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Müsliriegel im Test: Knapp jeder zweite mit Mineralöl belastet

Magazin April 2020: Mineralöl im Müsli-Riegel | Autor: Johanna Michl/Meike Rix | Kategorie: Essen und Trinken | 26.03.2020

Müsliriegel im Test: Knapp jeder zweite mit Mineralöl belastet
Foto: ÖKO-TEST

Sie sind ein beliebter Snack für den Hunger zwischendurch: Müsliriegel fühlen sich als kleine Stärkung deutlich gesünder an als Schokolade. Doch sind sie das auch? Unser Test zeigt: nicht unbedingt! Knapp die Hälfte der Müsliriegel im Test fällt durch.

  • Knapp jeder zweite Müsliriegel im Test schneidet nur mit "mangelhaft" oder "ungenügend" ab.
  • Die Hauptkritik bezieht sich auf Mineralöl, Pestizidrückstände und zu viel Zucker. 
  • Insgesamt fünf Müsliriegel bewerten wir mit Bestnote. 

Beim kleinen Hunger zwischendurch greifen viele Menschen zu einem Müsliriegel. Doch Vorsicht: Sie sind oftmals weniger gesund als gedacht. Wir haben 20 Müsliriegel auf Basis von Getreide getestet - darunter auch vier Bioprodukte. Das Ergebnis enttäuscht. Etwa ein Drittel der Riegel hat ein gravierendes Problem mit Mineralölrückständen. Einige enthalten zudem MOAH. Das sind aromatische Kohlenwasserstoffe, unter denen sich auch krebserregende Substanzen befinden können.

Außerdem sind die Gehalte an MOSH/MOSH-Analoga aus unserer Sicht erhöht, im Fall einer Müsliriegel-Marke sogar stark. Die gesättigten Kohlenwasserstoffe MOSH reichern sich im Fettgwebe und in Organen wie Leber und Milz an.

Wie die Mineralölbestandteile in die Lebensmittel gelangt sind, können wir nicht nachvollziehen. Hier sind die Hersteller gefragt, um Kontaminationsquellen während Ernte, Produktion oder Transport ausfindig zu machen und zu beseitigen.

Müsliriegel im Test: Etwa die Hälfte fällt durch 

Mineralölrückstände und MOAH sind die Hauptprobleme im Test und tragen vor allem dazu bei, dass ingesamt neun Müsliriegel durchfallen. Jeweils ein Mal vergeben wir die Note "befriedigend" und "ausreichend", fünf Müsliriegel erhalten ein "sehr gutes" Gesamturteil. Die anderen vier Produkte schneiden "gut" ab.

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Neben den Mineralölbestandteilen kritisieren wir Glyphosat und Bienengifte in manchen Müsliriegeln im Test. Das besonders bedenkliche Pestizid Glyphosat hat das Labor in zwei getesteten Müsliriegeln nachgewiesen. Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC beurteilt Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen.

Die Europäische Chemikalienagentur ECHA hingegen sieht Glyphosat nicht als krebserregend, sondern befindet "nur", dass Glyphosat schwere Augenschäden verursachen kann (beim Aufbringen) und giftig für Wasserorganismen ist. Die in den Müsliriegeln festgestellten Gehalte liegen zwar weit unterhalb von gesetzlichen Grenzwerten und sind damit wohl ungefährlich für denjenigen, der den Riegel isst. Aber dieses hoch umstrittene Pestizid sollte aus unserer Sicht gar nicht mehr zum Einsatz kommen.

Einen Mix aus gleich zehn Pestiziden in Spuren enthält ein anderer Müsliriegel im Test. Darunter sind die bienengiftigen Substanzen Cyhalothrin und Indoxacarb. Damit fällt er in Sachen Spritzgiften besonders negativ auf.

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Müsliriegel im Test: Wir haben insgesamt 20 Produkte überprüft.
Müsliriegel im Test: Wir haben insgesamt 20 Produkte überprüft. (Foto: imago/Westend61)

Zucker: Sind Müsliriegel gesund? 

Nicht nur die Schadstoffe, die wir gefunden haben, können ungesund sein. Auch der Zucker, der in Müsliriegeln steckt - und zwar in Form von Glukose-Fructose-Sirup, Gerstenmalzextrakt, Fruchtdicksaft, Sirup oder Trockenfrüchten. Die Müsliriegel im Test bestehen zu 15 bis 44 Prozent aus Zucker.

Ganz klar zu viel ist das uns dann, wenn man mit 50 Gramm Snack-Produkt schon mehr als 12,5 Gramm Zucker intus hat. Das entspricht der Hälfte der Menge, welche die Weltgesundheitsorganisation WHO als ideale tägliche Obergrenze für Erwachsene angibt, um gesundheitliche Beeinträchtigungen zu vermeiden. Die 12,5-Gramm-Grenze knacken alle Schoko-Banane-Kandidaten, aber auch fünf Müsliriegel ohne Schokolade.

Müsliriegel mit Schokolade im Vergleich 

Ist ein Müsliriegel denn dann gesünder als Schokolade? Was einen Müsliriegel mit nennenswerten Getreideanteilen von Schokolade unterscheidet ist, dass er nicht nur einfachen Zucker enthält, der sofort ins Blut geht. Müsliriegel enthalten auch reichlich komplexe Kohlenhydrate. Diese verarbeitet der Körper erst nach und nach zu Traubenzucker. Sie liefern somit längerfristig Energie. Der Anteil des Zuckers an den Kohlenhydraten im Produkt sollte unserer Meinung nach daher nicht mehr als 50 Prozent betragen. Bei sieben Riegeln liegt der Zuckeranteil darüber.

Ein weiterer ernährungsphysiologischer Vorteil von Müsliriegeln gegenüber Schokolade: Sie enthalten Ballaststoffe. Allerdings lassen sieben Anbieter die Information darüber in ihren Nährwertangaben weg. Die Info ist zwar freiwillig und gesetzlich nicht vorgeschrieben, trotzdem hätten wir es gerne transparent. Schließlich haben die Ballaststoffe einen nennenswerten Anteil am Produkt.

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Einige Müsliriegel im Test enthalten viel Zucker. Greifen Sie lieber zu einem Riegel mit weniger Zucker.
Einige Müsliriegel im Test enthalten viel Zucker. Greifen Sie lieber zu einem Riegel mit weniger Zucker. (Foto: Fineart1/Shutterstock )

Müsliriegel: Kritik an Zusätzen mit Aromen 

Weitere Kritik an den Inhaltsstoffen: Wir bemängeln die Zusätze von Aromen in zehn Müsliriegeln. Die Hersteller setzen Aromen in Fertiglebensmitteln ein, um Qualitätsunterschiede der Rohstoffe auszugleichen und das Produkt zu standardisieren. Wir meinen: Die Zutaten eines guten Müsliriegels sorgen schon selbst für guten Geschmack.

Positiv: Das beauftragte Labor hat in den Müsliriegeln allenfalls Spuren von Schimmelpilzgiften und Schwermetallen gefunden hat.

Unser Tipp: Gegen den Hunger unterwegs helfen Brote, Obst und Nüsse besser als Müsliriegel - außer, Sie wolllen gerne an Gewicht zulegen.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Testverfahren

Wir haben 20 Müsliriegel auf Basis von Getreide, teilweise mit Früchten und Nüssen eingekauft. Vier davon sind Bio-Produkte. Riegel mit der Auslobung "zuckerfrei" oder "ohne Zuckerzusatz" haben wir aus Gründen der Vergleichbarkeit nicht mit in den Test aufgenommen, denn damit beworbene Riegel enthalten häufig Süßungsmittel. Die Geschmacksrichtung Banane-Schoko landete nur dann im Einkaufskorb, wenn von einer Marke keine andere beziehungsweise sonst nur Produkte mit der Auslobung "zuckerfrei" oder ähnlich im Regal lagen, was siebenmal der Fall war. Zwei Riegel im Test sind als Flapjacks ausgelobt. Diese basieren nach englischer Tradition auf Haferflocken und werden im Ofen gebacken.

In spezialisierten Laboren haben wir die Müsliriegel auf Schadstoffe und Verunreinigungen wie Pestizidrückstände, Schwermetalle, Schimmelpilzgifte und Mineralölbestandteile untersuchen lassen. Außerdem ließen wir alle Riegel auf problematische Keime testen, um Belastungen, etwa mit dem Durchfallerreger Bacillus cereus, auszuschließen.

Zusatzstoffe wie problematische Emulgatoren, Farbstoffe und künstliche Aromen müssen die Hersteller in den Zutatenlisten transparent machen. Wir haben das Kleingedruckte auf diese Stoffe hin unter die Lupe genommen. Ebenso die Nährwertangaben: Sind Angaben zu Ballaststoffen vorhanden? Wie viel Zucker steckt in den Riegeln? Und tragen die Produkte Werbeaussagen, die Verbraucher hinters Licht führen?  

Bewertungslegende 

Als Hauptzutaten wurden die jeweils ersten drei Zutaten aus der Zutatenliste aufgeführt. Ein Zuckeranteil am Kohlenhydratgehalt von weniger als 35 % ist als "gering" aufgeführt. Ein Zuckeranteil am Kohlenhydratgehalt von 35 bis 50 % ist als "mittel" und ein Zuckeranteil von mehr als 50 % ist in der Tabelle als "hoch" gekennzeichnet. Die pro Riegel bzw. pro 50 g angegebenen Zuckergehalte wurden aus den auf der Verpackung angegebenen Zuckergehalten pro 100 g berechnet. In einzelnen Fällen weicht der zusätzlich auf der Verpackung für einen Riegel angegebene Zuckergehalt um mehr als 0,1 g vom so berechneten Wert ab (siehe Anmerkungen).

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) ein Gehalt an MOSH und MOSH-Analoga der Kettenlänge C17–C35 von mehr als 2 bis 4 mg/kg (in der Tabelle: Mineralölbestandteile "stark erhöht"); b) der Nachweis von MOAH; c)10 bis 14 Pestizide und/oder Synergisten (Wirkverstärker) in Spuren. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Gehalt an MOSH und MOSH-Analoga der Kettenlänge C17–C35 von mehr als 1 bis 2 mg/kg (in der Tabelle: Mineralölbestandteile "erhöht"); b) ein bis zwei besonders bedenkliche Pestizide in Gehalten von jeweils mehr als 0,01 mg/kg (hier: Glyphosat, Cyhalothrin, Indoxacarb); c) Zusatz von Aroma und/ oder natürlichem Aroma; d) ein Zuckergehalt von mehr als 12,5 g pro 50 g des Riegels (entspricht einer Ausschöpfung um mehr als 50 % der empfohlenen Zuckeraufnahme der WHO von max. fünf Energieprozent am Tag); e) ein Zuckeranteil am Kohlenhydratgehalt von mehr als 50 % (in der Tabelle "hoch"). Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen "nein", bedeutet das unterhalb der Bestimmungsgrenze der jeweiligen Testmethode.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) keine Angabe des Ballaststoffgehalts in der Nährwertdeklaration; b) die Auslobung: "EDEKA (bzw. Netto) ist Partner für ausgewogene Ernährung vom Olympia Team Deutschland" auf der Verpackung und somit die Assoziation des Produktes mit der ausgewogenen Ernährung des Olympia-Teams Deutschland bei einem Produkt, welches einen hohen Zuckergehalt aufweist; c) die fehlende quantitative Angabe von Hafer im Zutatenverzeichnis bei einem als "Flapjack" ausgelobtem Produkt; d) die Nährwertangabe erfolgt nicht in Tabellenform, obwohl auf der Verpackung des Produkts theoretisch genügend Platz vorhanden ist. Die Nährwertangabe ist zudem sehr undeutlich aufgedruckt und für den Verbraucher schwer lesbar; e) die Angabe von zwei unterschiedlichen Salzgehalten (angegeben sind: 0,48 g Salz/100 g, sowie 0,07 g Salz/Portion von 25 g).

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ausfällt, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Testmethoden 

Elementbestimmung: ICP-MS, nach Totalaufschluss in der Mikrowelle. MOSH/MOSH-Analoge/MOAH: DIN EN 16995:2017 mod. Die Modifikation betrifft die Verseifung und eine andere Matrix. Pestizide: LC-MS/MS; GC-MS. Aflatoxine: DIN EN 14123:2008 mod., HPLC-FLD. Ochratoxine: DIN EN 14132:2009 mod., HPLC-FLD. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse. Gesamtkeimzahl: DIN EN ISO 4833-2:2014. Schimmelpilze: ISO 21527-2:2008. Hefen: ISO 21527-2:2008. Präs. Bacillus cereus: ASU L 00.00-33:2006.

Einkauf Testprodukte: Dezember 2019 bis Januar 2020 

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