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16 Bastelkleber im Test

ÖKO-TEST September 2010
vom 27.08.2010

16 Bastelkleber im Test

Scheiben-Kleister

Haushaltskleber enthalten zum Teil gesundheitsgefährdende Stoffe. Auch die "Lösemittelfreien" sind nicht ganz ohne, wie unser Test zeigt. Doch es gibt auch einige "sehr gute" Produkte, mit denen dem fröhlichen Bastelspaß nichts entgegen steht.

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27.08.2010 | Kinder muss man zum Basteln nicht lange überreden. Sie lieben es, sich kreativ zu betätigen und dabei ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen. Das macht nicht nur Spaß, sondern ist auch ganz wesentlich für ihre Entwicklung: Basteln fördert die Feinmotorik, und Kinder lernen, sich für längere Zeit auf ein Projekt zu konzentrieren.

Die Suche nach geeignetem Bastelmaterial gestaltet sich allerdings als nicht immer einfach. Vor allem bei den Haushaltsklebstoffen ist die Auswahl groß. Sie nennen sich Alles-, Kontakt-, Sekunden- oder Zweikomponentenkleber - um nur einige Produktgruppen aus der weitverzweigten Klebstoffgroßfamilie zu nennen - und bestehen bis zu 60 Prozent aus organischen Lösemitteln. Diese verdunsten beim Verarbeiten und sorgen so dafür, dass der Kleber erst an der Luft fest wird. Wenn, wie in der Kita oder Schule, mehrere Kinder in einem Raum zusammen basteln, können sie zum Problem werden und im Extremfall zu brennenden Augen, Kratzen im Hals und Unwohlsein führen - zumal oft auch Möbel, Bodenbeläge und Spielzeuge weitere flüchtige organische Verbindungen abgeben.

Zum Glück gibt es auch ein großes Angebot an lösemittelfreien Produkten. Die Funktion des Lösemittels übernimmt Wasser, das allerdings nur langsam verdunstet und wegen der längeren Trocknungszeit von den Kindern etwas mehr Geduld erfordert. Gut geeignet für Papier und Pappe sind auch Klebestifte, die aus Wasser und Seife hergestellt werden. Kleber auf Wasserbasis haben allerdings den Nachteil, dass Konservierungsmittel zugefügt werden müssen, um mikrobielle Verunreinigungen zu verhindern. Weiterer Haken aus Verbrauchersicht: Unter welchen Voraussetzungen sich ein Produkt lösemittelfrei nennen darf, ist gesetzlich nicht geregelt.

Wir wollten wissen, ob "lösemittelfreie" Kleber auch frei von problematischen Stoffen sind und haben 16 entsprechend deklarierte Produkte, darunter auch vier Klebestifte, im Labor untersuchen lassen.

Das Testergebnis

So ganz ohne sind auch "lösemittelfreie" Kleber nicht. Mehr als zwei Drittel enthalten Substanzen, die wir kritisieren, ein Kleber ist sogar nur "mangelhaft". Doch es gibt auch gute Nachrichten: Die Hersteller verwenden keine bedenklichen Phthalat-Weichmacher mehr, die wir noch im Jahr 2006 in drei Schul- und Bastelklebern gefunden hatten. Fünf Produkte können wir ohne Einschränkung empfehlen.

In der Hälfte der Klebstoffe stecken bedenkliche Formaldehyd/-abspalter - fünfmal in Gehalten, die zur Abwertung führen. Über die Atemluft aufgenommen, kann Formaldehyd Krebs erregen. Wenn es auf die Haut gelangt, was beim Kleben - vor allem bei Kindern - fast immer der Fall ist, besteht zumindest der Verdacht, dass Form-aldehyd Krebs erregen kann. Außerdem reizt der Stoff die Schleimhäute und kann Allergien auslösen. Besonders hoch ist die Konzentration im Dusyma Klebe-Stick.

In den Produkten von Ökonorm und Jako-O wurden Lösemittel nachgewiesen, die vor allem Haut und Augen reizen können. Im Jako-O Bastelkleber beträgt die Konzentration sogar deutlich mehr als ein Prozent, was unserer Meinung nach in einem als lösemittelfrei ausgelobten Produkt nicht mehr tolerierbar ist. Deshalb werten wir unter Weitere Mängel zusätzlich um zwei Noten ab.

Vier Kleber - darunter drei Klebestifte - enthalten Caprolactam, im Uhu Der Alleskleber ohne Lösemittel wurde Dimethylaminoethanol nachgewiesen. "Diese Stoffe können Haut und Augen reizen und im Falle von Dimethylaminoethanol bei längerem Kontakt auch Allergien auslösen", sagt der Kieler Toxikologe Dr. Hermann Kruse und fordert die Hersteller auf, "den Einsatz dieser Verbindungen deutlich zu reduzieren".

So reagierten die Hersteller

Die Firma Uhu teilte uns mit, dass Dimethylaminoethanol im Uhu Der Alleskleber Ohne Lösungsmittel als Neutralisationsmittel eingesetzt wird und "als Salz gebunden vorliegt". Damit wäre die Verbindung nicht flüchtig und würde die Atemluft nicht belasten. An unserer Bewertung des Klebers ändert sich deshalb aber nichts: "Bei Hautkontakt sind sensibilisierende Effekte nicht auszuschließen", sagt die Würzburger Toxikologin Dr. Angela Mally.



Sekundenkleber entfernen

Wenn Kinder keinen Kleber finden, bedienen sie sich gern mal selbst aus dem Keller, und nicht selten sind am Ende Finger, Lippen oder Augenlider verklebt: "Schuld sind meist Sekundenkleber", sagt Ingrid Koch vom Giftnotruf Berlin. Auf der Haut angetrocknet, sei eine schnelle Ablösung nicht mehr möglich. Experten empfehlen, die Haut wiederholt mit Öl oder Butter einzuschmieren. Bei Augenkontakt sollte die verklebte Stelle mit warmem Wasser ausgespült und unbedingt ein Augenarzt aufgesucht werden.

Gummibärchen als Alternative

Gummibärchen sind nicht nur an den Fingern klebrig - sie geben auch einen guten Klebstoff ab. Denn die enthaltene Gelatine schrumpft beim Trocknen. So geht's: Gummibärchen im Wasserbad bei maximal 60 Grad erwärmen (etwa ein Esslöffel Wasser auf fünf handelsübliche Gummibärchen) und eventuell etwas Wasser hinzufügen, um die Masse geschmeidig zu machen. Sobald die Gummibärchen geschmolzen sind, lässt sich der selbst gemachte Kleber mit einem Pinsel auftragen.

Schrott vom Schreibtisch!

Wer ökologisch korrekt sein will, sollte beim Einkauf von Schulmaterialien nicht haufenweise Plastikschrott anhäufen, der unnötig die Umwelt belastet. Kleber wird in Behältnissen angeboten, die nachfüllbar sind. Häufig sind - alternativ zur Wegwerfvariante - Produkte aus nachhaltigen Materialien erhältlich, zum Beispiel Lineale aus unbehandeltem Holz oder Bleistiftspitzer aus Metall.



So haben wir getestet

Der Einkauf

Wir haben für unseren Test Produkte eingekauft, die sowohl in Privathaushalten wie auch in Kitas und Schulen Verwendung finden - denn dort wird besonders häufig gebastelt und geklebt. Neben den größten Herstellern Henkel (Pritt, Pattex), Uhu und Beiersdorf (Tesa) wurden auch Anbieter für Kita- und Schulbedarf wie Aurednik oder Dusyma berücksichtigt. Im Einkaufswagen landeten Alles-, Bastel- und Vielzweckkleber sowie Klebestifte, also Produkte, die für Papier und Pappe geeignet sind, darunter ein Öko-Kleber, der auf Basis von Wasser und Gemüserohstoffen hergestellt wurde. Auf die Prüfung von als lösemittelhaltig deklarierten Klebstoffen haben wir verzichtet - solche Produkte gehören grundsätzlich nicht in Kinderhände.

Die Schadstoffe

In erster Linie wollten wir wissen, ob als "lösemittelfrei" deklarierte Klebstoffe auch wirklich halten, was sie versprechen. Aber nicht nur das: Laut Technischer Regel für Gefahrstoffe (TRGS) 610 - an der sich die Branche orientiert - bedeutet "lösemittelfrei" lediglich, dass keine flüchtigen organischen Verbindungen enthalten sind, die bis zu einem Siedepunkt von 200 Grad Celsius entweichen. Verbindungen, die weniger leicht verdampfen, bleiben unberücksichtigt. ÖKO-TEST ging bei seiner Untersuchung über diese umstrittene Lösemitteldefinition hinaus: Geprüft wurde auch auf höhersiedende Lösemittel. Sie belasten zwar nicht unmittelbar die Raumluft, Kinder kommen aber trotzdem mit den zum Teil gesundheitsbelastenden Stoffen in Berührung: Sie kleckern sich beim Kleben auf die Finger und die Klebstoffhände wandern zum Mund, oder sie reiben sich damit die Augen. In Klebstoffen werden außerdem Phthalate als Weichmacher eingesetzt. Zur Konservierung wird wasserbasierten Klebern und Klebestiften Formaldehyd beigemischt, auch halogenorganische Verbindungen könnten zu diesem Zweck zum Einsatz kommen. Nachdem wir kürzlich Blei und Cadmium in den Stifthüllen von Filzstiften gefunden hatten, wollten wir wissen, ob die giftigen Schwermetalle auch in den Behältnissen von Klebern ein Problem sind.

Die Bewertung

Nicht nur Bastelkleber - die ganz offiziell als Spielzeug gelten - sondern alle Klebstoffe, die sich lösemittelfrei nennen, sollten frei von gesundheitlich belastenden Stoffen sein. Umstrittene Verbindungen wie Caprolactam, Dimethylaminoethanol oder 2-Ethyl-1-hexanol haben darin genauso wenig etwas zu suchen wie bedenkliche Formaldehyd/-abspalter, die wir besonders streng ahndeten.

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Wir haben 16 Produkte für Sie getestet
Aurednik Schul- und Kindergartenkleber Weißleim
Aurednik

Aurednik Schul- und Kindergartenkleber Weißleim

sehr gut

Collall Öko-Kleber
Collall

Collall Öko-Kleber

sehr gut

Deutsche Post Klebestift
Deutsche Post

Deutsche Post Klebestift

gut

Dusyma Klebe-Stick
Dusyma Kindergartenbedarf

Dusyma Klebe-Stick

befriedigend

Pritt Bastelkleber
Henkel

Pritt Bastelkleber

sehr gut

Pattex Hobby Alleskleber Transparent
Henkel

Pattex Hobby Alleskleber Transparent

befriedigend

Pritt Klebestift
Henkel

Pritt Klebestift

gut

Herlitz Papierbastelkleber
Herlitz

Herlitz Papierbastelkleber

gut

Idena Vielzweckkleber
Iden

Idena Vielzweckkleber

sehr gut

Jako-O  Bastelkleber
Jako-O

Jako-O Bastelkleber

mangelhaft

Hobby Line Bastel Kleber
Kreul

Hobby Line Bastel Kleber

befriedigend

ÖkoNorm Contact Coll Haftkleber Alleskleber
Ökonorm (Naturwarenladen)

ÖkoNorm Contact Coll Haftkleber Alleskleber

gut

Tesa Stick Eco Logo
Tesa

Tesa Stick Eco Logo

gut

Tesa Vielzweckkleber
Tesa

Tesa Vielzweckkleber

befriedigend

Uhu Der Alleskleber ohne Lösungsmittel
Uhu

Uhu Der Alleskleber ohne Lösungsmittel

gut

Uhu Bastelkleber
Uhu

Uhu Bastelkleber

sehr gut