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Intimwaschlotion-Test: Die wenigsten sind wirklich mild

Magazin September 2021: Schönes Haar | Autor: Hanh Friedrich/Heike Baier/Lena Wenzel | Kategorie: Kosmetik und Mode | 31.08.2021

Intimwaschlotionen-Test: Kade Femin, Sagella & Co. haben wir verglichen
Foto: ÖKO-TEST

Sie versprechen eine milde und sanfte Reinigung: Intimwaschlotionen. Allerdings zeigt unser Test: Richtig "sensitiv" sind die wenigsten Produkte. Mit Bestnoten können wir nur zwei Produkte empfehlen. Alle anderen Intimwaschlotionen im Test enthalten mindestens einen Problemstoff, den wir kritisieren. 

  • Intimwaschlotionen versprechen sanfte und milde Reinigung. Sie zeichnen sich durch einen pH-Wert aus, der auf das leicht saure Scheidenmilieu eingestellt ist.
  • Nur zwei Intimwaschlotionen im Test schneiden mit "sehr gut" ab, von drei Produkten raten wir ab. 
  • Im Test sind wir auf Inhaltsstoffe gestoßen, die Schleimhäute oder Haut reizen, sich im Fettgewebe anreichern oder Allergien auslösen können. Besonders ärgerlich ist, dass im Test Lilial gefunden wurde. Der Stoff steht in Verdacht, die Fruchtbarkeit zu gefährden. 

Gynäkologen sagen es ganz klar: Für die tägliche Reinigung des Intimbereiches ist pures Wasser das Beste. Denn es stört das natürliche Scheidenmilieu am wenigsten. Ist alles im Gleichgewicht, hält das Milieu schädliche Bakterien und Gerüche ganz gut unter Kontrolle.

Intimwaschlotionen im Test: Wie sensitiv sind sie?

Wenn frau aber dennoch das Bedürfnis nach einer etwas gründlicheren Reinigung hat, zum Beispiel nach dem Sport, dann kann eine Intimwaschlotion gegenüber einem gewöhnlichen Duschgel die bessere Wahl sein. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass sie gut gemacht ist.

Im Idealfall reinigt eine Intimwaschlotion besonders mild und unterstützt zudem den sauren pH-Wert der Scheidenflora. Alle 20 Intimwaschlotionen in unserem Test werben genau damit, manche sind als "sensitiv" ausgelobt. Doch halten sie dieses Versprechen auch?

Intimwaschlotionen haben ein paar Vorteile im Vergleich zu einem gewöhnlichen Duschgel. Aber nur, wenn sie die Schleimhäute nicht zusätzlich reizen.
Intimwaschlotionen haben ein paar Vorteile im Vergleich zu einem gewöhnlichen Duschgel. Aber nur, wenn sie die Schleimhäute nicht zusätzlich reizen. (Foto: Olena Yakobchuk/Shutterstock)

Im Vergleich: Sagella, Vagisan & Co.

Wirklich "sensitiv" oder besonders sanft sind nach unseren Maßstäben die wenigsten Produkte. Komplett einverstanden sind wir nur mit zwei Intimwaschlotionen im Test: Sie schneiden mit "sehr gut" ab. Alle anderen enthalten mindestens einen Inhaltsstoff, den wir kritisieren.

Von drei "ungenügenden" Produkten raten wir sogar ab. Auffällig: Zwei davon stammen aus der Apetheke. Beschämend.

In Intimwaschlotion stecken bedenkliche Inhaltsstoffe

Besonders ärgerlich sind zwei Problemstoffe, auf die wir in einem Fall gestoßen sind: Formaldehyd/-abspalter und Lilial. 

  • Formaldehyd reizt schon in geringen Mengen die Schleimhäute.
  • Der Duftstoff Lilial ist seit Mai 2020 im EU-Recht als "wahrscheinlich reproduktionstoxisch" eingestuft und wird voraussichtlich ab März 2022 in Kosmetik verboten sein. Zur Erklärung: "Reproduktionstoxisch" bedeutet, es kann die Fruchtbarkeit gefährden. 
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Intimwaschlotionen im Test: Wir kritisieren Duftstoffe

Überhaupt: Duftstoffe. In unseren Augen sind sie in Intimwaschlotionen grundsätzlich fehl am Platz, die dünne Haut der inneren Vulva sollten Frauen nicht damit belasten. Denn sie gaukeln allenfalls eine trügerische Frische vor. Deshalb gibt es bei diesem Test auch Punktabzug, sobald Parfüm oder ätherische Öle in den Produkten enthalten sind.

Erschreckend: Nur drei Intimwaschlotionen sind überhaupt parfümfrei. Noch erschreckender: Zwei Mal kritisieren wir den künstlichen Moschusduft Galaxolid. Galaxolid gelangt über die Haut in den Organismus des Menschen und reichert sich dort im Fettgewebe an. Der Stoff baut sich sehr schwer wieder ab und ist deshalb inzwischen nicht nur in der Muttermilch zu finden, sondern auch in Flüssen, Seen und deren Organismen.

Die Duftstoffe Farnesol und Citronellol werten wir zwar nicht zusätzlich ab, wir führen sie aber im Test auf, damit empfindliche Frauen Produkte mit diesen Allergenen meiden können.

Allergien auslösen können übrigens auch manche Stoffe aus der großen Gruppe der halogenorganischen Verbindungen, die das Labor in zwei Waschlotionen nachwies.

(Foto: ÖKO-TEST )

Manche Tenside reinigen aggressiv 

Was ist ansonsten aufgefallen? Nahezu alle Intimwaschlotionen im Test sind laut Verpackung für die tägliche Reinigung ausgelobt. Das kann man an sich schon kritisch sehen, denn es widerspricht dem Rat der meisten Gynäkologen. Umso wichtiger aber ist es, dass die Hersteller mit waschaktiven Substanzen arbeiten, die die Scheidenhaut nicht reizen und so wenig wie möglich der Fettsäuren herauswaschen, die sie vor dem Austrocknen schützen.

Vorbildlich sind hier Zuckertenside. Sehr viel aggressiver reinigt dagegen das Tensid Sodium Laureth Sulfate (SLES), das bei einigen Herstellern gleich an oberster Stelle der Zutatenliste steht. Es gilt als hautreizend und gehört zur Gruppe der PEG-Verbindungen, von denen einige die Haut durchlässiger machen können für Fremdstoffe.

Das braucht keine Frau auf der Haut der Vulva, wo die schützende Hornhautbarriere teilweise nur hauchdünn ist. Die Hälfte aller Produkte enthält jedoch PEG-Verbindungen. 

Korrekt sind die pH-Werte der Intimwaschlotionen 

Ein wichtiges Verkaufsargument der Hersteller von Intimwaschlotionen: Deren pH-Wert ist – meist mithilfe von Milchsäure – auf das leicht saure Scheidenmilieu eingestellt, das in der Vagina zwischen 3,8 und 4,5 liegt und auf der Vulva nach außen weniger sauer wird, bis knapp über 5.

"Nach dem Waschen kann es Stunden dauern, bis der gesunde pH-Wert der Haut wieder hergestellt ist und in dieser Zeit haben es Keime einfacher zu überleben", sagt uns der Hannoveraner Gynäkologe Christian Albring. Ein dem Scheidenmilieu angepasster pH-Wert macht deshalb Sinn.

Wir haben die pH-Werte überprüfen lassen und festgestellt: Alle Hersteller machen korrekte Angaben. Die sauren pH-Werte der Waschlotionen reichen von 3,5 bis 5,2.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben 20 Intimwaschlotionen eingekauft, die als "sensitiv" ausgelobt sind oder mit einer sanften oder milden Reinigung werben. Darunter Eigenmarken aus Supermärkten, Discountern und Drogerien sowie aus Apotheken. Als Naturkosmetik sind zwei Produkte zertifiziert. Bezahlt haben wir für 200 Milliliter Inhalt zwischen 1,17 Euro und stolzen 23,90 Euro.

Die von uns beauftragten Labore analysierten die Waschlotionen auf Duftstoffe, umstrittene halogenorganische Verbindungen und bedenkliche Formaldehyd/-abspalter. In der Liste der Inhaltsstoffe (kurz INCI) schauten wir, ob die Waschlotionen Paraffine, Silikone und andere synthetische Polymere enthalten. Ein weiteres Labor prüfte die Verpackungen auf umweltschädliche chlorierte Verbindungen. Auch die pH-Werte der Produkte ließen wir messen und verglichen sie mit den Angaben auf der Verpackung.

Eine "sehr gute" Intimwaschlotion kommt ohne Substanzen aus, die für die Gesundheit bedenklich sein können.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: Formaldehyd/-abspalter. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschusverbindungen (hier: Galaxolide; in Tabelle: künstlicher Moschusduft); b) Butylphenyl Methylpropional (in Tabelle: Lilial); c) halogenorganische Verbindugen. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Parfüm und/oder ätherische Öle; b) PEG/PEG-Derivate.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: synthetische Polymere als Kunststoffverbindungen (hier: Acrylates/Vinyl Isodecanoate Crosspolymer, Polyquaternium-10). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Umkarton, der kein Glas schützt; b) ein Anteil von Rezyklaten (Post-Consumer-Rezyklat, PCR) von weniger als 30 Prozent in Relation zum Gesamtgewicht der Kunststoffverpackung oder keine Angabe hierzu oder kein ausreichender Nachweis auf unsere Anfrage hierzu.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "mangelhaft" ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.  

Testmethoden 

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte): Diethylphthalat (DEP), Moschusverbindungen und Cashmeran, deklarationspflichtige Duftstoffe: Extraktion mit TBME, GC-MS.

Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration; Binden organischer Halogene an Aktivkohle; Verbrennen der Aktivkohle im Sauerstoffstrom; microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. b) Extraktion mit Essigester; Verbrennen des Extrakts im Sauerstoffstrom; microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts.

pH-Wert: potentiometrisch.

Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Photometrie.

PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluorenszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Mai 2021 

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