1. oekotest.de
  2. Tests
  3. Lachs im Test: Krebsverdächtiger Konservierer in jedem vierten Räucherlachs

Lachs im Test: Krebsverdächtiger Konservierer in jedem vierten Räucherlachs

ÖKO-TEST Dezember 2018: Schwerpunkt Lachs | Autor: Kai Thomas | Kategorie: Essen und Trinken | 22.11.2018

Lachs im Test: Krebsverdächtiger Konservierer in jedem vierten Räucherlachs
(Foto: Robert F. Bukaty/picture alliance/AP Photo)

An Weihnachten und Silvester hat Lachs Hochsaison. Nur drei von 20 Produkten im Test sind allerdings „sehr gut“. Auch zwei Bio-Lachse enthalten das krebsverdächtige Konservierungsmittel Ethoxyquin.

Räucherlachs ist das ganze Jahr gefragt, vor allem aber zu Weihnachten. Was liegt da näher, Fisch zu essen, der nicht nur gut und günstig ist, sondern auch nachhaltig und sich mit gutem Gewissen genießen lässt? Wir möchten, dass der Lachs auf unseren Tellern akzeptabel gelebt hat und nicht mehr als nötig leiden musste. Und natürlich möchten wir auch, dass er keine Schadstoffe enthält und uns – selbstredend – richtig gut schmeckt.

Die 20 Räucherlachse im Test haben wir daher von erfahrenen Laboren gründlich untersuchen lassen. Die Hersteller baten wir zudem um Angaben zu Haltungsbedingungen und Fangmethoden. Im Test: konventioneller Räucherlachs, Bio-Räucherlachs und Wildlachs.

Lachs im Test: Räucherlachs, Bio-Räucherlachs und Wildlachs auf Keime, Ethoxyquin und Antibiotika untersucht

Alle Proben wurden auf Keime und den Geschmack geprüft. Die Zuchtlachse analysierten die Labore zudem auf das bedenkliche Konservierungsmittel Ethoxyquin und eins seiner Abbauprodukte. Weitere Analysen betrafen Rückstände von Antibiotika. Auch wurden die Wildlachse auf Fadenwürmer gesichtet. Sogenannte Nematoden können in allen wild lebenden Fischen vorkommen. Zu viele würden Sachverständige aber als „ekelerregend“ beurteilen.

Das Ergebnis: Insgesamt können wir von 20 nur drei Produkte mit „sehr gut“ und zwei mit „gut“ empfehlen. Von den Bio-Produkten im Test erhält nur eins die Gesamtnote „gut“. Von fünf Lachs-Packungen raten wir mit „mangelhaft“ ab. Ein Marken-Räucherlachs fällt mit „ungenügend“ durch.

Sechs von 15 Zuchtlachsen im Test sind mit Ethoxyquin belastet. Hersteller von Fischmehl und Fischöl setzen es ein, um das Futter auf dem Transport vor oxidativem Abbau und einer Selbstentzündung zu schützen. Ethoxyquin steht jedoch unter Krebsverdacht. In Bio-Futter ist Ethoxyquin schon immer verboten. Umso mehr überraschen die Funde in zwei getesteten Bio-Produkten. Sie gehören zu den am höchsten belasteten im Test und überschreiten auch den geltenden Bio-Schwellenwert deutlich.

In Netzgehegen können Lachse weder ihrem Wandertrieb nachgehen noch eine arteigene Sozialstruktur aufbauen. Sie können auch nicht fliehen, etwa wenn ihnen aggressive Artgenossen das Leben schwer machen. Dazu kommen unter anderem Stress durch Behandlungen, Skelettverformungen und Manipulationen bei der Vermehrung. Laut Experten kann selbst gutes Farmmanagement die Probleme allenfalls mildern. Das gilt auch für die Bio-Zucht.

Erstmals bewerten wir die Sterblichkeitsraten während der Mastzeit. Dabei lehnen wir uns an eine Vorgabe des Aquaculture Stewardship Council (ASC) an, der für diese Phase einen Verlust von höchstens zehn Prozent vorschreibt. Die höchsten Angaben von bis zu 20 Prozent erhielten wir ausgerechnet von den Anbietern des Bio-Anbauverbands Naturland.

Räucherlachs von Aldi, Lidl & Co. im Test: Fischzucht und Fangmethoden im Fokus

Fast immer konnten wir anhand der mitgeschickten Belege nachvollziehen, dass Fischmehl und Fischöl aus zertifizierten Quellen stammen. Das heißt aber nur, dass die Hersteller Wildfische oder Krill aus kontrollierten, nicht überfischten Beständen beziehen. Sie tragen auf diese Weise zumindest nicht zur Ausbeutung bereits geschwächter Fischgründe bei. Eigens gefangener Fisch wandert trotzdem weiter ins Futter. Nur bei den Naturland-Anbietern ist extra gefangener, ganzer Fisch verboten.

Mehr als 20 Fadenwürmer pro Kilogramm sollte Wildlachs nicht enthalten, so die offiziellen Empfehlungen. Ein geräucherter Wildlachs im Test enthält deutlich mehr. Gefährlich sind die Nematoden nicht. Sie sterben durch das Tieffrieren des Wildlachs nach dem Fang.

Und wie hat der Lachs geschmeckt? Fast immer gut, sagen die Sensorikprüfer. Lediglich zweimal machten sie einen „leicht fischigen Geschmack“ aus und zweimal kritisierten sie leichte Abweichungen im Aussehen.

Die Testsieger, das Ergebnis im Detail und worauf es beim Lachskauf ankommt, lesen Sie im ePaper.




Räucherlachs: Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Bio Verde Irischer Atlantik Lachs, Naturland
  • Isana Naturfeinkost

Norfisk Delikatessen Bio-Räucherlachs
  • Norfisk

Ocean Sea Norwegischer Räucherlachs
  • Lidl

Rookhus Echter Räucherlachs
  • Aldi Nord

K-Classic Räucherlachs
  • Kaufland

Wechsler Schottischer Lachs
  • Wechsler

Friedrichs Kodiak Wildlachs Smoked
  • Gottfried Friedrichs

Krone Fisch Sockeye Wildlachs
  • Krone

Fish Tales Sockeye Geräucherter Wildlachs
  • Fish Tales

Bio-Räucherlachs
  • Laschinger

Friedrichs Original Rauch-Lachs
  • Gottfried Friedrichs

Stührk Alaska Wildlachs Geräuchert
  • Stührk

Followfish Bio-Lachs
  • Followfish

Bio Mare Geräucherter Biolachs, Naturland
  • Wechsler

Almare Seafood Skandinavischer Räucherlachs
  • Aldi Süd

Ja! Räucherlachs
  • Rewe

Mein Lieblings Lachs
  • Krone

Tip Norwegischer Räucherlachs
  • Real

Youkon Wild & Red Wildlachs
  • Youkon

Räucherlachs
  • Edeka

Lachs im Test: Krebsverdächtiger Konservierer in jedem vierten Räucherlachs

5 Seiten
Seite 18 - 22 im ÖKO-TEST Dezember 2018: Schwerpunkt Lachs
vom 22.11.2018
Abrufpreis: 2,00 €

Testverfahren

Wir haben eingekauft: 20 Räucherlachse aus Supermärkten und Discountern landeten im Labor. Mit dabei: konventioneller Räucherlachs, Bio-Räucherlachs und Wildlachs.

Inhaltsstoffe und Sensorik: Alle Proben haben die Experten zum Ende der aufgedruckten Verbrauchsfrist auf Keime und den Geschmack geprüft. Die Zuchtlachse analysierten sie auf Ethoxyquin und das ebenfalls bedenkliche Ethoxyquin-Dimer, ein Abbauprodukt, das länger stabil ist. Weitere Untersuchungen betrafen Rückstände von Antibiotika.

Die Wildlachse wurden auf Nematoden hin gesichtet. Diese Fadenwürmer können in allen wild lebenden Fischen vorkommen. Zu viele dürfen es aber nicht sein. Das würden Sachverständige als „ekelerregend“ beurteilen. Die Hersteller sind daher verpflichtet, ihren Fisch stichprobenartig zu kontrollieren. Wie gut dies gelungen war, überprüfte das von uns beauftragte Labor mittels Durchleuchtung. Ein Mitarbeiter breitete dazu die Lachsscheiben auf einem Leuchttisch aus, markierte verdächtige Stellen und legte die Nematoden mittels Skalpell und Pinzette frei. Die Dokumentation erfolgte unter dem Mikroskop.

Tierwohl, Ökologie und Transparenz: Wir haben uns darüber hinaus intensiv mit den Haltungsbedingungen, der Umwelt und den Fangmethoden beschäftigt. Um mehr darüber zu erfahren, schickten wir den Herstellern einen umfangreichen Fragebogen. Alle Antworten sollten sie auf die getestete Charge beziehen und mit unabhängigen Nachweisen belegen.

Bewertung: „Sehr gut“ kann ein Lachs für uns nur sein, wenn die Tiere ihrer Art entsprechend leben durften. Das trifft auf Wildlachs zu. Zuchtlachs schneidet dagegen bestenfalls mit „gut“ ab. Auch Bio-Lachs kann deshalb nicht besser sein. Für den Nachweis von Ethoxyquin ziehen wir generell zwei Noten ab. Für Ethoxyquin in Bio-Lachs gibt es zusätzlichen Notenabzug, da der Bio-Orientierungswert überschritten ist. Die Testergebnisse Inhaltsstoffe und Sensorik sowie Tierwohl bzw. Fangmethoden gehen zu gleichen Teilen in die Endnote ein. Ist ein Testergebnis „mangelhaft“ oder „ungenügend“, kann das Gesamturteil nicht besser sein.

Aktuelle Ausgabe
ÖKO-TEST Dezember 2018: Schwerpunkt Lachs
ÖKO-TEST Dezember 2018: Schwerpunkt Lachs
Zugehörige Ausgabe:
ÖKO-TEST Dezember 2018: Schwerpunkt Lachs
ÖKO-TEST Dezember 2018: Schwerpunkt Lachs

Erschienen am 22.11.2018

Informationen zum Abruf bei United Kiosk
So funktioniert der Artikel-Abruf
Wenn Sie zum ersten Mal Artikel bei unserem Service-Partner United Kiosk abrufen, lesen Sie bitte vorab unsere Anleitung zum Abruf von Tests, Ratgebern, Einzelseiten und ePapern durch. Gekaufte Artikel, ePaper oder eBundles können Sie im Fall eines Verlustes nur dann wiederherstellen, wenn Sie sich zuvor registriert haben.