formaldehyd/-abspalter untersuchen, außerdem auf problematische Duftstoffe, von denen wir einige wegen ihres allergenen Potenzials kritisieren. Anhand der Deklaration auf den Produkten checkten wir zudem, ob bedenkliche Konservierungsstoffe, PEG/ PEG-Derivate oder synthetische Polymere enthalten sind.

Bewertungslegende

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: PHMB. Zur Abwertung um zwei Noten führen: PEG/PEG-Derivate. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) BHT; b) mehr als 1 % Paraffine/paraffinartige Substanzen.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.

Testmethoden

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte): Diethylphthalat, deklarationspflichtige Duftstoffe, Moschusverbindungen, Cashmeran: Extraktion mit TBME, GC-MS. Elementbestimmung: Totalaufschluss in der Mikrowelle, Bestimmung mittels ICP-MS. Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Photometrie. Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration. Binden organischer Halogene an Aktivkohle. Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom. Microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. b) Extraktion mit Essigester. Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom. Microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Oktober 2020.

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