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Kakao im Test: Nur ein Pulver für Kinder überzeugt mit "sehr gut"

Ratgeber Kinder und Familie 2019 | Autor: Katja Tölle/KaiThomas | Kategorie: Essen und Trinken | 12.09.2019

Kakao im Test: Nur ein Pulver für Kinder überzeugt mit "sehr gut"
(Foto: ÖKO-TEST)

Kakaopulver für Kinder enthalten oft zu viel Zucker, einige im Test zudem problematische Mineralölrückstände. Ein Drink schneidet allerdings auch mit "sehr gut" ab. Das schlechteste Produkt im Test ist ein beliebter Nestlé-Kakao.

Tiger, Löwe, Hase und Bärchen – Kakaopulver für Kinder versprechen tierisch guten Geschmack. Ein paar Teelöffel in Milch anrühren; fertig ist das Kakaogetränk für den Nachwuchs. Was die bunten Tierchen auf den Verpackungen nicht verraten: Im Pulver können teils sehr hohe Gehalte an Zucker stecken. 

Kakao im Test: Pulver von Nestlé, Aldi & Co. im Vergleich

Im Test: Wir haben 13 kakaohaltige Getränkepulver in die Labore geschickt. Bei allen Produkten ist anhand lustiger Bildchen und bunter Farben eindeutig erkennbar, dass die Zielgruppe Kinder sind. Wir wollten wissen: Wie viel Kakao steckt wirklich in den Pulvern – und wie viel Zucker? Zudem ließen wir die Pulver unter anderem auf Mineralöl, Cadmium, unerwünschte Keimbelastungen und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe untersuchen.

Das Ergebnis: Nur ein Kakao im Test schneidet mit „sehr gut“ ab, sieben Produkte können wir mit dem Gesamturteil „gut“ empfehlen. Die anderen Kakaopulver liegen im Mittelfeld. Auffällig: Das bekannte Produkt Nestlé Nesquik landet mit „mangelhaft“ auf dem letzten Platz. 

Zu viel Zucker in einigen Kakaopulvern im Test 

Mehr Löffel, mehr Zucker: Wir haben im Labor nachmessen lassen, wie viel Zucker die Kakaomenge enthält, die die Hersteller pro Glas empfehlen. Einige Hersteller raten allen Ernstes, fünf Kaffeelöffel Kakaopulver in ein Glas Milch zu mischen. Das entspricht in einem Fall ganzen 16,1 Gramm Zucker. Der Zuckergehalt liegt so mit einem einzigen Glas Kakao über der WHO-Empfehlung von 15 Gramm Zucker täglich für dreijährige Kinder, schon ganz ohne die natürliche Laktose der Milch.

In drei Produkten stecken „erhöhte“ oder „stark erhöhte „Gehalte der gesättigten Kohlenwasserstoffe MOSH/POSH. MOSH haben im Tierversuch Organe geschädigt. Die Rückstände können zum Beispiel durch die Verpackung auf die Lebensmittel übergehen, aber auch bereits in der Produktion – wenn die Kakaobohnen oder der Zucker mit Schmierölen in Kontakt kommen. Oft sind auch die Jutesäcke, mit denen Kakaobohnen nach der Ernte transportiert werden, mit Ölen behandelt.

In einem Kakaogetränk im Test steckt Aroma, in einem weiteren kritisieren wir künstliche Vitamine. Aromen sollen den Geschmack da künstlich aufpeppen, wo die natürlichen Zutaten nicht ausreichen. Ein Vitaminzusatz ist völlig überflüssig und soll den Eindruck erwecken, dass es sich bei dem hauptsächlich aus Zucker bestehenden Kakao um ein gesundes Lebensmittel handelt.

Kakao für Kinder: Zwei Löffel Pulver reichen aus 

  1. Die Kakaopulver bestehen überwiegend aus Zucker. Deswegen sollten Kleinkinder nur selten Kakao trinken.
  2. Einige Hersteller empfehlen, fünf Löffel Kakaopulver in ein Glas Milch zu mischen. Das entspricht bis zu 16 Gramm Zucker und ist viel zu viel. Ein bis zwei Löffel reichen völlig aus.
  3. Wenn Hersteller auf der Verpackung mit den gesunden Auswirkungen von Milch werben, ist das einfach nur dreist. Milch ist zwar gesund – aber natürlich ohne das zuckrige Pulver.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Diesen Test haben wir erstmals in der ÖKO-TEST App Eltern 4/2018 veröffentlicht, zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 2/2019. Testergebnisse/Angaben sind für den Ratgeber Kinder und Familie 2019 aktualisiert, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/ zusätzliche Untersuchungen vorgenommen haben.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Testverfahren

Für den Test haben wir Kakaopulver, die sich mit ihren Verpackungen an Kinder richten, eingekauft. Nur, wenn anhand lustiger Bildchen und bunter Farben eindeutig erkennbar war, dass die Zielgruppe Kinder sind, landeten die Kakaopulver, offiziell „kakaohaltige Getränkepulver“, im Einkaufskorb.

Zunächst einmal wollten wir wissen: Wie viel Kakao steckt wirklich in den Pulvern – und wie viel Zucker? Dafür haben wir die Einzelzucker im Labor messen und den Kakaogehalt bestimmen lassen. Weil es während der Herstellung zu Verunreinigungen etwa mit Schmierölen kommen kann, ließen wir die Produkte zudem auf Mineralöl überprüfen. Außerdem haben die von uns beauftragten Labore etwa Cadmium, unerwünschte Keimbelastungen und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe untersucht. Den Zusatz von Aromen und anderen umstrittenen Zutaten prüften wir per Deklaration.

Bewertungslegende 

Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: a) ein Gehalt an gesättigten Kohlenwasserstoffen (MOSH/POSH) der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 2 bis 4 mg/kg („MOSH/POSH stark erhöht“), b) ein Zuckergehalt, der die WHO-Empfehlung von 15 Gramm Zucker täglich mit einer Portion überschreitet („Zucker stark erhöht“). Zugrunde gelegt wurde der Richtwert für eine durchschnittliche Energiezufuhr von 1.200 Kilokalorien eines etwa dreijährigen Kindes pro Tag. Der Zuckergehalt bezieht sich allein auf das Kakaopulver. Die in der Milch enthaltene Laktose wurde nicht hinzugerechnet. Für die Berechnung der Portion wurden die Empfehlung der Hersteller, wie viele Löffel Pulver pro Glas Milch verwendet werden sollen, und das im Labor gemessene Gewicht eines Teelöffels Pulver zugrunde gelegt. Wurden zwei verschiedene Empfehlungen (etwa „2–3 Löffel“) gemacht, wurde die höhere Anzahl Löffel zugrunde gelegt. Zur Abwertung um eine Note führen: a) ein Gehalt an gesättigten Kohlenwasserstoffen (MOSH/POSH) der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 1 bis 2 mg/kg („MOSH/POSH erhöht“); b) ein Zuckergehalt von mehr als 7,5 Gramm Zucker pro Portion, Annahmen wie oben („Zucker erhöht“); c) Aroma; d) zugesetzte Vitamine.

Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: Werbung mit den gesunden Inhaltsstoffen von Milch auf Kakaopulver, das überwiegend aus Zucker besteht (hier: „Milch ist Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung und enthält wichtige Nährstoffe wie Kalzium und Vitamin B12“ [Kaba] und „Das Plus zur Milch […] Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht besteht ein ausgewogenes Frühstück aus […]. Ein Glas Nesquick [200 ml] kann hier als Milchportion seinen Beitrag leisten“ [Nestlé]). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) die Angabe der Referenzwerte für Nährwerte für einen durchschnittlichen Erwachsenen auf einem Produkt, das sich an Kinder wendet; b) eine zu kleine Portionsgröße zur Berechnung der Nährwerte (hier: 100 Milliliter Milch und sieben Gramm Kakaopulver); d) Werbung mit Selbstverständlichkeiten (hier: „ohne Konservierungsstoffe laut Gesetz“).

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, führt zu einer Verschlechterung des Gesamturteils um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten.

Testmethoden 

Aromen und Vitamine: per Deklaration. Cadmium: Elementbestimmung mittels ICP-MS nach Totalaufschluss in der Mikrowelle. Gesamtfett: ASU L 17.00-4:1982. Fettfreie Kakaotrockenmasse: berechnet. Theobromin/Koffein/Methylxanthin: ASU L 18.00-16:1999 mod. Die Modifikation betrifft eine andere Probenmatrix. Kakaopulveranteil: berechnet. MOSH/POSH und MOAH: DIN EN 16995:2017 mod. Die Modifikation betrifft die Verseifung und eine andere Matrix. Einzelzucker: HPLC-RI. Keimbelastung: IOCCC 118-2:1990 (Gesamtkeimzahl); ISO 21528-2:2004 (Enterobakterien); DIN ISO 16649-1:2009 (Escherichia coli); IOCCC 118-8:1990 (Salmonellen). Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe: GC-MS. Teelöffelgewicht von Kakaopulver: Das Kakaopulver wird mit einem genormten Dosierlöffel (5 ml) aus der Verpackung entnommen. Das Gewicht des entnommenen Pulvers wird gravimetrisch bestimmt. Die Angabe betrifft einen gehäuften Teelöffel. Wassergehalt: Karl-Fischer-Titration. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der getesteten Produkte: November 2017 

Erstmals veröffentlicht: ÖKO-TEST App Eltern 4/2018. Zuletzt veröffentlicht: ÖKO-TEST Magazin 2/2019. Aktualisierung der Testergebnisse/ Angaben für den Ratgeber Kinder und Familie 2019, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

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