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Babygläschen im Test: Nur zwei Gemüsebreie sind empfehlenswert

Magazin März 2021: Gesund mit Eiweiß | Autor: Victoria Pfisterer/ Meike Rix | Kategorie: Kinder und Familie | 25.02.2021

Gemüsebrei für Babys im Test: Welche Produkte sind empfehlenswert?
Foto: Ivanko80/Shutterstock; ÖKO-TEST

Babygläschen mit Gemüsebrei sind eine praktische Lösung für die erste Beikost und liefern wichtige Nährstoffe. Ärgerlich, wenn sie neben Vitaminen und Ballaststoffen auch bedenkliche Inhaltsstoffe enthalten: In allen 20 Gemüsebreien im Test steckt problematisches Furan.

  • Von 20 Babygläschen im Test erhalten nur zwei die Note "gut".
  • Der Großteil der Gemüsebreie für Babys schneidet mittelmäßig ab. Zwei Produkte fallen durch.
  • Bedenklich: Alle Gemüsebreie im Test enthalten mindestens Spuren von Furan, das als möglicherweise krebserregend eingestuft wird.

Nach vier bis sieben Monaten brauchen Babys mehr als Mutter- oder Fläschchenmilch: Es ist Zeit für die erste Beikost. Von jetzt an stehen auch Gemüsebreie auf dem Speiseplan. Sie liefern sättigende Ballaststoffe und viele Vitamine und Mineralstoffe.

Wir wollten herausfinden, ob in den praktischen Fertigbreien im Gläschen mehr als nur gesundes Gemüse steckt. Dafür haben wir 20 Gemüsebreie für Babys untersuchen lassen. Das Ergebnis ist durchwachsen: Lediglich zwei der getesteten Gemüsebreie bewerten wir mit "gut". Der Großteil der Babygläschen im Test schneidet nur mittelmäßig ab. Und für zwei Produkte lautet das Gesamturteil gar "ungenügend".

Babygläschen im Test: Kritik an Inhaltsstoffen

Die Gründe für das durchwachsene Ergebnis sind vielfältig. So hat das von uns beauftrage Labor in allen Babygläschen im Test den Stoff Furan nachgewiesen. Weitere Kritikpunkte sind darüber hinaus erhöhte Nitratwerte, Belastungen durch das Schwermetall Cadmium sowie umstrittene Auslobungen.

Wir erläutern die Kritikpunkte genauer: Furan bildet sich beim Erhitzen von Lebensmitteln in geschlossenen Behältnissen wie eben bei der Sterilisation von Babygläschen. Der Stoff wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als möglicherweise krebserregend eingestuft. In Tierversuchen führte die langfristige Aufnahme zu Leberschäden, in hohen Dosen sogar zu Leberkrebs.

Gemüsebreie aus Gläschen sind eine praktische Lösung für die Ernährung von Babys.
Gemüsebreie aus Gläschen sind eine praktische Lösung für die Ernährung von Babys. (Foto: sixninepixels/Shutterstock)

Das Problem mit Furan in Gemüsebreien für Babys

Für Menschen können laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nach derzeitigen Erkenntnissen langfristige Schäden nicht ausgeschlossen werden. Grenzwerte oder sichere tolerierbare Aufnahmemengen für den Stoff haben die Behörden bisher nicht festlegen können, weil sie schlicht noch zu wenig wissen. Untersuchungsämter orientieren sich deshalb an den niedrigsten Werten, bei denen im Tierversuch erste Schäden aufgetreten sind. 

Die Mengen an Furan, die in den überprüften Gemüsebreien für Babys stecken, sind gering und im Produktionsprozess derzeit noch nicht vermeidbar – dennoch finden wir: Die Industrie sollte sich bemühen, den Stoff in den Gläschen weiter zu minimieren.

Bedeutet das nun, dass Furan allgemein in allen geschlossenen Gläschen für Babys ein großes Problem ist? Nein. So ist bekannt, dass gemüsehaltige Gläschen höhere Furangehalte aufweisen als beispielsweise Breie aus Obst oder Fleisch.

Babygläschen im Test: Ein paar enthalten Nitrat

Ein weiteres Problem, das aufgefallen ist: Ein paar Gemüsebreie für Babys enthalten erhöhte Nitratgehalte. Aus Nitrat kann durch Bakterien im Mund und Magen Nitrit entstehen. Daraus können sich im Körper wiederum krebserregende Nitrosamine bilden. Nitrit behindert zudem den Sauerstofftransport im Blut.

Die Gehalte, die wir kritisieren, liegen zwar unterhalb des strengen gesetzlichen Höchstgehalts. Dennoch gilt für uns auch hier: Weniger ist besser. Zur Erklärung: Das Nitrat landet über das verarbeitete Gemüse im Brei. Hier sind daher stärkere Kontrollen der Hersteller gefragt.

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Giftiges Cadmium in Gemüsebrei für Babys 

Cadmium ist ein giftiges Schwermetall, das auf Dauer die Nieren schädigen kann. Im Test ist es in einem Babygläschen nachgewiesen worden. Würde ein Baby mit acht Kilogramm Körpergewicht täglich den getesteten Gemüsebrei essen, dann würde es die laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) tolerierbare regelmäßige Aufnahmemenge pro Woche überschreiten.

Diese Einordnung zeigt die Dimension des gefundenen Wertes: Der Stoff ist in dieser Menge zwar nicht akut giftig und nicht hochgefährlich, aber die Belastungen sind nennenswert und reichen bei regelmäßiger Aufnahme an offiziell festgelegte Toleranzmengen heran.

Gemüsebrei für Baby enthält viele wichtige Vitamine und Ballaststoffe.
Gemüsebrei für Baby enthält viele wichtige Vitamine und Ballaststoffe. (Foto: Vorobyeva/Shutterstock)

Zweifelhafte Auslobung auf zwei Babygläschen

Unzufrieden sind wir auch mit Auslobungen, die auf zwei Babygläschen im Test zu finden sind. "Alpha-Linolensäure (eine Omega-3-Fettsäure), wichtig für die Entwicklung von Gehirn- und Nervenzellen" – so steht es dort geschrieben. Die Hersteller heben damit wohl auf das in ihren Produkten enthaltene Rapsöl ab. Denn darin steckt die Vorläuferfettsäure Alpha-Linolensäure (ALA), die im Körper zur Omega-3-Fettsäure Docosahexaensäure (DHA) umgewandelt werden kann.

DHA ist tatsächlich wichtig für Gehirn und Nervensystem. Der Haken bei der Auslobung: Die Umwandlung ist minimal, wie Professor Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit, erklärt: "Studien haben gezeigt, dass Rapsöl nichts zur DHA-Versorgung von Säuglingen beiträgt. Wenn zum Beispiel bei Eltern, die ihre Kinder vegetarisch oder vegan ernähren, aufgrund dieses Claims der Eindruck entsteht, ihr Kind wäre durch den rapsölhaltigen Gemüsebrei schon ausreichend mit Omega-3-Fettsäuren versorgt, ist das falsch."

Gegen Gesetze verstoßen die Anbieter mit ihrem vollmundigen Claim nicht. Die Aussage befindet sich seit 2011 in der Prüfung durch die EFSA und darf mindestens so lange weiter verwendet werden, bis eine Entscheidung gefallen ist. Die Babys von heute sind dann vielleicht schon groß.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Testverfahren

Wir haben 20 Gemüsebreie eingekauft. 18 von ihnen sind für Babys ab dem fünften (bzw. nach dem vierten) Lebensmonat ausgelobt, zwei ab dem sechsten. Neben Kartoffeln oder Reis enthalten die Breie verschiedene Gemüse von B wie Brokkoli über P wie Pastinaken bis hin zu Z wie Zucchini.

Spezialisierte Labore untersuchten die Produkte für uns auf Pestizide, Schwermetalle und Keime. Außerdem bestimmten sie die Nitrat- und Nitritgehalte. Aus dem natürlicherweise in Gemüse enthaltenen Nitrat kann sich Nitrit bilden, das die Sauerstoffbindung des Blutes beeinträchtigen kann. Außerdem stand Furan auf unserem Prüfprogramm. Der im Tierversuch krebserregende Stoff entsteht beim Erhitzen und Sterilisieren von Gemüsebreien. Anhand der Deklaration erfassten wir, ob ordentlich Gemüse im Glas ist, denn manche Anbieter verkaufen mehr Wasser im Brei als andere.

Bewertungslegende

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) ein Nitratgehalt von mehr als 100 mg/kg. Dies entspricht mehr als 50 Prozent des gesetzlichen Höchstwertes in Beikost für Säuglinge und Kleinkinder laut Kontaminantenverordnung; b) ein Gehalt an Cadmium, der zur Überschreitung der tolerierbaren Tagesaufnahme führt, berechnet aus einem Siebtel des PTWI (wöchentliche Aufnahme) von 2,5 µg/kg Körpergewicht. Wir haben ein Gläschen von 190 g sowie ein Körpergewicht von 8 kg zugrunde gelegt; c) ein Furangehalt von mehr als 27 µg/kg (in der Tabelle "erhöht"). Berechnungsbasis Furan: Mangels gesetzlicher Grenzwerte für Furan orientieren wir uns an einer von der EFSA 2017 veröffentlichten Risikoabschätzung. In Tierversuchen führte die langfristige Aufnahme von Furan zu Leberschäden, hohe Dosen Furan sogar zu Leberkrebs. Messbare Wirkungen traten ab 64 µg/kg Körpergewicht (KG) pro Tag für die nicht krebserregende Wirkung bzw. ab 1.310 µg/kg KG pro Tag für eine krebserregende Wirkung auf. Liegen die Furangehalte um einen Faktor ≥ 100 für die nicht krebserregende bzw. ≥ 10.000 für die krebserregende Wirkung unterhalb dieser Werte, gelten sie als toxikologisch unbedenklich. Für ein Kind mit 8 kg KG, dass ein Gläschen mit 190 g Inhalt am Tag komplett isst, ergibt sich daraus, dass Breie mit mehr als 5,5 µg Furan/ kg den Sicherheitsabstand von ≥ 10.000 zur kanzerogenen Wirkung bzw. mit mehr als 27 µg Furan/kg auch den Sicherheitsabstand ≥ 100 zur nicht kanzerogenen Wirkung unterschreiten. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Furangehalt von mehr als 5,5 bis 27µg/kg (in der Tabelle "leicht erhöht"), b) ein Gemüseanteil (bei Produkten mit Reis wurde auch der Reisanteil hinzugerechnet) von weniger als 70 Prozent (in der Tabelle "gering").

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: Deklarationsmangel: Auslobung "Alpha-Linolensäure (eine Omega-3-Fettsäure), wichtig für die Entwicklung von Gehirn- und Nervenzellen" oder "Omega-3 (ALA) wichtig für die Entwicklung von Gehirn und Nervenzellen". Zur Abwertung um eine Note führt: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Testmethoden

Testmethoden: Pestizidscreening: GC-MS bzw. LC-MS/MS. Nitrat/Nitrit: Nach ASU L 26.00-1 : 2018 modifiziert. Furan: Niedertemperatur Headspace-GC/MS mittels deuteriertem Furan als interner Standard gemäß Vorschrift der FDA und § 64 LFGB, Dreifachbestimmungen per Standardzusatz. Mikrobiologie: Die Proben werden in der Originalverpackung für 14 Tage bei 30°C bebrütet; anschließend Untersuchung nach DIN EN ISO 488-2: 2014 (aerob) bzw. DIN EN ISO 488-2: 2014 mod. (anaerob). Elementbestimmung/Schwermetalle: ICP-MS. Folgende Elemente wurden bestimmt: Arsen, Cadmium, Kobalt, Chrom, Kupfer, Quecksilber, Nickel, Selen, Blei, Antimon, Zinn, Zink. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Oktober/November 2020. 

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