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Heuschnupfen oder Corona? So erkennen Sie den Unterschied

Autor: Lena Pritzl | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 04.05.2021

Allergiker wissen: Die Heuschnupfen-Saison hat begonnen – aber wie unterscheiden sich Heuschnupfen und Coronavirus?
Foto: Africa Studio/Shutterstock

Mai 2021: Sonnenschein, frühlingshafte Temperaturen, Pollenflug – und noch immer Corona-Pandemie. Viele Heuschnupfen-Geplagte fragen sich, ob ihre Symptome nicht auch auf eine Covid-19-Infektion hindeuten könnten. Wir zeigen, wie Sie eine allergische Reaktion von einer Corona-Infektion unterscheiden können.

  • Die Pollensaison ist bereits wieder im vollen Gange. Gleichzeitig sind die Coronazahlen auf einem hohen Niveau, die Gefahr einer Infektion ist weiter hoch. 
  • Bei Covid-19 gibt es keinen typischen Krankheitsverlauf, die meisten Erkrankten zeigen aber Symptome wie Husten und Fieber.
  • Bei Heuschnupfen, einer allergischen Reaktion, treten hingegen vor allem tränende Augen, Schnupfen, ein starker Niesreiz und ein Kratzen in Hals und Gaumen auf. Die gute Nachricht: Eine Maske kann helfen.

Das Coronavirus und die damit verbundene Gefahr einer Infektion sind auch in diesem Frühjahr präsent. Die Fallzahlen sind in vielen Gebieten Deutschlands hoch. Gleichzeitig geht es mit den Corona-Impfungen nun zügiger voran und Schnelltests sind als Selbsttests oder in Teststationen verfügbar.

Parallel dazu hat die Heuschnupfen-Saison begonnen. Viele Allergiker sind deshalb verunsichert und fragen sich: Wie unterscheide ich Heuschnupfen bzw. eine Pollenallergie vom Coronavirus? Und kann ich mit Heuschnupfen oder Asthma bedenkenlos einen Mundschutz tragen?

Höhere Corona-Infektionszahlen bei starkem Pollenflug?

Münchner Forscher kamen in einer Studie zum Schluss, dass bei starkem Pollenflug in der Außenluft auch die Corona-Infektionszahlen steigen würden. Die besagte Studie wurde im März in einem Fachmagazin veröffentlicht. Die Wissenschaftler hatten darin nach einem statistischen Zusammenhang zwischen der Pollenkonzentration in der Luft, den Wetterbedingungen und den Covid-Infektionszahlen an bestimmten Orten gesucht. Das Team hatte für Ihre Studie Daten aus 130 Regionen in 31 Ländern auf fünf Kontinenten ausgewertet.

Ihr Resümee: An Orten ohne Lockdown-Regelungen stieg die Infektionsrate im Schnitt leicht an, wenn sich die Pollenanzahl um 100 pro Kubikmeter erhöhte. Die Forscher mutmaßen, dass die Körperabwehr bei starkem Pollenflug nur abgeschwächt auf Viren in den Atemwegen reagieren kann. "Wenn viele Pollen fliegen, kann die Zahl der Atemwegserkrankungen daher ansteigen – dies gilt auch für Covid-19", heißt es in einer Pressemitteilung zur Studie.

Leider ist es nicht möglich, sich gegen Pollenflug zu schützen. Die Autoren der Studie ermutigen deshalb Personen aus Risikogruppen, auch im Freien eine FFP2-Maske zu tragen, wenn die Pollenkonzentrationen – so wie jetzt im Frühling – dauerhaft hoch ist. So sollen die Atemwege geschont und das generelle Infektionsrisiko gesenkt werden.

Aber: Der Ärzteverband Deutscher Allergologen zog die genannte Studie in Zweifel. Zwar sei für Erkältungsviren bereits gezeigt worden, dass Pollenallergiker ein erhöhtes Infektionsrisiko haben, so die Fachärzte. Der in der Untersuchung aufgeführte Zusammenhang zwischen Pollenbelastung und Infektionszahlen könne aber rein zufällig entstanden sein.

"Ich glaube nicht, dass die Studie für die Allgemeinbevölkerung eine Aussage über ein erhöhtes Corona-Risiko bei Pollenflug zulässt", so Ludger Klimek, Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen. Die erste Welle 2020 sei vielerorts schlicht mit der Pollensaison zusammengefallen – was aber noch nicht auf Ursache und Wirkung schließen lasse.

Davon unabhängig sollten Patienten, die unter Heuschnupfen oder Asthma leiden, ihre Atemwegserkrankungen auch in der Pandemie ernst nehmen und behandeln. Dann gäbe es auch kein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf bei einer Covid-19-Erkrankung.

Das Coronavirus kurz erklärt

Vorab: Das Robert-Koch-Institut (RKI) beschreibt die Krankheitsverläufe von Covid-19 – die Krankheit, die durch das Coronavirus ausgelöst wird – als unspezifisch, vielfältig und stark variabel. Die Erkrankungen reichten von symptomlosen Verläufen bis zu schweren Lungenentzündungen, die zu Lungenversagen und Tod führen können.

Die häufigsten Symptome bei Covid-19

Neben dem häufig genannten Husten und Fieber sind Schnupfen, Geruchs- und Geschmacksverlust und eine Lungenentzündung weitere Symptome einer Erkrankung mit dem Coronavirus. In einigen Fällen beschrieben Erkrankte auch Atemnot, Halsschmerzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Übelkeit, Bauchschmerzen oder Hautausschlag. Der Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns kann mehrere Wochen anhalten.

Die Britische Coronavirus-Variante führt zu leicht veränderten Symptomen: Husten, Halsschmerzen, Gliederschmerzen und Müdigkeit treten etwas häufiger auf, der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns dagegen etwas seltener. Durchfall und Erbrechen als Symptome wurden ungefähr gleich häufig beobachtet.

Eine Coronavirus-Erkrankung kann aber auch symptomfrei verlaufen, deshalb ist es wichtig, sich nach einem Risikokontakt testen zu lassen. Lesen Sie dazu auch:

Blühende Blumenwiesen bedeuten für Allergiker oft tränende Augen, eine laufende Nase und Halskratzen.
Blühende Blumenwiesen bedeuten für Allergiker oft tränende Augen, eine laufende Nase und Halskratzen. (Foto: CC0 / pixabay / meineresterampe)

Heuschnupfen: Die typischen Symptome

Viele Allergiker spüren es seit Wochen verstärkt: Die Pollensaison ist schon wieder gestaret. Derzeit haben vor allem Birke, Buche, Eiche und Gräser starken Pollenflug.

Heuschnupfen ist eine Überempfindlichkeitsreaktion unseres Körpers gegen Pollen (Blütenstaubteilchen) von Bäumen, Sträuchern, Gräsern oder Getreide. Mit dem Wind verbreiten sich die Pollen schnell und können bei Betroffenen allergische Reaktionen verursachen.

Typische Symptome bei Heuschnupfen sind: Tränende und/oder juckende Augen (ggf. geschwollene Lider), starker Schnupfen (oft Fließschnupfen) und Niesreiz, Kratzen im Hals und am Gaumen sowie Hautreaktionen. Gelegentlich leiden Allergiker auch unter Husten, der sich auch zu allergischem Asthma entwickeln kann. Weniger häufig bei Heuschnupfen sind Kopfschmerzen und Schlafstörungen.

Covid-19 und Heuschnupfen lassen sich unterscheiden, denn die Betroffenen haben verschiedene Symptome.
Covid-19 und Heuschnupfen lassen sich unterscheiden, denn die Betroffenen haben verschiedene Symptome. (Foto: Allergiezentrum Wiesbaden)

Coronavirus und Heuschnupfen unterscheiden

Auf den ersten Blick rufen das Coronavirus und Heuschnupfen bei Betroffenen ähnliche Symptome hervor. "Bei genauerer Beurteilung jedoch ist auch für die Betroffenen eine Unterscheidung recht zuverlässig möglich", erklärt Prof. Ludger Klimek, Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen.

Wer am Coronavirus erkrankt ist, hat fast immer Fieber, bei Heuschnupfen tritt Fieber dagegen selten auf. Pollen-Allergiker leiden sehr oft unter einem starken Niesreiz und Fließschnupfen, bei dem die Nase ständig läuft. Bei Corona-Patienten kommt das selten vor. Auch das typische Augenjucken bei Allergiegeplagten tritt bei einer Corona-Erkrankung in der Regel nicht auf.

(Trockener) Husten und Atemnot sind kniffliger zu beurteilen – diese treten bei beiden Erkrankungen auf, wenn auch häufiger beim Coronavirus.

Wichtig für Patienten mit Inhalationsallergien wie Asthma: Sie müssen ihre verordneten Medikamente konsequent einnehmen. Schlecht kontrollierte Allergiker weisen laut Prof. Klimek ein erheblich höheres Risiko auf, unter einer schweren Form von Covid-19 zu erkranken.

Weiterlesen: Allergie-Medikamente gegen Pollenflug im Test

Maskenpflicht bei Heuschnupfen?

Grundsätzlich gilt weiterhin eine bundesweite Maskenpflicht für den öffentlichen Raum. In öffentlichen Verkehrsmitteln und beim Einkaufen reicht ein einfacher Mund-Nasen-Schutz in vielen Bundesländern wie Bayern nicht aus, hier gilt eine FFP2-Maskenpflicht.

Die Maskenpflicht gilt für alle, auch Menschen mit Heuschnupfen oder Asthma müssen deshalb eine Maske tragen. Atemprobleme sind bei selbstgenähten Schutzmasken eher selten, denn dieser Mundschutz schließt nicht luftdicht ab. Der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) bestätigt, dass das Tragen der Schutzmasken "auch für die meisten Asthma- und chronisch Lungenkranken" problemlos möglich sei.

Eine Maske kann bei Heuschnupfen sogar Vorteile haben: Tragen Heuschnupfen-Geplagte eine Maske, erreichen die Pollen die Schleimhäute in Mund und Nase nicht mehr. Dann können sie dort auch keine Symptome wie Juckreiz oder Niesen auslösen. 

Wer stark an Heuschnupfen leidet und viel niesen muss, sollte die Maske regelmäßig wechseln. Eine durchfeuchtete Maske bietet nur noch einen sehr geringen Schutz – vor Pollen und Coronaviren.

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