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Hummus im Test: Jeder dritte mit Glyphosat oder Cadmium belastet

Magazin Januar 2020: Greta und Du | Autor: Birgit Hinsch/Katja Tölle | Kategorie: Essen und Trinken | 13.01.2020

Hummus im Test: Wir haben 18 Kichererbsenpürees überprüft. Im Fokus standen Inhaltsstoffe und Geschmack.
Hummus im Test: Wir haben 18 Kichererbsenpürees überprüft. Im Fokus standen Inhaltsstoffe und Geschmack. (Foto: ÖKO-TEST)

Hummus wird in Deutschland immer beliebter. Wir haben 18 Kichererbsenpürees der Sorte "Classic" getestet, zwei Drittel können wir empfehlen. Auffällig: In sechs der Hummusse steckt allerdings krebsverdächtiges Glyphosat.

Die orientalische Spezialität Hummus ist vegan. Sie wird nach einem israelischen Rezept aus pürierten Kichererbsen, Sesampaste, Zitronensaft, Kreuzkümmel, Knoblauch und Salz hergestellt. Weil etwa Sesam mit Cadmium belastet sein kann und Kichererbsen zudem Nickel anreichern, haben die von uns beauftragten Labore jeden Hummus im Test auf diese Schwermetalle geprüft.

Im Fokus standen zudem Pestizide, darunter der umstrittene Unkrautvernichter Glyphosat, und Mineralölbestandteile. Außerdem wollten wir wissen, wie die fertig abgepackten Hummusse schmecken. Die getesteten Produkte der Sorte "classic" stammen meist aus dem Kühlregal. Schaffen es die Hersteller, die typischen Merkmale des Originals aus dem Orient in die Fertigpackung zu zaubern? 

Hummus im Test: Sechs Pürees sind "sehr gut" 

Das Ergebnis des Hummus-Tests ist durchaus positiv. Zwölf Hummusse können wir mit "sehr gut" oder "gut" empfehlen. Die anderen sind Mittelmaß: Drei Produkte schneiden "befriedigend" ab, drei weitere "ausreichend". 

Dass zwei Drittel der Produkte im Test empfehlenswert sind, heißt allerdings nicht, dass es keine Probleme gibt. Denn die gibt es. Glyphosat ist eins davon. Der krebsverdächtige Wirkstoff steckt in sechs Produkten. Landwirte spritzen das Herbizid gegen Unkräuter auf dem Feld.

Aber ja: Den gesetzlichen Grenzwert für Glyphosat halten alle Produkte ein. Doch zum einen ist dieser gesetzliche Grenzwert ziemlich hoch, zum anderen haben Reste von krebsverdächtigen Spritzgiften aus unserer Sicht in Lebensmitteln nichts zu suchen. Es geht auch anders: Zwölf Hummusse im Test sind frei von Glyphosat.

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Cadmium in drei Hummussen gefunden  

Kritik gibt es außerdem für das giftige Schwermetall Cadmium, das ein von uns beauftragtes Labor in insgesamt drei getesteten Hummussen nachgewiesen hat. Denn Cadmium kann auf Dauer die Nieren schädigen. 

Wie das Schwermetall in den Hummus gelangt? Es ist in der Umwelt weit verbreitet. Bestimmte Pflanzen, und darunter eben auch Hülsenfrüchte wie Kichererbsen und Ölsaaten wie Sesam, nehmen Cadmium besonders leicht aus dem Boden auf und können deswegen belastet sein. Über die Kichererbsen und den Sesam kann Cadmium dann in den Hummus gelangen.

Hummus: Die orientalische Paste aus Kichererbsen, Sesam, Zitronensaft und Gewürzen ist nicht nur bei Veganern beliebt.
Hummus: Die orientalische Paste aus Kichererbsen, Sesam, Zitronensaft und Gewürzen ist nicht nur bei Veganern beliebt. (Foto: eladg/Pixabay)

Im Fall von drei Kichererbsenpürees im Test liegen die Gehalte so hoch, dass 100 Gramm am Tag die von Experten noch tolerierte Cadmium-Menge zu mehr als der Hälfte ausschöpfen. Das Problem: Wir nehmen Cadmium auch noch über andere Lebensmittel auf.

Die anderen Hersteller haben das Problem im Griff: In fast allen anderen Produkten fand das beauftragte Labor überhaupt kein Cadmium, in einem einzigen Hummus eine nur sehr geringe Menge, die wir nicht abwerten.

So schmeckt der Hummus aus Kichererbsen 

Am Geschmack der getesteten Kirchererbsenpasten hatten die Sensorikexperten wenig zu bemängeln. Drei Hummusse kritisieren die professionellen Verkoster jedoch, weil sie dominant nach Essig oder stark säuerlich schmecken. 

Wie kommts? Ein gewisses Maß an säuernden Zutaten ist nötig, damit der Hummus nicht so schnell verdirbt. Den meisten Bio-Anbietern reicht dafür Zitronensaft. Viele andere verwenden Branntweinessig. Und steckt zu viel davon im Produkt, schmeckt man das eben heraus.

Hülsenfrüchte wie die Kichererbse können Nickel anreichern. Deshalb hat ein von uns beauftragtes Labor die Hummusse auf Schwermetalle überprüft.
Hülsenfrüchte wie die Kichererbse können Nickel anreichern. Deshalb hat ein von uns beauftragtes Labor die Hummusse auf Schwermetalle überprüft. (Foto: PDPics/Pixabay)

Drei Anbieter von Hummus im Test meinen: Genau diese "Essignote" entspreche den Erwartungen der Kunden – die professionellen Sensorikprüfer sehen das anders. Dazu kommt: Essig hat in einem Hummus nach Originalrezept nichts zu suchen.

Ein Hummus im Test verschlechtert sich aufgrund seines Geschmacks um zwei Noten nach unten. Er riecht und schmeckt "leicht dumpf" und schmeckt zudem "leicht bitter"– das ist, so die Experten, keine Auffälligkeit mehr wie der säuerliche Geschmack, sondern ein Fehler.

In wenigen Kicherebsenpürees steckt Mineralöl 

Erfreulich: Die krebsverdächtigen aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) hat das beauftragte Labor in keinem Hummus im Test gefunden. Die gesättigten Kohlenwasserstoffe MOSH allerdings, die sich im menschlichen Körper anreichern, bewerten wir in drei Produkten als "erhöht". Die Eintragsquelle: vermutlich die Öle, die die Produkte enthalten.

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Ist Hummus gesund? 

  • Wie viel Kalorien enthält Hummus? So richtig kalorienarm ist Hummus nicht: Die Creme bringt es auf rund 300 Kilokalorien pro 100 Gramm. Damit liegt Hummus in etwa gleichauf mit Gouda, Weichkäse und Doppelrahmfrischkäse.
  • Und wie siehtʼs mit Fetten aus? Hummus ist vegan. Er enthält also keine tierischen, sondern pflanzliche Öle und die sind wegen ihrer höheren Anteile an ungesättigten Fettsäuren besonders vorteilhaft. Vergleichsweise wenig Fett enthalten im Test der Deli Genuss Hummus Natur und der Feinkost Popp Hummus Natur.

  • Ist Hummus ein guter Eiweißlieferant? Ja – Hummus liefert eine gewisse Menge an pflanzlichem Eiweiß aus den Kichererbsen. Es kommt immer drauf an, wie viele Kichererbsen verarbeitet sind: So enthalten der Obela Hummus Classic und der Florentin Bio Hummus vergleichsweise viel, die Produkte von Dm und Rossmann vergleichsweise wenig Eiweiß.

  • Welche Nährstoffe enthält er? Im Hummus stecken relativ hohe Gehalte an Eisen und Magnesium, außerdem B-Vitamine und Ballaststoffe. Aber auch hier variieren die Gehalte je nach Zusammensetzung.

Unser Tipp: Hummus verdirbt relativ schnell. Deswegen: immer schön kühl aufbewahren und innerhalb weniger Tage verbrauchen. Das gilt auch für die Produkte aus dem Glas.

Im Hummus-Test fällt auf, dass Bio-Humusse durchschnittlich besser abschneiden als die klassischen Produkte. Doch was macht die Bio-Produkte besser? ÖKO-TEST Redakteurin Birgit Hinsch im Interview: Darum schneidet Bio-Hummus im Vergleich besser ab als klassischer.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Testverfahren

Wir haben 18 Hummusse der Sorte "Classic" – also ohne Schnickschnack – eingekauft. Die meisten sind aus dem Kühlregal, zwei Produkte sind in Glas abgefüllt und ungekühlt.

Weil etwa Sesam mit Cadmium belastet sein kann und Hülsenfrüchte wie die Kichererbse Nickel anreichern, haben die von uns beauftragten Labore auf diese Schwermetalle geprüft. Im Fokus standen zudem Pestizide, darunter der umstrittene Unkrautvernichter Glyphosat. Auch eine mögliche Keimbelastung hat ein beauftragtes Labor überprüft. Bei fast allen Lebensmitteln steht mittlerweile auf dem Prüfplan der Labore: Enthalten die Produkte Mineralölbestandteile? In den meisten Produkten stecken größere Mengen an Speiseöl – und das ist häufig mit den unerwünschten Fremdstoffen verunreinigt.

Wir wollten aber auch wissen, wie die Hummusse schmecken. Gibt es Unterschiede? Und schaffen es die Hersteller, die typischen Merkmale des Originals aus dem Orient in die Fertigpackung zu zaubern – also den Geschmack nach Kichererbsen, Sesam, Knoblauch, Zitrone und Kreuzkümmel? Drei erfahrene Sensorikprüfer haben das beurteilt.

Das Gesamturteil der Hummusse basiert auf den Bewertungen der Inhaltsstoffe und der Sensorik.

Bewertungslegende 

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe und Sensorik: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe und Sensorik führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) ein Cadmiumgehalt, der die wöchentlich tolerierbare Aufnahmemenge (TWI) der EFSA zu mehr als 50 Prozent ausschöpft, ausgehend von einer täglichen Portion von 100 g und einem Körpergewicht von 60 Kilogramm; b) leichte Fehler im Geruch und Geschmack (hier: ein "leicht dumpfer" Geruch und ein "leicht dumpfer, leicht bitterer" Geschmack). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Gehalt an MOSH/MOSH-Analoga der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 1 bis 2 mg/kg (in der Tabelle: Mineralölbestandteile "erhöht"); b) ein besonders bedenkliches Pestizid in einem Gehalt von mehr als 0,01 mg/kg (hier: Glyphosat); c) ein vergleichsweise auffälliger Geruch und/oder Geschmack (hier: "stark säuerlich", "stark essigsäuerlich" oder "sehr stark essigsäuerlich"). Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen "nein", bedeutet das unterhalb der Bestimmungsgrenze der jeweiligen Testmethode.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung; b) Packungsangabe einer unrealistisch kleinen Portionsgröße (hier: 10 g).

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe und Sensorik. Ein "gutes" Testergebnis Weitere Mängel wirkt sich nicht auf das Gesamturteil aus.  

Testmethoden 

Pestizidscreening GC/MS nach § 64 LFGB L00.00-34 : 2010-09, modifiziert; Glyphosat, Glufosinat, AMPA per LC-MS/MS. PAK 4: GC-MS/MS. MOSH, MOSH-Analoga, MOAH: DIN EN 16995 : 2017 modifiziert. Die Modifikation betrifft die Verseifung und eine andere Matrix. Cadmium, Nickel: Aufschluss: DIN EN 13805 : 2014; Cadmium: DIN EN 15763 : 2010; Nickel: DIN EN 15763 : 2010 modiziert; Messung per ICP-MS mittels externer Kalibrierung. Gesamtkeimzahl, aerob: DIN EN ISO 4833-2 : 2014. Salmonellen in 25 g: ASU L00.00-20 : 2018. Sensorische Prüfung von Aussehen, Geruch, Geschmack und Mundgefühl: ASU L 00.90-16 : 2006. Nach Einzelprüfungen wurden die Einzelergebnisse in der Gruppe diskutiert und ein gemeinsames Gesamtergebis erarbeitet. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Oktober 2019 

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