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Kokosöl und Kokosmilch: So gesund sind Kokosnuss-Produkte wirklich

Magazin Februar 2020: Achtsam leben | Autor: Meike Rix/Birgit Hinsch | Kategorie: Essen und Trinken | 30.01.2020

Kokosöl und Kokosmilch im Test: Wir haben 20 Produkte überprüfen lassen. Im Fokus: die Inhaltsstoffe.
Foto: ÖKO-TEST

Kokosöl und Kokosmilch sind Naturprodukte – und trotzdem können bedenkliche Substanzen wie Mineralölbestandteile darin stecken. Das zeigt unser Test von 20 Kokosprodukten. Das Ergebnis: Fünf fallen durch, zehn sind mit "sehr gut" empfehlenswert.

Kokosmilch besteht aus gepresstem Kokosnussfleisch und Wasser. Sie bringt Kokosaroma in Currys, Eintöpfe oder Suppen und eignet sich auch als rein pflanzlicher Sahneersatz. Beliebt ist die dickflüssige Kokosnussmilch auch bei Vegetariern, Veganern und Menschen mit Laktoseintoleranz, die sich eine Alternative zur Kuhmilch wünschen.

Kokosöl dagegen wird aus dem getrockneten Fruchtfleisch der Kokosnuss gepresst. Unterschiede gibt es zwischen nativem und thermisch behandeltem Öl. Natives Öl riecht und schmeckt nach Kokos, es wurde nicht erhitzt. Thermisch behandeltes Öl ist geschmacksneutral. Der Vorteil von Kokosöl: Es lässt sich hoch erhitzen und ist damit, anders als etwa Raps- und Olivenöl, auch hohen Temperaturen beim Braten oder Frittieren gewachsen.

Das Kochen mit Kokos bringt das gewisse Etwas auf den Teller. Leider sind Kokosöl und Kokosmilch aber nicht immer so gesund wie ihr Image - vor allem dann nicht, wenn sie Schadstoffe enthalten.

Kokosöl und Kokosmilch im Test: Fünf Produkte fallen durch

Wir haben Kokosmilch und Kokosöl für umfangreiche Analysen in drei Untersuchungslabore geschickt. Im Test sind 20 Marken, darunter 16 Bio-Produkte.

Die wichtigsten Testergebnisse im Überblick: 

  • Sechs Kokosmilche im Test schneiden mit dem Gesamturteil "sehr gut" ab. 
  • Die Bestnote erhalten außerdem vier getestete Kokosöle.
  • In der Hälfte der Kokosöle im Test stecken sehr hohe Gehalte an Mineralölbestandteilen, darunter sind auch Bio-Produkte. 

Das ist erschreckend: Fünf Kokosnussöle im Test sind stark mit den Mineralölbestandteilen MOSH und MOAH belastet. Vier davon sind bekannte Bio-Marken. Die gesättigten Kohlenwasserstoffe MOSH reichern sich im menschlichen Körper an. Noch bedenklicher sind die MOAH-Belastungen in den Ölen.

MOAH sind aromatische Kohlenwasserstoffe, unter denen sich auch krebserregende Substanzen befinden können. Sie sollten deshalb in Lebensmitteln überhaupt nicht vorkommen. Ein Kokosöl im Test enthält mit fast zehn Milligramm pro Kilogramm am meisten MOAH.

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So gelangt Mineralöl ins Kokosöl

Doch wie gelangen MOSH und MOAH überhaupt in die Kokosnussöle? Theoretisch auf vielen Wegen: Abgase und Reifenabrieb in den Anbauländern können verantwortlich sein. Außerdem Schmierfette, die zum Schmieren der Ölmühlen verwendet werden.

Auch Übergänge von Kunststoffverbindungen aus Schläuchen während der Produktion sind denkbar. Diese Verbindungen sind den MOSH so ähnlich, dass sie sich im Labor in den gefundenen Mengen nicht von ihnen trennen lassen. Aufgrund dieser Ähnlichkeit ist es wahrscheinlich, dass sie sich im Körper ähnlich verhalten.

(Foto: ÖKO-TEST)

Nach wie vor schützt der Gesetzgeber die Verbraucher nicht vor Mineralölbelastungen in Lebensmitteln. Gesetzliche Grenzwerte gibt es nicht. 2019 haben Lebensmittelämter und die im Lebensmittelverband Deutschland organisierten Industrieunternehmen lediglich sogenannte Orientierungswerte für einige wenige Lebensmittel festgelegt. Eine Überschreitung hat kein Verbot zur Folge. Doch selbst diese Werte sind aus unserer Sicht zu hoch.

Zudem: Tropische Öle wie Kokosöl wurden direkt ausgeklammert – "aufgrund ungenügender statistischer Datenbasis". Die Datenbasis, die unser Test liefert, ist wenig erfreulich. Drei der fünf Kokosöle, in denen das beauftragte Labor Mineralölbestandteile nachgewiesen hat, überschreiten den Orientierungswert für MOSH in (nichttropischen) pflanzlichen Ölen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) fordert seit geraumer Zeit, dass MOAH nicht in Lebensmitteln vorkommen sollten. Selbst die beteiligten Industrieunternehmen haben das 2019 bei der Festlegung der Orientierungswerte eingeräumt. Machbar ist das, auch bei Kokosöl. Das zeigen die fünf mineralölfreien Öle im Test.

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Das von uns beauftragte Labor hat in fünf Kokosölen Mineralöl gefunden. Die Kokosmilche sind dagegen nicht belastet.
Das von uns beauftragte Labor hat in fünf Kokosölen Mineralöl gefunden. Die Kokosmilche sind dagegen nicht belastet. (Foto: Hans/Pixabay)

Umstrittene Zusatzstoffe in Kokosmilchen im Test 

Alle Kokosnussmilche im Test sind frei von Mineralöl. Das bedeutet allerdings nicht, dass wir gar nichts zu bemängeln haben. Denn zwei Kokosmilche enthalten einen künstlichen Emulgator, zwei umstrittene Verdickungsmittel. Konkret geht es um die Verdickungsmittel Carrageen und Carboxymethylcellulose (CMC) sowie den Emulgator Polysorbat 60.

CMC und Polysorbat zeigten in kürzlich veröffentlichten Tierstudien in hohen Dosierungen schädliche Effekte auf die Darmflora. Carrageen steht schon länger im Verdacht, den Verdauungstrakt negativ zu beeinflussen und Allergien zu fördern.

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Auswirkungen auf Darmflora nicht untersucht 

Alle drei Zusätze sind offiziell als sicher zugelassen. Aber: "Die Zusatzstoffe wurden seinerzeit bei ihrer Zulassung nicht auf die Auswirkungen auf die Darmflora untersucht", erklärt der Hamburger Ernährungsmediziner Dr. Matthias Riedl. Riedl rät, möglichst auf diese Zusatzstoffe zu verzichten. Menschen mit Darmbeschwerden sollten sie gänzlich meiden.

Wir meinen: Solange die Unbedenklichkeit für den Menschen nicht zweifelsfrei nachgewiesen ist, sollten Lebensmittelproduzenten die Zusatzstoffe nicht ohne Not einsetzen. Gerade in Kokosmilch ist der praktische Nutzen zweifelhaft. Es reicht, die Dose einfach vor dem Öffnen zum Durchmischen zu schütteln.

Kritik gibt es außerdem für Chlorat, das in einer Kokosmilch im Test in einer aus unserer Sicht erhöhten Menge steckt. Der Stoff ist unter anderem deshalb kritisch, weil er die Jodaufnahme in die Schilddrüse vorübergehend hemmt. Chlorat kann aus Desinfektionsmitteln in Lebensmittel gelangen.

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Kokosmilch: Kochen mit Kokos bringt das gewisse Etwas auf den Teller.
Kokosmilch: Kochen mit Kokos bringt das gewisse Etwas auf den Teller. (Foto: Nungning20/Shutterstock)

Ist Kokosöl gesund? 

Kokosöl enthält rund 90 Prozent gesättigte Fettsäuren, darunter hauptsächlich Laurinsäure. Kokosnussöl sollte deshalb nur in kleinen Mengen verwendet werden. Werbung mit Gesundheitsversprechen ist für Kokosöl übrigens verboten. Denn diesbezüglich gibt es zwar einige Mythen, aber aus unserer Sicht keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege.

Wie gesund ist Kokosmilch? 

Kokosmilch enthält etwas weniger Fett und Kalorien als Sahne und ist laktosefrei. Deutlich gesünder ist sie deshalb aber nicht, denn sie ist auch reich an gesättigten Fettsäuren. 

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Testverfahren

Kokosöl und Kokosmilch haben wir jeweils zehnmal eingekauft, darunter 16 Bio-Produkte. Zwei Kokosöle sind thermisch behandelt und somit geschmacksneutral.

Alle Produkte haben wir im Labor auf Mineralölbestandteile, Keime und Schimmelpilze untersuchen lassen. Auf dem Prüfprogramm der Öle standen auch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die bei der Trocknung der Kokosnüsse entstehen können. Eine weitere Analyse betraf Weichmacher. Ebenfalls im Fokus: die Fettzusammensetzung. Mit dieser Untersuchung lässt sich herausbekommen, ob die Öle eventuell gestreckt sind. Kokosmilch in Dosen wurde von einem Labor zusätzlich auf den hormonschädlichen Stoff Bisphenol A geprüft, er kann in den Innenbeschichtungen der Dosen stecken. Kokosmilch kann zudem auch mit Chlorat belastet sein. Das ließen wir überprüfen.

Einen kritischen Blick warfen wir auf die Zutaten und Auslobungen auf den Verpackungen. Das Gesamturteil basiert auf den Inhaltsstoffen. Einige Öle sind so stark mit Mineralöl belastet, dass sie mit "mangelhaft" durchfallen.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: ein Gehalt an MOSH und MOSH-Analoga der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 4 mg/kg (in der Tabelle: Mineralölbestandteile "sehr stark erhöht") und zudem der Nachweis von MOAH. Zur Abwertung um zwei Noten führt: ein Chloratgehalt von mehr als 0,1 mg/ kg, sofern der TDI für Chlorat nicht überschritten wird. Zur Abwertung um eine Note führt: ein oder mehrere umstrittene Zusatzstoffe (hier: Natrium-Carboxymethylcellulose [E 466], Carrageen [E 407], Polysorbat 60 [E 435]). Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen "nein", bedeutet das unterhalb der Bestimmungsgrenze der jeweiligen Testmethode.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung; b) Zutat Wasser in einer Kokosmilch nicht genannt; c) hervorgehobene Auslobungen von Laurinsäuregehalten auf dem Etikett, obwohl die Fettsäure in einer für Kokosöl typischen Menge enthalten ist; d) Auslobung eines Kokosöls als "extra nativ!"; e) Werbung mit der Bezeichnung "Fair Trade for Fair Life".

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.  

Testmethoden 

Mineralölbestandteile (alle Produkte): DIN EN 16995 : 2017 modifiziert. Die Modifikation betrifft die Verseifung und eine andere Matrix. Alle Produkte: Schimmelpilze (ISO 21527-1: 2008); Bacillus cereus (ASU L00.00-33: 2006); Salmonellen in 25 g (ASU L00.00-20:2018). PAK 4 (Kokosöle): GC-MS/MS. Weichmacher (Kokosöle): LC-MS/MS. Fettsäurezusammensetzung (Kokosöle): DGF C-VI 10a / 11d: 2016 / 2019. Steradiene (native Kokosöle): DGF C-VI 8b:1999. Untersucht wurden Campestadien und Stigmasta-3,5-dien. Fettschadstoffe 3-MCPD-Ester / Glycidylester (thermisch behandelte Kokosöle): in Anlehnung an DGF C-VI 18 (10); entspricht AOCS Cd 29c-13. Aflatoxine (Kokosmilch): in Anlehnung an ASU L23.05-2. Untersucht wurden die Aflatoxine B1, B2, G1, G2. Chlorat (Kokosmilch): LC-MS/MS-Verfahren. Bisphenol A (Kokosmilch in Dosen): LC-MS/MS. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Oktober 2019 

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