Wraps im Test: Pestizide und Mineralöl sind ein Problem

Magazin Juli 2024: Naturjoghurt | Autor: Lisa Hitschler/Julia Dibiasi/Ann-Cathrin Witte | Kategorie: Essen und Trinken | 11.07.2024

Welche der 19 Wraps im Test überzeugen?
Foto: Anna_Pustynnikova/Shutterstock

In unserem Test von 19 Wraps auf Basis von Weizenmehl fallen einige wegen Verunreinigungen mit Mineralölbestandteilen oder Pestizidrückständen durch. Auch in der Kritik: Umstrittene Zusatzstoffe.

  • Im Test: 19 Wraps auf Basis von Weizenmehl, darunter zwei Bio-Produkte.
  • Resultat: Lediglich fünf Produkte sind mit "sehr gut" oder "gut" empfehlenswert. 
  • Wir bemängeln jeodch Mineralölbestandteile und Pestizidrückstände. Außerdem in der Kritik: zu hohe Salzgehalte und unnötige Zusatzstoffe.

Wraps oder Tortillas: Gibt es einen Unterschied?

Mehl, Wasser, etwas Öl und gegebenenfalls eine Prise Salz – viel mehr braucht man eigentlich nicht, um Wraps selbst herzustellen. Eigentlich heißen Wraps auch gar nicht Wraps, sondern Tortillas und bestehen aus Weizen- oder Maismehl. Wrap ist eigentlich nur das Wort für die Funktion der weichen Fladen.

Denn "to wrap" bedeutet aus dem Englischen übersetzt so viel wie "einwickeln". Man wickelt also Zutaten nach Wahl in einem Tortillafladen ein. Allerdings werden die Bezeichnungen Tortilla und Wrap hierzulande meist synonym verwendet. Deswegen reden wir in diesem Test von Wraps. 

Nur fünf Wraps im Test sind empfehlenswert

Insgesamt 19 solcher Produkte haben wir in Discountern, Super- und Biomärkten eingekauft. Was fällt auf? Die Zutatenlisten der von uns getesteten Produkte sind deutlich länger als das oben genannte Grundrezept und weisen teilweise auffällig viele E-Nummern auf. Wir wollten daher genau wissen, was in den beliebten Teigfladen steckt, und haben sie zur Analyse in verschiedene unabhängige Labore geschickt.

Das Ergebnis: Na ja. Nicht mal ein Drittel der Produkte im Test können wir empfehlen, acht Wraps fallen mit "mangelhaft" oder "ungenügend" durch. Die Hauptprobleme: Verunreinigungen mit Mineralölbestandteilen und Rückstände von Pestiziden

Mineralölbestandteile in vielen der überprüften Wraps

Fangen wir mit den Mineralölbestandteilen an. Nur zwei Wraps im Test weisen keine Verunreinigungen mit Mineralölbestandteilen auf, die beispielsweise durch Kontakt mit maschinellem Schmieröl entstehen können. In allen anderen Wraps hat das von uns beauftragte Labor solche Stoffe nachgewiesen. Dabei handelt es sich teils um geringe Mengen, die wir nicht abwerten, und teils aber auch um stärkere Verunreinigungen, für die wir bis zu fünf Noten abziehen.

Grob kann man Mineralölbestandteile in zwei Gruppen aufteilen: gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH/MOSH-Analoge) und aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH). Während Erstere sich im Körper anreichern, wo sie wohl eine der größten Verunreinigungen darstellen, gelten manche MOAH-Verbindungen als krebserregend.

MOAH hat das Labor nur in einem Produkt nachgewiesen. Der betroffene Hersteller hat auf unseren Test reagiert und die betroffene Charge aus dem Verkauf genommen. 

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Bedenkliche Pestizidrückstände in Wraps im Test

Das beauftragte Labor hat zudem Rückstände von Pestiziden und/oder Wirkverstärkern in 18 der 19 Wraps nachgewiesen. Diese Rückstände sind in der gefundenen Konzentration nicht akut giftig. Allerdings ist über die Wechselwirkung mehrerer solcher Pestizide untereinander auch im Spurenbereich bislang wenig bekannt.

Da wir gesundheitliche Risiken somit nicht sicher ausschließen können, bemängeln wir Wraps mit Mehrfachrückständen von Pestiziden und/oder Wirkverstärkern. Das betrifft im Test elf Produkte. 

Zusätzlichen Notenabzug gibt es für Rückstände von Pestiziden, die wir als besonders bedenklich einstufen. Dazu zählen beispielsweise Deltamethrin und Pirimiphos-methyl. Denn beide Insektizide gefährden wichtige Bestäuber wie Bienen. Das Pestizid-Aktions-Netzwerk (PAN) stuft beide Verbindungen daher als hochgefährlich ein.

Glyphosat in der Kritik

Als besonders bedenklich stufen wir darüber hinaus Glyphosat ein. Denn, obwohl das Pestizid in der EU weiter zugelassen ist, räumte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bei der Bewertung von Glyphosatrückständen in Lebensmitteln und ihren möglichen Gesundheitsrisiken Datenlücken ein.

Außerdem stuft die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) den Unkrautvernichter weiter als "wahrscheinlich krebserregend" beim Menschen ein. Wir können ein Risiko nicht sicher ausschließen und kritisieren Glyphosat darüber hinaus, weil es die Artenvielfalt bedroht.

In zwei Wraps steckt zu viel Salz

Was ist sonst noch im Test aufgefallen? Zweimal bewerten wir den Salzgehalt als zu hoch. Salz, oder genauer: Natriumchlorid, braucht der Körper zwar, aber nur in Maßen. Denn während Natrium für ein funktionierendes Muskel- und Nervensystem wichtig ist, kann übermäßiger Salzkonsum das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck erhöhen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt daher, täglich höchstens sechs, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sogar nur fünf Gramm Salz zu sich zu nehmen. In Finnland müssen (halb-)fertige Lebensmittel ab einem gewissen Salzgehalt daher einen Warnhinweis tragen.

Für Knäckebrot liegt dieser bei 1,6 Gramm. Wir orientieren uns an diesem Wert, weil es speziell für Wraps keine eigene Kategorie gibt. Bezogen auf 100 Gramm Wraps liegen die beiden betroffenen Produkte über diesem Wert. Das werten wir aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes ab. 

Vegan, Vegetarisch oder mit Fleisch: In Wraps lässt sich (fast) alles packen, was einem schmeckt.
Vegan, Vegetarisch oder mit Fleisch: In Wraps lässt sich (fast) alles packen, was einem schmeckt. (Foto: Nina Firsova/Shutterstock )

Unerwünschte Zusatzstoffe im Fokus

Kommen wir noch mal auf die auffällig vielen E-Nummern zu sprechen, die uns bereits beim Einkauf der Testprodukte stutzig gemacht haben. Vor allem zwei von ihnen sehen wir kritisch:  

  • E 450: Hinter der Nummer verbirgt sich das Backtriebmittel Diphosphat. Ein Zuviel an mit der Nahrung aufgenommenen Phosphatverbindungen kann die Nieren schädigen.
  • E 466: Auch unter dem Namen Natrium-Carboxymethylcellulose bekannt. In Lebensmitteln kommt der Zusatzstoff als Stabilisator und Verdickungsmittel zum Einsatz. Das Problem: Studienergebnisse legen nahe, dass Carboxymethylcellulose langfristig die Darmgesundheit beeinträchtigt. 

Darum müssen Zusatzstoffe nicht sein

Übrigens: Auf unsere Nachfrage, warum die Wraps überhaupt so viele Zusatzstoffe enthalten, antworteten uns einige Hersteller, dass es diese brauche, um die Produktqualität hinsichtlich Textur, Geschmack und Haltbarkeit zu gewährleisten. Doch ein Bio-Produkt, dass mit einer Zutatenliste ohne E-Nummern auskommt, zeigt: Es geht auch anders.

Zu guter Letzt verteilen wir auch Minuspunkte für aus unserer Sicht unnötige Zusätze an Vitaminen sowie Eisen. Diese lassen sich bei einer gesunden und ausgewogenen Ernährung auf natürlichem Wege aufnehmen. Darüber hinaus soll Aroma da nachhelfen, wo die natürlichen Zutaten nicht ausreichen. 

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Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Insgesamt haben wir 19 Wraps bzw. Tortillas auf Basis von Weizenmehl getestet, darunter zwei Bio-Produkte. Eingekauft haben wir diese in Discountern, Super- und Bio-Märkten zu Preisen zwischen 16 und 83 Cent pro Stück.

Untersucht wurden Acrylamidgehalte, Rückstände von Schimmelpilzgiften (Mykotoxinen) und Pestiziden, darunter Glyphosat sowie die Wachstumsregulatoren Chlormequat und Mepiquat. Ebenfalls analysieren ließen wir, ob die Wraps Kontaminanten wie Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH/MOSH-Analoge/MOAH) enthielten. Wir ließen bei allen Produkten die Salzgehalte bestimmen und haben diese mit den deklarierten Werten abgeglichen. Weiterhin haben wir zugesetzte Vitamine, Mineralstoffe, Aromen und Zusatzstoffe wie Carboxymethylcellulose oder Diphosphate nach Deklaration erfasst.

Bewertungslegende

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt; zugrunde gelegt werden die gemessenen Gehalte. Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen "nein", bedeutet das "unterhalb der Bestimmungsgrenze" der jeweiligen Testmethode. Bei Richt- und Orientierungswerten handelt es sich um rechtlich nicht bindende Werte, die eingehalten werden sollten, während rechtlich bindende Grenzwerte eingehalten werden müssen. MOSH/MOSH-Analoge beinhalten gegebenenfalls auch POSH (Polyolefin Oligomeric Saturated Hydrocarbons), PAO (Poly Alpha Olefins) und MORE (Mineral Oil Refined Products). Gewichtsangaben wurden kaufmännisch gerundet.

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um fünf Noten: ein gemessener Gehalt an aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen von mehr als 1 mg/kg (in Tabelle: "MOAH über Richtwert"). Dies entspricht dem (im Mai 2022 vorgeschlagenen) Richtwert für Lebensmittel mit höherem Fett-/Ölanteil (> 4 Prozent und ≤ 50 Prozent) der Europäischen Kommission. Zur Abwertung um vier Noten führt: ein gemessener Gehalt an gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH/MOSH-Analoge) der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 4 mg/kg (in Tabelle: "stark erhöht"), sofern nicht schon wegen MOAH um fünf Noten abgewertet wurde. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein gemessener Gehalt an gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH/MOSH-Analoge) der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 2 bis 4 mg/kg (in Tabelle: "erhöht"); b) der Zusatz von Eisen. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein bis zwei als besonders bedenklich eingestufte Pestizide in gemessenen Gehalten von mehr als 0,01 mg/kg. Als besonders bedenklich werden Pestizide eingestuft, wenn sie beim Pestizid-Aktions-Netzwerk (PAN) gelistet sind (Stand: März 2021; in Gruppe 2 oder Gruppe 3 als bienentoxisch oder sehr bioakkumulierend und sehr persistent in Wasser, Böden oder Sedimenten), nach EU-Datenbank oder CLP-Verordnung (ECHA) als vermutlich kanzerogen oder reproduktionstoxisch eingestuft sind (hier: Deltamethrin, Glyphosat, Pirimiphos-methyl); b) ein Mehrfachrückstand von zwei bis sechs Pestiziden und/oder Wirkverstärkern; c) ein deklarierter Salzgehalt von mehr als 1,6 g pro 100 g (in Tabelle: "Salz erhöht"); d) der Zusatz von Vitaminen (hier: Niacin, Thiamin); e) natürliches Aroma; f) Carboxymethylcellulose; g) Phosphate.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: Deklarierter Salzgehalt weicht um mehr als ± 20 Prozent vom analysierten Salzgehalt ab, wenn der Salzgehalt ≥ 1,25 g pro 100 g beträgt, oder um mehr als 0,375 g, wenn der Salzgehalt unter 1,25 g pro 100 g liegt.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Testmethoden

MOAH, MOSH, MOSH-Analoge: nach DIN EN 16995:2017-08 mod.; die Modifikation betrifft die Verseifung und eine andere Matrix; Messung mittels LC-GC/FID. Zur Quantifizierung der MOAH-Fraktion wurde gegebenenfalls zusätzlich eine Messung mittels GCxGC-FID durchgeführt. (Bestimmung im homogenisierten Probenmaterial aus drei Packungen).
Natrium: Aufschluss nach DIN EN 13805:2014-12. Messung nach ASU L 00.00-144:2019-07 (Bestimmung im homogenisierten Probenmaterial aus drei Packungen).
Salzäquivalente: berechnet gemäß LMIV nach der Formel: Salz = Natrium × 2,5.
Acrylamid: LC-MS/MS (Bestimmung im homogenisierten Probenmaterial aus drei Packungen).
Mykotoxine: LC-MS/MS (Bestimmung im homogenisierten Probenmaterial aus drei Packungen).
Aflatoxine: HPLC-FLD, teilautomatisiert (Bestimmung im homogenisierten Probenmaterial aus drei Packungen).
Pestizid-Screening: GC-MS und LC-MS/MS (Bestimmung im homogenisierten Probenmaterial aus drei Packungen).
Glyphosat/Aminomethylphosphonsäure (AMPA)/Glufosinat: LC-MS/MS (Bestimmung im homogenisierten Probenmaterial aus drei Packungen).
Chlormequat/Mepiquat: LC-MS/MS (Bestimmung im homogenisierten Probenmaterial aus drei Packungen).

Einkauf der Testprodukte: Januar 2024

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