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Hafermilch-Test: Sind Alpro, Oatly & Co. als Milchersatz zu empfehlen?

Magazin November 2021: Kaffee | Autor: Hanh Friedrich/Meike Rix/Lena Wenzel | Kategorie: Essen und Trinken | 04.11.2021

Hafermilch im Test: Wie schlagen sich die Milchersatzprodukte?
Foto: ÖKO-TEST

Hafermilch hat eine besonders gute Klimabilanz. Doch überzeugen auch Inhaltsstoffe und Geschmack der Milchersatzprodukte? Wir haben 32 Haferdrinks überprüft.

  • Hafermilch im Test: Die Mehrheit der 32 überprüften Produkte ist empfehlenswert.  
  • Kritik gibt es für überflüssige Vitaminzusätze und umstrittene phosphathaltige Zusatzstoffe.
  • Es gibt derzeit einen Rechtsstreit, der sich darum dreht, ob Bio-Produkte Algen als Calciumquelle einsetzen dürfen.  

Etwa 70 Prozent weniger schädliche Klimagase – so viel spart die Produktion von Hafermilch im Vergleich zu Kuhmilch ein. Gut für die Umweltbilanz ist außerdem, dass Hafer regional erhältlich ist. Er wächst in den gemäßigten Breiten, und sein Anbau verbraucht so relativ wenig Wasser. Und natürlich leiden für Hafermilch ganz sicher keine Kühe. 

Hafermilch im Test: Alpro, Oatly & Co. im Vergleich 

Doch sprechen unsere Testergebnisse auch für das Milchersatzprodukt? Die Prüfung von Geschmack und Mundgefühl haben alle Haferdrinks im Test bestanden – und viele sind auch top in Sachen Inhaltsstoffe.

Besonders erfreulich: Die Drinks waren weder mit dem Schwermetall Cadmium noch mit dem bedenklichen Pestizid Glyphosat belastet. Ganz ohne Kritik entlassen wir die Produkte aber nicht: Wir bemängeln unnötige Vitaminzusätze und umstrittene phosphathaltige Zusatzstoffe.

Hafermilch im Test: Wir haben 32 Marken überprüft.
Hafermilch im Test: Wir haben 32 Marken überprüft. (Foto: Taja Strle/Shutterstock)

Hafermilch oder Haferdrink? 

Übrigens: Auf den Verpackungen steht oft nur "Hafer" oder "Haferdrink" und nie "Hafermilch". Das liegt daran, dass die Hersteller in Produktnamen für rein pflanzliche Produkte kein "-milch" mehr schreiben dürfen. Wir sprechen hier weiter von Hafermilch, weil das dem normalen Sprachgebrauch entspricht. 

Tatsächlich genießen Verbraucher und Verbraucherinnen die Flüssigkeit ja nicht hauptsächlich als puren "Drink", sondern setzen sie vielfältig ein: im Kaffee, im Müsli, im Kuchenteig und, und, und. In vielen Rezepten kann Pflanzenmilch Kuhmilch prima ersetzen.

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Hafermilch-Test: Hier geht's zu den getesteten Produkten

Wie steht es um die Nährwerte von Hafermilch?

Die Nährwertzusammensetzung ist aber ganz anders. So liegt der Eiweißgehalt von Hafermilch bei höchstens einem Drittel dessen, was Kuhmilch an Eiweiß zu bieten hat. Vor allem: Pure Hafermilch ist keine Calciumquelle. Für Veganer ist es deshalb naheliegend, Pflanzenmilch mit zugesetztem Calcium zu verwenden.

Caciumcarbonat ist als Zusatz in Hafermilch beispielsweise unproblematisch. Anders sieht das bei Calciumphosphat und Tricalciumphosphat in der Zutatenliste aus. Auch Kaliumphosphat als Säureregulator muss nicht sein. 

Denn: Große Mengen an Phosphat schaden den Nieren. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) schätzt, dass die Europäer mittlerweile bis zu 30 Prozent der Phosphate über Zusatzstoffe in Lebensmitteln aufnehmen. Aus unserer Sicht sind die phosphathaltigen Zusatzstoffe eine unnötige Belastung.


Die hier abgebildeten sieben Bio-Haferdrinks mit Calcium haben wir ebenfalls getestet, vergeben aber kein Gesamturteil.
Die hier abgebildeten sieben Bio-Haferdrinks mit Calcium haben wir ebenfalls getestet, vergeben aber kein Gesamturteil. (Foto: ÖKO-TEST )

Algen in Bio-Hafermilch im Test als Problem

Wir haben für diesen Hafermilch-Test auch sieben Bio-Produkte prüfen lassen, die als Calciumquelle Algen enthalten. Weil allerdings rechtlich noch nicht abschließend geklärt ist, ob oder unter welchen Umständen Bio-Produkte mit Mineralien aus Algen angereichert sein dürfen, haben wir uns dazu entschlossen, die geprüften Produkte nur zu nennen und kein Gesamturteil zu vergeben.

Hintergrund ist ein bereits 2005 vom Land Nordrhein-Westfalen begonnener Rechtsstreit mit dem Pflanzendrinkhersteller Natumi. Der Streitpunkt ist, ob Natumi in Bio-Soja- und Reisdrinks ein Pulver aus kalksteinartigen Ablagerungen der Alge Lithothamnium calcareum einsetzen darf.

Ist Bio mit Calciumzusatz erlaubt? 

Darüber hat derzeit das Bundesverwaltungsgericht zu entscheiden, welches erst einmal den Europäischen Gerichtshof befragte. Der urteilte, der Zusatz sei in einem Bio-Drink nicht zulässig (EuGH, Urteil vom 29.4.2021, Az. C‑815/19). Bio-Lebensmittel dürfen nur in wenigen Ausnahmen mit isolierten Mineralstoffen angereichert sein – nämlich dann, wenn wie in Babynahrung eine Anreicherung gesetzlich ausdrücklich vorgeschrieben ist.

Weil Calcium in veganem Milchersatz aber nun einmal sinnvoll ist, behalfen sich Bio-Hersteller bisher mit besagtem Pulver. Ob es allerdings künftig noch Bio-Drinks mit Calcium aus Algenzusatz geben darf, ist noch offen.

Vitaminzusätze sind überflüssig in Pflanzenmilch

Nicht nur phosphathaltige Zusatzstoffe sind aus unserer Sicht in Hafermilch fragwürdig, sondern auch Vitaminzusätze. Die Anbieter einiger Haferdrinks im Test setzen ihren Produkten Vitamin B2 (Riboflavin) und Vitamin D zu. Wir finden: Das ist überflüssig. 

Vitamin B2 nehmen Veganer auch natürlicherweise mit pflanzlichen Lebensmitteln wie Getreidekeimen, Vollkornprodukten und Gemüse wie Brokkoli oder Grünkohl auf. Die Versorgung mit Vitamin D hängt hauptsächlich davon ab, ob man in der Zeit zwischen März und Oktober regelmäßig bei Tageslicht draußen war, weil die Haut das Vitamin selbst bildet und der Körper eine Reserve speichert.  

Ist Hafermilch glutenfrei? 

Und wie sieht es eigentlich mit Gluten aus? Ist Hafermilch frei davon? Hafer enthält kein Gluten, er hat von Natur aus eine andere Eiweißstruktur als die glutenhaltigen Getreide Weizen, Roggen, Dinkel und Gerste. Einige Produkte im Test sind trotzdem explizit als glutenfrei ausgelobt. Damit versichern die Hersteller, dafür gesorgt zu haben, dass es keine Übergänge aus anderem Getreide während der Ernte oder Produktion gegeben hat.

Wer "glutenfrei" auslobt, muss dafür sorgen, dass insgesamt nicht mehr als 20 Milligramm Gluten pro Kilogramm im Produkt stecken. Das ist wichtig für Menschen mit Zöliakie. Reinen Hafer vertragen die meisten von ihnen. Wer nicht an Zöliakie leidet, aber Gluten einfach so meiden möchte, kann genauso gut zu den Produkten ohne spezielle Auslobung greifen.

Hafermilch als Trendgetränk: Überzeugen die Produkte als Milchersatz?
Hafermilch als Trendgetränk: Überzeugen die Produkte als Milchersatz? (Foto: Raul Photography/Shutterstock)

Geschmack der Milchersatzprodukte überzeugt

Kommen wir zum Geschmack der Pflanzenmilch. Die Sensorikexperten waren mit den meisten Drinks hoch zufrieden. Hafermilch schmeckt anders als Kuhmilch, nämlich nach Hafer und normalerweise leicht bis deutlich süß.

Einen kleinen Abstrich gibt es für Produkte mit leicht bitterem Nachgeschmack. Das ist für Hafermilch zwar normal, für sehr empfindliche Gaumen aber störend. 

Barista-Hafermilch: Kann man Hafermilch aufschäumen? 

Drei Produkte im Test heißen "Barista". Barista ist eigentlich der Kaffee-Experte an der Bar, der Espresso und Latte macchiato zaubert. Barista-Hafermilch will also Schaum für Cappuccino und Co. können. Die Prüfer im Labor haben das Aufschäumen stichprobenweise an den drei Barista und an zwei "normalen" Produkten ausprobiert. Ergebnis: Es klappt!

Der Schaum war zwar nicht so dicht und cremig wie der von Kuhmilch, aber auch nach sechs Minuten waren noch zwei Drittel und mehr von der Schicht vorhanden. Auch die beiden nicht als Barista beworbenen bildeten Schaum. Allerdings braucht es für guten Schaum mehr als Hafer.

Konventionelle Baristaprodukte enthalten oft Zusatzstoffe wie Kaliumphosphat. Bio-Produkte arbeiten mit Öl: Laut einem Bio-Hersteller sollen ein veränderter Sonnenblumenölanteil sowie längeres Fermentieren des Hafers dem Schaum dienen. Wer also Hafermilchschaum mag, greift zu Barista oder zu Produkten mit Öl auf der Zutatenliste.  

Hafermilch als Durstlöscher? 

Gut zu wissen: Hafermilch ersetzt prima Kuhmilch in Kaffee, Müsli und in vielen Koch- und Backrezepten. Als Durstlöscher ist sie trotz der Bezeichnung "Drink" in den Produktnamen nicht empfehlenswert.

Die Produkte sind zwar frei von Zuckerzusätzen, enthalten aber trotzdem oft um die fünf Prozent Zucker aus der Fermentation des Hafers.

Die Testsieger, die Testtabelle sowie das gesamte Ergebnis im Detail lesen Sie im ePaper.

Weiterlesen auf oekotest.de:


Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Im Test: 32-mal Hafermilch, drei davon mit Calciumzusatz. Das Bio-Angebot an Hafermilch ist deutlich größer, dementsprechend sind nur vier konventionelle Produkte dabei. Bezahlt haben wir für einen Liter zwischen 95 Cent und 2,65 Euro.

In spezialisierten Lebensmittellaboren ließen wir untersuchen, ob die Haferdrinks mit dem in der Umwelt weit verbreiteten Schwermetall Cadmium belastet sind. Außerdem standen Pestizide auf dem Prüfprogramm, die in der Getreideproduktion eingesetzt werden, darunter das umstrittene Glyphosat. Und wir ließen im Labor untersuchen, ob gesundheitlich problematische Rückstände aus Desinfektionsmitteln wie Chlorat und Perchlorat in den Hafermilchen stecken.

Die Verpackungsangaben haben wir uns daraufhin angesehen, ob wesentliche Informationen wie der Gehalt der Hauptzutat Hafer zu finden sind. Sensorikexperten verkosteten die Produkte und bewerteten Aussehen, Geruch, Konsistenz und Geschmack.

Bewertungslegende 

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) Zusatz von anderen Vitaminen als B12 (hier: Vitamin B2, Vitamin D); b) phosphathaltige Zusätze (hier: Tricalciumphosphat, Calciumphosphat, Kaliumphosphat).

Bewertung Testergebnis Sensorik: Unter dem Testergebnis Sensorik führt zur Abwertung um eine Note: Mangel im Geschmack, beschrieben als "leicht bitter".

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: eine fehlende quantitative Angabe (QUID) der wertgebenden Zutat Hafer oder der zusammengesetzten Zutat "Haferbasis", ohne die für den Verbraucher nicht eindeutig ersichtlich wird, wie viel Hafer das Enderzeugnis enthält. Zur Abwertung um eine Note führen: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in Deckeldichtung. Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen "nein", bedeutet das "unterhalb der Bestimmungsgrenze" der jeweiligen Testmethode.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Testergebnisse Sensorik und Weitere Mängel, die "gut" sind, verschlechtern das Gesamturteil nicht.  

Testmethoden 

Pestizide und Wirkverstärker: Glyphosat und Glufosinat mittels LC-MS/MS. Pestizid-Screening mittels LC-MS/MS und GC-MS nach §64 LFGB L 00.00-34: 2010-09, modifiziert.
Wachstumsregulatoren: LC-MS/MS.
Natrium: Aufschluss nach DIN EN 13805: 2014. Bestimmung von Natrium nach ASU L 00.00-144: 2019.
Salzäquivalente: Berechnet gemäß LMIV nach der Formel: Salz = Natrium x 2,5.
Calcium: Aufschluss nach DIN EN 13805: 2014. Bestimmung von Calcium nach ASU L 00.00-144: 2019.
Perchlorat / Chlorat: LC-MS/MS nach DIN EN ISO/IEC 17025: 2018 DAkkS D-PL-19579-02-00.
Mykotoxine: LC-MS/MS.
PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluorenszenzanalyse.
Sensorik: Beurteilung nach ASU L 00.90-16: 2006. Nach Einzelprüfungen werden die Einzelergebnisse in der Gruppe diskutiert und ein gemeinsames Gesamtergebnis erarbeitet.

Einkauf der Testprodukte: Juli 2021 

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