Startseite
116 Kosmetika von Drogeriemärkten im Test

ÖKO-TEST Mai 2010
vom 30.04.2010

Drogeriemärkte

Gute Qualität zum kleinen Preis

Die meisten Eigenmarken der großen Drogeriemärkte konnten in unserem Test überzeugen. Testsieger ist Rossmann, bei Schlecker gab es die wenigsten Artikel mit Bestnote.

216 | 2

Diesen Artikel aus unserem Archiv erhalten Sie kostenlos im Abruf!

30.04.2010 | Der nächste Drogeriemarkt ist in Deutschland nicht weit weg. Etwa in der Leipziger Straße, eine einspurigen Einkaufsstraße im Frankfurter Stadtteil Bockenheim. Hier findet man auf einem Straßenkilometer gleich fünf Drogeriemärke: zwei Dm-Filialen, ein Ihr Platz und zwei Mal Schlecker, wo auf 200 Quadratmeter - so groß ist die durchschnittliche Schleckerfiliale - ein Sortiment von rund 4.000 Artikeln verstaut ist. Statistisch gesehen, so der größte deutsche Drogeriefilialist Schlecker, stößt man in Deutschland sogar alle drei Kilometer auf ein Ladenlokal mit dem blau-weißen Schriftzug.

Die Drogeriemärkte haben in Deutschland mit mehr als 13.000 Filialen die eigenständigen Drogerien längst überholt. Die Anzahl der Fachdrogerien nimmt seit Jahren rapide ab, 2008 gab es davon hierzulande noch knapp 2.800. "Der Rückgang der Fachdrogerien ist zum einem altersbedingt, zum anderen resultiert er aus der starken Konkurrenz der Drogeriemärkte", so Michael Bastian, Geschäftsführer des Verbands der Drogeristen. "In Frankfurt finden Sie keine inhabergeführte Drogerie mehr. Die letzten Fachdrogerien haben ihr Sortiment umgestellt und sind jetzt Parfümerien, etwa Kobberger und Albrecht."

Schlecker hat mit rund 10.000 Geschäften bundesweit das größte Filialnetz und machte mit 4,7 Milliarden Euro im Jahre 2009 am meisten Umsatz. Im letzten Jahr konnten die deutschen Drogeriemärkte ihren Gesamtumsatz um mehr als sechs Prozent steigern und liegen so deutlich über der Entwicklung des deutschen Lebensmitteleinzelhandels, erklärt Mario Skedzun von The Nielsen Company. "Dies haben die Drogerien auch ihren Eigenmarkenartikeln zu verdanken, die allein um zehn Prozent zulegen konnten", sagt der Nielsen-Mitarbeiter. Der absolute Gewinner unter den großen vier Drogerieketten ist jedoch Dm. Hier fiel die Steigerung des Umsatzes in den vergangenen Jahren am größten aus, allein in 2009 und 2008 konnte Dm seinen Umsatz jährlich um mehr als elf Prozent steigern.

Neben Gesichts- und Körperpflegemittel zählen zum klassischen Sortiment der Drogerien Wasch-, Reinigungs- und Putzmittel. Alle Märkte versuchen aber, in ihr Sortiment Trends wie Bio-Kosmetik oder Bio-Lebensmittel zu integrieren, erklärt Nielsen-Mitarbeiter Skedzun. Bei Dm gibt es 600 Naturkostprodukte - von Reiswaffeln über Schokolade bis hin zum Müsli der Marke Alnatura. Rossmann hat unter anderem Fruchsäfte, Kekse oder Backmischungen der Naturkosteigenmarke Enerbio im Programm. Bei Schlecker und Rossmann kann man zudem auch mal eine Flasche Sekt oder Wein mitnehmen, weil hier Spirituosen angeboten werden. In den bis 3.500 Quadratmeter großen Müller Drogeriemärkten wähnt man sich fast schon in einem Kaufhaus: Hier gibt es nicht nur Körperpflege- und Putzmittel, sondern auch Schreibwaren, CDs und DVDs, Spielzeug und Textilien - insgesamt sind 160.000 Artikel im Sortiment, wobei das Angebot bei den Drogerieartikeln allein 50.000 Artikel groß ist.

Und auch das Geschäft mit rezeptfreien Schlafmitteln, Nasensprays, Magen-Darm-Mitteln und Vitamin- und Mineralstoffpräparaten wollen sich die Drogeriemärkte nicht entgehen lassen. Alle haben sich in diesem Sortimentsbereich mit Eigenmarken ausgestattet. Bei Dm gibt es Das Gesunde Plus, bei Müller Fit + Vital, Rossmann hat Altapharma im Angebot und Schlecker die Marke Franziskus mit etlichen Produkten - vom Hustensaft bis zum Nieren- und Blasentee. Seit 2007 kooperiert Dm zudem mit der Europa Apotheek Venlo. Dort bestellt man entweder im Internet oder über Terminals in den Filialen. Die Schmerztabletten oder der Hustensaft können dann in der Dm-Filiale um die Ecke abgeholt werden. Dieser Service wird mittlerweile in 95 Prozent aller Filialen von Dm angeboten. Einen solchen Service bietet auch Schlecker, wo Medikamente seit 2008 in der Versandapotheke Vitalsana über das Internet, das Telefon und die Filialen erhältlich sind.

ÖKO-TEST wollte wissen, in welchem Drogeriemarkt man am besten einkaufen kann. Deshalb haben wir mehr als 100 Produkte aus dem Eigenmarkensortiment der vier größten deutschen Drogerieketten Dm, Müller Drogeriemarkt, Rossmann und Schlecker unter die Lupe genommen, darunter Gesundheitsmittel sowie Kinder- und Kosmetikprodukte.

Das Testergebnis

In allen Drogeriemärkten gibt es gute und schlechte Produkte - drei von vier untersuchten Artikeln sind "sehr gut" und "gut". Rossmann wird mit 19 sehr guten Produkten der Testsieger, bei Dm erhielten 14 Produkte die Bestnote und beim Müller Drogeriemarkt 13. Bei Schlecker schnitten lediglich sieben von 26 Produkten aus dem eigenen Sortiment in unserem Test mit "sehr gut" ab.

Drei Viertel der Produkte aus dem Eigenmarkensortiment der Drogeriemärkte sind sehr gut und gut

Bei den Gesundheitsprodukten gehen die Nasensprays mit Meersalz, die Zahncremes sowie die Nahrungsergänzungsmittel mit Calcium, Magnesium und Vitamin C durchweg mit "sehr guten" und "guten" Noten aus dem Test. Die besten Mundspüllösungen kommen nur auf "befriedigend", denn hier monieren wir etwa den in allen Produkten eingesetzten antibakteriellen Wirkstoff Cetylpyridiniumchlorid. Dieser ist nichts für die tägliche Mundhygiene, er kann zu Sensibilisierungen, Übelkeit und Magenbeschwerden führen. Besser zu Zungenschabern greifen, regelmäßig die Zähne putzen und die Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder -hölzern reinigen.

Auch die pflanzlichen Schlafmittel kommen nur auf ein "befriedigend". Hier kritisieren wir synthetische Lebensmittelfarbstoffe wie Gelborange S (E 110), Ponceau 4 R (E 124) und Chinolingelb (E 104) sowie den problematischen Hilfsstoff Propyl-4-hydroxybenzoat, und bei der Einschlafhilfe von Schlecker die niedrige Dosierung des Baldrians.

Durchweg schlecht sind die Multivitaminpräparate, weil sie zu hohe Dosen einzelner Vitamine wie Vitamin A, Niacin oder Zink enthalten oder Spurenelemente wie Eisen, Kupfer und Mangan. Letztere gehören nach Ansicht des Bundesamtes für Risikobewertung nicht in Nahrungsergänzungsmittel. Zudem fehlt der Hinweis auf eine Altersbeschränkung bei Zink, das in Präparaten für Kinder unter 18 Jahren nicht enthalten sein soll. Bei den Multivitaminprodukten von Schlecker und Rossmann störte uns zudem, dass bessere Abwehrkräfte versprochen werden.

Bei den Kinderprodukten hatten wir bei allen Drogerieketten sechs oder sieben Produkte im Test. Durchweg "sehr gut" sind die Babypflegecremes, die parfümfreien Babyfeuchttücher und die Babybäder. Bei einem Teil der Babyfeuchttücher sowie den Wundcremes von Müller und Schlecker störte uns der Einsatz von Duftstoffen. Immer mehr Menschen reagieren allergisch, Parfüm ist zudem eine unnötige Belastung der ohnehin schon strapazierten Haut im Windelbereich. In den Kindershampoos von Müller und Schlecker stecken Polyethylenglykole oder deren Abkömmlinge. Diese werden mitunter als Tenside eingesetzt. PEG/PEG-Derivate können die Haut aber durchlässiger für Fremdstoffe machen.

Von den Kosmetikprodukten schneiden die Handcremes, Nachtcremes und Antifaltencremes, Wimperntuschen, After-Shave-Balsams, Flüssigseifen und Duschgele mit "sehr guten" und "guten" Noten ab. Hier quittierten wir die PEG/PEG-Derivate, die häufig in den Shampoos, Flüssigseifen und Duschgelen von dm, Müller, Rossmann und Schlecker stecken, mit einem Minuspunkt. Bei anderen Produkten wie der Tagescreme und dem Make-up von Schlecker, dem Nagellack von Dm und dem Müller Drogeriemarkt oder dem Schlecker-Farbglanzshampoo störten uns bedenkliche UV-Filter. Zudem monieren wir in der Schlecker-Antifaltencreme, dem Make-up von Dm und Schlecker sowie im Cellulitemittel von Dm den Einsatz von Paraffinen/Erdölprodukten/Silikonen, die sich nicht so gut in die Haut integrieren wie natürliche Öle und Fette. Auch vermissten wir den Hinweis auf Sport und Ernährung auf der Verpackung der Balea Cellulite Gel-Creme. Einfach wegcremen lässt sich Cellulite nämlich nicht.

Das Make-up von Schlecker, der Nagellack vom Müller Drogeriemarkt und das Balea Hairstyling Haarspray Volumen Extra Stark schneiden mit "ungenügend" ab, diese Produkte enthalten gleich mehrere problematische und/oder umstrittene Inhaltsstoffe.

Bleibt das Verkaufspersonal auf der Strecke?

Der Drogeriemarkt hat sich in den vergangenen Jahren durch Übernahmen und Aufkäufe auf wenige große Ketten konzentriert. Ihr Platz und Drospa wurden von Schlecker übernommen. Rossmann konnte die Anzahl der Filialen durch die Übernahme der Idea-Märkte, der Kaiser's Drugstores und zuletzt durch rund 100 Kloppenburg-Filialen aufstocken. Schlecker und Dm spielten im Jahr 2009 sogar in der Liga der Top 10 des deutschen Lebensmitteleinzelhandels mit, hinter Edeka, Aldi und Co. Insgesamt ist der Wettbewerb im Einzelhandel - zu dem auch die Drogeriebranche gehört - stark überhitzt, so Jürgen Glaubnitz von der Gewerkschaft Verdi. Durch aggressive Preisaktionen soll die Konkurrenz bezwungen und Marktanteile gesichert werden. Was da auf der Strecke bleibt, ist das Verkaufspersonal, kritisiert Verdi-Mitarbeiter Achim Neumann.

So ist Schlecker wegen seines Umgangs mit Mitarbeitern regelmäßig in den Schlagzeilen. Zuletzt wegen Schließung kleiner Filialen, die durch größere Schlecker XL-Geschäfte ersetzt werden - allerdings mit neuem und billigerem Personal. "Wir führen nun mit dem Unternehmen Schlecker XL Verhandlungen über Sozial- und Beschäftigungstarife", sagt Neumann. Zwar gibt es bei Schlecker einen Tarfivertrag, der ist aber nicht für die Mitarbeiter des neu gegründeten Unternehmens Schlecker XL gültig.

Beim Müller Drogeriemarkt hatten Chefs ihre aus der Krankheit zurückgekehrten Mitarbeiter ausgehorcht und Gesundheitsdaten in den Personalakten festgehalten. Die Baden-Württembergische Datenschutzsaufsichtsbehörde ist bei einer Überprüfung der Müller Unternehmensgruppe auf rund 24.000 Datensätze mit Krankheitsgründen in den Personalakten gestoßen und hat festgestellt, dass die Datenerhebung teilweise rechtswidrig war. Anfang Januar dieses Jahres wurde gegen die Müller Unternehmensgruppe von den Datenschutzkontrolleuren ein Bußgeld von rund 138.000 Euro verhängt.

Ein weiteres Problem im Einzelhandel und auch bei den Drogerieketten ist die zunehmende Teilzeitbeschäftigung. Sie erlaubt es den Mitarbeiterin einerseits Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren. "Mit einem Teilzeitjob kommen viele Beschäftigte, überwiegend sind es Frauen, nicht über die Runden", erklärt Verdi-Mitarbeiter Neumann. Bei Dm seien ein Drittel der Mitarbeiter in Vollzeit beschäftigt, sagt Erich Harsch, Vorsitzender der Geschäftsleitung. Dies entspräche, so Harsch, der üblichen Situation im Einzelhandel, die langen Öffnungszeiten sind allein mit Vollzeitkräften nicht abdeckbar. Auch Stephan-Thomas Klose von Rossmann sagt: "Wir brauchen nicht nur Vollzeitkräfte, die Spitzenzeiten in den Filialien können gut mit Teilzeitkräften besetzt werden." Bei Rossmann gebe es aber eine Tendenz zu Vollzeitstellen, sagt der Sprecher des Drogeriefilialisten.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Schlecker, Dm, Rossmann und Müller Drogeriemarkt sind die vier größten Drogerieketten hierzulande. Sie bieten ein vergleichbares Warenprogramm. Doch gibt es Unterschiede zwischen den Märkten? Oder ist der nächste Markt immer auch der Beste? Wir wollten es genauer wissen und haben mehr als 100 Produkte eingekauft. So landeten Nahrungsergänzungsmittel, rezeptfreie Arzneimittel, Mundpflegemittel, Kosmetik für die Baby- und Kinderpflege, Mittel für das Gesicht und den Körper sowie dekorative Kosmetik in unserem Einkaufskorb.

Problematische Inhaltsstoffe

Die einzelnen Produkte wurden auf ganz unterschiedliche Testparameter hin untersucht. Die Arzneimittel haben wir auf ihre Wirksamkeit und ihren Nutzen durch ÖKO-TEST-Berater Professor Manfred Schubert-Zsilavecz beurteilen lassen und auch auf kritische Inhalts- und Hilfsstoffe wie Farbstoffe überprüft. Bei den Mundspüllösungen wollten wir wissen, welche Inhaltsstoffe die Plaque beseitigen sollen und ob diese Bakterienkiller unerwünschte Nebenwirkungen haben. Bei den Nahrungsergänzungsmitteln interessierte uns vor allem: Ist die Höhe der Vitamin- und Mineralstoffdosierungen in Ordnung? Oder sind die Produkte zu hoch dosiert und kann der Vitamin- und Mineralstoffgehalt damit zu einem Risiko für die Gesundheit werden? Bei Kosmetikprodukten für Erwachsene, Kinder und Babys haben wir etwa auf allergisierende Duftstoffe oder umstrittene Stoffe wie Diethylphthalat untersucht, die Wimperntusche haben wir zusätzlich auf krebserregende Nitrosamine analysieren lassen.

Die Bewertung

Bei den Arzneimitteln ist uns ein Beleg zur Wirksamkeit und zum Nutzen wichtig, andererseits dürfen in solchen Produkten auch keine umstrittenen oder problematischen Stoffe stecken. Bei der Kosmetik verzichten wir auf Wirksamkeitstest. Nach dem Gesetz dürfen etwa Cellulitemittel oder Antifaltencremes gar nicht so tief auf die Haut einwirken, dass Dellen oder Falten verschwinden. Gesichtscremes, Duschgele, Make-up und Co. Dürfen die Haut nur pflegen oder verschönern. Stecken kritische Inhaltsstoffe wie Duftstoffe, die häufig Allergien auslösen können, künstliche Moschus-Verbindungen oder bedenkliche UV-Filter darin, erhielten die Schönheitsmittel Notenabzug.