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19 Potenzmittel im Test

Hängen gelassen

Ratgeber Gesundheit 10:2010 mit CD | Kategorie: Gesundheit und Medikamente | 03.09.2010

19 Potenzmittel im Test

Bei Potenzschwäche kann Mann zum Arzt gehen - oder im Sexshop nach Abhilfe suchen. Richtige Standfestigkeit gibt es aber nur auf Rezept.

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Viagra ist die Nummer eins - zumindest in der Weltrangliste der Arzneimittelfälschungen. Die Gewinnspanne für Kriminelle ist enorm: So bringt ein Kilo Viagra auf dem Schwarzmarkt rund 90.000 Euro, während die gleiche Menge Kokain bereits für 65.000 Euro zu haben ist, hat die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ABDA ausgerechnet. Kein Wunder also, dass der Zoll immer wieder fündig wird: "10.000 Viagra-Tabletten sichergestellt", meldete das Hauptzollamt München im Januar 2009, gut ein Jahr später entdeckten die Fahnder im Gepäck eines österreichischen Frührentners 4.000 der blauen Tabletten.

Wer als Mann ein gefälschtes Potenzmittel schluckt, bei dem passiert im Zweifelsfall gar nichts - mal abgesehen vom weiter sinkenden Selbstvertrauen. Dabei gelten Erektionsstörungen inzwischen als klassische Zivilisationskrankheit, deren Häufigkeit mit zunehmendem Alter steigt: Gut zwei Prozent der 20- bis 30-Jährigen bis hin zu jedem zweiten 70-Jährigen dürften in unterschiedlichem Ausmaß davon betroffen sein. Herzerkrankungen, Diabetes und Bluthochdruck erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Erektionsstörung.

Bis vor einigen Jahren ging man in der Mehrzahl der Fälle von psychischen Ursachen für die Erkrankung aus. Davon sind nach der Einführung neuer diagnostischer Methoden nur noch bis zu 30 Prozent übrig geblieben, wohingegen 50 bis 80 Prozent aller Erektionsstörungen jetzt organischen Ursachen und 20 Prozent Mischformen zugeschrieben werden. Dementsprechend unterscheiden sich auch die Behandlungsmöglichkeiten, die von der Psychotherapie über Erektionshilfesysteme wie Vakuumpumpen bis hin zu operativen Therapien reichen. Vorwiegend wird mit Medikamenten behandelt, was jedoch nur dann möglich ist, wenn sich die glatte Muskulatur der Schwellkörper noch nicht zurückgebildet hat oder deren Gefäße noch nicht degeneriert sind.

ÖKO-TEST hat 19 Potenzmittel eingekauft: in Apotheken acht rezeptpflichtige Arzneimittel und zwei ergänzend bilanzierte Diäten gegen Erektionsstörungen, in Erotikshops neun Nahrungsergänzungsmittel, die eine Bereicherung des Liebeslebens versprechen. Bei den Arzneimitteln haben wir nach Wirksamkeits-, bei den anderen Produkten nach Nutzenbelegen gesucht. Zudem hat unser wissenschaftlicher Berater einen kritischen Blick auf die Deklaration geworfen.

Das Testergebnis

Hilfe gibt es nur auf Rezept: Während die Wirksamkeit der meisten rezeptpflichtigen Arzneimittel belegt ist, taugen die Präparate aus dem Sexshop bestenfalls als Gag, da es an Nutzenbelegen mangelt.

Die Arzneimittel im Test sind alle rezeptpflichtig und zur Anwendung bei Männern vorgesehen. Die Wirkstoffe Sildenafil (Viagra), Tadalafil (Cialis) und Vardenafil (Levitra) zählen zur Gruppe der sogenannten PDE-5-Inhibitoren, von denen belegt ist, dass sie die Erektion fördern können. Sie hemmen ein Enzym, das den Penis wieder abschwellen lässt. Menschen, die gleichzeitig nitrathaltige Arzneimittel zur Vorbeugung von Brustenge (Angina pectoris) einnehmen, dürfen die Präparate nicht einnehmen, da die Kombination zu einem lebensbedrohlichen Blutdruckabfall führen kann.

Bei dem Wirkstoff Alprostadil handelt es sich um ein körpereigenes Prostaglandin. Dieser Botenstoff wirkt stark entspannend auf die glatte Muskulatur der Schwellkörper im Penis. In der Folge steigt dessen Durchblutung, er schwillt an und die Erektion nimmt ihren Lauf. Die Wirksamkeit gilt als belegt. Alprostadil muss allerdings vor Ort verabreicht werden: entweder per Spritze in die Schwellkörper oder per Applikator in die Harnröhre. Die Präparate bleiben daher für Männer reserviert, bei denen Tabletten unwirksam oder wegen Nebenwirkungen nicht angezeigt sind.

Yohimbin ist ein natürlicherweise in der Rinde des Yohimbebaumes vorkommendes Alkaloid, das in der Vergangenheit häufig als Aphrodisiakum verwendet wurde. In Tablettenform kommt Yohimbin in erster Linie bei Patienten mit leichten Erektionsstörungen zur Anwendung. Allerdings ist die Studienlage widersprüchlich, weshalb wir die Wirksamkeit der Präparate nur als teilweise belegt einstufen.

Die ergänzend bilanzierten Diäten eignen sich laut Anbieter zur Behandlung von Gefäßverengungen und Erektionsstörungen. Beide Produkte enthalten als maßgeblichen Inhaltsstoff die Aminosäure Arginin. Der Körper setzt aus Arginin Stickstoffmonoxid (NO) frei, das eine wesentliche Rolle bei der Blutdruckregulation spielt, indem es die Gefäße erweitert. Bislang liegen jedoch nur kleinere Studien vor, die zwar tendenziell positive Effekte bei leichten Erektionsstörungen zeigen, aber nach Auffassung unseres wissenschaftlichen Beraters die Wirksamkeit noch nicht belegen.

Die Nahrungsergänzungsmittel setzen auf anregendes Koffein aus Guarana und Colanüssen, verschiedene Pflanzenextrakte, Vitamine und Mineralstoffe und Rinderhodenextrakt. Die Versprechungen sind überaus blumig und reichen vom "Elixier zur Entfaltung Eurer Leidenschaft" (Sexotic, Tropfen) über die "belebende Unterstützung der Erotik" (Libovit Magnat Silver, Dragees) bis zum "Geheimnis des Spanischen Feuers: Gebratene Stierhoden" (Eumel-Bull-Kraft NE, Dragees). Nur: Nutzenbelege gibt es für all diese Aussagen nicht. Zudem ist zu fragen, warum man seine Nahrung mit Rinderhoden ergänzen sollte - Hirn zu essen macht schließlich auch nicht schlauer.

Wie so häufig wurden den Produkten Vitamine und Mineralstoffe mal wieder nach dem Gießkannenprinzip beigegeben. Bei drei Präparaten ist zudem die Deklaration zu bemängeln. Ganz und gar zweifelhaft sind dabei die viagrablau gefärbten Power Tabs Kapseln, die für unseren Einkäufer unterm Ladentisch hervorgeholt wurden. Das Präparat eines Anbieters aus Estland - so zumindest der Aufdruck auf der Verpackung - soll eine Reihe von Pflanzenextrakten enthalten, die im weitesten Sinne als Aphrodisiaka aus Ostasien bekannt sind.

So reagierten die Hersteller

Die Firma Joydivision/Eropharm distanzierte sich von unserem Test: "Unsere Produkte sind keine Potenzmittel!" Es handele sich lediglich um Nahrungsergänzungsmittel, welche fehlende Nahrungsbestandteile ergänzen, denen man aber keine potenzfördernden Eigenschaften zuspreche. Nur: Warum sollte man sonst ein "Elixier zur Entfaltung Eurer Leidenschaft" (Sexotic) oder "Liebes-Tropfen für Eure leidenschaftlichen Nächte" (Obsession Impulse) kaufen?

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Potenzmittel: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Yxes, Brausetabletten
  • Alpenmed

    mangelhaft

Obsession impulse, Tropfen
  • Eropharm

    mangelhaft

Power Tabs Kapseln
  • Herbmax

    ungenügend

Spanische Liebestropfen
  • Milan

    mangelhaft

Sexotic, Tropfen
  • Eropharm

    mangelhaft

Euviril Starterpack, Kapseln und Brausetabletten
  • Alpenmed

    mangelhaft

Caverject Impuls 10 µg, Injektionslösung
  • Pfizer Pharma

    sehr gut

Viridal 10 µg, Starter Set Injektionslösung
  • Schwarz Pharma

    sehr gut

Okasa NE, Dragees
  • Cheplapharm

    ungenügend

Guarana Plus, Tropfen
  • Eropharm

    mangelhaft

Yocon-Glenwood, Tabletten 5 mg
  • Glenwood

    befriedigend

Eumel-Bull-Kraft NE, Dragees
  • Cheplapharm

    ungenügend

Levitra 10 mg, Filmtabletten
  • Bayer Schering Pharma

    sehr gut

Muse 250 Mikrogramm, Einmalapplikatoren
  • Meda Pharma

    sehr gut

Cialis 10 mg Tadalafil, Filmtabletten
  • Lilly Deutschland

    sehr gut

Penisex Kraft-Kapseln
  • Joydivision

    ungenügend

Yohimbin "Spiegel", Tabletten
  • Desma

    befriedigend

Viagra 25 mg, Filmtabletten
  • Pfizer Pharma

    sehr gut

Libovit Magnat Silver, Dragees
  • Joydivision

    mangelhaft

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Erschienen am 03.09.2010