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Ratgeber: Muttermilch

ÖKO-TEST November 2016
vom 27.10.2016

Ratgeber: Muttermilch

All-inclusive-Verpflegung

Wenn die Natur es nicht schon so eingerichtet hätte, müsste man sie glatt erfinden: Muttermilch. Sie enthält nicht nur alles, was das Baby zu seiner Entwicklung braucht, sondern ist zudem stets verfügbar, perfekt temperiert und kostenlos. Jede Menge Gründe, um bei Problemen nicht vorzeitig abzustillen, sondern sich Hilfe zu suchen.

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27.10.2016 | Mit allem hatte Tanja G. gerechnet. Sie hatte sich Gedanken darum gemacht, wo ihr erstes Kind zur Welt kommen sollte, welche Untersuchungen und Tests während der Schwangerschaft sie machen lassen und wie die Entbindung verlaufen würde. Doch nie im Leben hätte sie es für möglich gehalten, an einer so natürlichen, scheinbar wie von selbst funktionierenden Sache wie dem Stillen zu verzweifeln. Und doch war die Sprachlehrerin eine Woche nach der Entbindung ein Häuflein Elend. Ihr Sohn schlief schon nach kurzem Saugen völlig erschöpft an ihrer Brust ein, wachte vor Hunger wenig später wieder auf und schrie - und durch das häufige Anlegen waren ihre Brustwarzen entzündet und eingerissen. Die Schmerzen waren irgendwann so unerträglich, dass sie beschloss, auf Milchpulver umzusteigen.

Zwar mahnte eine Stimme in ihrem Hinterkopf: "Willst du wirklich aufgeben und deinem Kind das Beste vorenthalten? Reiß dich zusammen, so viele andere schaffen das doch auch!" Doch das war ihr in diesem Moment vollkommen egal. Zu groß war die Qual bei jedem Anlegen. Dennoch heulte sie nicht nur vor Schmerzen, sondern vor allem aus dem Gefühl heraus, versagt zu haben. "Es war für mich die totale Katastrophe", erinnert sich Tanja. Schließlich höre man ständig, wie ideal Muttermilch und wie wichtig das Stillen für die Entwicklung des Babys ist. "Umso elender habe ich mich gefühlt, weil ich dazu offensichtlich nicht in der Lage war."

Die Hebamme habe damals alles Mögliche versucht: Salben, Globuli, wärmende und kühlende Umschläge, unterschiedliche Stillpositionen - vergeblich. "Ich verkrampfte immer mehr. Nichts lief mehr, im wahrsten Sinne des Wortes." Sogar über die elektrische Milchpumpe, die ihre Hebamme besorgt hatte, konnte Tanja ihrem Körper jedes Mal nur wenige Milliliter Muttermilch abtrotzen. "Ich war rund um die Uhr damit beschäftigt, meinen Sohn irgendwie satt zu bekommen: ihn anlegen, zwischendurch immer wieder aufwecken, dann wickeln, andere Brust anbieten, anschließend abpumpen, Milchmenge in ein Notizbuch eintragen, dann die mühsam gewonnene Milch aus vorherigen Pumpversuchen aufwärmen und über die Flasche füttern." Innige Stillbeziehung? Von wegen! "Irgendwann hatte ich die Schnauze voll und habe gedacht: Mein Kind wird auch von Säuglingsmilch gesund groß werden, was soll's?!" Als ihre Hebamme von dem Entschluss hörte, überredete sie die aufgewühlte Tanja zu einem letzten Versuch - mit Stillhütchen.

Eigentlich versucht Silvia S., die seit fast 25 Jahren als Hebamme arbeitet, die hauchdünnen Silikonauflagen zu vermeiden, da sie erlebt hat, dass viele Säuglinge von den "Plastiknippeln" verwirrt sind und danach nicht mehr ohne an die Brust gehen. Aber in Tanjas Fall "war ich mit meinem Latein am Ende, zumal sie sehr flache Brustwarzen hat, an denen ihr Sohn nur schwer saugen konnte". Im Nachhinein war die Fachfrau froh, von ihren Prinzipien abgewichen zu sein, "denn für Tanja waren die Stillhütchen der Durchbruch". Sie spürte weniger Schmerzen beim Anlegen, ihr


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