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26.07.2013 | Vor ziemlich genau einem Jahr berichteten wir über Rückstände des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat in Getreideprodukten (ÖKO-TEST-Magazin 9/2012). Wir fanden die Rückstände in 14 von 20 Proben, darunter in acht der zehn untersuchten Brötchen. Da überrascht es wenig, dass sich Glyphosat auch im menschlichen Urin nachweisen lässt, wie die kürzlich vorlegte Studie des BUND zeigt. Wir hatten damals vor allerm die Vorerntebehandlung mit Glyphosat kritisiert, die in der konventionellen Landwirtschaft zur Ernteerleichterung eingesetzt wird, jedoch zu deutlichen Rückständen in Lebens- und Futtermitteln führen kann. Unsere Nachfrage bei verschiedenen Akteuren ergab wenig Konkretes. Die größten Anstrengungen unternimmt noch die deutsche Mühlenwirtschaft. So strebe man an, dass Getreide für den menschlichen Verzehr grundsätzlich nicht mehr vor der Ernte mit Glyphosat behandelt wird, sagt Franz Engelke vom Verband Deutscher Mühlen (VDM). Dazu führe man Gespräche mit Lieferanten, Landwirten und Getreidehändlern. Immerhin hätte man bereits erreicht, dass in der offiziellen Beratung von Landwirten von der Vorerntebehandlung weitgehend abgeraten werde. Der VDM überprüft regelmäßig auch die Rückstandssituation. So konnte in zwei Dritteln von über 200 untersuchten Getreideproben aus dem Erntejahr 2012 kein Glyphosat nachgewiesen werden. In etwa zehn Prozent lagen die Werte knapp oberhalb der früheren Nachweisgrenze von 0,1 mg/kg, so die Angaben des VDM. Ansonsten wird eher auf die lange Bank geschoben: Das Bundesverbraucherministerium etwa beruft sich auf unsere Nachfrage hin auf einen allgemeinen "Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln", in dessen Rahmen auch Ansätze zur Reduzierung von Glyphosatanwendungen auf das notwendige Maß - einschließlich der Vorerntebehandlung - verfolgt würden. Gesetzliche Regelungen für ein Verbot oder zumindest eine Einschränkung der Anwendungen sind jedoch nicht in Sicht. Wenig erhellendes auch vom Deutschen Bauernverband: Die Vorerntebehandlung werde zwar intensiv diskutiert, aber solange ein Wirkstoff auf der Grundlage wissenschaftlicher Analysen als unbedenklich gelte, würden Landwirte ihn - unter Einhaltung der Bestimmungen - auch einsetzen. Fakt ist: Die Behandlung von Getreide vor der Ernte mit einem Pestizid, dessen Unbedenklichkeit nicht zweifelsfrei feststeht, ist ein Unding, das verboten werden sollte.

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