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16 Babyflaschen im Test

Volle Pulle

ÖKO-TEST Januar 2011 | Kategorie: Kinder und Familie | 31.12.2010

16 Babyflaschen im Test

Auch wenn das Baby die Brust bekommt - spätestens mit dem ersten Tee schaffen sich viele Eltern eine Flasche an. Zum Glück sind die meisten Produkte im Test in Ordnung. In zwei Flaschen haben wir noch den bald verbotenen Problemstoff Bisphenol A gefunden.

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In der Antike wurden sie aus Ton hergestellt, später verwendete man bisweilen Kuhhörner oder Bierflaschen, in die ein Baumwolllappen gestopft wurde. Die Rede ist von Babyflaschen. Wenn ein Säugling Babynahrung bekommt, brauchen Eltern sie immer, aber auch, wenn Mama stillt, sollte eine im Haushalt sein. So kann das Kleine auch unterwegs trinken oder Papa mal die Nachtschicht übernehmen.

Praktischerweise bestehen inzwischen die meisten Nuckelflaschen aus bruchsicherem Kunststoff. Pro Jahr werden allein in Deutschland fast sechs Millionen verkauft. Dem können auch die Skandale um Bisphenol A (BPA) nichts anhaben. Die Chemikalie ist Grundbaustein von Polycarbonat, das ist ein stabiler, glasklarer und hitzebeständiger Kunststoff, der untrennbar mit unserem Alltag verwoben ist: Autoteile, Brillengläser, CDs, Spielzeug, Beißringe oder Babyflaschen - überall steckt BPA drin.

ÖKO-TEST hat schon vor gut sieben Jahren nachgewiesen, dass sich BPA aus Babyflaschen lösen kann. Wie gefährlich die Massenchemikalie ist, darüber streiten die Experten. Fest steht aber: BPA hat eine ähnliche Wirkung auf den Körper wie das weibliche Hormon Östrogen. Säuglinge, deren Hormonsystem noch nicht ausgereift ist, kann es besonders stark beeinflussen.

Streit um Bisphenol A

Einige Wissenschaftler warnen, es gebe Hinweise, der Stoff könne auch in kleinster Dosierung bei Babys und Kleinkindern die Hirnentwicklung beeinträchtigen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hält dagegen die im Alltag aufgenommenen Mengen für so gering, dass sie keine Gefahr sieht. Umweltbundesamt (UBA) und Umweltverband BUND werfen der EFSA vor, einseitig von den Interessen der Industrie beeinflusst zu sein.

Erst jetzt hat die EU-Kommission die Notbremse gezogen: Ab März darf BPA nicht mehr für die Herstellung von Babyfläschchen verwendet werden, Verkauf und Import sind ab Juni untersagt. In Frankreich und Dänemark gibt es bereits Verbote, ebenso in Kanada und in mehreren US-Bundesstaaten. Auch die meisten Hersteller haben längst umgestellt. Produkte aus alternativen Kunststoffen werden im Handel als "BPA frei" beworben. Wir haben 16 Flaschen und dazu passende Silikonsauger eingekauft, um zu sehen, ob problematische Stoffe enthalten sind. Außerdem ließen wir sensorisch prüfen, ob die Flaschen auffällig riechen.

Das Testergebnis

Eltern können beruhigt zur Babyflasche greifen. Alle 14 Produkte, die einen Hinweis "BPA frei" tragen, halten, was sie versprechen und sind darüber hinaus auch frei von anderen problematischen Substanzen. Gleiches gilt für die getesteten Sauger, an denen wir - was die Inhaltsstoffe betrifft - rein gar nichts auszusetzen haben.

Keine gute Wahl sind dagegen die beiden Produkte aus Polycarbonat, die Bisphenol A enthalten. Uns ist schleierhaft, warum trotz jahrelanger Diskussion immer noch Polycarbonatflaschen im Handel sind. Das von uns beauftragte Labor hat zudem nachgewiesen, dass sich BPA unter alltagsnahen Bedingungen - etwa durch Reinigung in der Spülmaschine oder Zubereitung in der Mikrowelle - herauslösen und so in Tee oder Milch übergehen kann.

Einige Babyflaschen müffeln etwas nach Kunststoff. Laut Herstellerempfehlung sollen sie vor dem ersten Gebrauch ausgekocht werden, danach ist der Geruch in der Regel kein Problem mehr. Nur bei der Baby-Nova und Mollis Weithalsflasche haben unsere Sensoriktester ein "schwaches Aroma" erschnüffelt. Laut Gesetz ist dies noch kein Grund zur Beanstandung. "Stopp", sagt dagegen die Beauftragte für Stillen und Ernährung des Deutschen Hebammenverbandes, Lisa Fehrenbach: "Gerade Babys sind sehr empfindlich und reagieren sensibel auf ungewohnte Gerüche." Wir werten um eine Note ab.

Nach etwa vier bis acht Wochen sollte ein Sauger ausgewechselt werden. Denkste! Bei der Reer für's Baby Flasche kann man nach einem Ersatzsauger lange suchen - es gibt keinen. Und das nicht nur, weil der Vertrieb der Flasche laut Herstellerangaben eingestellt wurde. Das Unternehmen gab gegenüber ÖKO-TEST zu, nie Ersatzsauger für dieses Fläschchen angeboten zu haben.

Viel Geld für eine Babyflasche ausgeben, das muss nicht sein, eine "sehr gute" Flasche (Babysmile von Schlecker) ist schon für 1,79 Euro zu haben.

So reagierten die Hersteller

Bei den Flaschen handelt es sich um "einen Restbestand", der inzwischen aus dem Verkauf genommen wurde, teilte uns Anbieter Toys'R'Us mit. "Zusätzlich haben wir das Testergebnis zum Anlass genommen, gemeinsam mit den Herstellern alle Artikel dieser Produktgruppe nochmals zu überprüfen um sicherzustellen, dass nur noch BPA-freie Babyfläschchen angeboten werden." Ende November konnte ÖKO-TEST die Polycarbonatflaschen tatsächlich nicht mehr im Handel finden.

Anbieter Reer hat nach eigenen Angaben den Vertrieb der Flasche "bereits 2008 eingestellt. Derzeit werden vermutlich noch einige Flaschen von Babyfachgeschäften angeboten, um deren Lagerbestände abzubauen", so Reer. Wir verstehen allerdings nicht, warum dann auf der Reer-Internetseite weiterhin (bis Redaktionsschluss) Flaschen aus Polycarbonat beworben wurden.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Nuckelflaschen gehören für viele Eltern mit Baby zur Standard-ausrüstung. Spätestens nach dem 4. Monat, wenn zugefüttert wird, bekommen die Kleinen auch Tee oder Wasser aus der Flasche. Entsprechend groß ist die Auswahl in diesem Segment, auch wenn ein Anbieter den deutschen Markt klar dominiert: Branchenriese Mapa (Nuk) haben wir mit den beiden meistverkauften Produkten berücksichtigt. Hinzu kommt die Markenkonkurrenz aus Deutschland (Nip), Österreich (Mam), England (Philips Avent) und die großen Drogerieketten, die jeweils eigene Fläschchen im Sortiment haben. Komplettiert wird unser Testfeld durch eine Reihe von Produkten, die wir im Naturwarenladen, in Babyfachmärkten und auf den Seiten bekannter Internetversandhändler für Baby- und Kinderbedarf gefunden haben. Eingekauft wurden nur bruchsichere Kunststoffflaschen, die im Vergleich zu den Produkten aus Glas deutlich häufiger nachgefragt werden. Inzwischen haben die meisten Anbieter eigene Saugersysteme entwickelt. Deshalb landete zu jeder Flasche noch ein passender Sauger aus Silikon in unserem Einkaufswagen.

Die Schadstoffe

Babyflaschen sind ein heikles Thema, ganz besonders seit der Diskussion um Bisphenol A, das ein Grundbaustein des häufig verwendeten Kunststoffs Polycarbonat ist. Wurde die umstrittene Chemikalie im Labor nachgewiesen, ließen wir zusätzlich untersuchen, ob der Stoff unter gebrauchsnahen Bedingungen aus der Flasche ins Lebensmittel übertreten kann. Aber auch eine Reihe weiterer Substanzen können ein Problem sein: Zum Beispiel giftige Schwermetalle in den farbigen Aufdrucken und Skalierungen der Flaschen oder flüchtige Anteile in den zugehörigen Saugern. Sie können sich im Milchfett lösen sowie durch das Kauen und Saugen des Säuglings.

Die Geruchsprüfung

Der Geruchssinn eines Säuglings ist bereits stark ausgeprägt. Eine Flasche, die riecht, kann deshalb fürs Baby unangenehm beim Trinken sein oder wird im Zweifel erst einmal abgelehnt. Hebammen empfehlen deshalb, nur geruchsneutrale Flaschen zu kaufen. In unserer sensorischen Prüfung beurteilten sechs geschulte Tester das Aroma der Flaschen vor und nach dem Auskochen. Die Aufgabe bestand darin, selbst geringfügige Abweichungen zu einer geruchsneutralen Glasflasche zu identifizieren. Außerdem nahmen wir die Verpackungen und Beipackzettel unter die Lupe. Gebrauchs- und Warnhinweise, die laut Babyflaschennorm vorgeschrieben sind, durften nicht fehlen.

Die Bewertung

Bisphenol A gilt seit Langem als umstritten. Die Hersteller hatten also genug Zeit, umzustellen. Steckt der Stoff trotzdem noch in einer Flasche, werten wir streng ab. Ebenso wenig nachvollziehbar ist aus unserer Sicht, wenn zu einer Flasche kein Ersatzsauger angeboten wird. So müssen Eltern jedes Mal, wenn sie den Nuckel zum Beispiel aus hygienischen Gründen austauschen wollen, gleich eine neue Flasche kaufen. Das kommt nicht nur teurer, sondern sorgt auch für jede Menge unnötigen Plastikmüll. Dafür ziehen wir vier Noten unter Weitere Mängel ab.

Test kostenlos abrufen (PDF)

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Babyflaschen: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Chicco Weithalsflasche Wohlbefinden 150ml, grün
  • Artsana

    sehr gut

Nuby Natural Touch PP-Weithalsflasche 150ml
  • Luv n' Care

    sehr gut

MAM Anti-Colic 260ml Weithalsflasche, blau
  • MAM Babyartikel

    sehr gut

Mollis Weithalsflasche Komplettsatz o. Sauger 250ml, gelb
  • Mollis (Naturwarenladen)

    gut

Reer für's Baby Flasche 250ml, Bärchen, rot
  • Reer

    ungenügend

Avent 260ml Weithalsflasche, weiß
  • Philips

    sehr gut

Beauty Baby Weithalsflasche 330ml, grün
  • Müller Drogeriemarkt

    sehr gut

NUK First Choice Weithals-Flasche 300ml, Disney, rot
  • Mapa

    sehr gut

Nip Babyflasche 250ml, Meeresgrund, blau
  • Nip

    sehr gut

Bruin Babyflasche 250ml, Bären, rot
  • Toys"R"Us

    mangelhaft

Medela Milchflasche 150ml, gelb
  • Medela

    sehr gut

Baby-Nova Weithalsflasche 300ml, Unterwasser
  • Novatex

    gut

Babylove Weithalsflasche 280ml, Safari, grün
  • Dm

    sehr gut

Babysmile Babyflasche 110ml, Flaschenpost, gelb
  • Schlecker

    sehr gut

Babydream Weithalsflasche, Mäuse, rosa
  • Rossmann

    sehr gut

NUK Classic Flasche 240ml, grüner Deckel
  • Mapa

    sehr gut

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Erschienen am 31.12.2010