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21 Luftballons im Test

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ÖKO-TEST Februar 2009 | Kategorie: Kinder und Familie | 30.01.2009

21 Luftballons im Test

Luftballons gehen jährlich zu Milliarden über die Ladentische. Das erschreckende Ergebnis unseres Tests: Aus fast jedem zweiten untersuchten Ballon lösen sich krebserregende Nitrosamine oder Vorstufen davon.

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Mit dicken Backen blasen die Jungen und Mädchen der fünften Klasse Luftballons auf. Sie binden die bunten Gummikugeln an ihr rechtes Bein, laufen wild durcheinander und jagen sich gegenseitig. Ballons knallen dort, wo Alexander, Anna und Co. ihre Luftballons nicht vor den Tritten der Mitschüler retten können - dann heißt es ab auf die Bank. "In der fünften und sechsten Klasse lassen sich die Schüler noch mit Ballonspielen zum Auftakt des Sportunterrichts begeistern; höheren Jahrgängen ist das zu kindisch", erklärt die 40-jährige Sportlehrerin einer Schule im Saarland. Selbstverständlich wird mit dem Mund aufgeblasen, und dies nicht nur an Schulen, sondern auch in Kindergärten oder auf Kindergeburtstagen.

Damit soll allerdings bald Schluss sein, zumindest wenn es nach dem Willen des Gesetzgebers geht. Zukünftig sind Luftballons nur noch mit einer Pumpe aufzupusten. Die Plastikpumpen kosten nur ein paar Euro, sind aber bei Weitem nicht überall dort zu bekommen, wo man schnell mal ein paar Ballons mitnimmt, etwa bei einem Einkauf in Drogerien oder Supermärkten. Bis August 2009 wird sich das vermutlich ändern, denn spätestens bis dahin müssen die Verpackungen von Luftballons den Hinweis tragen: "Zum Aufblasen eine Pumpe verwenden!"

Dies soll den Kontakt der Latexballons mit den Lippen und der Mundschleimhaut unterbinden. Hintergrund ist: Die Kontrollbehörden messen und beanstanden in Gummiballons schon seit Jahren krebserregende Stoffe. Bereits im Jahr 2003 gelangte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zu der Einschätzung, dass im Extremfall über Luftballons ebenso viel Nitrosamine in den Körper gelangen können wie über Lebensmittel. Zwar bestehe durch den gelegentlichen Kontakt mit Ballons keine schwerwiegende Gesundheitsgefahr, unterm Strich bliebe aber klar: Die hohen Nitrosamingehalte sind völlig vermeidbar und entsprechen einfach nicht dem Stand der Technik. Seit Mitte des Jahres 2008 ersetzen nun gesetzliche Grenzwerte die bisherigen Richtwerte des BfR in Deutschland.

Wir wollten wissen, ob die Hersteller sich an die neuen Grenzwerte halten, und kauften im Oktober 2008 insgesamt 21 Luftballonmarken ein: Alle Produkte ließen wir auf krebserregende Nitrosamine und weitere kritische Inhaltsstoffe untersuchen.

Das Testergebnis

Das Ergebnis vermiest uns die Spiel- und Partylaune: Von 21 Luftballons bekommen nur fünf Marken die Note "sehr gut" und "gut". Neun Produkte fallen mit "ungenügend" durch den Test, diese Luftballons geben zu viel krebserregende Nitrosamine und/oder Vorstufen davon ab.

Neun Ballonmarken erhalten Punktabzug, weil sie mehr krebserregende Nitrosamine und/oder deren Vorstufen abgeben, als der Gesetzgeber erlaubt. Diese Stoffe entstehen bei der Vulkanisierung des Gummis, besonders wenn dafür bestimmte Vulkanisiermittel eingesetzt werden, für die aber längst Ersatzstoffe verfügbar sind. Die Grenzwerte gelten derzeit nur in Deutschland und nicht EU-weit. Aber auch hierzulande legen die Überwachungsbehörden die Grenzwerte unterschiedlich aus. So ist in Nordrhein-Westfalen eine großzügige Messtoleranz von 100 Prozent der Maximalgehalte, die 0,05 mg/kg für Nitrosamine und 1,0 mg/kg für nitrosierbare Stoffe betragen, erlaubt. Während die amtlichen Kontrolleure in Baden-Württemberg und Niedersachsen lediglich eine Toleranz von 20 Prozent für Nitrosamine und von zehn Prozent für nitrosierbare Stoffe dulden. Wir haben uns bei der Bewertung den strengeren Vorgaben angeschlossen.

In 15 Ballons stecken erhöhte Gehalte an Latexproteinen, sie kassieren dafür Minuspunkte. "Um das Risiko der Sensibilisierung für eine Latexallergie niedrig zu halten, sollte auch in Spielzeug wie Luftballons nicht mehr Latexprotein enthalten sein, als es heute bereits für Latexhandschuhe vorgeschrieben ist. Denn wie bei Handschuhen gehen bei Luftballons die allergenen Proteine mit dem Puder, das das Zusammenkleben der Ballons verhindert, in die Raumluft und gelangen über die Atemwege in den Körper", fasst Dr. Angelika Heese, niedergelassene Hautärztin und Allergologin in Hamburg, das Problem zusammen. "Spontan fallen mir vier Fälle von Patienten mit Latexallergie ein, bei denen durch Luftballons Asthmaanfälle ausgelöst wurden", ergänzt die Allergologin. Weil sich Atem- und Hautprobleme durch Latexhandschuhe beim Klinik- und Pflegepersonal in den 1980er-Jahren häuften, wurde der Gehalt in Latexhandschuhen auf 30 Mikrogramm pro Gramm Handschuh begrenzt. Mittlerweile ist die Anzahl der Neuerkrankungen an Latexallergien um 95 Prozent zurückgegangen, so die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege.

In drei Luftballons kritisieren wir 2-Mercaptobenzothiazol (2-MBT). Dieser Stoff wird als Vulkanisationsbeschleuniger verwendet und kann Kontaktallergien verursachen. Erst im Sommer 2008 forderte das BfR, die Gehalte von 2-MBT in Gummiprodukten wie Luftballons oder Luftmatratzen auf ein technisch machbares Maß zu reduzieren.

Bei zwölf Ballons fehlen entweder der Hinweis auf Naturkautschuklatex - wichtig für Latexallergiker - oder andere Warnhinweise und Empfehlungen. Die Spielzeugrichtlinie schreibt zudem vor, dass Kinder unter acht Jahren beim Spielen mit Luftballons zu beaufsichtigen sind und die Gefahr besteht, dass sie an geplatzten Ballons ersticken könnten. Dieser Hinweis fehlt oder ist unvollständig bei zwei Produkten. Zudem vermissten wir bei etlichen Luftballons den Alterswarnhinweis für Kinder unter 36 Monaten: Obschon Kinder unter drei mit Begeisterung damit spielen, gehört eine Tüte nicht aufgeblasener Ballons einfach nicht in ihre Hände.

So reagierten die Hersteller

Anbieter Procos sendete uns Laborgutachten zu den Nitrosaminen und nitrosierbaren Stoffen: Zumindest in den untersuchten Proben wurden die Grenzwerte eingehalten.

Die Firma Everts teilte uns mit, dass sie seit vielen Jahren nur noch sichere Vulkanisationsbeschleuniger einsetze. Die gefundenen Spurengehalte an Nitrosaminen und ihren Vorläufern in den Luftballons stammen von Konservierungsstoffen, die der empfindlichen Latexmilch, sie verklumpt und verdirbt leicht, auf den Gummiplantagen direkt nach der Ernte zugegeben werden. Derzeit versuche man aber Plantagen zu identifizieren, die auf Konservierungsstoffe weitgehend verzichten.

Interview

Absolut inakzeptabel

Wir sprachen mit Dr. Bärbel Vieth vom Bundesinstitut für Risikobewertung über die neue Spielzeugrichtlinie, die u.a. ein Verbot von Nitrosaminen und

deren Vorläufer in Spielzeug vorsieht.

ÖKO-TEST: Im Dezember 2008 hat das Europaparlament die neue Spielzeugrichtlinie angenommen. Sind Sie zufrieden?

Vieth: Aus Sicht des Verbraucherschutzes sind die vorgesehenen Regelungen zu den chemischen Anforderungen an Spielzeug nicht umfassend genug, um mögliche gesundheitliche Risiken für Kinder mit der notwendigen Sicherheit auszuschließen. Auch die Überprüfung von Spielzeug durch eine unabhängige, dritte Stelle wurde nicht in die Richtlinie aufgenommen. Wie bisher kann der Hersteller die Übereinstimmung mit den Sicherheitsanforderungen selbst mit einem CE-Zeichen bestätigen. Dies hat in der Vergangenheit zu unsicherem Spielzeug am Markt geführt.

ÖKO-TEST: Neu in der Richtlinie sind Grenzwerte für Nitrosamine und nitrosierbare Stoffe. Sind diese Grenzwerte ausreichend?

Vieth: Die vorgeschlagenen Grenzwerte für Luftballons sind aus unserer Sicht akzeptabel. Sie entsprechen den in Deutschland gültigen Werten. Kinder unter 36 Monaten nehmen dagegen Spielzeug täglich länger in den Mund, damit ist der Kontakt viel intensiver. Aus diesem Grunde sollten die Grenzwerte für Nitrosamine in Kautschukspielzeug für Kinder unter 36 Monaten niedriger sein als für Luftballons und sich an den Grenzwerten für Babysauger orientieren.

ÖKO-TEST: Wo fordern Sie weitere Nachbesserungen?

Vieth: Dringender Handlungsbedarf besteht bei den krebserzeugenden, erbgutverändernden und fortpflanzungsgefährdenden Stoffen. Diese dürfen in Spielzeug nicht verwendet werden, allerdings sollen künftig die Grenzwerte des Chemikalienrechts gelten und danach dürfen solche Stoffe bis zu 0,1 Prozent enthalten sein. Wir hatten gefordert, dass, wie bei Materialien mit Lebensmittelkontakt, die Freisetzung dieser Stoffe nicht nachweisbar sein darf. Dies ist nur für Spielzeug für Kinder unter 36 Monaten und für Spielzeug, das in den Mund genommen wird, vorgesehen. Die Grenzwerte für Schwermetalle führen teilweise sogar zur einer Verschlechterung im Vergleich zur alten Spielzeugrichtlinie. Dies ist absolut inakzeptabel. Besonders kritisch ist das für Blei, da Blei neurotoxisch ist und bereits in kleinsten Mengen die Intelligenzentwicklung von Kindern negativ beeinflussen kann. Eine weitere Lücke sind Stoffe, die über die Haut aufgenommen werden. Für Fingerfarbe oder Knete, mit denen Kinder intensiv in Berührung kommen, hätte man sich am Kosmetikrecht orientieren können.

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Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Everts 25 sortierte Ballons, bunt, 45525
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Everts
sehr gut
Everts Balloons 100 Rundballons, bunt, Best.Nr. 196870
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Everts
sehr gut
Funline Figuren Ballons, 10 Stück, bunt, Art.-Nr.86350131
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Everts
sehr gut
Riethmüller 10 Ballons, bunt, 6435
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Riethmüller
sehr gut
Sempertex 50 Modellierballons, bunt, 260s
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Sempertex
gut
Globos 10 Ballons mit Rundumdruck Herzen, rot, Art.33700
Globos 10 Ballons mit Rundumdruck Herzen, rot, Art.33700
Globos-Luftballon
befriedigend
Lutz Mauder Piraten-Luftballons, 8, schwarz, 66001
Lutz Mauder Piraten-Luftballons, 8, schwarz, 66001
Lutz Mauder
befriedigend
Papstar Party 20 Luftballons, bunt, Art.-Nr. 18651
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Papstar
befriedigend
Party 10 Herzballons, rot, Art.-Nr. 2513
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Kaufhof
befriedigend
Qualatex Dekorationsballons Ø 40 cm, bunt, 43875
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Qualatex
befriedigend
Troll & Toy For Kids 30 Balloons, bunt, Art.-Nr. 005 884 8
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Everts
befriedigend
Balloons of Fantasy 12 Ballons, pastell, orange, 41231
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Kögler
ausreichend
10 Traumpferdchen Luftballons, rosa/blau, 187716
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Verlag Jürgen Döll
ungenügend
6 Party Ballons "Jonas", bunt, Prod.Typ 3097
6 Party Ballons "Jonas", bunt, Prod.Typ 3097
Pictura
ungenügend
Disney 8 Ballons Decorata Party "Winnie Pooh", bunt
Disney 8 Ballons Decorata Party "Winnie Pooh", bunt
Procos
ungenügend
Heku 15 Ballons "uni", bunt, Art.-Nr. 769
Heku 15 Ballons "uni", bunt, Art.-Nr. 769
Heku
ungenügend
Melloc 20 Ballons Premiumqualität, bunt, 347 00
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Melloc
ungenügend
Party Balloons, bunt
Party Balloons, bunt
Mixx
ungenügend
Spongebob 8 Luftballons, gelb/orange
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Procos
ungenügend
Susycard Luftballons "Happy Birthday", bunt, 10949345
Susycard Luftballons "Happy Birthday", bunt, 10949345
Herlitz
ungenügend
Trenddeco 20x Ballone, bunt
Trenddeco 20x Ballone, bunt
Kögler
ungenügend

Testverfahren

So haben wir getestet

Der Einkauf

Für den Test kauften wir in großen Drogerien und Kaufhäusern Lippenstifte von 21 Kosmetikmarken ein - ganz normale Cremelippenstifte, die weder versprechen, besonders lange zu halten, noch besondere Effekte auf die Lippen zu zaubern. Von den jeweiligen Marken haben wir fast immer die gesamte Farbpalette mitgenommen.

Problematische Inhaltsstoffe

Die Grundrezeptur der Lippenstifte in einer Serie ist immer gleich. Je nach Farbnuance wird dieser Rezeptur aber eine andere Mischung von Pigmenten zugegeben. Der Hersteller braucht nur eine Liste mit den Inhaltsstoffen für alle Farben der Farbpalette anzugeben - sie werden hinter einem "may contain" oder "+/-" aufgeführt. Wer wissen möchte, welche dieser Stoffe in einem speziellen Farbton stecken, muss beim Hersteller nachfragen. Das haben wir getan.

Jeweils ein Vertreter der Farbpalette wurde auf kritische Stoffe wie Diethylphthalat, Duftstoffe, die Allergien auslösen können sowie Nitromoschus- und polyzyklische Moschus-Verbindungen analysiert. Zudem wurde die Liste der Inhaltsstoffe auf bedenkliche UV-Filter, halogenorganische Farbpigmente, Tartrazin, Paraffine/Erdölprodukte/Silikone und PEG/PEG-Derivate gecheckt. Zusätzlich haben wir Stifte, die das Farbpigment CI 17200 enthalten, auf Anilin untersuchen lassen - und jene, die uns nicht sagen wollten, welche Pigmente eingesetzt werden, wurden im Labor auf ihren Tartrazingehalt hin analysiert.

Die Bewertung

In vielen unserer Kosmetiktests ähnelt sich die Bewertung der Inhaltsstoffe. Dennoch schauen wir uns auch immer ganz genau an, ob ein Produkt auf der Haut bleibt, ob es wieder abgewaschen wird oder gar in den Körper gelangen kann. Letzteres trifft für Lippenstifte zu - deshalb wurden Paraffine/Erdölprodukte/ Silikone hier auch strenger bewertet als etwa in einer Bodylotion oder einer Creme.