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12 Mittel gegen Bindehautentzündung im Test

ÖKO-TEST November 2010
vom 29.10.2010

12 Mittel gegen Bindehautentzündung im Test

Schaun mer mal

Die Bindehautentzündung ist die häufigste Erkrankung des Auges. Für einfache Fälle stehen Präparate bereit, die die Symptome lindern können. Viele enthalten aber immer noch problematische Konservierungsstoffe.

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29.10.2010 | Wer ist nicht schon einmal morgens mit verklebten Lidern aufgewacht? Nach dem Waschen ist das Problem zwar meist behoben, zurück bleiben aber oft tränende, gerötete Augen und das Gefühl, einen Fremdkörper im Auge zu haben - nur zu finden ist vor dem Spiegel nichts.

So äußert sich typischerweise eine Bindehautentzündung, fachsprachlich Konjunktivitis. Die Ursachen sind vielfältig: Bei den ansteckenden Formen können Bakterien, Viren oder Pilze ins Auge eingedrungen sein. Die Übertragung erfolgt häufig durch direkten Kontakt, etwa indem man sich mit verkeimten Händen an den Augen reibt.

Allergische Reaktionen auf Pollen, Hausstaub oder Make-up führen zur nicht ansteckenden Variante, ebenso Umweltreize wie blendendes Sonnenlicht, Staub und Chemikalien. Aber auch bestimmte Erkrankungen können mit einer Bindehautentzündung einhergehen: Schuppenflechte, ein akuter Glaukomanfall (Grüner Star), Entzündungen der Hornhaut.

Aus diesen Gründen raten Augenärzte, jeden Verdacht auf eine Bindehautentzündung ärztlich abklären zu lassen. "Eine rotes Auge ist das einfachste und schwierigste Symptom zugleich", erklärt Dr. Georg Eckert vom Berufsverband der Augenärzte Deutschlands. "Das Auge hat keine andere Möglichkeit sich zu wehren, wenn etwas nicht stimmt. Unbehandelt oder falsch behandelt, können Entzündungen zu Vernarbungen der Hornhaut des Auges führen, die die Sehfähigkeit einschränken", warnt Eckert.

Ein rotes Auge ist das einfachste und schwierigste Symptom zugleich

Am häufigsten verursachen äußere Reize wie Zugluft, Staub, Rauch oder gechlortes Wasser eine Bindehautentzündung. Dann ist dem Auge vor allem damit geholfen, die Ursachen abzustellen, zum Beispiel das Gebläse im Auto nicht mehr auf den Kopf zu richten. Im Normalfall ist eine solche einfache, nicht infektiöse Bindehautentzündung nach zwei bis fünf Tagen ausgestanden.

Stellt der Arzt jedoch eine bakterielle Infektion fest, wird er in Abhängigkeit vom Erreger spezielle Antibiotika verordnen, die lokal am Auge eingesetzt werden. Sind hingegen Viren die Auslöser, lassen sich lediglich die Symptome bekämpfen, beispielsweise mit künstlichen Tränen oder kalten Kompressen. Diese können auch bei einer allergischen Bindehautentzündung Erleichterung bringen.

ÖKO-TEST hat zwölf Mittel gegen nicht infektiöse Bindehautentzündungen und Augenreizungen eingekauft: elf Arzneimittel und ein Medizinprodukt. In allen Fällen handelt es sich um Tropfen, die in den Bindehautsack geträufelt werden. Unseren wissenschaftlichen Berater, Professor Manfred Schubert-Zsilavecz von der Uni Frankfurt, haben wir mit der Begutachtung der Präparate beauftragt.

Das Testergebnis

... treibt Tränen in die Augen: Nur zwei Produkte erhalten ein "sehr gut" oder "gut". Die Hälfte aller getesteten Präparate fällt jedoch mit "mangelhaft" oder "ungenügend" glatt durch.

Die Daueranwendung der Weißmacher kann in einen langwierigen Teufelskreis führen

Zehn der elf Arzneimittel im Test enthalten als Wirkstoffe Alpha-Sympathomimetika (Xylometazolin, Tetryzolin, Tramazolin, Naphazolin und Phenylephrin). Diese Substanzen wirken gefäßverengend. Rötungen und Schwellungen gehen zurück - daher auch der Begriff "Weißmacher" -, was wiederum das Reiz- und Fremdkörpergefühl verringert. Es handelt sich um eine rein symptomatische, belegte Wirkung, die fast unmittelbar nach der Anwendung eintritt.

Die Anwendungsdauer sollte maximal eine Woche nicht überschreiten, da die Bindehautentzündung sonst kein Ende nimmt. Der Grund: Wenn die gefäßverengende Wirkung nachlässt, reagiert der Organismus mit einer verstärkten Durchblutung der Bindehautgefäße, woraufhin nachgeträufelt wird und ein Teufelskreis entsteht. Im Beipackzettel von drei Präparaten vermissen wir entsprechend konkrete Angaben zur Anwendungsdauer, wofür wir eine Note abziehen. Aussagen wie "einige Tage" (Biciron Augentropfen, Flasche) sind uns zu unpräzise.

Ein Arzneimittel, die Sophtal-POS N Augentropfen, Flasche, enthält Salicylsäure. Diese kann zwar antientzündlich wirken, fraglich ist aber, ob mit einer wässrigen Zubereitung überhaupt ausreichende Wirkstoffkonzentrationen am Ort des Geschehens erreicht werden können oder die Lösung nicht vorher schon wieder ausgepült wird. Die uns vom Anbieter zugeschickte Studie reicht uns als Wirksamkeitsbeleg nicht aus.

Das Medizinprodukt im Test, die Ophtal Z Augentropfen, Flasche, enthalten Zinksulfat. Zinkionen wirken entzündungshemmend. Laut Gebrauchsinformation sollen die Tropfen Eiweiße binden und einen abdichtenden Schutzfilm auf der Augenoberfläche bilden. Aussagekräftige Studien, die einen Nutzen belegen, fehlen allerdings.

Es ist unverständlich, warum immer noch konservierte Augentropfen am Markt sind

Da hinter einer Augenreizung oder -rötung immer auch eine ernste Augenerkrankung stecken kann, sollte vor der Anwendung der Präparate auf alle Fälle immer ein Augenarzt befragt werden. Bei zwei Arzneimitteln und bei dem Medizinprodukt im Test fehlt ein entsprechender Hinweis in der Gebrauchsinformation.

Bei einer speziellen Augenerkrankung, dem Engwinkelglaukom, dürfen Alpha-Sympathomimetika nicht angewendet werden, weil sie den Augeninnendruck weiter erhöhen können. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie koronarer Herzkrankheit oder Bluthochdruck ist auf alle Fälle vor der Anwendung ein Arzt zu befragen, weil sich die gefäßverengende Wirkung negativ auf die Erkrankung auswirken kann. Entsprechende Hinweise sind in den Beipackzetteln aufgeführt. Auch die Altersbeschränkungen sind vorhanden: Tropfen mit dem Wirkstoff Xylometazolin dürfen nicht bei Kindern unter zwölf Jahren, die anderen Alpha-Sympathomimetika nicht bei Kleinkindern und Säuglingen angewendet werden. Hier besteht bei unsachgemäßer Anwendung die Gefahr von Atemstörungen.

Die Mehrzahl der Produkte im Test ist immer noch konserviert. Das ist zwar einerseits sinnvoll, um die Flüssigkeit auch nach Anbruch möglichst keimarm zu halten. Andererseits aber können alle Konservierungsstoffe den Augen mehr oder weniger stark zusetzen. Benzalkoniumchlorid kann Reizungen am Auge hervorrufen und die Hornhaut schädigen. Die halogenorganische Verbindung Chlorhexidin kann allergisierend wirken. Borsäure und Borate werden vor allem als Puffersubstanzen eingesetzt. Sie wirken nur schwach gegen Bakterien und Pilze. Andererseits handelt es sich um Zellgifte, die durch die Haut in den Körper dringen können. Die genannten Substanzen werden um zwei Noten abgewertet. Natriumedetat ist kein Konservierungsmittel im eigentlichen Sinne. Es wird häufig in Kombination mit den erstgenannten Substanzen eingesetzt, um deren Wirkung zu unterstützen, indem es Metallionen bindet, die die Mikroben zum Wachsen benötigen. Da es unter Umständen Zellmembranen verändern kann, werten wir hier um eine Note ab. Die Verwendung von Konservierungsmitteln in Augentropfen gilt in den meisten Fällen als unnötig und überholt. Die Alternative sind konservierungsmittelfreie Produkte in Einzeldosisbehältnissen.



Lidrandentzündungen

Gerötete, geschwollene und vor allem morgens verkrustete Lider kennzeichnen eine Lidrandentzündung. Ursache ist häufig eine verstärkte Talgproduktion und die vermehrte Sekretbildung in den Liddrüsen. Wichtig ist eine regelmäßige Lidrandhygiene. Dazu werden zunächst warme Kompressen (ein mit lauwarmem Wasser getränktes Tuch) für fünf Minuten auf die geschlossenen Lider gelegt. Nun werden Ober- und Unterlid mit dem Finger oder einem Wattestäbchen in Richtung der Wimpern massiert. So wird das ölige Sekret aus den Drüsen gedrückt. Verkrustungen im Bereich der Augenlider werden mit feuchten Wattestäbchen entfernt.

Vorsorgeuntersuchungen

Ob Grüner Star, Makuladegeneration oder Netzhautdegeneration: Vorsorgeuntersuchungen in der Augenheilkunde erstatten die gesetzlichen Krankenkassen schon seit Jahren nicht mehr. Viele Augenärzte bieten die Untersuchungen als individuelle Gesundheitsleistungen an, die der Patient privat zahlen muss. Auch die Brillenberatung, beispielsweise für eine Lesebrille, ist keine Kassenleistung. Eine Glaukomfrüherkennung, empfehlenswert für Personen ab 40 Jahre, kostet rund 20 Euro, bei Cortison-Behandlungen und für Diabetiker mit Netzhautveränderungen ist sie kostenlos.

Initiative Auge

Die gemeinnützige Initiative Auge (www.initiative-auge.de) kritisiert generell Konservierungsstoffe in Augentropfen und hat dazu eine Petition bei der EU eingereicht. In der Antwort des Europaparlaments heißt es zwar einerseits, dass Konservierungsstoffe in bestimmten Fällen unverzichtbar sein können und einen medizinischen Zweck erfüllen. Andererseits "sollten Pharmafirmen ermutigt werden, wann immer möglich Präparate ohne Konservierungsstoffe zu entwickeln". Weitere Kritierien für eine sichere Verwendung von Konservierungsstoffen sollten definiert werden.

Fremdkörper im Auge

Ein Sandkorn, ein Insekt oder auch einfach eine Wimper: Schnell ist ein Fremdkörper ins Auge gelangt. Das tut weh und das Auge beginnt zu tränen und zu blinzeln, um den Eindringling möglichst schnell herauszuspülen. Fast reflexartig beginnt man zu reiben. Dabei besteht allerdings die Gefahr, die Hornhaut zu verletzen, falls es sich tatsächlich um einen harten, kantigen Fremdkörper handelt. Besser ist der Versuch, ihn mit einem frischen Taschentuch vom heruntergezogenen Unterlid aufzunehmen, ohne dabei die Hornhaut zu berühren. Gelingt dies nicht, sollte ein Augenarzt aufgesucht werden.



So haben wir getestet

Der Einkauf

Gereizte Augen sind ein häufig anzutreffendes Phänomen, gegen das die Apotheken rezeptfreie Präparate anbieten. Wir haben die wichtigsten Mittel namhafter Hersteller in den Test aufgenommen, allesamt Augentropfen.

Inhaltsstoffe und Deklaration

Unseren wissenschaftlichen Berater, Professor Manfred Schubert-Zsilavecz, pharmazeutischer Chemiker an der Goethe-Universität Frankfurt, haben wir mit der Begutachtung der Mittel beauftragt. Dabei ging es insbesondere um die Frage, ob die Wirksamkeit der Präparate belegt ist. Die Gebrauchsinformation haben wir vor allem im Hinblick auf Hinweise zur richtigen Anwendung, Gegenanzeigen, Anwendungsbeschränkungen sowie die Inhaltsstoffe unter die Lupe genommen. Beispielsweise ist bei Präparaten mit einem Alpha-Sympathomimetikum als Wirkstoff grundsätzlich Vorsicht angeraten, wenn der Patient bereits am Grünen Star (Glaukom) leidet. Auch für Herz-Kreislauf-Erkrankte oder Bluthochdruckpatienten gelten bestimmte Anwendungsregeln - genau wie für Kinder. Wir ließen die Beipackzettel daraufhin durchchecken. Zudem haben wir geschaut, ob und wie die Produkte konserviert sind. Schließlich müssen Augenarzneimittel keimfrei angewendet werden. Doch Konservierungsmittel können auch nachteilige Wirkungen am Auge entfalten.

Die Bewertung

Die wichtigste Frage bei Arzneimitteln ist, ob die Wirksamkeit für das beanspruchte Anwendungsgebiet belegt ist. Ist die Wirksamkeit beziehungsweise bei Medizinprodukten der Nutzen nicht ausreichend nachgewiesen, gibt es vier Noten Abzug. Streng - wenn auch nicht so streng wie bei den Mitteln zur Behandlung des trockenen Auges - sind wir auch mit den Konservierungsmitteln ins Gericht gegangen. Deren Verwendung ist häufig nicht mehr notwendig. Die differenzierte Bewertung beruht auf der unterschiedlich langen Anwendungsdauer: Mittel gegen Bindehautentzündung werden kurzfristig eingesetzt, das trockene Auge erfordert oftmals eine langfristige Behandlung.

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