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17 Gemüsebreie im Test

ÖKO-TEST November 2015
vom 30.10.2015

Babynahrung, Gläschenkost Gemüsebreie

Glas? Klar!

Mit Gemüsebreien beginnt Babys Karriere als vollwertiger Esser: Weg von der Milch hin zur vielfältigen Nahrung. Viele der fertigen Gemüsebreie im Test eignen sich bestens als erste Mahlzeiten. Doch manchmal trüben giftige Stoffe aus dem Herstellungsprozess oder dem Boden die Esslust.

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30.10.2015 | Für Lara gibt es heute Fenchel und Kartoffel mit Birne und einem Hauch echter Bourbon-Vanille. Laras Mama hat den exquisiten Babybrei früh am Morgen selbst gekocht und heiß in den Warmhaltebehälter aus Edelstahl gepackt. Jetzt, um 12.30 Uhr, hat er genau die richtige Temperatur, um in der Krabbelgruppe verspeist zu werden.

Jede Woche treffen sich hier im Frankfurter Nordend Mütter mit Babys zum Singen und Spielen. Und weil das Treffen von 11 bis 13 Uhr dauert, auch zum Mittagessen - zumindest was die Babys angeht. Die Kleinen sind nämlich mittlerweile alle fünf Monate alt und ab diesem Alter empfehlen Experten die Einführung von Beikost.

Viele Eltern gehen die Umstellung vom Stillen oder von reiner Flaschennahrung auf "richtiges" Essen mit großer Energie und Sorgfalt an. So steht Lara mit ihrer frischen Fenchel-Vanille-Komposition nicht alleine da. Die Mutter von Lea-Sophie hat sich eigens einen kleinen Babynahrungsdampfgarer mit integriertem Mixer für die angeblich schonende und frische Zubereitung von Breien zugelegt. Julians Papa hat gleich die mehr als 1.000 Euro teure Koch-und-Mix-in-einem-Apparatur eines namhaften Staubsaugerherstellers angeschafft, um darin Bio-Gemüse vom Demeterhof zu verarbeiten.

Allerdings geht es auch anders. Bei Jonathan etwa macht es nur plopp. Es gibt fertige Frühkarotten aus dem Gläschen, kurz in die Mikrowelle gestellt, gut durchgerührt. Jonathans Mutter hatte heute Morgen weder Zeit noch Lust zum Kochen und ist überzeugt davon, dass ihr Augenstern auch mit Gläschenkost das Essen lernt und gesund groß wird.

Tatsächlich ist der Riss, der hier in Sachen Babyernährung nicht nur durch die gehobene Frankfurter Mittelschicht geht, ein Stück weit eine Geschmacks- und Glaubensfrage. Die Anhänger selbst zubereiteter Babykost schätzen den frischen, guten Geschmack ihrer Breie. "Wir kochen für uns ja auch frisch und machen keine Dose auf", sagt Laras Mutter. Außerdem solle Lara schon im frühen Alter viele unterschiedliche Geschmacksrichtungen und den kräftigen Geschmack von frischem Gemüse kennenlernen. "Dann ist sie später vielleicht auch offener für mehr Gemüsesorten", hofft die Mutter.

Die aktuelle Studie "Babygourmet" des Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE) stützt diese Haltung. In der Studie erhielten 51 Babys entweder herzhafte Breie aus dem Gläschen oder Tiefkühlkost, die frischer Kost geschmacklich viel näherkommt als Eingekochtes aus dem Glas. Tatsächlich waren die Babys, die die geschmacksintensivere Tiefkühlkost erhielten, im Anschluss an die dreimonatige Fütterungsphase interessierter an neuem Gemüse: Sie aßen mehr bislang nicht gekostete grüne Bohnen als die Gläschenfraktion. Ob diese Offenheit allerdings anhält, wurde nicht untersucht. Ob aus Lara eher ein Gourmet wird als aus Jonathan, ist also noch unklar.

Jonathan jedenfalls mampft seine Frühkarotten aus dem Glas mit großer Begeisterung. "Die Babygläschen sind sehr gut kontrolliert und müssen hohen Anforderungen genügen", sagt seine Mutter

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Für diesen Test haben wir Gemüsebreie ausgewählt, die bereits nach dem vierten Monat gegeben werden können. Experten empfehlen, ab diesem Alter mit der Einführung von Beikost zu beginnen. Oft wird der Anfang mit Karotten gemacht, denn die meisten Babys mögen das süße Gemüse recht gerne. Deshalb haben wir eine Reihe reine Karottenbreie ausgewählt. Dazu kommen Mischgemüsegläschen unter anderem mit Spinat, Zucchini, Pastinaken und Kartoffeln. Da die meisten Babygläschenhersteller auf Bio-Gemüse setzen, findet sich unter den 17 Testkandidaten nur ein einziges konventionelles Produkt.

Die Inhaltsstoffe
Der erste Brei sollte frei von bedenklichen Stoffen sein. Deshalb haben wir die Breie auf typische Schadstoffe prüfen lassen, die Gemüse oftmals belasten: giftige Spritzgifte etwa, oder Stoffe, die auf Düngung und Boden zurückzuführen sind, wie Nitrat oder Cadmium. Da aktuell in Obst und Gemüse häufig die Problemstoffe Chlorat und Perchlorat auftauchen, haben wir auch diese Stoffe überprüft. Wir wollten zudem wissen, ob die Breie Keime enthalten. Um die Produkte keimfrei zu machen, werden sie über längere Zeit erhitzt. Dabei kann sich, je nach Dauer und Grad der Erhitzung, aus den Inhaltsstoffen der Karotte giftiges Benzol bilden. Darum haben wir alle Gläschen mit Karotte auf Benzol testen lassen. Der wichtigste Inhaltsstoff eines Gemüsebreis ist natürlich: Gemüse. Wir wollten wissen, ob die Hersteller das auch so sehen und ausreichend Gemüse verarbeiten oder lieber reichlich billiges Wasser ins Gläschen kippen.

Die Deklaration
Ärgerlich und überflüssig ist es, wenn die Hersteller auf der Verpackung mit Dingen werben, die selbstverständlich sind. So sind Konservierungs- und Farbstoffe in Babynahrung per Gesetz verboten. Das muss man nicht auf die Verpackung drucken. Schließlich muss jedes Produkt am Markt diese Anforderung einhalten. Noch ärgerlicher ist es, wenn die Hersteller mit gesundheitsbezogenen Aussagen werben, die falsche Erwartungen wecken und in die Irre führen. "Omega-3-Fettsäuren wichtig für Gehirn- und Nervenzellen" oder "Alpha-Linolensäure wichtig für die Entwicklung von Gehirn- und Nervenzellen" sind solche Aussagen. Sie lassen Elternaugen strahlen, rufen bei Ernährungsexperten aber nur Kopfschütteln hervor.

Die Bewertung
Seit einiger Zeit bewerten offizielle Gremien wie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) Cadmium strenger als das in der Vergangenheit üblich war. Ein erhöhter Cadmiumgehalt in den Babybreien führt auch bei ÖKO-TEST zu einer Abwertung um zwei Noten. Nitrat wird von Experten vergleichsweise weniger kritisch gesehen, daher nehmen wir nur eine Note Abzug vor. Da die Benzolgehalte relativ niedrig sind, gibt es auch hier nur eine Note Abwertung. Eine vollmundige oder gar irreführende Deklaration schadet zwar nicht Babys Gesundheit, ist aber ein Angriff auf Mamas und Papas Verstand. Daher gibt es für die Auslobung von Selbstverständlichkeiten oder den Abdruck von aus unserer Sicht falschen gesundheitsbezogenen Versprechungen Punktabzug unter dem Testergebnis Weitere Mängel.

So haben wir getestet

Konservierunsstoffe sind in Babygläschen verboten. Damit sollte der Hersteller nicht werben.