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Olivenöl-Test: Fast die Hälfte „mangelhaft“ und schlechter

ÖKO-TEST Mai 2019: Titelthema Olivenöl | Autor: Christine Throl/Kai Thomas | Kategorie: Essen und Trinken | 03.05.2019

Olivenöl-Test: Fast die Hälfte „mangelhaft“ und schlechter
(Foto: ÖKO-TEST)

Wir haben 20 „nativ extra“ Olivenöle getestet. Ergebnis: Jedes Zweite ist stark mit Mineralöl verunreinigt. Einige schmecken zudem ranzig, tragen die falsche Güteklasse oder enthalten einen schädlichen Weichmacher. Nur zwei Olivenöle empfehlen wir überhaupt.

Eigentlich selbstverständlich: In Olivenöl-Flaschen aus dem Supermarkt, Discounter oder Feinkostladen sollte echtes Olivenöl ohne Schadstoffe stecken. Auch die Güteklasse sollte stimmen. Allerdings wird bei Qualität und Herkunftsangaben von Olivenölen immer wieder getrickst. Olivenöl gilt sogar als das meistgefälschte Lebensmittel Europas. Nicht überall, wo „extra vergine“ draufsteht, ist also gutes Öl drin. Unser Test von 20 Olivenölen bestätigt dies leider.

Olivenöl-Test: Was gutes Öl von schlechtem unterscheidet

Im Test: Wir haben 20 Olivenöle der höchsten Güteklasse „nativ extra“ getestet, eingekauft unter anderem in Bio- und Supermärkten und Discountern. Darunter auch zwölf Bio-Öle. Von uns beauftragte Expertenpanels prüften die Öle auf geschmackliche Fehler sowie den sensorischen Gesamteindruck. Zudem ließen wir die Produkte von mehreren Laboren auf Schadstoffe wie Pestizide, Weichmacher und Mineralölrückstände untersuchen.

Ergebnis: Mit „gut“ empfehlen können wir nur zwei Olivenöle: ein konventionelles und ein Bio-Produkt. Knapp die Hälfte der getesteten Öle fällt durch. Ganze neun sind „mangelhaft“ oder „ungenügend“. Das Hauptproblem: Jedes zweite Olivenöl ist stark mit Mineralölrückständen verunreinigt. Zudem weisen vier Öle, anders als angegeben, nicht die höchste Güteklasse „nativ extra“ auf. Sie entpuppten sich im Geschmackstest als ranzig oder stichig.

In drei Ölen war zudem Dibutylphthalat nachweisbar. Die Europäische Union stuft den Weichmacher als fortpflanzungsgefährdend ein – Grund genug dafür, dass er in Lebensmitteln nichts zu suchen hat. Immerhin: Alle von uns getesteten Öle sind echt: Sie sind nicht mit anderen Pflanzenölen gestreckt. Zudem waren keine nennenswerten Gehalte an weiteren Schadstoffen nachweisbar.

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Testergebnis zeigt: Mineralöl in jedem zweiten Produkt

Jedes zweite Olivenöl ist stark mit Mineralöl verunreinigt. Unter Mineralölkohlenwasserstoffen versteht man eine sehr große Gruppe vieler verschiedener Stoffe. Darunter können potentiell krebserregende Verbindungen sein. Besonders bedenklich sind die aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe MOAH – die ein von uns beauftragtes Labor in der Hälfte der Öle nachgewiesen hat. Diese Mineralölbestandteile haben in Lebensmitteln nichts zu suchen.

In mehr als der Hälfte der Öle stecken zudem die gesättigten Kohlenwasserstoffe MOSH/POSH. MOSH lagert der Körper in der Leber, den Lymphknoten, der Milz und im Fettgewebe ab. Was das für die Funktion dieser lebenswichtigen Organe bedeutet, ist bisher noch ungeklärt. POSH verhalten sich möglicherweise ähnlich, sind derzeit noch kaum erforscht.

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Woher MOAH im Olivenöl stammt

Die hohen Mineralölverunreinigungen beschäftigen viele der Anbieter. Einige versuchen sie zu minimieren. Andere Firmen schrieben uns, dass die analysierten Mineralölbestandteile auch aus der Natur, also etwa aus natürlichen Wachsen der Oliven kommen können.

Das von uns beauftragte Labor schließt allerdings aus, dass die nachgewiesenen Mineralölbestandteile aus der Natur stammen. Denn es hat die natürlichen Kohlenwasserstoffe von den fossilen, aus Erdöl stammenden Kohlenwasserstoffen mit einer aufwendigen Methode getrennt. 

Oliven kommen während der Ernte auf den Olivenhainen und der Produktion mit Mineralöl in Kontakt. MOAH können von Schmierölen der Erntemaschinen, Förderbändern der Ölmühlen, Kettensägen zum Olivenbaum-Beschnitt, aber auch von Pestiziden auf Paraffinöl-Basis, Feinstaub und Abgasen stammen.

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Güteklasse "nativ extra" ist oft nur "nativ"

Bei vier Olivenölen stellten die Sensorikprüfer Fehlnoten fest. Sie schmeckten bereits ranzig oder stichig. Solche Fehlnoten sind bei der höchsten Güteklasse „nativ extra“ verboten. Heißt: Die Öle sind falsch deklariert, eigentlich handelt es sich nur um „natives“ Olivenöl. Schmeckt ein Öl ranzig, ist es stark oxidiert. Ist bereits eine Gärung im Gang, kann das Öl stichig schmecken.

Die Sensoriker prüften auch die Harmonie, also den sensorischen Gesamteindruck. Viele Öle waren „durchschnittlich harmonisch“, also nur Mittelmaß. Ein einziges Olivenöl im Test beurteilten die Experten mit einer Harmonienote von 6,5 – das ist gerade so noch ein „sehr gut“. Ein beliebtes Öl eines Discounters schnitt „eher unharmonisch“ mit einer 4,4 ab. Dafür gab es beim Gesamteindruck drei Noten Abzug.

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Viele Hersteller mischen Olivenöle verschiedener Herkunft

Zwar hat keiner der Hersteller bei der Herkunft der getesteten Öle getrickst. Ein Labor hat die deklarierte Herkunft aller Öle bestätigt. Doch in den meisten Flaschen steckt ein Mix von Ölen aus EU-Ländern und/oder Drittländern. Wenn die Deklaration also heißt: „EU und Drittländer“, dann fällt das Schummeln ja auch schon schwer. Angaben wie „Herkunft EU“ erlauben es sogar, das Öl immer wieder anders zu mischen.

Unser Tipp: Olivenöl hält sich am besten, wenn man es kühl und dunkel lagert. Braten Sie besser mit günstigen raffinierten Ölen und nehmen Sie spezielle Frittieröle für Pommes und Co. Wer dennoch mit „nativ extra“ brät, sollte wissen: Hitze zerstört das Aroma, zudem rauchen native Öle früher als raffinierte.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Testverfahren

Wir haben 20 Olivenöle der höchsten Güteklasse „nativ extra“ zwischen 2,39 Euro und 13,20 Euro pro 500 Milliliter in Bio- und Supermärkten, Discountern und im Reformhaus eingekauft.

Ein natives Olivenöl extra darf nach der europäischen Olivenölverordnung keine Fehlnote aufweisen. Das prüfte ein von uns beauftragtes und durch den Internationalen Oliven Rat (IOC) anerkanntes Olivenöl-Panel. Produk­te mit einer Fehlnote wurden an zwei weitere anerkannte Panels geschickt. Zusätzlich zur gesetzlich verankerten Sensorik beurteilten die Sensoriker die Harmonie oder den sensorischen Gesamteindruck.

Verschiedene Labors fahndeten nach Pestiziden, problematischen Mineralölbestandteilen, fortpflan­zungsgefährdenden Weichmachern wie Diethylhexylphthalat (DEHP) und Dibutylphthalat (DBP) und polyzykli­schen aromatischen Kohlenwasser­stoffen, kurz PAK.

Gut kann ein Olivenöl nur abschnei­den, wenn es fehlerfrei ist und aroma­tisch und ausgewogen schmeckt. Eine Kontamination mit Mineralölbestand­teilen und Weichmachern verschlech­tert das Gesamturteil.

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