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Wundschutzcreme-Test: Zwei bekannte Marken mit Mineralöl verunreinigt

Magazin Februar 2021: Gute Milch | Autor: Frank Schuster | Kategorie: Kinder und Familie | 28.01.2021

Die Auswahl an Wundschutzcremes ist groß. Doch welche ist die richtige?
Foto: BE&W/imago images

Wundschutzcremes sollen empfindliche Baby-Popos pflegen. Daher ist es wichtig, dass sie frei von Problemstoffen sind. Unser Test zeigt: Viele halten dieser Erwartung stand, aber nicht alle. So stecken in zwei bekannten Marken Mineralölbestandteile. Unverständlich auch, warum viele Wundcremes immer noch Parfüm enthalten.

  • Die Mehrzahl der Wundschutzcremes für Babys bewerten wir mit "sehr gut".
  • Ärgerlich: Weil sie bedenkliche Inhaltsstoffe enthalten, fallen zwei Wundschutzcremes im Test durch.
  • Kritik gibt es für Verunreinigungen durch Mineralöl und unnötige Duftstoffe.

In der Windel muss die Haut von Babys Po so einiges aushalten: wenig Luft, viel Wärme, Feuchtigkeit, Harn- und andere Reizstoffe. Da kann es schon mal zu wunden Stellen oder sogar zu einer Windeldermatitis kommen. Spezielle Wundschutzcremes können helfen, dem Wundsein vorzubezeugen. Sie ersetzen allerdings kein regelmäßiges Wickeln, Reinigen und "Lüften" des Pos.

Die meisten für den Windelbereich gedachten Wundschutzcremes enthalten Zinkoxid – es wirkt durch seinen hautaustrocknenden Effekt. Häufig sind noch weitere hautberuhigende oder entzündungshemmende Inhaltsstoffe in der Rezeptur, beispielsweise Ringelblumenextrakt (Calendula), Panthenol oder Tocopherol (Vitamin E).

Wundschutzcreme-Test: Weleda, Penaten & Co. im Vergleich

Stecken außer diesen Inhaltsstoffen auch Problemstoffe in den Wundschutzcremes für Babys? Wir haben 25 ins Labor geschickt und sie überprüfen lassen. Das Ergebnis ist größtenteils erfreulich. Insgesamt 15 der getesteten Wundcremes erhalten von uns die Bestnote. Doch es gibt auch Probleme. Zwei Wundschutzcremes im Test enthalten so viele bedenkliche Inhaltsstoffe, dass sie nur "mangelhaft" abschneiden.

Die Menge macht's: Wundschutzcreme sollte immer sparsam aufgetragen werden.
Die Menge macht's: Wundschutzcreme sollte immer sparsam aufgetragen werden. (Foto: Africa Studio/Shutterstock)

Der Grund dafür? In den beiden Wundschutzcremes hat das von uns beauftragte Labor aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) nachgewiesen. Unter den MOAH können sich krebserregende Verbindungen finden. Daher haben MOAH nichts in Babykosmetika verloren – zumal für den sensiblen, vor allem auch mal wunden Windelbereich.

Besonders ärgerlich: Eine dieser beiden Wundcremes fiel wegen MOAH und Paraffinen bereits im vergangenen Test negativ auf.

Wie gelangen Mineralölbestandteile in Wundcremes?

Doch wie gelangen MOAH in die Wundcremes? Die Erklärung: Sie enthalten erdölbasierte Paraffine. Diese sind gleich an erster Stelle auf der Liste der Inhaltsstoffe mit den Bezeichnungen Petrolatum (Vaseline) und Paraffinum liquidum deklariert. Und paraffinhaltige Kosmetika können mit MOAH verunreinigt sein.

Aber schon Paraffine allein sehen wir kritisch und werten sie ab: Die künstlichen Stoffe integrieren sich nicht so mühelos ins Gleichgewicht der Haut wie Bestandteile natürlicher Öle.

Wundschutzcremes im Test: Jetzt Ergebnisse als ePaper kaufen

In den beiden paraffinhaltigen Produkten ist das Vorkommen der MOAH also einfach zu erklären. Schwieriger nachzuvollziehen ist der Nachweis von MOAH-Spuren sechs anderer Wundschutzcremes im Test, in deren Zutatenlisten sich gar keine erdölbasierten Inhaltsstoffe befinden.

Doch die Stoffe können auch – als Verunreinigungen – aus pflanzlichen Ölen, Hilfsstoffen oder aus Einträgen während des Produktionsprozesses stammen. In den sechs Fällen handelt es sich allerdings nur um sehr geringe Spuren, die wir nicht abwerten. Von gesundheitlichen Gefahren ist nicht auszugehen. Die MOAH-Gehalte in den paraffinhaltigen Cremes lagen um ein Vielfaches höher.

Unnötige Duftstoffe in Wundschutzcremes für Babys

Was ist ansonsten im Wundschutzcreme-Test aufgefallen? In acht Cremes – also fast einem Drittel – steckt Parfüm. Ein weiteres Produkt enthält ein ätherisches Lavendelöl, deklariert als Lavandula Angustifolia Oil.

Auffällig: Auch Naturkosmetikanbieter sind in diesem Punkt leider kein Vorbild: In der Hälfte der zehn zertifizierten Produkte steckt Parfüm oder ein ätherisches Öl.

(Foto: ÖKO-TEST )

Besser auf Wundcremes mit Parfüm verzichten 

Wir halten Parfüm und ätherische Öle im Windelbereich für problematisch. Die Duftstoffe erfreuen bestenfalls die Nase der Eltern, aber die ohnehin strapazierte Babyhaut belasten sie unnötig. Je weniger Reizstoffe auf die Haut gelangen, desto besser.

Auch Experten raten deshalb von Parfüm ab. Der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) beispielsweise mahnt: "In den ersten Lebensjahren gilt die Babyhaut als sehr empfindlich, sie muss erst ihre Barrierefunktion entwickeln und benötigt in dieser Phase eine möglichst gut verträgliche Pflege. Duftstoffe sind generell eine unnötige Belastung für empfindliche Babyhaut. Als besonders kritisch sehen wir allergieauslösende Stoffe, darunter auch die deklarationspflichtigen allergenen Duftstoffe."

Wundschutzcreme kaufen: Das rät ÖKO-TEST

Wir haben drei Tipps für Sie:

  1. Wundcremes mit erdölbasierten Paraffinen am besten im Regal liegen lassen. Auf der Liste der Inhaltsstoffe sind sie an Bezeichnungen zu erkennen wie Petrolatum und Paraffinum liquidum.

  2. Parfüms und ätherische Öle mögen gut duften, sie haben aber auf der sensiblen Haut im Windelbereich nichts zu suchen.

  3. Der beste Schutz gegen Wundsein: sanftes Reinigen, regelmäßiges Windelwechseln – und auch mal Luft ranlassen. Bei dauerhaften Beschwerden bleibt nur der Gang zum Kinderarzt.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Testverfahren

Wir haben 25 Babywundschutzcremes zu Preisen von knapp 70 Cent bis rund 17 Euro pro 75 Milliliter eingekauft. Darunter Klassiker und Neuerscheinungen sowie zehnmal zertifizierte Naturkosmetik.

Im Labor ließen wir die Cremes auf bedenkliche aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) und Formaldehyd sowie auf problematische Duftstoffe und halogenorganische Verbindungen untersuchen. Darüber hinaus interessierte uns, ob die Verpackungen umweltschädliche chlorierte Verbindungen enthalten. Für den Einsatz von Parfüm und Erdölprodukten wie Paraffinen und die Belastung mit MOAH ziehen wir Noten ab.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: MOAH. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Parfüm/ätherische Öle; b) mehr als ein Prozent Paraffine.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) Umkarton, der kein Glas schützt; b) fehlende Deklaration eines deklarationspflichtigen Duftstoffs (hier: Benzylalkohol); c) Produkt ist mit Sheabutter ausgelobt, in der Liste der Inhaltsstoffe fehlt aber die entsprechende INCI-Bezeichnung (hier: Butyrospermum Parkii Butter).

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Inhaltsstoffe, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.

Testmethoden

Testmethoden Babywundschutzcremes (je nach Zusammensetzung der Produkte):

Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation; Derivatisierung mit Acetylaceton; Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Fotometrie.

MOSH/MOSH-Analoge, MOAH: LC-GC/FID.

Deklarationspflichtige Duftstoffe, Moschusverbindungen, Cashmeran, Diethylphthalat: Extraktion mit TBME, GC-MS.

Halogenorganische Verbindungen: 1. Heißwasserextraktion, Zentrifugation und Membranfiltration, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. 2. Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts.

PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Oktober 2020

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