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Babynahrung im Test: Die besten Pre-Milchpulver für Säuglinge

Ratgeber Kinder und Familie 2019 | Autor: Meike Rix/Kai Thomas | Kategorie: Kinder und Familie | 12.09.2019

Pre-Milchpulver im Test enthält oft mineralölartige Stoffe.
Pre-Milchpulver im Test enthält oft mineralölartige Stoffe. (Foto: ÖKO-TEST)

Wir haben 16 Pre-Nahrungen für Babys getestet. Ergebnis: In fast allen Milchpulvern stecken erhöhte Mengen an mineralölartigen Stoffen. Insgesamt hat sich die Reinheit aber verbessert. Fünf Pulver können wir mit „gut“ empfehlen.

Der Inhalt von Muttermilch verändert sich während der Stillzeit – immer nach den Bedürfnissen des Babys. Nebenbei schützt sie Säuglinge in den ersten Lebensmonaten unter anderem vor Infekten und Entzündungen, aber auch vor Allergien und Asthma. Natürliche Muttermilch ist so gesund für den Nachwuchs, dass sie durch künstliche Anfangsnahrung nicht zu übertreffen ist. Babys werden aber auch mit Milchpulvern zum Anrühren groß, wenn Mütter nicht voll stillen möchten oder können.

Pre-Nahrung-Test mit Babymilch von Aptamil, Bebivita & Co.

In unseren Tests sind in Muttermilchersatz allerdings immer wieder Schadstoffe aufgefallen. Vor allem: krebserregende oder krebsverdächtige Fettschadstoffe, sogenannte 3-MCPD-Ester und Glycidylester. Sie können bei der Raffination der enthaltenen Pflanzenöle entstehen. Wir wollten wissen, ob die Qualität der Industrie-Anfangsmilch mittlerweile besser ist, und haben den Großteil des Angebots in Deutschland überprüft.

Im Test: 16 Pre-Nahrungen für Babys. Alle Milchpulver haben wir von einem spezialisierten Labor auf Fettschadstoffe, Mineralölrückstände sowie Reste von chlorierten Desinfektionsmitteln untersuchen lassen. Auch die Zutatenlisten und die weiteren Angaben auf den Verpackungen haben wir uns ganz genau angeschaut.

Pre-Milch enthält sehr oft mineralölartige Stoffe 

Das Ergebnis: In fast allen getesten Milchpulvern stecken diesmal erhöhte Mengen an mineralölartigen Stoffen und Substanzen, die sich aus Kunststoffbeschichtungen lösen können. Von vier Pre-Nahrungen raten wir unter anderem deshalb mit "mangelhaft" und "ungenügend" ab. Sieben Produkte landen noch irgendwo im Mittelfeld. Mit insgesamt "gut" empfehlen wir nur fünf Milchpulver, darunter drei Bio-Produkte.

Einzig in der Babydream Anfangsmilch Pre von Rossmann wies das Labor noch einen vergleichsweise hohen Glycidylester-Gehalt nach, den wir abwerten. Fettschadstoffe waren sonst in den anderen Anfangsnahrungen in diesem Test zum Glück nur noch in tolerierbaren Spuren nachweisbar. Auch von weiteren problematischen Stoffen fanden die Labore in der getesteten Anfangsmilch nur noch Spuren.

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Speziallabore haben die Milchpulver im Test auf Schadstoffe untersucht.
Speziallabore haben die Milchpulver im Test auf Schadstoffe untersucht. (Foto: Labor)

Babynahrung-Test: Säuglingskörper speichert Problemstoff

Das Hauptproblem: In fast allen Milchpulvern im Test waren gesättigte Kohlenwasserstoffen (MOSH/POSH) und ähnliche Stoffe nachweisbar. Die Mengen überschreiten die Grenze, ab der wir nicht mehr von Spuren sprechen. MOSH reichern sich im menschlichen Fettgewebe und in der Leber an.

Ob POSH vergleichbare Risiken mit sich bringen, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt. POSH lösen sich aus Kunststoffen, etwa aus Beschichtungen der Innenbeutel der Anfangsmilch. Aus unserer Sicht sollten MOSH und POSH in Lebensmitteln so weit minimiert werden, wie irgend möglich. Wir werten deshalb auch niedrige Gehalte ab.

Kaum Fettschadstoffe in getesteter Anfangsmilch

Verunreinigungen mit Fettschadstoffen sind im Vergleich zu vergangenen Tests deutlich weniger geworden. Zwar wies das von uns beauftragte Labor in allen Anfangsnahrungen 3-MCPD-Ester nach sowie in einigen die problematischeren Glycidylester. Die aktuellen 3-MCPD-Gehalte in den getesteten Milchpulvern überschreiten aber nicht mehr die von der obersten EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA festgelegte tolerierbare tägliche Aufnahmemenge. In unserem Test von 2015 waren viele Gehalte noch gut zehnmal so hoch.

Für Glycidylester in Säuglingsnahrung gilt seit Kurzem ein Grenzwert, der bei keinem der getesteten Produkte überschritten wird. Die tägliche Aufnahmemenge ist nach unserem Testergebnis  über die Babydream Anfangsmilch Pre von Rossmann dennoch vergleichsweise hoch. Wir werten um zwei Noten ab. Glycidylester setzen während der Verdauung Glycidol frei, das als krebserregend und erbgutschädigend gilt.

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In Säuglingsmilch fehlen oft wichtige Nährstoffe

In den Zutatenlisten von sieben Säuglingsnahrungen fehlen Quellen für Docosahexaensäure (DHA) und Arachidonsäure (AHA). Diese Fettsäuren sind in der Muttermilch enthalten und wichtig für die Entwicklung von Gehirn und Nervenzellen. Führende Wissenschaftler empfehlen den Nährstoff-Zusatz, denn Studien belegen positive Wirkungen auf die Entwicklung des Sehvermögens. Bisher setzen Hersteller die Fettsäuren in Babymilchpulver freiwillig zu, etwa in Form von Fisch- oder Algenöl. Ab 2020 ist der Zusatz gesetzlich verpflichtend. Ihn wegzulassen entspricht nicht dem Stand der Forschung.

Unser Tipp: Pre-Nahrung für Babys enthält wie Muttermilch als einziges Kohlenhydrat Laktose. Kinder können sie im ganzen ersten Lebensjahr bekommen, in der zweiten Hälfte ergänzt durch Beikost.

Diesen Test haben wir erstmals im ÖKO-TEST Magzin 5/2019 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für den Ratgeber Kinder und Familie 2019, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Testverfahren

Wir haben 16 Pre-Säuglingsnahrungen in Pulverform auf Basis von Kuhmilchbestandteilen eingekauft. Ein spezialisiertes Lebensmittellabor untersuchte die Produkte auf bekannte Problemstoffe, die in Muttermilchersatznahrungspulvern vorkommen: Mineralölbestandteile, Chlorat und Perchlorat aus Desinfektionsmitteln und die krebserregenden beziehungsweise krebsverdächtigen Fettschadstoffe 3-MCPD- und Glycidylester.

Anhand der Zutatenlisten haben wir überprüft, ob die Hersteller bestimmte Öle zusetzen, die als Quelle für die in den ersten Lebensmonaten besonders wichtigen Fettsäuren Omega-3 Docosahexaensäure (DHA) und Omega-6 Arachidonsäure (ARA) dienen.

Wir prüften außerdem die Zubereitungs- und Warnhinweise auf den Verpackungen und ob die Hersteller in ihren Werbeaussagen verbotenerweise den Eindruck erwecken, dass das Produkt dem Stillen vorzuziehen wäre.

Bewertungslegende

Zur Abwertung um jeweils vier Noten führen: a) ein „sehr stark erhöhter“ Gehalt von mehr als 4 mg/kg MOSH/MOSH-Analoge (laut Labor vermutlich POSH); b) ein „stark erhöhter“ Gehalt mehr als 2 bis 4 mg/kg MOSH/MOSH-Analoge (laut Labor vermutlich POSH) und zudem der Nachweis von MOAH. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein „stark erhöhter“ Gehalt mehr als 2 bis 4 mg/kg MOSH/MOSH-Analoge (laut Labor vermutlich POSH); b) ein erhöhter Gehalt an Glycidylestern (berechnet als Glycidol), der zu einer Aufnahme von mehr als 1,4 μg pro Tag führt. Bei der Bewertung sind wir von einer maximalen Tagesaufnahme von 0,4 μg/kg Körpergewicht für ein Kind mit 3,5 Kilogramm Körpergewicht ausgegangen. Wir haben mit den auf der Verpackung vorgeschlagenen Tagestrinkmengen für die zweite Lebenswoche gerechnet; c) laut Zutatenliste ohne Quellen für langkettige, mehrfach ungesättigte Fettsäuren (die LC-PUFA Docosahexaensäure [DHA] und Arachidonsäure [ARA]); als Quellen für DHA und ARA werden in den Pulvern üblicherweise eingesetzt: Fischöl, Algenöl und Öl aus Mortierella alpina. Zur Abwertung um eine Note führt: ein „erhöhter“ Gehalt von mehr als 1 bis 2 mg/kg MOSH/MOSH-Analoga (laut Labor vermutlich POSH). Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen „nein“, bedeutet das „unterhalb der Bestimmungsgrenze“ der jeweiligen Testmethode. Das Gesamturteil beruht auf der Beurteilung der Inhaltsstoffe.

Testmethoden

MOSH/MOSH-Analoga/MOAH: DIN EN 16995:2017 mod. Die Modifikation betrifft die Verseifung und eine andere Matrix. Gesamtfettgehalt: ASU L 02.00-11:2013. 3-MCPD-Ester (ber. als 3-MCPD) / Glycidylester (ber. als Glycidol): DGF C-VI 18 (10) mod. Die Modifikation betrifft eine andere Matrix und die vorherige Abtrennung des Fetts. Chlorat/Perchlorat: LC-MS/MS (in Anlehnung an die Methode des EU Reference Laboratory for Highly Polar Pesticides für Perchlorat [QuPPe-AO-Method]). Gesamtkeimzahl (aerob): ASU L 48.01-14: 1987. Enterobakterien: ASU L 00.00-133/1:2018. Cronobacter spp.: ISO 21528-1:2004 mod. Die Modifikation betrifft das vereinfachte MPN-Verfahren. Escherichia coli: ASU L 48.01-20:1987. Koag.-pos. Staphylokokken: EN ISO 6888-3:2005-07. Präsumtive Bacillus cereus: ASU L 00.00-33. Sporen mesophiler sulfitred. Clostridien: ASU L 00.00-57:2006 mod. Die Modifikation betrifft den Erhitzungsschritt zur Abtötung der vegetativen Keime. Salmonellen: ASU L 00.00-20. Listeria monocytogenes: ASU L 00.00-32 mod. Die Modifikation bezieht sich auf das Anreicherungsmedium. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Februar 2019.

Diesen Test haben wir erstmals im ÖKO-TEST Magzin 5/2019 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für den Ratgeber Kinder und Familie 2019, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

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